Bewertungen als Rankingfaktor bei Google Places

28. November 2011, 12:11

Für meinen Vortrag „Local Search und Google Places“ haben wir eine Sonderauswertung der SISTRIX-Daten durchgeführt. Ein Schwerpunkt der Untersuchung war, ob die Anzahl Bewertungen zu Google Places tatsächlich ein nachweisbarer Rankingfaktor sind.

Zu diesem Zweck haben wir auf google.de die Suchergebnisseiten (SERPs) zu 1 Mio. Keywords (jeweils 1. SERP) und die Detailseiten zu 110.257 Google Places untersucht. Die Google Places-Seiten zeichneten sich dadurch aus, dass sie in der Websuche Rankings zu den 1 Mio. untersuchten Keywords erzielten. Es war also keine Zufallsauswahl, sondern es handelt sich um eine Auswahl von „erfolgreichen Google Places-Seiten“. Das sollte bei der Interpretation der Ergebnisse unbedingt berücksichtigt werden.

Insgesamt haben wir bei 3,7 Prozent der SERPs eine Integration von Places-OneBoxen (Universal-Seach-Integration) gefunden und bei 1 Prozent der SERPs sogenannte „hybride lokale Treffer“ (Blended Place Search). In Summer enthielten also 4,7 Prozent der SERPs Treffer mit Google Places-Informationen.

Bei den SERPs mit einer Places-OneBox, die mehr als einen Place enthielt, war das sogenannte „7-Pack“ (7 Places) mit 48,34 Prozent die häufigste Form, gefolgt von dem „3-Pack“ (3 Places) mit 34,08 Prozent. Überraschend häufig war außerdem noch das „2-Pack“ mit 17,56 Prozent zu beobachten. In einzelnen Fällen haben wir zudem Boxen mit 4 Places, 5 Places und 6 Places gefunden, deren Anteil jedoch in Summer unter 0,03 Prozent lag.

Bei den Places-OneBoxen besitzen 36 Prozent der Places mindestens eine Google-Bewertung und 64 Prozent besitzen keine Google-Bewertung.

Seit Juli 2011 zeigt Google in den SERPs nur noch die Google-Bewertungen an, also Bewertungen, die direkt bei Google Places oder Google Hotpot abgegeben wurden. Nutzermeinungen von externen Bewertungsplattformen wie qype.com, booking,com, holidaycheck.de usw. werden hingegen jetzt nur noch in der Vorschau und auf den Places-Detailseiten verlinkt.

Die erste untersuchte Hypothese lautete daher:

„Google Places Seiten mit vielen Google-Bewertungen besitzen im Schnitt ein besseres Ranking in den Places-OneBoxen“.

Wie die folgende Grafik zeigt, kann diese Hypothese voll bestätigt werden.

Durchschnittliche Anzahl Google-Bewertungen pro Rankingposition Places-OneBox

Bezogen auf die 3-Packs besitzen der 1. Treffer im Schnitt 1,92 Google-Bewerungen, der 2. Treffer 1,37 und der 3. Treffer nur noch 0,94 Google-Bewertungen.

Auch bei den 7-Packs nimmt die durchschnittliche Anzahl Google-Bewertungen mit absteigenden Positionen kontinuierlich ab, so dass eine starke Korrelation zwischen den Merkmalen zu beobachten ist.

Auffällig ist, dass die Treffer in den 7-Packs gegenüber den 3-Packs deutlich mehr Bewertungen besitzen. Die Anzahl Bewertungen zu verschiedenen Places könnte für Google also ein Signal sein, ob ein ein 3-Pack oder ein 7-Pack angezeigt wird.

Als nächsten Schritt haben wir untersucht, ob auch eine Korrelation zwischen der Anzahl Bewertungen von externen Bewertungsplattformen und dem Ranking in Places-OneBoxen vorhanden ist. Die zweite Hypothese lautet also:

„Google Places Seiten mit vielen Nutzermeinungen von externen Bewertungsplattformen besitzen im Schnitt ein besseres Ranking in den Places-OneBoxen“.

Durchschnittliche Anzahl externe Bewertungen pro Rankingposition Places-OneBox

Wie die Grafik zeigt, konnte auch diese Hypothese sowohl für das 3-Pack als auch für das 7-Pack eindeutig bestätigt werden. Die Abstände zwischen den einzelnen Rankingpositionen sind allerdings im Verhältnis geringer, was darauf hindeuten könnte, dass externe Bewertungen ein schwächerer Rankingfaktor sind als Google-Bewertungen.

Zur Bewertung der Ergebnisse muss man sagen, dass die beobachtete Korrelation zwischen Rankingposition und durchschnittlicher Anzahl Bewertungen noch keinen eindeutigen kausalen Zusammenhang beweist. Die Places-Treffer könnten gute Positionen haben, weil sie viele Bewertungen besitzen oder sie erhalten viele Bewertungen, weil sie gute Positionen und damit viel Sichtbarkeit haben. Theoretisch könnte auch ein kausalen Zusammenhang zu einer dritten (intervenierenden) Variable wie „gepflegter und optimierter Eintrag“ bestehen.

Die einfachste und plausibelste Annahme besteht jedoch darin, dass die Anzahl Bewertungen tatsächlich ein wichtiger Rankingfaktor für Google Places darstellt. Im Sinne von Ockhams Rasiermesser interpretiere ich die Ergebnisse daher in diese Richtung. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es noch eine Vielzahl anderer Rankingfaktoren für Google Places gibt, so dass im Einzelfall der 1. Treffer in den Places-OneBoxen nicht immer die meisten Bewertungen besitzt.

Alle Folien zu dem Vortrag „Local Search und Google Places“ von der SEOkomm mit vielen anderen spannenden Ergebnissen gibt es selbstverständlich auch noch hier:

An dieser Stelle auch noch einmal vielen Dank an Oliver Hauser, Hans-Peter Traunig und Christoph C. Cemper für die perfekte Organisation der SEOkomm 2011. Die ultimative Sammlung von Recaps, Fotos und Videos findet man hier. Als einzigen Kritikpunkt habe ich anzumerken, dass der Raum für Track 3 viel zu klein war. Um so mehr vielen Dank an alle Zuhörer, die trotz Stehplätzen und stickiger Luft die Session tapfer durchgehalten haben.

Dieser Beitrag hat 12 Kommentare

 
  28. November 2011, 17:49

Das sind ja tolle „Neuigkeiten“. Ich habe die leise Vorahnung, dass es jetzt wieder richtig mit den Fake-Bewertungen in den Google Places losgehen wird. Aber ich sags gleich, einfach mit mehreren Accounts drauf los zu bewerten sollte man vorher gründlich durchdenken, denn Google ist auch hier nicht von gestern.

 
wigger
  28. November 2011, 22:20

ich glaube google weiss jetzt durchaus das die google bewertungen einfach nur schrott sind, 1000 bewertungen koennen eine meinung sein. aber die ausrichtung auf qualitaet wird ein wichtiger faktor sein. seiten wie tripadvisor geht es niur um masse, mobile 2 wort bewertungen etc. . dass wird nicht das mass der dinge sein. das zeigt auch der kauf von zagat durch google, wo die quali vor der quantitaet steht. aus dem grund wird es zum jetzihen zeitpunkt keinen sinn machen die berwertungen mit ins places ranking einzubezeihen. und ihr koennt es ja auch nicht beweisen.

 
  28. November 2011, 23:45

die breite Masse hat facebook abgedeckt. Wenn es Google gelingt, echte Mehrwerte mit Google + zu schaffen, werden die User folgen. Für Poweruser ist es sicher ein Muss, wer jedoch ab und an ins Netz geht, braucht guten Nutzen, um Zeit zu investieren, einen neuen Zugang anzulegen, den er verwalten muss. Vielleicht ist hier Zeitmangel, ein entscheidender Faktor. Sicher gibt es Menschen die z.B. Süddeutsche, FAZ und Zeit lesen, die meisten geben sich jedoch mit weniger zufrieden.
Nur die SEO , um Places nach vorne zu bringen ist sicher zuwenig. Sehr schnell setzen sich natürlich die Black Hats drauf, die jedoch keinen echten Mehrwert bringen. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Mein Credo : wenn weiter Mehrwert und das alte Google Prinzip: Einfachheit gepflegt wird, gibt es eine Chance, sonst wird es schwierig . http://www.drkaske.de

 
  30. November 2011, 14:42

Das ist seltsam ..
Ich habe leider in keinem der Punkte die gleiche Erfahrung gemacht.
Es gibt Webseiten vor mir in Places, die vor 3-4 Jahren das letzte Mal wirklich angefasst wurden,
und nicht eine einzige Bewertung haben.
Mag sein, dass es „ein“ Faktor ist, aber gegenüber dem Faktor „nahe zum Kern der Suche“ rein gar keine Rolle spielt – bis hin zu gar keinem.

 
  2. Dezember 2011, 14:05

Ich kann der Aufbereitung folgen, aber leider trifft das nicht so hundertprozentig. Bei von uns betreuten Projekten können wir auch beobachten das Seiten die Keine Bewertungen haben vor den stehen die Bewertungen haben. Ich glaube das da noch andere wichtige Faktoren ein Rolle spielen. Aber Danke für den Überblick auf eine größere Datenbasis.

 
  2. Dezember 2011, 15:25

Interessant währe es auch gewesen, wenn man alle Restaurants und Hotels gefiltert hätte. Sprich Ergebnisse, mit weniger Bewertungen.

Allerdings kann ich aus Erfahrung sagen, dass gute Autoritäre Links + LOKALE Links sehr viel wirken.

Meine Formel = Google Place’s Optimierung + Bewertungen + SEO ( Backlinks ) = 1#

 
Matthias
  4. Dezember 2011, 18:36

„Die einfachste und plausibelste Annahme besteht jedoch darin, dass die Anzahl Bewertungen tatsächlich ein wichtiger Rankingfaktor für Google Places darstellt.“

Dumm.

 
  5. Dezember 2011, 03:05

Ich befürchte auch, dass es mit sog. Fake-Bewertungen in den Google Places bald losgehen wird. Dennoch bin ich mir sicher, dass Google sich auch hier etwas einfallen lassen wird!

 
Hanns
  9. Dezember 2011, 12:34

@okseo: Selbstverständlich spielen auch andere Rankingfaktoren eine wichtige Rolle und im Einzelfall steht nicht automatisch der Eintrag mit den meisten Bewertungen oben. Aber das habe ich in dem Beitrag ja auch geschrieben.

 
  11. Dezember 2011, 10:57

Google places verzerrt und macht die Suchmaschinenoptimierung unwichtiger oder besser gesagt Die User sehen die ergebnisse des organischen Index jetzt durch die Einblendung viel weiter unten und können meist gar nicht unterscheiden oder kommen bis dahin gar nicht mehr..
Google Places gehört abgeschalten oder sollte durch den User persönlich nur bei Bedarf aktiviert werden

 
  12. Dezember 2011, 14:37

Vieles neu oder auch nicht!. Google Places hin oder her bleibt die Verlinkung (Qualität, Themenrelevant… etc …) das A und O. Und ja, man kann Google Places für lokale Geschäfte nicht ignorieren.

 
  27. Juni 2013, 18:06

Awesome Article. Thanks

 

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