Erstes Helpful Content Update abgeschlossen: Auswirkungen geringer als erwartet

Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Das erste Helpful Content Update konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Was es trotzdem zu sehen gab, erfährst du in diesem Beitrag.

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Bessere Inhalte in den Suchergebnissen. Mit diesem Ziel hat Google das Helpful Content Update angekündigt. Dass es eigentlich darum geht, schlechte Inhalte weit nach hinten in den Trefferlisten zu verbannen, lassen wir einfach mal so stehen und übernehmen Googles positives Narrativ.

Nach langer, umfangreicher Ankündigung ist in den ersten Tagen des Helpful Content Updates genau nichts passiert. Es gab keine SERP-Bewegungen, die über ein übliches Normalmaß hinausgingen. Letzten Freitag hat Google bekannt gegeben, dass das Update offiziell beendet ist.

Zwar waren die Verschieben auch in den letzten Tagen des Updates im Umfang nicht einmal ansatzweise vergleichbar mit kleineren Core-Updates, es gibt aber doch Webseiten, die erkennbar von diesem Update betroffen sind. Hier drei Beispiele:

99designs.co.uk

99designs, ein Marktplatz für Design- und Logoarbeiten, hat auf Google.co.uk rund 50% an Sichtbarkeit verloren: von 3 Punkten auf nur noch knapp 1,5 Punkte. Geht man der Ursache etwas weiter auf den Grund, sieht man, dass nur ein Verzeichnis für diesen Verlust verantwortlich ist:

Die URLs in diesem Verzeichnis lassen die Inhalte schon vermuten: recht generische Landingpages zur Logoerstellung für unterschiedliche Themen und Branchen. Schaut man sich ein paar dieser Seiten an, wird das Problem schnell offensichtlich:

Die Webseitenbetreiber haben hier ein fixes Template für den Text genutzt und tauschen lediglich die Branche beziehungsweise das Thema aus. SEO aus dem Jahr 2004 – das Google dafür offensichtlich künstliche Intelligenz zur Erkennung braucht, lässt tief blicken.

findthisbest.com

In den USA gehört findthisbest.com, eine Plattform für Produktempfehlungen, zu den großen Verlierern dieses Updates. Für die Domain ging es von rund 10 auf 4 Sichtbarkeitspunkte um rund 60% nach unten. Interessant ist, dass die Domain ein paar Wochen vorher bereits einmal Sichtbarkeitsprobleme hatte:

Bei Google ranken über 50.000 URLs mit unterschiedlichsten Themen und Produktbereichen. Die Seiten sehen alle recht ähnlich aus:

Nimmt man jetzt einzelne Sätze von dieser Seite und sucht exakt diesen Satz bei Google, findet die Suchmaschine mehr als 40.000 Vorkommen – und alle auf dieser Domain:

Ähnlich wie das letzte Beispiel, greifen auch hier die Webseitenbetreiber auf klassisches Textspinning zurück: aus Templates und Variablen werden neue Texte erstellt und automatisiert vielfach genutzt.

lyricsroll.com

Beispielhaft für zahlreiche andere Domains aus dem gleichen Genre kann lyricsroll.com gelten: die Songtextesite hat von 12 auf rund 4 Sichtbarkeitspunkte rund zwei Drittel seiner Sichtbarkeit verloren:

Die Inhalte der Webseite entsprechen den Erwartungen: es werden die Liedtexte von vielen unterschiedlichen Songs angeboten. Ein Alleinstellungsmerkmal hat die Seite damit aber nicht mehr. Zu vielen der Lyrics gibt es viele tausend weitere Domains mit dem gleichen Angebot.

Fazit

Zwar hat das Helpful Content Update in den letzten Tagen der Veröffentlichung noch etwas Fahrt aufgenommen – den großen Erwartungen konnte es aber nicht gerecht werden. Die Beispiele der betroffenen Domains zeigen, dass Google hier wirklich noch ganz am Anfang bei der Bewertung der Nützlichkeit von Inhalten operiert.

Dass ganz einfaches, nicht mal besonders raffiniertes Text-Spinning im Jahr 2022 der angeblich besten AI-Algorithmen der Welt bedarf, um erkannt zu werden, lässt an den Kompetenzen der Suchmaschinenentwickler in Mountain View zweifeln.

Ebenfalls hinterlässt die Kommunikation von Google einen schlechten Beigeschmack: im Vorfeld hat Google mit einigen US-amerikanischen “SEO-Influencern” persönlich gesprochen und hohe Erwartungen geweckt. Auswirkungen wie damals beim Panda-Update standen im Raum.

Die jetzigen Ergebnisse zeigen einmal wieder: Je lauter Google ein Update ankündigen muss, desto geringer sind die schlussendlichen Auswirkungen. Das hat sich beim SSL-Update, beim Page-Experience-Update und jetzt wieder beim Helpful Content-Update gezeigt.

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