Barrierefreies Webdesign und dessen Schnittmenge mit SEO

Johannes Beus
Johannes Beus
21. November 2007
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Eines der Dinge, die mir an der Suchmaschinenoptimierung wirklich gefallen ist, dass dies nicht ein einziges, abgegrenztes Betätigungsfeld, das nie verlassen wird, ist, sondern es eine Vielzahl an Herangehensweisen und Methoden gibt, von denen sehr viele aus der Erfahrung in anderen Bereichen profitieren. Wenn ich beispielsweise an die SEM-Kollegen denke, ist zwar ab und an etwas Neid vorhanden, da Geld dort relativ einfach Erfolge (=Positionen=Traffic) kaufen kann, auf Dauer wär‘ mir das Denken aber vermutlich zu eindimensional (SEMler dürfen jetzt in den Kommentaren ihrem Unmut Luft machen).

Eines dieser Felder, dessen Schnittmenge mit der seriösen Suchmaschinenoptimierung überraschend groß ist, ist das barrierefreie Webdesign. Bei der barrierefreien Umsetzung von Webprojekten geht es darum, diese für Menschen mit unterschiedlichsten Wahrnehmungsmöglichkeiten zugängig zu machen: der Content sollte sowohl für User mit einem herkömmlichen Webbrowser in der Standardeinstellung zu lesen sein, muss aber auch für Sehbehinderte, deren „Bildschirm“ aus einer Braillezeile besteht, verständlich sein. Dass hier von auch ein Suchmaschinencrawler, der bekannterweise ebenfalls nur Text lesen und indexieren kann, profitiert, ist wenig überraschend. Seiten, die versuchen, ihre Inhalte barrierefrei zu präsentieren, haben somit in den meisten Fällen bereits einen großen Schnitt in Richtung einer OnPage-Optimierung gemacht. Allen, die etwas über den „SEO-Tellerrand“ hinausschauen wollen, kann ich somit ein RSS-Abo der Seite „Einfach-Fuer-Alle“ (auch, wenn in den News der Tenor ab und an und zu unrecht negativ gegenüber SEO ist …) und, als Einstieg in die Materie, den entsprechenden Abschnitt von SELFHTML empfehlen. In vielen Fällen kann man interessante Ideen für den SEO-Bereich ziehen und hilft somit sowohl Google als auch der Barrierefreiheit seiner Webseiten. Übrigens: Webseiten des Staates sowie staatlicher Stellen müssen seit einiger Zeit barrierefrei umgesetzt sein – nicht, dass von dort Konkurrenz droht …

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Kommentare
markus   
22. November 2007, 09:40

Finde ich ja mal super, dass es auch mal jemand erwähnt!

Barrierefreies Webdesign wird leider immer noch viel zu selten erwähnt und umgesetzt!

Tobias   
22. November 2007, 09:56

Wäre doch mal schön wenn sich auch die SEO’s dem Thema annehmen. Wenn man sich jeder nur an die Grundregeln hält wird das Internet ein Stück besser ;-).

Man sollte dann allerdings von barrierearmer und nicht freier Umsetzung sprechen.

Kralle   
22. November 2007, 11:07

Barrierefreies Webdesign und SEO sind letztlich nichts anderes als die logische Konsequenz der Philosophie hinter HTML, das Umdenken in diese Richtung eigentlich nur ein back to the roots, dieses Mal nur mit den Möglichkeiten von Cascade Style Sheets.
Fehlentwicklungen und Entwicklungsstau bei W3C und Browserentwicklungen führten zu diesen Quelltext-Wüsten, wie wir sie auch heute noch häufig finden, und das zu einer Zeit, als eine ganze Generation eine neue Sprache lernet – HTML.

Leo   
22. November 2007, 13:07

In Deutschland gilt sogar schon seit dem 1.05.2002 die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz, die besagt, dass alle Internet-Auftritte der Behörden der Bundesverwaltung barrierefrei umgesetzt werden sollen. Nach Seibert / Hoffmann (2005) ist davon auszugehen, dass diese Richtlinien in der Zukunft auf alle öffentliche Internet-Angebote erweitert werden.
Die Richtlinien zum Nachlesen: http://www.bgblportal.de/BGBL/bgbl1f/bgbl102s2654.pdf

Pelle Boese   
22. November 2007, 13:31

Absolut korrekt, darüber habe ich kürzlich recht ausführlich in einem Vortrag gesprochen. Was die OnPage-Optimierung angeht, ist die Schnittmenge wirklich enorm groß. Der Unterschied zwischen Lesehilfe und Crawler ist einfach sehr gering.

M.Hirsch   
22. November 2007, 18:11

Ganz Deiner Meinung.

Durch barrierefreies Webdesign wird die Site zwangsweise auch besser maschinenlesbar. Die semantische Gliederung ist erkennbar, Struktur muss geschaffen werden usw.

Man hört of von dem Problem, Google’s „Baut Seiten für Menschen, nicht für Maschinen“ und des SEO’s Maschinenaffinität unter einen Hut zu bekommen.

Aber ist eigentlich ganz einfach. Wenn man aus dem Bereich „SEO“ kommt, muss man bezüglich „Barrierefreiheit“ „Maschine“ nur von „Suchmaschine“ auf „Screenreader“ erweitern.

Und siehe da, es funktioniert für beide – Maschine und Mensch.

Markus   
22. November 2007, 21:14

>auf Dauer wär‘ mir das Denken aber vermutlich zu eindimensional (SEMler dürfen jetzt in den Kommentaren ihrem Unmut Luft machen)

Das Angebot nehm ich doch gerne an 😉

Ich sehe das anders (eh kloa). Mir ist eher die SEO-Arbeit zu eindimensional – daher bin ich weitestgehend auf SEM umgestiegen. OK, nicht nur deshalb. Aber es kommt halt immer drauf an, was man draus macht. Beim SEM spielen Dinge wie etwa Usability eine ungleich größere Rolle. Da beschäftigt man sich schon mal mit Dingen, die einen SEO idR wenig interessieren. Ein SEO wird kaum besonders viel Zeit investieren, um die Conversionrate von 5% auf 6% zu erhöhen. Im SEM ist das aber häufig der Schlüssel zum Erfolg. Das schafft man aber nicht, indem man einfach mal schnell ein paar Links einkauft 😉

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Barrierefreiheit ein Thema. Je mehr Leute mit meiner Seite umgehen können, desto besser wird die Conversion sein.

Pelle Boese   
23. November 2007, 12:52

Ich denke schon, dass auch „der SEO“ ein gesundes Interesse hat, die CR zu erhöhen, sobald die optimierte Seite Werbeplätze enthält. Ich sehe SEO, genau wie viele andere hier, als ganzheitliches Konzept für die Erstellung (bzw. nachträgliche Optimierung) einer Webseite. Dies schließt u.a. Barrierefreiheit, nutzerfreundliche Navigation / Struktur ein und natürlich auch den Nutzen für den Besitzer der Seite, wo wir dann z.B. bei hohen Umsätzen durch optimierte CR etc. wären!

Chio   
24. November 2007, 10:22

Ja, es gibt in jedem Fall Überschneidungen, und vieles was für „Barrierefreies Webdesign“ sinnvoll ist, ist es auch für SEO. Aber es ist nicht so, dass eine Barrierefreie Site“ _automatisch_ für Suchmaschinen optimiert ist, im Gegenteil, das kann ganz schön auseinanderklaffen.

Was mich einigermaßen nervt, ist das Herumgequieke der Web-Veganer in den Foren; das Stochern nach

und schon ist man als Trottel entlarvt. Und das von Leuten, die „Barrierefreie Websites“ betreiben, deren einziger Inhalt ist, dass die Site Barrierefrei ist. Joup.
trendstrom   
30. März 2008, 23:20

Eine benutzerfreundliche Bedienung ist der Grundstein für Erfolg. Für mich ist es oft unverständlich, auf welcher Basis manche Seitenbetreiber ihre Projekte aufbauen. Wenn die Besucher schon nicht nachvollziehen können, wie sie die Angebote überblicken können, wie soll Google dann damit zurecht kommen können?

@ Chio
Auch wenn ein barrierefreies Webdesign allein noch längst keine Suchmaschinenoptimierung ist, kann ein SEO sehr gut darauf aufbauen.

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