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Risiko Domainumzug und Rankings bei Google

Eigentlich sollte der Umzug einer Domain auf eine neue Domain relativ schadlos für die Google-Rankings verlaufen, wenn man sich konsequent an die Anweisungen hält. In der Praxis gibt es aber Beispiele, die einen vermuten lassen, dass Domainumzüge ein bedeutsames SEO-Risiko beinhalten.

theguardian.com verliert 50 Prozent Sichtbarkeit

Am 30. Juli 2013 ist die Website der britischen Tageszeitung The Guardian von der Domain guardian.co.uk auf die Domain theguardian.com umgezogen. Infolgedessen fiel der Sichtbarkeitsindex von etwa 550 Punkte (guardian.co.uk) auf ein Niveau von rund 280 Punkte (theguardian.com) bei Google-UK. Ein Verlust von fast 50 Prozent.

Erst nach drei Monaten stieg die Sichtbarkeit wieder auf das alte Niveau.

home24.de verliert dauerhaft

Wie die nächste Grafik zeigt, ging ebenfalls bei dem Umzug von moebel-profi.de auf home24.de viel Sichtbarkeit verloren. Auch bei diesem Beispiel fiel die Sichtbarkeit um fast.50 Prozent von 21,3 Punkte (moebel-profi.de; 30.01.2012) auf 11,1 Punkte (home24.de; 06.02.2012).

Bei dem Möbelshop der Samwer-Brüder aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet kann man ausreichend SEO-Know-how unterstellen, um gravierende SEO-Fehler beim Domainumzug auszuschließen. Im Gegensatz zu theguardian.com kann man bei diesem Beispiel keine Rückkehr auf das alte Niveau nach drei Monaten beobachten. Verantwortlich sind dafür wahrscheinlich Google-Updates in Zusammenhang mit einem sportlichen Linkaufbau der Domain.

tz online verliert über 75 Prozent

Ein weiteres Beispiel ist der Umzug der Tageszeitung tz München aus dem Hause Ippen von tz-online.de auf tz.de. Auch dieser Umzug wurde von viel SEO-Know-how begleitet. Trotzdem lag der Sichtbarkeitsindex von tz.de in den Wochen nach dem Umzug deutlich unter dem alten Niveau von tz-online.de.

Sichtbarkeitsverlauf für den Domainumzug von tz-online.de auf tz.de im Dezember 2013. Nach dem Umzug auf tz.de benötigt die Sichtbarkeit andertalb Jahre um den vorherigen Wert erneut zu erreichen, steigert sch danach jedoch weiter kontinuierlich.

Aus SEO-Sicht erschwerend kam in diesem Fall auch noch ein Relaunch mit der damit verbundenen radikalen Umstellung des gesamten Frontends hinzu. Es wurde mir auf Nachfrage versichert, dass beim tz-Umzug das Tool zur Adressänderung in den Webmaster-Tools genutzt wurde. Ebenfalls wurden umfangreiche 301-Weiterleitungen eingerichtet.

Die neuen Domain hat in diesem Fall mehr als andertalb Jahre gebraucht, um den alten Sichtbarkeitswert erneut zu erreichen und dann zu übertreffen.

Das darauffolgende Wachstum weist jedoch auf einen stabilen Aufwärtstrend hin. Rückblickend lässt sich daher sagen, dass der Relaunch, wenn nicht ganz sauber, strategisch und technisch notwendig schien, um später den weiteren Anstieg der Sichtbarkeit zu gewährleisten.

Werden beim Domainumzug nicht alle Eigenschaften der alten Domain übertragen?

Die Sichtbarkeitsverluste nach dem jeweiligen Domainumzug der drei genannten Beispiel lässt vermuten, dass Google eventuell nicht (sofort) alle Eigenschaften der alten Domain auf die neue Domain übertragen hat. Man kann hier an Eigenschaften wie Trust und/oder Nutzersignale denken. Aber auch an Eigenschaften wie PageRank und dem damit verbundenen Crawling- und Indexierungsbudget. Eventuell muss Google auch alle bestehenden Links erst neu crawlen, damit die Weiterleitung erkannt und die Links für die neue Domain gewertet werden.

Der Sichtbarkeitsverlauf von tz.de ähnelt bisher der Entwicklung einer durchaus starken, aber ganz neuen Domain, bei der Google über noch keine ausführliche Daten-Historie verfügt. Zur Veranschaulichung zeigt die folgende Grafik die Entwicklung von tz.de mit der im September in Deutschland gestarteten Domain huffingtonpost.de.

Sammelt Google erst Nutzerdaten, bevor der Domain mehr Sichtbarkeit in den SERPs eingeräumt wird, oder findet eine Trust-Berechnung inklusive Weiterleitung nur in längeren Update-Zyklen statt?

Ist Google bei Domainumzügen vorsichtig, um sich vor Spam zu schützen?

In der Vergangenheit war es eine beliebte SEO-Technik, eine abgestrafte Website durch einen Domainumzug wiederzubeleben. Ein Beispiel dafür ist der Umzug von misterinfo.de auf misterinfo.com. Für einen gewissen Zeitraum konnte so erfolgreich ein totes Pferd geritten werden.

Es wäre verständlich, wenn Google die Qualität der Suchergebnisse schützen möchte und bei Domainumzügen vorsichtiger geworden ist, um den Erfolg solcher Techniken zu minimieren.

Beispiel für erfolgreichen Domainumzug

Es gibt selbstverständlich auch Fälle, bei denen die Sichtbarkeit komplett übertragen werden konnte.

Was sagt Google?

Grundsätzlich dauert es immer eine Weile, bis alle unsere Signale weitergeleitet werden. Die meisten können wir nach einem Redirect übernehmen, aber zum Teil gibt es einfach Sachen, die eine Weile brauchen, bis sie wirklich gleich stark oder ähnlich stark bei der neuen Domain sind. (...) Ich schätze, dass man ein paar Wochen Unterschiede sehen würde, bis wirklich alles genau gleich eingependelt ist.

Quelle: John Müller

Unser Fazit

Ein richtig umgesetzter Domainumzug stellt kein Risiko dar. Google benötigt unter Umständen etwas Zeit, alle Signale auf die neue Domain zu übetragen; wenn die neue Domain also nicht sofort an die alte Sichtbarkeit anknüpft, ist das nicht notwendigerweise ein Alarmsignal zum sofortigen Handeln. Abhängig von der Größe der Domain kann es bis zu 3 Monate dauern. Ist danach die Sichtbarkeit nicht wieder auf dem alten Niveau, muss geprüft werden, warum dem so ist.

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