Google personalisiert künftig (fast) alle SERPs

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
5. Dezember 2009 17 Kommentare

Gestern hat Google angekündigt, personalisierte SERPs nicht nur eingeloggten Google-Nutzern auszuliefern, sondern alle Nutzer der Suchmaschine in den zweifelhaften Genuss dieses Features kommen zu lassen. Bei den personalisierten Ergebnissen werden vom jeweiligen Nutzer häufig ausgewählte Domains oder URLs besser gewertet (=weiter oben angezeigt), als in den allgemeinen Trefferlisten. Wie man dem entgehen kann, hat Hanns ausführlich beschrieben.

Interessant ist nun die Bewertung der Umstellung aus SEO-Sicht. Während manche (Update: etwas ausführlicher) schon den Untergang des Abendlandes kommen sehen, bin ich da etwas entspannter. Dass Google seit einiger Zeit das Nutzerverhalten in den SERPs einfließen lässt, dürfte mittlerweile (obwohl offiziell nicht bestätigt) Konsens innerhalb der SEO-Branche sein. Während für den Einzelnen die SERPs in Zukunft etwas anders aussehen können, werden die Auswirkungen auf die „Standard-SERPs“ sehr gering sein: alle Entscheidungen, die von einer Vielzahl der Nutzer getroffen werden, sind jetzt bereits in die SERPs eingerechnet. Die SERPs sind alle sozusagen jetzt bereits in einer Art Gleichgewicht – die Vorlieben der einzelnen Nutzer werden in der Gesamtheit keinen nennenswerten Einfluss auf den Traffic aus den SERPs haben.

5. Dezember 2009, 10:34

Wer für Webseiten optimiert, die wirklich gerne von Menschen benutzt werden, kann immer entspannt in die Zukunft schauen. SEOs die vor einem personalisierten Google Angst haben zweifeln im Grunde selber an ihren Inhalten.

5. Dezember 2009, 11:11

…stimme stereophone zu. Außerdem: wie bei allen Elementen des „Mitmach-Webs“, ist der Großteil der Nutzer passiv und konsumiert einfach nur. Das gilt auch für Suchmaschinenergebnisse. Wenn nur ein kleiner Teil „bewertet“, wird das mit Sicherheit keinen extremen Einfluss auf die SERPs haben. Insofern trifft der Artikel die Sache genau. Klickverhalten, Bouncerate, etc. sind schließlich auch heute schon Rankingfaktoren. Im Endeffekt bleibt eine weitere SEO-Baustelle, die in den kommenden Monaten beobachtet werden muss. Und hinterher ist man dann wie immer schlauer.

5. Dezember 2009, 12:36

Also ein „Neues SEO Kapitel“ aufschlagen finde ich doch etwas dramatisch ausgedrückt. Wirklich Auswirkung hat das nur, wen der Benutzer innerhalb der Cookie Lifetime öfter nach dem selben Begriff sucht. Da könnte man (bzw würde ich) meinen, dass der (anscheinend interessierte) User sich Bookmarks setzt oder sich einfach merkt „die Seite kenn ich, war nicht gut“ oder „war gut“.
Profitieren werden davon meines Erachtens die Seiten, die „es verdient“ haben und schon bei den letzten Suchanfragen des Benutzers zufriedenstellende Resultate geliefert haben. Die für mich große Frage ist die Frage der Bouncerate. Wenn der User nach etwas sucht und klickt auf #5, merkt die Seite ist nicht hilfreich und führt sofort die selbe Suchanfrage nochmal aus. Wird dann #5 höher positioniert oder schlechter? Es wird dem User absolut nichts bringen , die scheinbar schlechte Seite jetzt auf #1 zu sehen.

Weiß da jemand mehr 🙂

Huggy
5. Dezember 2009, 12:39

Kleine Ergänzung / Frage:

Weiß jemand, ob das Keyword übergreifend ist? Dh. ich habe bei Keyword1 auf die domain geklickt, also wird sie auch bei einem anderen Keyword höher positioniert?

5. Dezember 2009, 13:28

Hallo,

das Abendland steht auch morgen noch, dennoch sollte man das Ganze auch nicht unterschätzen. Jeder hier wird die doch nicht gerade unwesentlichen Veränderungen innerhalb seiner Ergebnisse im eingeloggten Zustand kennen. Da wird mal eben Wiki von einem hin und wieder gelesenen Blog ganz oben abgelöst.

Das Seiten werden keywordübergreifend sortiert, d.h. kaufe ich eine CD bei amazon, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort demnächst auch noch einen MP3-Player kaufen werde…

Bezüglich letzterer Theorie gibt Google jedoch tatsächlich Entwarnung und sagt, dass der bisherige Algorithmus bei der Sortierung der Ergebnisse überwiegt und personalisierte Serps nur ganz gezielt eingespielt werden. Mal gucken…

Grüße

Gretus

5. Dezember 2009, 13:29

@Huggy – die Bouncerate ist natürlich genauso wie Ladezeit ein Faktor des Userverhaltens den Google auswerten kann, der in diesem Fall dazu führen wird, dass die Seite langsam runter rutscht… sonst würde das alles ja keinen Sinn machen…

Danny Sullivan hat in seinem Beispiel auch klar gemacht, dass Amazon vs. B&N einen Ranking Boost bekommt, wenn viel auf Amazon URLs geklickt wird… Google bestätigt das sicher nicht – aber alles andere macht keinen Sinn IMHO

Huggy
5. Dezember 2009, 13:44

@cemper: Dass die Bouncerate insich ein Ranking Faktor ist, ist ja bekannt / wird diskutiert. Dennoch kann zB Amazon für den einen user eine super Seite sein, ein anderer kann damit nix anfangen. Klickt er auf Amazon und sofort danach auf etwas anderes , hat Amazon (auf den einen user bezogen) eine BounceRate von 100%. Wirft man alle User in einen Topf, hat amazon sicher eine bessere BounceRate als 100% 😉 . Was ich mich also Frage:

Zwar hat Amazon ansich eine super CTR und nehmen wir einmal an eine relativ niedrige Bouncerate, auf den einen User bezogen ist Amazon aber unheimlich irrelevant.

Ich hoffe, ihr könnt meinen Hirngespinsten folgen 🙂

5. Dezember 2009, 14:39

Hallo,

letztendlich wird das ganze wieder überbewertet, wie ich finde. Ich stimme Alex und Björn vollkommen zu, die großartigen Veränderungen wird es durch diese Änderung nicht geben. Sicherlich wird es die Serps ein wenig verändern, aber nur unwesentlich. Im großen und ganzen ist das ganze eine sehr nette Änderung, jedoch wird es wieder höher getrieben als es ist. Die Seiten werden jetzt nicht drastisch absinken, da Teile dieser personalisierten Suche jetzt schon Rankingfaktoren sind.

Wie es Gretus aber sagt sollte man das ganze nicht unterschätzen, trotzdem aber auch nicht überbewerten 😉

7. Dezember 2009, 11:12

Für mich ist es ein weiterer Ansporn neue Technologien (wie RDFa) zügiger in die alltägliche SEO-Arbeit einfließen zu lassen.

Gruss Wolfgang

7. Dezember 2009, 11:21

Also anfangs wundert man sich ja schon, wenn man noch nichts von einer personalisierten Suche gehört hat, warum immer die gleichen Ergebnisse erscheinen und vielleicht auch die eigene Seite, die man hin und wieder checkt, immer on top ist. Fazit wird sein, dass unbedarfte User immer wieder auf gleichen Seite landen, die vielleicht nicht so der Bringer ist, aber beim ersten Klick halt einfach oben war. Täglich grüßt das Murmeltier in Sachen SERPs.

7. Dezember 2009, 12:41

Personalisierte Angebote haben aber auch Grenzen. Bei Amazon werden mir z.B. Artikel empfohlen, die ich mal für jemanden bestellt habe, die mich aber nicht oder nicht mehr interessieren. Bei der Google Suche würde mich ein solcher Effekt erheblich stören.

Das Lommel
7. Dezember 2009, 20:31

Gratulation ! Das ist wohl der erste wirklich sinnvolle und durchdachte Post, den ich zu dem Thema lese. Es hat wieder keiner kapiert, daß die Sache eigentlich gar nicht so schlecht ist, auch für die SEO-Branche.

9. Dezember 2009, 13:17

(Manueller Trackback, da Formular kaputt)

Was bedeutet die personalisierte Suche für die SEO-Branche?
Eigentlich nicht viel, wie man in dem sehr vernünftigen Beitrag von SISTRIX nachlesen kann. Das Nutzerverhalten wird bereits seit längerem in die Berechnung der Rankings…

10. Dezember 2009, 23:40

eine uninteressante seite kann man eh net promoten wenn die user nur 10 sec auf der seite bleiben und dann zu google zurueckkehren fliegt sie aus den rank plaetzen

15. Dezember 2009, 23:25

Ich finde dies Umstellung eigentlich sehr interressant. In Nischen eröffnet das doch auch neue Möglichkeiten die eigene Seite zu pushen. Ist zwar nicht ganz white, dafür vielleicht wirkungsvoll… Vielleicht auch nicht, man muss sehen wie sich das Ganze entwickelt.

19. Dezember 2009, 12:02

Diese ganze Entwicklung ist auf eine gewisse Weise mies. Im Grunde sind es doch wieder die Finanz- und Leistungsstarken Unternehmen, die daraus einen Gewinn erzielen und der kleine bemühte Unternehmer bleibt auf der Strecke …

24. Mai 2010, 11:23

Diese ganze Entwicklung ist auf eine gewisse Weise mies. Im Grunde sind es doch wieder die Finanz- und Leistungsstarken Unternehmen, die daraus einen Gewinn erzielen und der kleine bemühte Unternehmer bleibt auf der Strecke …