SEO-Qualifikation: wie sieht die Zukunft aus?

Johannes Beus
Johannes Beus
19. Februar 2012
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Obwohl es SEO als Thema bereits seit über zehn Jahren gibt und in den letzten Jahren auch einen Stammplatz im Marketingmix gefunden hat, unterscheidet sich die SEO-Branche doch stark von anderen Disziplinen wie SEM oder auch Display-Marketing. Recht niedrige Einstiegsbarrieren gekoppelt mit einer eher flachen Lernkurve sorgen auf der einen Seite dafür, dass es mehr Nachwuchs als in vergleichbar großen Disziplinen gibt. Ein sehr dynamisches Umfeld mit viel Spezialwissen und die nötige Erfahrung sind aber auf der anderen Seite der Grund dafür, dass die Anzahl wirklich guter Allround-SEOs überschaubar ist. Da trotz der quartalsweisen „SEO ist morgen tot“-Beiträge glaube ich mittlerweile Konsens besteht, dass es auch in den nächsten Jahren Suchmaschinen geben wird, ist die Deckung der Nachfrage nach guten SEOs ein wichtiges Thema für die Branche. Doch woher nehmen?

Vielfach hört man da die Stimmen, die den „klassischen“ Weg vorschlagen: das massenweise verfügbare SEO-Wissen im Internet lesen, eigene Projekte betreiben, lernen und diesen Prozess so lange erneut durchlaufen, bis das Ergebnis stimmt. Ich kann diesem Weg eine gewisse Sympathie nicht absprechen, da ich meine SEO-Kenntnisse genau so erworben habe. Das war spannend, ich habe viel Neues gelernt und auf diesem Weg eine Menge Spaß gehabt. Die Nachteile: es dauert, ist zeitlich also nicht mit einer Ausbildung zu vergleichen und auch nicht unbedingt für alle Typen von Lernwilligen geeignet.

Da liegt es nahe, dass in vielen Bereichen das Rad nicht von jedem angehenden SEO erneut erfunden werden muss, sondern bereits vorhandenes und etabliertes Wissen kompakt und zeitschonend vermittelt wird. In den letzten Jahren ist sowas eher innerhalb von größeren SEO-Agenturen, die damit ihren Nachwuchs ausbildeten passiert, mittlerweile gibt es aber auch firmenübergreifende Initiativen. Mario Fischer ist dort mit seinem Engagement an der FH Würzburg sicherlich ganz vorne zu vermerken, aber auch SEO-Veteran Gerald Steffens möchte mit der heute vorgestellten Akademie für Fortbildung in Suchmaschinenoptimierun (sogar der Name ist bereits suchmaschinenoptimiert) den Markt nach vorne bringen.

Ich stehe solchen Vorstößen positiv gegenüber, da ich glaube, dass sich die Branche gerade in Deutschland langsam professionalisieren muss. Während andere Branchen diesen Schritt bereits hinter sich haben, ist der externe Blick auf die „laienhaften SEO-Krauter“ nicht überall positiv. Alle Schritte, die für ein höheres Niveau in der täglichen SEO-Arbeit sorgen, sind also willkommen. Ich bin gespannt, wie das Angebot angenommen wird und wünsche Gerald viel Erfolg.

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Kommentare
Frank   
19. Februar 2012, 19:57

Ja, ist stimme dir vollständig zu. Inwieweit die neue Agentur ein Volltreffer wird, lässt sich natürlich nicht vorhersagen. Sollte sie aber an Förderungstöpfe der Arbeitsagentur kommen, wird das sicher lustig. So wie vor Jahrzehnten Masseure ausgebildet wurden, bis der Markt voll war, um 2000 herum dann ohne Ende Umschulungen zum Webdesigner finanziert wurden, so könnte dies dann zu einer unglaublichen SEO-Schwemme führen. Ich bin gespannt…

Johannes   
19. Februar 2012, 21:51

Naja, so eine ganz große Gefahr, dass SEO sich in die Reihe von „Cocktailbar, Enthaarungsstudio und Frozen-Joghurt-Laden“ einreihen muss, sehe ich akut nicht 😉 Sind die Anforderungen zum Glück etwas unterschiedlich.

Julian   
20. Februar 2012, 08:44

Grundsätzlich ist die Entwicklung sehr zu begrüßen. Was zählt ist am Ende aber das Ergebnis. Überall findet man nun Angebote zum SEO-Trainee werden.

Nur hat jede Agentur natürlich ihre eigenen Stärken und Anforderungen und am Ende kommt somit immer etwas anderes dabei heraus. Und nicht zuletzt liegt es natürlich an den Menschen selbst.
Sinnvoll ist es hier endlich einmal einen Konsens zu finden an dem sich ein paar mehr Agenturen beteiligen. Die Akademie von Gerald könnte auch sowas in der Art werden, wird man sehen wenn die ersten Absolventen die Tore verlassen.

Dennoch, ich glaube mehr als Grundkenntnisse lernen wird nicht dabei rumkommen. Und die sind ja bekanntlich nicht schwer. Aber wenn es an richtige Themen geht wirds dann schwieriger und es trennt sich die Spreu vom Weizen.
Hier hilft der klassische Weg aber auch nicht weiter, denn die Seiten die man hier bastelt sind in den wenigsten Fällen von hoher Komplexität und die Links die man selbst aufbaut meist auch nur aus begrenzten Quellen. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Olaf   
20. Februar 2012, 17:49

Hallo Johannes, sehe ich ähnlich. Ich denke aber denke, dass dies nicht ein SEO sonder Online Marketing weites Problem ist und unsere Politiker und Bildungs- Verantwortlichen es langsam begreifen müssten und Ausbildungen bzw. mehr Studiengänge in diesem Bereich anbieten müssten. Ich habe 2006 mein BWL Diplom gemacht und mein Marketing Prof. von damals hat das Wort Online- oder Internet Marketing nicht mal in den Mund genommen.

Matthias   
21. Februar 2012, 09:04

Ich denke es ist notwendig, dass kompaktes Wissen an „SEO-Neulinge“ übertragen wird. Aktuell ist es nur möglich Wissen von Konferenzen und Blogs abzugreifen und dies anzuwenden und zu testen. Für manche Ausbildungen und/oder Weiterbildungen ist tw. OM im allgemeinen schon eher ein Fremdwort. Wenn man an dieser Stelle nach SEO frägt, ist Antwort noch sehr viel mehr ernüchternd, deshalb muss ich Olaf an dieser Stelle zustimmen. Deshalb finde ich die Initiative gut, jedoch muss auch die Qualität und das Verständnis der TN stimmen.

Nathanael   
21. Februar 2012, 09:15

Ich als Laie habe gemerkt, dass sehr viel Blödsinn und Halbwahrheiten im Netz kursieren. Nun gut, wahrscheinlich kann ich das auf viele andere Branchen auch beziehen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ich bei einer genauen Recherche auch in der SEO Branche die Perlen finde! 🙂

Ozan   
23. Februar 2012, 08:51

Als Laie hat man es meist schwer, die richtigen Tricks und Kniffe schnell herauszufinden. Gute Tools helfen einem da schon sehr weiter. Doch wie soll man wissen, welche Tools wirklich gut sind. Sistrix ist wohl ganz gut und ich bin froh, dass es weiter entwickelt wird.

conny   
24. Februar 2012, 10:17

Ich finde den Ansatz mit der Akademie sehr interessant. Gerade weil es Anfänger besonders schwer haben, sich in dieses Thema einzuarbeiten. Warum also nicht eine Akademie?

eugen   
24. Februar 2012, 12:26

Nun, ihr macht Anfängern nicht gerade Mut! Ich habe ein Projekt am laufen und einige andere sind in Planung, noch bin ich Student (Wirtschaftsing) und kann mir dies auch leisten, vom Faktor Zeit UND Geld. Es ist mein absolutes Hobby keine Fragen, doch was ist, wenn ich fertig bin?
SEO ist ein Fulltimejob, so kommt es mir zumindest vor. Ich stehe morgens auf, setze mich an den Rechner und bin im Bann. Blogs schreiben hier, Informationen sammeln da, Linkaufbau betreiben, Gastkommentare schreiben und natürlich die Konkurrenz analysieren. Ich habe keine freie Minute, was ich aber eher als angenehm empfinde. Doch wie gesagt, bin ich noch ein „noob“.

Im Studium ist dies kein Problem, obwohl die Noten seitdem leiden, doch während der Arbeitszeit ist es fast unmöglich. Wenn man 8-10 Stunden Vollzeit arbeitet, dreht sich das Blatt aber stark. Sich nach der Arbeit , als Leihe, hinzusetzen und Seo zu lernen, ist fast unmöglich.

Nun, ich dachte mein Weg ist der Richtige. Doch lese ich von euch nun kontroverses. Oben steht von Johannes
„so hab ich’s auch gemacht“
und in den Kommentaren dann Olav :
„Hier hilft der klassische Weg aber auch nicht weiter, denn die Seiten die man hier bastelt sind in den wenigsten Fällen von hoher Komplexität und die Links die man selbst aufbaut meist auch nur aus begrenzten Quellen,Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel“.
Nun, laufe ich denn falsch, wenn ich eigene Projekte betreue, oder kann ich nur bei einer Agentur Profi/Vollblut-Seo werden?

Gruß Eugen

Jürgen   
27. Februar 2012, 09:27

Hallo Eugen,
ich muss Dir da wiedersprechen.
Ich bin seit 1994 als mittlerweile leitender Angestellter im Öffentlichen Dienst tätig und bin trotzdem seit 2004 nebenher als SEO selbständig aktiv. Das klappt alles wunderbar, wenn man bereit ist, einzelne Aufgaben outusourcen. Als Nebenerwerbs-SEO kann man nicht alles selber machen. Ich kümmere mich nur noch um die Planung und habe mittlerweile für Linkbuilding, Programmierung, Design … entsprechende Personen beschäftigt. Es ist alles eine Frage der Organisation.
Ich betreibe allerdings mittlerweile nur noch eigene Projekte und betreue keine Kunden mehr. Kundenwünsche nebenbei noch zu erledigen war für mich dann doch nicht mehr machbar, da ja neben dem Hauptjob auch noch meine Familie entsprechende Zeiten beansprucht.
Gruß
Jürgen

cornelia   
3. März 2012, 17:20

Danke für den interessanten Artikel und die kontroverse Auseinandersetzung mit dem Thema – der ich meinen Senf auch mal hinzufügen möchte 😉

Ich denke, eine solche Akademie oder ein zertifizierter Studiengang haben zumindest den Vorteil, dass die Grundlagen strukturiert gelehrt werden. Klar, was die Teilnehmer am Ende daraus machen, und ob sie sich weiterhin auf dem Laufenden halten (ohne das geht es ja bei den stetigen Updates von z.B. Google nicht), bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Die Beispiel oben erinnern mich auch an die Webdesigner-Schwemme (zumindest in Berlin) vor einigen Jahren. Nach einer 4-6 wöchigen Trainingsmaßnahme wurden mehr oder weniger motivierte Teilnehmer in den Markt entlassen, die sich dann Webdesigner nannten. Dass eine so kurze Maßnahme für den tieferen Einstieg in Konzeption, Usability, Typo oder auch schon valides HTML&CSS so nicht reichen kann, ist natürlich klar.

Einerseits finde ich eine mögliche Förderung durch das AA für die SEO-Ausbildung natürlich super, andererseits hoffe ich auch, dass das SEO-Fernstudium nicht zu einer reinen Maßnahme verkommt, deren Zertifikat am Ende auch wieder nichts aussagt.

Aus Sicht potenzieller SEO-Kunden haben SEO-Zertifikate natürlich den Vorteil, dass sie von mindestens Grundlagen-Wissen bei den SEOs ausgehen können.
Für SEOs wiederum bietet ein Lehr- bzw. Studiengang – neben dem immer wünschenswerten Austausch mit anderen SEOs und Feedback von Referenten etc. – natürlich den Vorteil, dass sie durch so ein Siegel/Zertifikat auch wieder Vertrauen bei potenziellen Kunden wecken können…
Okay, im hochpreisigen Sektor gibt es natürlich die BVDW-Siegel. Doch bis dorthin ist es ja gerade für Einsteiger-SEOs ein ziemlich weiter Weg.

Tudor Davies   
20. März 2012, 18:20

People don’t „reinvent the wheel“ but with new SEO’s there’s certainly a belief that they are doing that. You have to try everything firsthand to figure out what works though.

auto insurance quotes   
6. April 2012, 06:59

Also Pressefreiheit ja, aber alles hat ja Grenzen! Hunde einschläfern, nur weil sie ne bestimmte Rasse sind? Und was ist mit dem lieben Rotti, der so brav sein Frauli jeden Tag begleitet! Die alte Dame, die ihn schon über 10 Jahre hat und über alles liebt? Weg nehmen? Den Familienmitglied töten? Weil er ein Kampfhund ist?!? Das ist doch ne Frechheit. Ich hab nen Hund- 5 kilo Hund – vor dem´haben manche Menschen auch schon Angst wegen dieser Hetze die zur Zeit in Medien so modern ist! Ein 5kg Hund muss ich zur Seite ziehen und mich davor stellen, damit ein Kind, das panische Angst hat, vorbeigehen kann ohne in die Hose zu machen! Gratuliere, sowas haben die Eltern, die den Medien so alles glauben, erreicht. Sie erziehen neuen Generation Hundehasser und alles nur dank Medien. Wie wird es in 100 Jahren ausschauen? Alle Tiere tot, nur weil sie im Weg stehen, gefährlich oder nutzlos sind?Und das schlimmste sind sogenannten Journalisten die über ein Thema schreiben, wo sie NULL Ahnung haben. Zuerst informieren, recherchieren und dann Mund auf! Im Fall von Frau CH.T. am Besten einfach nur Mund zu und ab nach Hause!

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