Ein Monat Page Experience Update: gibt es bereits Ergebnisse?

Heute vor genau einem Monat hat Google das Page Experience Update veröffentlicht. Gute Webseiten sollen seitdem bevorzugt, schlechte benachteiligt werden. Ob es im letzten Monat erste Entwicklungen gab, untersuchen wir in diesem Beitrag.

Wenn Google neue Ranking-Faktoren offiziell bestätigt, ändern sich Priorisierungen und Todo-Listen von ganzen Firmen. Das war bei der Einführung von HTTPS als Ranking-Faktor der Fall und im vergangenen Jahr allein mit der Ankündigung des Page Experience Updates ebenfalls.

Jetzt ist genau ein Monat seit dem Update vergangen. Von den rund zweieinhalb Monaten, die sich Google zum Ausrollen dieses Updates gegeben hat, ist also fast die Hälfte rum. Ein guter Zeitpunkt, um einen Blick auf die Entwicklungen in den SERPs zu werfen.

Wir klären in diesem Beitrag, ob es bereits messbare Verschiebungen in den Suchergebnissen gab.

Das Google Page Experience Update

Im letzten Jahr hat Google angekündigt, Signale für die Nutzerfreundlichkeit von Seiten künftig in einem Rankingfaktor zu bündeln. In diesen neuen Ranking-Faktor fließen folgende Signale ein:

  • Core Web Vitals: eine neue Methode der Messung von Webperformance. Dieser Teil des Updates hat in den letzten Monaten bestimmt die meiste Aufmerksamkeit erhalten. Mehr zu den Hintergründen.
  • Optimierung für Mobilgeräte: mit mehr als der Hälfte aller Suchen, die auf dem Handy durchgeführt werden, ist die Optimierung von Webseiten für mobile Endgeräte (Mobile Friendliness) bereits seit längerem ein offizieller Ranking-Faktor.
  • Safe Browsing: eine Datenbank von Google, um Nutzer vor dem Besuch gefährlicher Webseiten zu warnen. Vertreten sind gehackte Websites, Phishing-Seiten und ähnliche Inhalte.
  • HTTPS: alle Webseiten sollen verschlüsselt ausgeliefert werden. Das schützt Nutzer vor dem Mitlesen durch Provider sowie andere Dritte und Google davor, dass jemand ungewollt Inhalte oder Anzeigen austauscht.
  • Interstitials: Besucher von Seiten sollen nicht durch störende Interstitials von den eigentlichen, gesuchten Inhalten abgelenkt werden.

Bis auf die Core Web Vitals (CWV) waren alle Punkte bereits vor dem Update offiziell ein Teil des Google-Rankings. Neu ist bei diesem Update, dass alle einzelnen Punkte in einem Ranking-Faktor zusammengefasst werden und eben die Core Web Vitals.

Im April hat Google dann angekündigt, dass das Page Experience Update ab Mitte Juni bis Ende August ausgerollt wird. Ein ungewöhnlich langer Zeitraum: die meisten “normalen” Updates zeigen ihre Wirkung innerhalb weniger Tage.

Unsere Auswertung: was haben wir analysiert?

Die Analyse von Google Ranking Faktoren gleicht in der Regel dem Versuch, einem abgelenkten Oktopus Hosen anziehen zu wollen. Es gibt zu viele unterschiedliche und sich ständig bewegende Enden, als dass der Versuch von Erfolg gekrönt sein kann. Mit der Diskussionen von Korrelation und Kausalität will ich gar nicht erst anfangen …

In diesem Fall sieht der Sachverhalt jedoch etwas anders aus. Durch die Kommunikation von Google im Vorfeld des Updates, kennen wir jede Menge Eckdaten des Updates:

  • Zeitraum: wir wissen, dass die Änderungen im Ranking zwischen dem 15.06.2021 und dem 31.08.2021 sichtbar werden.
  • Metriken: neu sind lediglich die Core Web Vitals. Alle anderen Werte in diesem Update sind bereits jetzt Teil des Rankings. Wir können also davon ausgehen, dass eventuelle Unterschiede im Ranking an den CWVs liegen.
  • Bewertung: Google hat klar kommuniziert, welche Werte für die Core Web Vitals gut sind, welche Werte sie als noch ausreichend ansehen und welche Werte schlecht sind.
  • Richtung der Entwicklung: es ist klar, dass schlechte Werte in den Core Web Vitals zu schlechteren und nicht zu besseren Rankings führen müssen.

So gerüstet, haben wir eine gute Chance, etwas Licht in das Dunkel dieses Updates zu bringen. Unsere Überlegung zur Messung der Auswirkungen des Google Page Experience Updates sieht daher wie folgt aus:

  1. Wir nehmen alle Webseiten, die Googles Erwartungen an die Core Web Vitals klar nicht erfüllen. Keine, die noch ausreichend sind, sondern nur Webseiten, die klar im roten, fehlgeschlagenen Bereich liegen.
  2. Von all diesen Webseiten ermitteln wir den täglichen SISTRIX Sichtbarkeitsindex ab dem 15.06.2021 zur Bewertung der Performance in den Google Suchergebnissen.
  3. Wir indexierten den täglichen Sichtbarkeitsindex vom 15.06. (dem Start des Updates) auf 100. Das machen wir für alle betroffenen Domains.
  4. Dann ermitteln wir den täglichen Durchschnitt über alle ausgewerteten Domains. Werte über 100 bedeuten, dass sich die durchschnittliche Sichtbarkeit der untersuchten Domains gesteigert hat, Werte unter 100 bedeuten, dass sie gesunken ist.

Die Erwartungen an die Messung sind klar: wenn schlechte Core Web Vitals im Rahmen des Page Experience Updates ein Ranking-Faktor werden, müssen Webseiten mit schlechten CWV-Werten auch schlechtere Rankings erhalten. Der Indexwert über alle diese Domains müsste also sinken.

Die Ergebnisse: (bislang) wenig zu sehen

Wir sind nach dem Vorgehen wie oben beschrieben vorgegangen. Dabei haben wir insgesamt 46.042 unterschiedliche Webseiten ausgewertet, die Googles Vorgaben für die Core Web Vitals klar nicht erfüllt haben.

Gemessen wurde, wie bei Google auch, mit Feld-Daten (field data). Also keine selber gemessenen Daten, sondern bei echten Nutzer in Chrome ermittelte Performance-Daten. Google hat bestätigt, dass dieses Update ebenfalls auf diesen Daten aufbaut. Das Ergebnis sieht so aus:

Der Start des Google Page Experience Updates am 15.06.2021 ist in dem Diagramm deutlich eingezeichnet. Auch ist der Durchschnitt aller 46.042 analysierten Webseiten zu diesem Datum auf 100 indexiert.

Wie wir sehen, sehen wir: nichts. Es gibt seit dem Start des Updates über die Gesamtheit aller Webseiten, die Google Anforderungen nicht erfüllen, kein systematisch schlechteres Google-Ranking. Im Gegenteil ist der Index von Anfangs 100 Punkten ganz leicht auf aktuell 100,1804 Punkte gestiegen.

Fazit: kommt da noch mehr?

Die Ergebnisse nach dem ersten Monat des Google Page Experience Updates ernüchtern. Bislang können wir keine systematischen Ranking-Veränderungen messen. Im Gegenteil gibt es bei Domains mit schlechten Werten sogar einen ganz leichten, positiven Trend in der Google-Sichtbarkeit.

Doch noch hat Google Zeit: von den rund zweieinhalb Monaten ist erst der erste Monat vergangen. Wir werden die Situation weiter beobachten und spätestens zum Ende des Page Experience Updates Ende August ein Update liefern. Unsere Erwartungen sind nach dem Ankündigungsmarathon von Google jedenfalls hoch.

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Kommentare
Malte   
15. Juli 2021, 12:31

Das klingt grundsätzlich schon mal gut, da ich als Fotograf (große Bilder etc.) seit Wochen mit den Core Web Vitals kämpfe.

Zu den Interstitials habe ich eine Frage: Im Sistrix Livestream wurde vor ein paar Wochen zum Thema Local SEO der Tipp mit Provenexpert gegeben. Ich habe nun deren Siegel auf meiner Seite und natürlich auch die Cookie-Abfrage. Kann das zusammen evtl. wieder negativen Einfluss auf mein Ranking haben?

Viele Grüße aus Wuppertal
Malte

Aurélie Vömel   
26. Juli 2021, 14:49

Toller Beitrag!

Andreas Mühlbauer   
7. August 2021, 10:56

Das Problem dabei ist, dass sich das Page Experience Update ja quasi mit den Core Updates im Juni und Juli überschneidet. Wie will man da noch auseinanderhalten, was jetzt wirklich auf dieses Update zurückzuführen ist?

Ehrlichgesagt ist es bei mir diesen Sommer ein ziemliches Auf und Ab der Gefühle!

Florian Schmitz   
13. August 2021, 12:48

Es bleibt spannend. Wir haben sämtliche CoreWebVitals unserer Projekte auf Bestwerte gebracht. Auch wir konnten beobachten, dass Mitbewerber mit deutlich schlechteren Werten zum Teil mehr an Ranking dazugewonnen haben, als unsere Seiten. Dass Google gleich mehrere Updates in den letzten Monaten ausgespielt hat, macht die Arbeit als SEO nicht leicht. Ich bin trotzdem guter Dinge und hoffe auf einen späteren Impact bei der Page Experience. @Malte – Ich meine, dass Google in einer Webmaster-Hour auf das Thema „Cookie Banner“ eingegangen ist und dort keine Probleme im Bezug auf „intrusive interstitials“ auftreten sollten.

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