Don’t be evil, Google

Johannes Beus
Johannes Beus
8. September 2008
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Gestern hat sich die Gründung Googles zum zehnten Mal gejährt. Rückblicke und Lobhudeleien gibt es genug, ich möchte aber ein paar Worte dazu verlieren, wie sich das Bild Googles in meinen Augen über die letzten Jahre verändert hat.

Die Verlinkung von Webseiten als Grundlage für das Ranking zu nehmen, war eine geniale Idee; Google daraufhin recht schnell die „beste“ Suchmaschine und mittlerweile in nahezu allen, westlichen Märkten unangefochtener Marktführer. Eine Quasi-Monopolstellung, für die Microsoft im Betriebssystemmarkt noch Jahrzehnte benötigte, hat Google innerhalb weniger Jahre erreicht. Da man nach dem Börsengang nicht mehr nur einer Handvoll Geldgeber, sondern der Börse verpflichtet war, mussten Wege für weiteres Wachstum gefunden werden. Und die gab es nur in anderen Geschäftsfeldern.

Google Mail übernimmt den E-Mail-Verkehr des Nutzers, Google Docs liefert eine schöne Online-Officesuite, bei Google Maps/Earth kann man seinen Nachbarn in den Garten gaffen oder die nächste Reise planen. Wer zu blöd für Google AppEngine ist, kann seine Pamphlete bei Google Blogger ins Web stellen, Google Analytics zeigt einem dazu an, wie viele Zugriffe es aus Tibet gab und wenn man dann kurz vorm Herzinfarkt steht, gibt man mal eben seine kompletten Gesundheitsdaten bei Google Health ein und hofft auf Absolution. Und wenn man nicht freiwillig seine Daten rausrückt, so holt Google sich die eben: Analytics, AdSense, Doubleclick und weiterer Cookieschleudern sei Dank, ist ein großer Teil des „aktiven“ Internets unter Kontrolle und für den Rest gibt es ja bald Google Chrome.

Die Informationen und Daten, die jeder dieser Dienste für sich sammelt, wär schon Grund genug, genauer auf die Verwendung zu blicken. Alles zusammen in einer Hand und, entweder automatisiert oder durch die Google-ID verknüpfbar, ist gefährlich. Angetreten, um alles Wissen der Welt zu ordnen, wird mir in letzter Zeit zunehmend deutlich, wie das zu verstehen ist: Zuerst das Wissen besitzen, dann profitorientiert ordnen.

Ähnliche Beiträge
Kommentare
Robert   
8. September 2008, 13:25

Ein Google-Rant ohne kritischer Würdigung von „Knol – The Ultimate Made-For-AdSense Site“?

Wie das?

Johannes   
8. September 2008, 13:29

Robert, bei Knol steht es jedem noch weitgehend frei, da mitzumachen. Auch sehe ich da nicht unbedingt, dass sensible Daten, wie Surfgewohnheiten, Gesundheitsdaten, usw personenzuordbar gesammelt werden.

Robert   
8. September 2008, 13:36

Stimmt natürlich.

Ich sehe den Ansatz zur kritischen Würdigung für Knol etwas weiter, etwa wenn Google nach dem Motto „Quod licet Iovi non licet bovi“ durchaus mal gescrapten mehrfach verfeinerten Text in den Index ohne Murren aufnimmt, sofern eben dadurch eigene Interessen gestützt werden.

Nicht, dass das irgendwie unverständlich wäre im Sinne der Betriebswirtschaft – aber beim erster Gatekeeper des Webs wäre mir ein wenig konsistentere Ethik lieber.

Hanspeter   
8. September 2008, 13:38

Johannes, endlich hat mal jemand, dessen Meinung weitestgehend als sachlich fundiert und respektabel gelten dürfte, die Kehrseite der Medaille angesprochen.

In deinem Beitrag zu Chrome (http://www.sistrix.de/news/792-google-chrome-open-source-browser-der-suchmaschine.html) habe ich ja bereits Google kritisiert und die Leute, die wie mit einem Brett vor dem Kopf in die Arme des Giganten laufen.

Vielleicht hört jetzt endlich die Beifallheischerei auf, die von den Ja-Sagern, den von Google abgerichteten Lemmingen, ausgeht und sich größter Beliebtheit erfreut.

Schlimm finde ich im Bezug auf deinen Artikel auch, dass es immer noch keine angesehenen Politiker gibt die wirklich Ahnung von der Materie haben. Prominentes Beispiel, wenn auch nicht unbedingt im direkten Zusammenhang mit Google stehend, ist unser Herr Schäuble. Aber das ist ja bekannt.

Es braucht Leute wie dich, die das ganze wirklich verstehen und die Gremien wachrütteln können. So lange wir von blinden Technik anti-affinen Leuten regiert werden, können solche Konzerne wie Google nicht in die Schranken gewiesen werden. Alle Hilfe kommt hier zu spät meine ich fast.

Andreas   
8. September 2008, 13:42

Guter, lesenswerter Artikel. Es ist so wie es ist – und ich verstehe Google. Google ist ein Börsennotiertes Unternehmen, welches Gewinne einfahren muss. Gewinnmaximierung. Sie kommen mit immer neuen Produkten auf den Markt, die noch mehr Daten über uns sammeln – Google macht das, was ihr Geschäftszweck ist.

Wer nicht einschreitet sind wir – wir der Staat. Die Gesetze, die Vorstellungen was möglich ist, da hinken wir Jahre hinterher. Nur durch ein rigoroses DSG (und ähnliches) ist es möglich, dem Herr zu werden und alles wieder runterzubringen. Es liegt an uns, und den (gewählten) Regierungen…

Mobile SEO   
8. September 2008, 14:10

Hanspeter, was soll die Regierung dabei tun? Soll man Unternehmen wie Google verbieten, nach mehr Gewinn zu streben? Dann müsste man zuerst das gesamte Börsensystem und die freie bzw. „soziale“ Marktwirtschaft begraben. Vielleicht müsste mehr aufgeklärt werden von staatlicher Seite und Bewusstsein dafür geschaffen, wie wichtig der Datenschutz ist.

Solange jedoch jeder kriminelle Kleinstunternehmer beim Einwohnermeldeamt meine Daten bekommt, mache ich mir darum mehr Sorgen, als um das was Google macht. Denn darüber habe ich noch größtenteils selbst die Kontrolle.

Johannes   
8. September 2008, 14:16

Mobile SEO, es ist ja schon seit langem so, dass der Gesetzgeber die „schwächere“ Partei schützen will. Sei es beispielsweise beim Mieten einer Wohnung, wo der Mieter deutlich umfangreichere Rechte als der Vermieter hat, sei es durch so Sachen wie das Fernabsatzgesetz. Das ist eine Position, die ich mir prinzipiell auch stärker für den Datenschutz (im Internet) wünsche.

mssfldt   
8. September 2008, 15:35

wir haben Google lange aktiv promoted, weil es „übersichtlich, sympatisch und nützlich“ war – und vor allem: absehbar ein echter Konkurrent für den Monopolisten Microsoft. Die Vorzeichen haben sich geändert: Inzwischen ist Microsoft ein aussterbender Dino, und google ist der übermächtige Monopolist.
Die Frage ist: wann kommt der nette Konkurrent von google (klein, nett und wenigstens am Anfang nicht korrumpierbar)?

Allerdings finde ich auch, dass sich das Problem verschärft: während Microsoft sich eigentlich immer (öffentlich) gescheut hat, private Daten zu verwenden, betreibt google damit aktive Geschäftspolitik. Und die breite Masse scheints nicht zu stören. Im Gegenteil, ich befürchte, diese breite Masse findet es gut, wenn sie massgeschneidete Werbung vorgesetzt bekommt. Ist doch viel besser, wenn man statt peinlichen Binden-, Spülmittel- oder Kinderschoko-Werbung nur noch coole Auto-, Bier- und Rasier-Clips sehen kann 😉

Mobile SEO   
8. September 2008, 16:25

Johannes, klar, das wäre schön. Aber wie soll man das, gerade bei internationalen Konzernen, realisieren?

Seodeluxe   
8. September 2008, 16:50

…und irgendwann kommt dann der Tag, wo Suchanfragen bei Google plötzlich Geld kosten (und meine Aktien in die Höhe schiessen), hrhr…

Markus   
8. September 2008, 18:26

Wenn ich die Leute auf Google Mail anspreche, dann bezeugen viele ein wirklich grosses Unbehagen, weil Google Mail die Mails scannt. Aber Google Mail sei halt so praktisch, gut und bequem……….

Diese Bequemlichkeit ist der grösste Helfer von Google.

Ich finde Google immer noch die beste Suchmaschine und wünsche mir dass Google einfach nur die beste Suchmaschine bleiben würde. Wünschen darf man ja …………..

Expli   
9. September 2008, 00:59

Schön zusammengefasst Johannes. Ich empfinde es ebenfalls als zunehmend beängstigend, welch unglaublich große Zahl an detaillierten Nutzerprofilen Google inzwischen besitzen muss. Andererseits ist es faszinierend, was zwei Studenten in nur 10 Jahren auf die Beine gestellt haben.

Johannes   
9. September 2008, 08:11

Mobile SEO, Google hat ja auch kein Problem damit, Seiten, die in Deutschland nicht gesetzeskonform sind, aus den SERPs zu entfernen oder AdWords nach irischem Recht zu verkaufen. Ein EU-weiter Beschluss wär in der Sache sicherlich vorzuzuiehen, aber auch einen deutschen Alleingang sehe ich als machbar an.

Mobile SEO   
9. September 2008, 17:19

Ich frage mich ja nur, wie genau diese Maßnahmen aussehen sollen.

Johannes   
11. September 2008, 08:48

Zum Thema, inwieweit Google EU-Gesetzgebung unterliegt gerade gelesen.

luzie   
11. September 2008, 16:38

das eine sind 10 jahre datensammelwut …

da ist aber noch mehr:

>>> Die Verlinkung von Webseiten als Grundlage für >>> das Ranking zu nehmen, war eine geniale Idee;

nun gut, ein taschenspielertrick, noch dazu geklaut, macht auch nichts, wirklich „genial“ aber ist erst das, was folgt …

>>> Google daraufhin recht schnell die „beste“
>>> Suchmaschine

ja, war!

nur gab’s da leider bald den hype, die rückkopplung, die monopolstellung – und dann DIE IDEE, die eine wahre geniale idee: „lasst uns die website-betreiber erpressen, wir ranken sie, wie’s ihnen gebührt, hinter kijiji und kokolores, rechts ist noch ein platzerl frei, wir verkaufen es teuer, teuerer, am teuersten, oben eine, zwei, morgen drei zahlende zeilen drangeheftet, niemand hindert uns übermorgen zehn daraus zu machen“ … jeder weiss worauf das hinaus will, wie der masterplan aussieht: „blecht oder verschwindet. und schon gehören netz und welt nur uns allein.“

>>> … alles Wissen der Welt […] ordnen
>>> … das Wissen besitzen

siehstuwohl, wie schnell das geht, vom ordnen zum besitzen ist es nur ein halbsatz, dabei weiss man gar nicht WAS sie denn nun besitzen sollen, sie rechnen sich fremdes einfach zu und machen geld daraus, die erfindung des wahren dukatenesels: vorne kostenloses stroh rein, hinten echtes gold raus. und sie machen sich jetzt munter daran, nicht nur unsere online-inhalte sondern gleich die gesamte weltkultur auszuplündern, scannen keilschrift, goethe und mark twain, um ihre geldspeicher immer weiter zu füllen …

this IS evil 🙁

NICHTS davon könnten sie sich leisten, zeigte sich doch endlich nur irgendwo konkurrenz. ersatzweise bitte auch kartellamt, gericht und subversion …

-luzie-

Jayan   
18. Juli 2011, 11:45

YouÂ’ve got it in one. CouldnÂ’t have put it bteetr.

Die Kommentarfunktion wird 30 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags deaktiviert.

Kostenlosen Testaccount jetzt aktivieren

Aktiviere jetzt deinen kostenlosen Testaccount für die SISTRIX Toolbox. Garantiert ohne Kosten und unverbindlich. Jetzt aktivieren!