Google, Don Quijote des Linkverkaufs

· 25. Oktober 2007 · 5 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Seit Anfang dieses Jahres ist der Verkauf beziehungsweise Kauf von Textlinks zur Manipulation Verbesserung des Suchmaschinenrankings insbesondere bei Google hier in diesem Blog ein Thema: Ich habe Gefahren aufgezeigt, erklärt wieso der großflächige Verkauf von Links ein Problem für den Suchmaschinengiganten darstellt, mögliche Erkennungsmuster gezeigt und zuletzt selber gezweifelt, ob Google seinen markigen Ankündigungen Taten folgen lassen würde. Das ist nun gestern passiert. Nachdem Google vor ein paar Wochen im us-amerikanischen Raum bereits einigen offensichtlichen Linkverkäufern den angezeigten PageRank herabgestuft hat, ist dies nun gestern internetweit und auch im deutschsprachigen Internet passiert. Bei einer ganzen Reihe von Seiten wurde der PageRank, den Google über die Toolbar anzeigt herabgesetzt. Dabei wurde auch vor „großen Namen“ nicht halt gemacht – so ist „Die Zeit“ beispielsweise durch den Linkverkauf von PageRank 7 auf 5 gefallen, der Statistikdienst „etracker“ von 8 auf 5 und auch internationale Größen wie die Zeitschrift „Forbes“ von 7 auf 5. Vollständigere Listen der Delinquenten gibt es beispielsweise bei Jojo zu lesen, wir haben natürlich auch eine recht große Anzahl von PageRank-Daten die Rückschlüsse erlauben, die ich allerdings nicht veröffentlichen werde – „Fingerzeig“-Postings sind nicht unbedingt mein Ding.

Welche Auswirkungen hat dieser Schritt von Google nun? Für den Googleindex derzeit keine, es gab von gestern auf heute nur die üblichen Verschiebungen des „Everflux“ aber keine gravierenden Änderungen, die man auf diese Herabstufung zurückführen kann. Ich gehe aber trotzdem davon aus, dass Google für die betroffenen Seiten die Vererbung von LinkJuice erst einmal komplett oder für gewisse Teil der Seite, auf der Links verkauft wurden, unterbunden hat – beim nächsten Backlink-Update dürften also Veränderungen zu beobachten sein. Die Linkverkäufer selber ranken wie zuvor, also wurde auch dort nicht eingegriffen. Allerdings scheinen einige der großen Titel diesen „Schuss vor den Bug“ durch Google verstanden und ihre IT-Abteilungen zu bislang unbekannter Geschwindigkeit im Entfernen der Verlinkungen getrieben zu haben.

Wenn man sich ansieht, welche Seiten betroffen sind, so wird ziemlich schnell deutlich, dass hier kein Algorithmus sondern Menschen am Werk waren. Zu offensichtlich sind einige der bekannten Linkverkäufer betroffen während andere, die exakt die gleiche Einbindung haben, davon kamen. In dem Zusammenhang ist auch interessant, dass sehr viele oder sogar alle Blogs, die Rezensionen von Trigami geschrieben und veröffentlicht haben betroffen sind – der „Footprint“ mit dem Trigami-Logo sowie der Verlinkung am Anfang des Artikels war wohl zu verlockend, als ihn nicht zu nutzen. Auch dürfte dieser Schritt wichtig gewesen sein, um das Ziel dieser Aktion zu erreichen: Googles Botschaft, dass der Linkverkauf böse sei und nicht toleriert werde, zu untermauern und verbreiten. Dieses Ziel scheint erreicht, mein Feedreader quellt mit Beiträgen zu dem Thema über, das Telefon klingelt ununterlassen und weite Teile des Internets sind in Aufregung. Möge die zweite Runde des Spiels beginnen.

Ähnliche Beiträge

Hostnamen auf Google News

Nicht nur der normale Googleindex ist interessant, mit der ständigen Erweiterung von Googles Universal Search sollten auch die ganzen vertikalen Suchen nicht aus den Augen verloren werden. Eine der ältesten und bestbesuchten vertikalen Suchen von Google ist die Nachrichtensuche „Google News“. Ich habe die Nachrichtenquellen von Google News über die […]

Johannes Beus
25. Oktober 2007
Baustelle

Bei diesem mehr als trüben Wetter habe ich mich heute morgen entschlossen, keinen Ausritt zu unternehmen, sondern etwas am Design und Konzeption des Blogs und der ganzen Seite zu basteln. Nachdem sich Gerald schon vorbildlich ins Zeug gelegt hat und uns jetzt nicht mehr mit dem etwas lieblosen WordPress-Standardtemplate begrüsst […]

Johannes Beus
25. Oktober 2007
Schränkt auch Yahoo die Backlink-Abfrage ein?

Bei Google ist es ja bekanntermaßen Folklore, dass die angezeigten Backlinks einer Seite nahezu unbrauchbar sind und seit auch Microsoft seine bis dahin hervorragende Backlink-Anzeige über Nacht deaktiviert hat, bleibt nur noch Yahoo als einzige Suchmaschine mit einem hinreichend großen Index, der eine Backlinkabfrage erlaubt, übrig. In der letzten Woche […]

Johannes Beus
25. Oktober 2007

Kommentare

Markus   
25. Oktober 2007, 12:35

Der zweite Teil des Spiels wäre die Abstrafung der linkkaufenden Seiten, nur das ist nicht so einfach. Ein paar Gedanken dazu:
http://www.tekka.de/2007/10/25/linkverkaufer-abstrafung-doch-was-ist-mit-den-linkkaufern/

Loewenherz   
25. Oktober 2007, 14:50

Die Frage für mich lautet: Welche Möglichkeiten haben Betreiber von kleineren, aber gut gerankten Seiten, Einnahmen zu generieren ohne AdSense. Akzeptieren Kunden von Bannerwerbung auch nofollow-Links? Oder nur dann, wenn sie diese billiger bekommen, da der Link nun google-technisch wertlos ist? Was machen wir mit Open Source Projekten, die ihre Kosten bislang über Paidlinks reinbekommen haben? Siehe http://www.seo-scene.de/google/google-nutzt-seine-machtposition-aus-66.html

Johannes   
25. Oktober 2007, 14:57

Loewenherz, es kann ja nicht Aufgabe von Google sein, die Finanzierung von Seiten sicherzustellen, die kein Geschäftskonzept haben. Wenn jemand darauf vertraut, mit der Manipulation der SERPs Geld zu verdienen, so soll er sich freuen, wenn das eine gewisse Zeit funktioniert hat – aber darauf zu bauen, dass diese Tour dauerhaft läuft, ist und bleibt blauäugig.

Falschspieler   
25. Oktober 2007, 19:09

So sehe ich dies auch, denn es kann ja nicht Sinn und Zweck einer Website sein, keine Informationen anzubieten aber Adsense kassieren zu wollen, es ist ja eine richtige Schwämme. Ich finde den Schritt von Google sehr gut, hoffe das auch weitere Schritte gegen die ganzen „Websitespammer“ und „Möchtegernseorganizer“ unternommen werden. Denn wenn ich mir in meiner Branche so anschaue was da los ist bekomme ich einen dicken Hals …
Ich finde zu einem gewissen Teil ist jeder Webmaster für die Qualität des Webs logischerweise mit verantwortlich und dessen sollten wir uns alle mal wieder bewusst werden.
Danke an sistrix für die Artikel, Informationen und die Arbeit, welche darin steckt … !

V.

Olaf   
26. Oktober 2007, 19:05

@Markus: „Der zweite Teil des Spiels wäre die Abstrafung der linkkaufenden Seiten, nur das ist nicht so einfach.“

Aber genau dass passiert doch gerade. Wenn die Linkverkäufer alle aus Panik Ihre Links entfernen, werden die Linkkaufenden Sites dass sehr schnell spüren – die Backlinks gehen runter und damit der Linkjuice. Es dürfte immer schwieriger werden, Sites mit entsprechend interessantem Linkjuice zu finden, die Links anbietet. Das macht es ineffektiver – und sollte die Preise erhöhen…

Die Kommentarfunktion wird 30 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags deaktiviert.