Vertrauen gegen Nutzererfahrung: der Domainumzug von AppAnnie.com auf Data.ai

App Annie, eine Firma die Daten und Analysen rund um Handy-Apps anbietet, hat sich in Data.ai umbenannt um sich auf „Unified Data AI“ zu fokussieren. Zum Glück bietet die Umbenennung mehr als solche Corporate-Bullshit-Floskeln:

Der Domain-Umzug von AppAnnie.com auf Data.ai zeigt aus der SEO-Sicht einen interessanten Verlauf – zuerst steigt der Sichtbarkeitsindex der neuen Domain deutlich über das Niveau der alten Domain um dann wieder abzufallen. Was ist passiert?

Eine der mächtigen Kräfte für das Google Ranking ist Vertrauen. Wie sicher kann sich Google sein, dass Inhalte von einer bestimmten Domain eine hohe Qualität aufweisen, korrekt sind und es auch bleiben?

Vertrauen misst Google (auch) mit Links: wie viele und ganz besonders welche Links zeigen auf eine Domain? AppAnnie.com hat durch seht gute Pressearbeit in den Jahren Links von 26.568 Domains wie Wikipedia.org, Amazon.com und fast allen Medien einsammeln können. 

Diese Links hat AppAnnie alle korrekt per 301-Weiterleitung auf die neue Domain weitergeleitet. Die neue Domain data.ai ist also mit einem gigantischen Vertrauens-Rückenwind an den Start gegangen.

Dieses Vertrauen hat der Google-Algorithmus schnell in Rankings umgewandelt. Alleine in Deutschland hat die Domain am 28.03.2022 für 33.287 Keywords gerankt. Dabei sehr viele trafficstarke Markenbegriffe, die ebenfalls eine App bereitstellen.

In einem App-Verzeichnis bietet Data.ai automatisch erzeugte Informationen zu offenbar jeder verfügbaren App an. Alleine im deutschsprachigen Verzeichnis ranken mittlerweile 114.594 unterschiedliche URLs.

Und genau in diesem Verzeichnis verliert die Domain jetzt auch wieder Sichtbarkeit: die durch das Vertrauen der starken Links erzielten Rankings halten dem Lackmustest der Besucher nicht dauerhaft Stand.

Wer nach einer bekannten Marke sucht, möchte zu dieser Marke, vielleicht noch auf den Wikipedia-Artikel aber nur sehr, sehr selten auf eine inhaltlich eher dünne, automatisch erstellte Seite zur App der Marke.

So sieht man bei vielen Keywords, dass Google erstmal verschiedene URLs aus dem Verzeichnis durchprobiert, bevor die Suchmaschine merkt, dass alle Inhalte die Nutzererfahrung nicht erfüllen.

In Folge geht es dann entweder ein gutes Stück nach hinten in den SERPs oder ganz aus den organischen Top-100 raus. Ein anschauliches Beispiel dafür, dass gegen die Nutzererfahrung heute niemand mehr dauerhaft gewinnen kann.

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