Themenseiten: eine kurze Analyse

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
4. September 2013 11 Kommentare
Wären schnelllebige Internet-Inhalte und der organische Google-Index beide bei Facebook, so würde ihr Beziehungsstatus wohl auf „es ist kompliziert“ stehen. Eine Internetsuche wie Google wird erst richtig gut, wenn die Inhalte so lange interessant sind, dass sie Links, soziale Signale und Nutzerverhalten anziehen. Bei Nachrichtenmeldungen ist das naturgemäß schwierig. Google versucht dem entgegenzuwirken, in dem die Indexierung neuer Inhalte seit dem Infrastrukturupdate „Caffeine“ deutlich schneller und flexibler ist sowie bislang unbekannte URLs viel Vertrauen der Hauptdomain zum Start erben. Aber auch Nachrichtenseiten wollen an der Beziehung arbeiten. Das Mittel der Wahl heißt hierfür häufig „Themenseite“.

themenseiten

Die Überlegung dahinter: zwar veralten einzelne Meldungen recht schnell, es gibt aber nur eine begrenzte Anzahl von Themen, Personen, Orten und Firmen über die regelmäßig berichtet wird. Wird zu diesen Keywords nun eine zentrale Seite erstellt, die alle Informationen bündelt, so hat Google ausreichend Zeit, seine Liebe für diese Seite zu erkennen und rankt sie weit vorne. Um zu schauen, wie gut das funktioniert und welche Unterschiede es dabei gibt, habe ich die größten Nachrichtenseiten in Deutschland kurz nach solchen Themenseiten überprüft. Hier die erste Auswertung:

Gut zu sehen, dass Themenseiten kein Geheimtipp mehr sind: fast alle großen Portale setzen auf diese Strategie. Allerdings mit deutlich unterschiedlichem Erfolg. Tragen die Themenseite bei der Süddeutschen zu 43% des Sichtbarkeitsindex der ganzen Domain bei, sind es bei der FAZ nur rund 3 Prozent. Mit 145 Sichtbarkeitspunkten hat Spiegel Online in seinem Themenverzeichnis so viel Sichtbarkeit versammelt, dass dieses Verzeichnis alleine noch in den Top-50 der deutschen Domains vertreten wäre. Um zu sehen, wie gut sich diese Themen-Bereiche im Vergleich zur gesamten Domain schlagen, habe ich diese Tabelle erstellt:

Hier wird sowohl das durchschnitte Ranking als auch der Prozentsatz der Keywords in den Top-10 bei Google zwischen der gesamten Domain auf der einen Seite und dem Themen-Bereich auf der anderen Seite verglichen. Es zeigt sich eine Zweiteilung der untersuchten Domains. Bei mehr als Zweidrittel der Domains sprechen die Kennzahlen dafür, dass das Themenverzeichnis bei Google besser funktioniert als der Durchschnitt der Seite. So kommt Spiegel Online über die ganze Seite nur bei rund 15 Prozent aller Keywords in den Top-10 – im Themenverzeichnis sind es aber mehr als 30%. Auch bei Bild.de ist eine deutliche Steigerung des Themen-Verzeichnisses im Vergleich zur Gesamtseite auszumachen. Bei Focus Online, Heise und der FAZ sieht es derzeit anders aus: dort schneiden die Themen-Verzeichnisse schlechter ab als die gesamte Seite. Mit meiner Vergangenheit als SEO-Berater komme ich nicht umhin, hier Optimierungspotential zu wittern.

Zum Abschluss noch kurz etwas zu den Risiken von Themenseiten, auch diese sollten hier nicht verschwiegen werden. Google stellt seit Jahren klar, dass „SERPs-in-SERPs“, also Suchergebnis-Seiten im Googleindex nicht gewünscht sind. Da Themenseiten intern häufig so aufgebaut sind, dass sie im Kern eine interne Suche über die eigenen Artikel zu einem Stichwort sind, besteht die Gefahr bei Google in Missgunst zu fallen. Damit dies nicht geschieht, sollte in die Erstellung und Ausgestaltung dieser Seiten ruhig der ein oder andere Manntag mehr investiert werden, als unbedingt nötig. Auch dann werden es noch die Seiten der Domain sein, die mit dem wenigsten Aufwand die meisten Besucher bringen.

4. September 2013, 11:03

Zur Sichtbarkeit:

Die Themenseiten ranken aber leider oft nur im nicht trafficrelevanten Bereich (ab Seite 2) und oft auch auf irrelevante Brand Keys bei denen die User selbst auf der ersten Seite nicht klicken, es sei denn die Brand ist gerade in den Nachrichten (Thema Suchintention bei Brandsearches). Daher ist das „ganz“ nett um die Sichtbarkeit zu steigern, am Ende des Tages ist der Traffic vermutlich bei allen überschaubar.

Ich würde hier bei der Analyse mal das SERP Spreading pro Themen-Verzeichnis anschauen und SERP Spreading pro Brand-KW-Cluster.

Zum User Benefit:

Themenseiten die eher als Dossier gestaltet sind (z.B. mit Nachrichten, Videos, Apps zum Thema, verwandten Themenseiten) und vor allem händisch moderiert und nachoptimiert werden sind aber sicherlich ein Mehrwert für User UND für Google da so die datumbasierten Listingseiten aufgebrochen werden und Google ältere aber immernoch relevante Artikel zu einem aktuellen Thema findet.

Zum SEO Benefit:

Neue Artikel sind nicht nur hierarchisch von der Startseite verlinkt sondern auch von thematisch passenden Hubseiten. Dazu kannst du über „verwandte Themen“ schöne Cluster bilden innerhalb derer verwandte Themen und verwandte Artikel hin und her verlinken.

Fazit:

Ich mag Themenseiten!

4. September 2013, 11:10

Frank, die zweite Tabelle zeigt ja gerade dass es bei denen, die Themenseiten gut umsetzen, gerade nicht so ist, dass diese auf der zweiten Seite ranken. Bei spiegel.de haben die Themenseite eine doppelt so hohe Chance auf der ersten Seite zu sein im Vergleich zum ganzen Rest der Seite. Bei Bild.de sind ähnliche Zahlen zu sehen. Gut gemachte Themenseiten ranken häufiger in den Top-10 als der Durchschnitt der Seite.

4. September 2013, 12:01

„Gut gemachte Themenseiten ranken häufiger in den Top-10 als der Durchschnitt der Seite.“

Stimme ich dir grundsätzlich zu – wenn wir Apps, Rechner etc. außen vor lassen – mein Erklärungsansatz:

Bei Nachrichtenseiten kann das aber daran liegen dass Artikel zuerst in der News Box landen und dann auf Grund der schwächeren internen Verlinkung und geringeren Aktualität auf Seite 2 bis x einsortiert werden. Macht ja eigentlich auch Sinn – die Themenseite als Sammelbecken für ältere Artikel zu Thema x ist hilfreicher als ein paar wirr rankende Artikel in den Top 10. Und die interne Verlinkung der Themenseiten ist stets besser als die einzelner Artikel (letztere verschwinden im Archiv)

Daher würde ich deine Aussage auch so unterschreiben, etwas schwer tu ich mir aber dennoch bei der Bewertung der Themenseiten (-strategie ) mit Hilfe der Sichtbarkeit des kompletten Verzeichnisses über alle Suchergebnisseiten.

Meine Aussage „Die Themenseiten ranken aber leider oft nur im nicht trafficrelevanten Bereich (ab Seite 2) und oft auch auf irrelevante Brand Keys bei denen die User selbst auf der ersten Seite nicht klicken,“ war daher etwas zu unpräzise – args! Mein Kommentar war daher nicht als Kritik an den Daten oder Studie gemeint, sondern eher als Anregung für News-SEO-Fans sich mal das SERP Spreading der Themenseiten für Non-Brand-Key absolut (Zahl der Keys) und gewichtet (Sichtbarkeit) anzuschauen.

Was ich aber anregen wollte (und nun hier anstatt in unseren Blog schreibe 🙂 ):

Mein Problem bei Brand Keys: du bekommst nur dann Traffic in den Top 10 via Themenseite wenn das Thema in den Nachrichten ist. Ist das Thema nicht in den Nachrichten, dann klicken die Leute eher bei Brand Searches auf das Brand Suchergebnis und du bekommst trotz großer Sichtbarkeit / guten Rankings keinen Traffic.

Um jetzt aber die Themenseitenstrategie hinsichtlich des Traffics zu analyiseren würde ich somit nur die Non-Brand-Sichtbarkeit und Non-Brand-Rankings nach Suchergebnisseite anschauen. Daraus ergeben sich dann Optimierungspotenziale hinsichtlich:

– Titel der Themenseite
– Teasertext der Themenseite
– interne Verlinkung von anderen Themenseiten
– interne Verlinkung von Ressorts oder Startseite

Und die zu realisierenden Potenziale sind hier „Traffic über gute Themenseitenrankings“ – laut meiner Hypothese ist der Traffic von Top 10 Rankings bei Non-Brand Keywords planbarer als bei Brand-Keywords.

4. September 2013, 12:03

Bitte entschuldige die quasi inflationären Gebrauch von Indefinitpronomen! Keiner mag das – auch wenn das alle machen.

4. September 2013, 12:45

Ja Themenseiten haben sich gut durchgesetzt. Die Umsetzung ist mal besser, mal weniger gut. Da die ganzen Zeitungen eh alle eine starke Domain haben, reicht oftmals schon die interne Verlinkung und ein bisschen Text aus um gute Rankings zu erzielen. Themenseiten sind sicherlich in einigen / vielen Fällen sogar ganz sinnvoll für den Nutzer, gerade wenn man einmal aktuelle Inhalte zu einem Thema oder den Verlauf einer Story nachvollziehen möchte.

Ich finde Themenseiten gut 🙂 Auch wenn da im gestalterischen durchaus noch Luft nach oben ist: http://www.spiegel.de/thema/angela_merkel/

Thematisch-verwandte Themen liefert Google da jetzt ja auch über den Knowledge-Graph; muss man diesen einfach nur Crawlen zu den Suchbegriffen, die man selber besetzt (z.b. Personen), ein internes Matching der Ergebnisse machen und schon hat man eine thematisch passende Verlinkung für die eigenen Inhalte.

Schließe mich also Frank’s Fazit an:

Ich mag Themenseiten (auch)!

4. September 2013, 14:26

@Marcel: bei Frau Merkel ist themen(seiten)technisch Spielraum nach oben 🙂 Was hinsichtlich Usability und Clustering schon relativ krass ist (auch wenns ein trauriges Thema ist) http://www.bostonglobe.com/metro/specials/boston-marathon-explosions

Bei der Strukturierung hat sich die BBC http://www.bbc.co.uk/bigcat/animals/leopards/leopards.shtml / http://www.bbc.co.uk/bigcat/animals/lions/ viel Mühe gegeben, da sind halt die Seiten nicht mehr aktuell und auch schon viel zu granular. Wer aber eine Themenwelt plant kann sich bei BBC und Boston Globe mal umschauen.

In diesem Kontext auch spannende Diskussion: Zukunft von News-URLs und Themenseiten.

Was ist die Rolle der Themenseiten wenn News-Inhalte hinter der Paywall verschwinden bzw. die „kostenlosen“ Inhalte zu kurz / zu schlecht sind? Themenseiten wären dann i.e.S. Landingpages (erhöhte Anforderungen für Usability / Conversion Optimierung) oder vielleicht der einzige Anlaufpunkt für kostenlose / frei zugängliche Informationen… Aber das geht jetzt schon sehr weit 🙂

4. September 2013, 14:26

danke für die analyse.
okay, ich gebe es zu.
auch ich mag themenseiten.
mein „feature-liebling“ ist hier die ny-times:
http://topics.nytimes.com/top/reference/timestopics/people/o/barack_obama/index.html
schönes verhältnis automatisch/manuell.
den risikofaktor würde ich genauso unterschreiben.

5. September 2013, 12:26

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Themenseiten in Sachen Traffic leider komplett überschätzt sind. Sie bringen viel Sichtbarkeit und dienen der internen Verlinkung, werden aber entweder von der OneBox verdrängt oder eben generell wenig geklickt. Meiner Erfahrung nach bringt 1SI Punkt bei Themenseiten max 500 Visits. Rein aus SEO-Perspektive lohnt damit ein umfangreiches Themenseitenkonzept mit redaktionellem Aufwand kaum. Themenseiten müssen sich in das redaktionelle Portfolio einfinden und die Nutzer aktivieren, sich auf diesen Seiten aufzuhalten und sie eben als Hub zu begreifen. Das schaffen aber leider die Wenigsten.

19. September 2013, 12:32

wie sollen da noch kleine bis mittlere Webseiten mithalten, wenn die großen bald alle Themen besetzen und das schon aus sich heraus. Vor allem wenn Sie nur ein Thema besetzen, die haben ja nicht so die stärke von Zeitungen, frage ich mich gerade. Gibt es dazu Überlegungen?

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