Wieso Domain Authority (Moz), Authority Score (Semrush) und Domain Rating (Ahrefs) zu falschen Entscheidungen führen können

Die richtigen Kennzahlen helfen dabei, SEO-Erfolg zuverlässig zu bewerten. In diesem Blogpost geht es darum, wieso Domain Authority, Authority Score sowie Domain Rating in die Irre leiten können und falsche Entscheidungen begünstigen.

Der Wunsch nach Messbarkeit ist so alt wie er hilfreich ist. Schon der Ökonom Peter F. Drucker hat gesagt: “Was man nicht messen kann, kann man nicht lenken”. Da Google selbst keine Messbarkeit herstellt, ist es naheliegend, dass Softwareanbieter mit eigenen Angeboten versuchen, dieses Vakuum zu füllen.

Auch, wenn bei solchen Metriken am Ende immer irgendeine Zahl rauskommt, unterscheiden sich die Berechnungsmethoden und besonders die zugrundeliegende Datenbasis doch erheblich. Lass uns direkt einsteigen:

Was sind Domain Authority, Authority Score und Domain Rating?

Schaut man sich die öffentlichen Hilfeseiten der Anbieter an, liest sich die Erklärung der Metriken auf den ersten Blick wie genau das, was man sucht. So schreibt Moz beispielsweise:

Domain Authority (DA) is a search engine ranking score developed by Moz that predicts how likely a website is to rank in search engine result pages (SERPs). 

Bei Semrush hört sich die (etwas hölzerne) Erklärung des ähnlich klingenden Authority Score sogar noch umfassender und nützlicher an:

Er wird genutzt, um die Gesamtqualität und SEO-Performance einer Domain oder Internetseite zu messen.

Wer “Gesamtqualität” einer Webseite messen kann, greift zumindest rhetorisch nach den Sternen. Nur Ahrefs hat bei der Beschreibung weniger tief in die Marketing-Trickkiste gegriffen und bleibt näher an einer nachvollziehbaren Berechnung:

Domain Rating (DR) shows the strength of a website’s backlink profile compared to the others in our database on a 100-point scale. It’s essentially a less granular version of Ahrefs Rank (AR).

Im Kern versprechen alle drei Anbieter eine Kennzahl, um eine Domain unter SEO-Gesichtspunkten zu bewerten und zu vergleichen. Hört sich soweit gut und nützlich an. Schauen wir uns im nächsten Schritt an, wie diese Kennzahlen berechnet werden.

Wie werden diese Kennzahlen berechnet?

Auf den bereits verlinkten Hilfeseiten wird bei den drei Anbietern auch mehr dazu verraten, wie diese Kennzahlen eigentlich berechnet werden.

Bei Moz passiert das auf Basis des eigenen Link-Index (“Domain Authority is based on data from our Link Explorer web index”), bei Semrush ebenfalls (“Der zweite Algorithmus nutzt Backlink-Daten”) und, wenig überraschend, basiert die Berechnung auch bei Ahrefs auf Links.

Vor dem Hintergrund, dass Moz seinen Wert damals als Alternative zum Google PageRank positioniert hat, nachvollziehbar und konsequent. Die beiden anderen Anbieter haben dieses Vorgehen dann kopiert adaptiert.

Halten wir fest: sowohl Domain Authority als auch Authority Score und Domain Rating sind proprietäre Kennzahlen von drei Anbietern, die alle auf Basis der jeweils vom Anbieter selber gecrawlten Link-Indizes berechnet werden.

Wie macht es eigentlich Google?

Um diese Kennzahlen zu bewerten, müssen wir einen Schritt zurück gehen und zuerst verstehen, wie Google das Internet crawlt. Im folgenden Diagramm siehst du schematisch, wie das aussieht:

Der äußere Kreis zeigt das gesamte Internet: alle theoretisch aufrufbaren URLs. Das Dark Web. Inhalte, die hinter Zugangskontrollen liegen. Content, der erst durch das Absenden von Formularen erschlossen werden muss. Inhalte, die nur aus bestimmten Regionen abgerufen werden können und vieles mehr.

Google erfasst aber nur einen Teil dieses gesamten Internets (der mittlere Kreis): weil der Googlebot keinen Zugriff auf die Inhalte hat. Weil er sie nicht kennt. Weil sie schlicht nicht relevant genug sind, als dass Ressourcen dafür aufgewendet werden oder zahlreiche andere Gründe.

Von diesen gecrawlten Inhalten nutzt Google erneut nur einen Teil (innerer Kreis) für seinen Link-Index. Google ist sehr gut darin, unnatürliche Links nicht zu werten. Auch werden Disallow-Files ausgewertet, die zahlreichen Version von Nofollow-Attributen beachtet und mehr.

Wir nehmen mit: wir wissen nicht, wie groß das Internet ist. Auch wissen wir nicht, welcher Teil davon von Google erfasst wird. Noch weniger wissen wir, welche der erfassten Links von Google für das Ranking genutzt werden.

Wie passen Domain Authority, Authority Score und Domain Rating da rein?

Um zu verstehen, wie die drei Werte von Moz, Semrush und Ahrefs in dieses Konzept passen, nehmen wir das Diagramm von eben und zeichnen die eigenen Linkindizes dieser drei Anbieter ebenfalls ein:

Die konzeptionellen Probleme, die sich durch dieses Vorgehen ergeben, zeigen sich in dem Diagramm recht offensichtlich:

  • Größe des Linkindex: Google (und Bing, Yandex) crawlen mehr URLs als individuelle Anbieter von SEO-Software. Die Größe des Linkindex von SEO-Software erreicht also nicht die Vollständigkeit, auf der Google seine Rankings berechnet.
  • Unterschiedliche Abdeckung: Google veröffentlicht nicht, welche URLs gecrawlt werden. Die Crawler der Anbieter werden also zwangsläufig einen anderen Teil des Internets als Datengrundlage nutzen als Google.
  • Abweichende Bewertung: Noch weniger ist bekannt, welche Links Google wertet und welche nicht. Die Linkindizes haben dieses Wissen folglich nicht und weichen daher vom Google-Linkindex ab.
  • Keine Vergleichbarkeit: Auch innerhalb der Linkindizes von Drittanbietern kann nicht darauf vertraut werden, dass sie unterschiedliche Domains mit einem konstanten Maß an Fehlern abbilden. Je nach Umfeld der Domains fallen Abweichungen von Google unterschiedlich groß aus.

Zusammenfassend ist das übergreifende Problem von Kennzahlen, die auf Linkindizes von Dritten berechnet werden, dass es keinen direkten Bezug zum Google-Ökosystem gibt. Es ist unbekannt, wie groß die Abweichung von Google ist und man nicht einmal darauf vertrauen kann, dass diese Abweichung für alle Domains konstant groß ist.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Soviel zur Theorie. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Eine anschauliche Domain dafür ist mister-wong.de. Vor mehr als 10 Jahren als Social Bookmarking-Seite gestartet, konnte die Domain durch die Integration des Bookmarking-Widgets auf vielen Domains eine hohe Anzahl hochwertiger Links gewinnen.

Auf dieser Grundlage konnte Mister-Wong.de in den Anfangszeiten traumhafte Sichtbarkeitswerte bei Google erreichen. Eine Sichtbarkeit von über 1.000 haben heute Domains wie Wikipedia.org oder Amazon.de:

Doch bei Mister-Wong.de war die Freunde nur von kurzer Dauer. Trotz der vielen, hochwertigen Links war die Domain schnell bei Google “verbrannt” und als Spam eingestuft. Alle nachfolgenden Konzepte auf dieser Domain haben nie zu Erfolg in den Google-SERPs geführt.

Prüfen wir mit diesem Vorwissen nun, wie diese Domain in den Kennzahlen der drei SEO-Tools abschneidet. Bei Ahrefs erreicht die Domain ein Domain Rating von 79 von 100 Punkten. Das ist in etwa vergleichbar mit der Domain bonn.de (78/100).

Bei Semrush landet die Domain mister-wong.de bei einem Authority Score von 64 von 100. Auch hier ist der Wert in etwa mit der Domain bonn.de (65/100) vergleichbar:

Zu guter Letzt, der Vollständigkeit halber, noch die Bewertung aus Moz. Hier landet die Domain bei einer Domain Authority von 57 von 100. Auch dieser Wert entspricht in etwa dem Wert von bonn.de (62/100):

Vertraut man also den Kennzahlen von Moz, Semrush oder Ahrefs, hat die Domain mister-wong.de eine ähnliche Relevanz bei Google wie die Domain bonn.de. Jeder, der sich auch nur kurz mit dem Thema SEO beschäftigt hat, wird zustimmen müssen, dass diese Bewertung grober Humbug ist.

Ein Link von der Domain mister-wong.de wird keinen positiven Effekt haben, der an einen Link von der Domain bonn.de heranreicht – im Gegenteil: mit etwas Pech kann Google solche Links sogar negativ werten.

Fazit

Messbarkeit ist in der Suchmaschinenoptimierung elementar wichtig. SEO nach belastbaren Daten, nicht nach Bauchgefühl ist der richtige Pfad zu langfristigem Erfolg in den Google Suchergebnissen. Metriken wie Domain Authority (Moz), Authority Score (Semrush) und Domain Rating (Ahrefs), die keinen Bezug zu Google haben, können jedoch zu falscher Sicherheit und damit auch falschen Entscheidungen führen.

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Kommentare
Dominik Bödger   
31. Januar 2022, 20:53

Der Faktor Mensch, um aus den richtigen Daten die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, bleibt eben wichtig :). Dennoch sind solche Messwerte hilfreich, wenn es vergleichbare Themenportale usw. gibt. Nur an einer Kennzahl sollte man es nie fest machen. Auch der SI sagt letztlich ja nicht aus, was wirtschaftlich aus der Sichtbarkeit gemacht wird.

Johannes Beus   
4. Februar 2022, 09:23

Dominik, das ist richtig. Der Sichtbarkeitsindex macht „nur“ das, was er auch verspricht: er misst Sichtbarkeit in den Google Suchergebnissen. Ob diese Sichtbarkeit später zu mehr Besuchern, mehr Konversion, mehr Umsatz und sogar mehr Gewinn führt liegt außerhalb der Messung und ist auch gar nicht unser Anspruch.

Steve Teffner   
1. Februar 2022, 09:49

Mich wundert, dass sich noch niemand entrüstet hat.

Zum Thema: Ja. Schön zusammengefasst. Für die generelle Sichtbarkeit einer Domain. Danke.

Torsten Montag   
2. Februar 2022, 10:58

Wo oder wie steht Sistrix mit seinem Link Modul in diesem Vergleich da?

Johannes Beus   
4. Februar 2022, 09:24

Torsten, wir errechnen gar keine Link-Metriken auf unserem eigenen Index weil das wie im Beitrag erklärt zu Problemen führt. Unser Ansatz ist es, Links mit dem Sichbarkeitsindex des jeweils verlinkenden Hosts zu bewerten.

Maximilian Waizmann   
7. Februar 2022, 12:22

hmmm…

warum ist noch keiner der Tool-Anbieter auf die Idee gekommen, diese Metrik mit dem Faktor Google-Sichtbarkeit bzw. organische Besucher zu verknüpfen?

Ich geb dir absolut Recht – das reine Linkprofil als Kennzahl ist aus den genannten Gründen oft irreführend. Wenn eine Seite jedoch ein starkes Linkprofil hat und gleichzeitig viele Besucher, dann könnte man daraus eine relevante Kennzahl generieren – oder zumindest die google-Sichtbarkeit als „Beweis“ heranziehen, dass der Seite von google vertraut wird und damit der Trustfaktor „echt“ ist

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