AI Search hat sich in den letzten drei Jahren bereits rasant entwickelt. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir in diesem Jahr eine weitere Beschleunigung der AI Entwicklungen sehen werden. Auf Basis aktueller Marktbewegungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit treffe ich für 2026 die folgenden fünf Vorhersagen:
#1: Die Unified Google Search Box
ChatGPT besitzt gegenüber Google derzeit einen entscheidenden Interface-Vorteil: Es gibt ein zentrales Input-Feld und je nach Eingabe wählt das System automatisch das beste Vorgehen aus. Unabhängig davon, ob eine Websuche gestartet, eine Antwort auf Basis des internen Modellwissens generiert oder ein Bild erstellt werden soll, erfolgt die Steuerung im Hintergrund.
Google verfügt zwar über all diese Fähigkeiten und ist in der Umsetzung der einzelnen Disziplinen nach meiner Meinung oft sogar deutlich stärker als ChatGPT, leidet aber unter einer starken Fragmentierung des Nutzererlebnisses.
Aktuell muss man als Google-Nutzer selbst entscheiden, in welchem AI-Tool von Google die jeweilige Anfrage am besten aufgehoben ist. Man wählt zwischen der klassischen Suche, dem AI Mode, Gemini, dem Google AI Studio und weiteren Tools.
Meine Vorhersage für das kommende Jahr ist, dass Google diese Angebote in einer einheitlichen Search Box zusammenfassen wird. Google wird künftig in der Lage sein, den Intent der Anfrage selbstständig zu bewerten und den Nutzer direkt auf das am besten geeignete Tool für die jeweilige Frage weiterzuleiten.
#2: Google läuft ChatGPT den Rang ab
ChatGPT ist derzeit weltweit das Synonym für AI-Chatbots. OpenAI hat die Kategorie erfolgreich aufgebaut und hält entsprechend hohe Marktanteile – noch.
Meine Vorhersage ist, dass Google ChatGPT im kommenden Jahr den Rang ablaufen wird. Nachdem Google den Start in dieses Segment zunächst verschlafen hatte, kehrt das Unternehmen nun mit enormer Dynamik zurück. Modelle wie Gemini 3 setzen technologische Maßstäbe, während die tiefe Integration in Browser, die Suche und die weitere Infrastruktur für eine Marktdurchdringung sorgen wird, die OpenAI nicht parieren kann.
Dass Google Gemini und den AI Mode der Suche aktuell noch getrennt ausweist, ist aus meiner Sicht ein strategischer Schachzug mit Blick auf das Wettbewerbsrecht. Es erlaubt dem Konzern, in Regulierungsverfahren weiterhin die Rolle des Jägers einzunehmen, während die faktische Integration im Hintergrund längst die Marktführerschaft vorbereitet. Die Kombination aus technischer Exzellenz und der bestehenden Nutzerbasis wird Google im kommenden Jahr zum dominierenden Akteur im Bereich AI Chatbots machen.
#3: Perplexity vor der Konsolidierung
Perplexity hat maßgeblich dazu beigetragen, das Konzept der „Answer Engine“ zu etablieren, steht jedoch vor einem strukturellen Problem: Dem Fehlen eigener, verteidigbarer Assets. Während Google und OpenAI tiefgreifende technologische Stacks kontrollieren, wirkt das Modell von Perplexity eher wie eine Aggregationsschicht. Die genutzten AI-Modelle stammen von Dritten: selbst das hauseigene „Sonar“-Modell basiert auf Metas Llama-Architektur und ein Großteil der Webergebnisse wird über Bing bezogen.
Damit fehlt Perplexity das, was im kommenden Jahr entscheidend sein wird: Ein eigenes LLM, ein signifikanter Webindex und vor allem eine eigene Distribution über Betriebssysteme oder Browser. Ohne diese Hebel ist die Plattform extrem abhängig von den Schnittstellen und Preismodellen ihrer Wettbewerber.
Meine Vorhersage ist daher, dass Perplexity 2026 entweder als strategische Ergänzung günstig übernommen wird (etwa durch Microsoft, um Bing aufzuwerten) oder den eigenständigen Betrieb aufgrund des massiven Margendrucks einstellen muss.
#4: Google pusht die Verbreitung des AI Mode massiv
Folgt man den Kanälen relevanter Google-Mitarbeitenden aus dem Search-Umfeld, wird deutlich: Für den Konzern ist der AI Mode der logische nächste Entwicklungsschritt der Internetsuche. Im Kern fungiert dieser Modus wie ein erweiterter AI Overview, verzichtet jedoch auf die klassischen organischen Ergebnisse im unteren Bereich.
Damit löst Google eines der größten strukturellen Probleme der eigenen Plattform: Das Abwandern der Nutzer zu externen Webseiten. Indem die Antworten direkt im Interface konsumiert und durch Follow-up-Fragen vertieft werden, bleibt die Verweildauer vollständig innerhalb des Google-Ökosystems.
Kein Wunder also, dass Google in den letzten Monaten bereits massiv in die Distribution investiert hat. In den USA ist der AI Mode bereits prominent auf der Startseite platziert, im Chrome-Browser wird er direkt in die Adresszeile (Omnibox) integriert und am Ende herkömmlicher AI Overviews findet sich neuerdings eine direkte Verlinkung in den Chat-Modus.

Meine Vorhersage für das kommende Jahr ist, dass Google diese Bemühungen noch einmal deutlich verstärken wird. Wir haben bislang nur einen Bruchteil der verfügbaren Distributionswerkzeuge gesehen; künftig wird der AI Mode an jedem Berührungspunkt der Search-Journey in den Vordergrund gestellt werden.
#5: AI-generierte Antwortformate und -anwendungen
Bislang basieren sowohl die klassische Websuche als auch AI-Chatbots auf weitgehend standardisierten Antwortformaten. Zwar ergibt die Kombination dieser Elemente eine enorme Vielfalt an SERP-Layouts, doch die Formate selbst sind fest definiert.
Meine Vorhersage für das kommende Jahr ist, dass wir den Übergang zu echten AI-generierten Antwortformaten und Anwendungen sehen werden. Die AI wird künftig nicht mehr nur Inhalte in bestehende Masken füllen, sondern für den jeweiligen Intent die perfekte visuelle und funktionale Präsentation der Antwort „on the fly“ erstellen.
Darüber hinaus erwarte ich, dass wir zunehmend (kleinere) Anwendungen direkt in den Suchergebnissen sehen, die erst im Moment der Anfrage von der AI erzeugt werden. Das Spektrum reicht von spezialisierten Rechnern für komplexe Anwendungsfälle über dynamische grafische Visualisierungen bis hin zu interaktiven Beispielen.
Für Website-Betreiber bedeutet dies eine weitere Verschärfung der Lage: Die notwendige Schöpfungshöhe, um Nutzer dazu zu motivieren, von den Suchergebnissen auf die eigene Domain zu klicken, wird dadurch weiterhin und spürbar steigen.
Der Blick in die AI Glaskugel
Natürlich habe weder ich noch irgendjemand sonst eine Glaskugel und kann mit Sicherheit sagen, was uns in diesem Jahr erwarten wird. Meine Annahmen halte ich dennoch auf Basis aktueller Marktbewegungen und der Erfahrungen der letzten Jahre für sehr wahrscheinlich. Ich werde hier und auf LinkedIn regelmäßig Updates geben. Wer möchte, kann auch einen Blick in die AI-Insights Content Hubs werfen, in denen wir die aktuellsten SISTRIX Informationen zu AI Themen zusammentragen.
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