Google Produktsuche: Quo Vadis?

· 29. März 2009 · 24 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Dem aufmerksamen Beobachter der verschiedenen Universal-Search-Integrationen wird in den letzten Wochen nicht entgangen sein, dass Google aktuell sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten austestet. Dabei kommt jetzt auch ein Bereich dran, dem in den letzten Jahren sehr wenig Beachtung geschenkt wurde: die Google Produktsuche. Ende 2002 noch unter der Bezeichnung „Froogle“ gestartet, nutzt Google erst jetzt die Möglichkeiten und Chancen, die sich dem Suchmaschinengigant in diesem Markt bieten. Hier ist eine der neuen Integration der Produktsuche in den SERPs zu sehen:


Google verlinkt also nicht mehr drei oder fünf Shops, die das gesuchte Produkt anbieten direkt, sondern schaltet jetzt eine Seite der Produktsuche dazwischen, die Angebote zu dem Artikel nach Preis sortiert liefert – eine klassische Preisvergleichsfunktion. Interessant wird es nun, wenn man sieht, wie Google versucht, die Darstellung anzureichern: zu den Händlern werden Bewertungen von anderen Seiten ausgelesen und strukturiert zusammengefasst. Das kennen wir bereits von Hotelbewertungen, scheint hier jetzt ebenfalls angewendet zu werden.

Spannend wird nun, wie Google weiter vorgeht. Ich gehe davon aus, dass die Übernahme von Bewertungen von Drittseiten wie Ciao.de oder Dooyoo.de auch für Produkte umgesetzt wird – hier sind diese Daten erst richtig nützlich. Dabei wird Google wenig Rücksicht auf Befindlichkeiten der Seitenbetreiber nehmen. Wem das nicht passt, der kann den Googlebot (und es gibt dank des Crawlcaches seit einiger Zeit nur noch einen Googlebot, so dass man keine Fallunterscheidung treffen kann) ja per robots.txt aussperren. Ebenfalls glaub ich, dass wir eine weiter verbreitete Integration der oben gezeigten Boxen sehen werden. Für Google wird es uninteressant, direkt auf den Shop zu verlinken, wenn sie zuerst ihr eigenes Portal stärken können. Schlussendlich denke ich, dass Google Checkout ins Spiel kommen wird. Der Konkurrent zu Paypal ermöglicht esGoogle, einen komplett eigenen Warenkorb über verschiedenen (natürlich teilnehmende) Händler in die Google Produktsuche zu integrieren – Performancemessung und – Abrechnung dann vermutlich inklusive.

Ähnliche Beiträge

Google-SERPs: Längere Snippets, bessere Suchvorschläge

Google hat heute zwei Änderungen für einen Teil der SERPs angekündigt und auch direkt umgesetzt. Zum einen sollen die Snippets, also die Auszüge aus dem Seitentext in Zukunft länger als die bislang bekannten zwei Zeilen werden, wenn die Suchanfrage aus mindestens drei Worten besteht. Damit stellt man sich wohl auf […]

Johannes Beus
29. März 2009
Twitter

„Neumodisches Gedöns für alle, die zu viel Zeit haben“ – das war mein erster, und wie ich jetzt im Rückblick sehe, verkehrter Eindruck von Twitter. Mittlerweile sehe ich Twitter etwas anders und nutze den Dienst fast täglich, um interessante URLs und Netzfundstücke, die für ein eigenes Blogposting zu kurz oder […]

Johannes Beus
29. März 2009
Google hat Wikipedia wieder lieb

Anfang Dezember sah‘ es so aus, als hätte die innige Freundschaft zwischen Google und Wikipedia erste Risse bekommen. Von einer Woche auf die andere ging es für eine ganze Reihe unterschiedlicher (und zumeist stark umkämpfter) Keywords für die Inhalte von Wikipedia deutlich nach hinten in den SERPs – Marcus hatte […]

Johannes Beus
29. März 2009

Kommentare

Sebastian   
29. März 2009, 16:51

Ciao.de bietet sich an. Da da die Infos, wie Du schon sagtest, einen Merhwert bergen. Allerdings bin ich generell mal gespannt, wie „gemixed“ die Suchergebnisse in einem jahr sein werden , je nach „Suchwort“. Blogpost, News, Textanzeigen, die normalen Suchergebnisse, dann noch die“Produktssuche“ teils Ortsabhängige Anzeigen, etc… ein kunterbunter Mix! Kein Vergleich mehr dazu, wie es einst ausschaute!

Johannes   
29. März 2009, 17:00

Sebastian, ich denke schon, dass Google das ganz gut im Griff hat und diese Einbindungen nur einblendet, wenn der User einen Mehrwert davon hat. Aber dass die SERPs sich deutlich verändern, ist schon richtig. Mal gucken, wohin die Reise geht.

Jörg   
29. März 2009, 17:41

Interessant ist auch, das es als Produktsuche und nicht als Preisvergleich deklariert wird. Trotzdem werde ich aus der Sortierung der Produkte nicht schlau, weder nach Preis noch nach Bewertung oder sonstwas. Sehr kunterbunt.
Ansonsten gehen in der Branche schon seit Jahren Gerüchte um, das Google „gross einsteigen“ will. Passiert ist bis jetzt nicht viel. Da es technisch ja nun keine grosse Meisterleistung ist, vermute ich mal geschäftliche Interessen, die da im Weg stehen. Eines ist natürlich klar: sollte Google das Thema mal ernsthaft in Angriff nehmen und auch bewerben, dann wird es für die meisten Preisvergleiche ungemütlich.

bennos   
29. März 2009, 18:59

Google will seine Marktmacht optimal ausnutzen und zapft dazu die Shops und Preisvergleiche an. So wie Johannes schon sagt, wird am Ende der Entwicklung stehen, das alles über Google abgewickelt wird und der Kunde den Onlineshop gar nicht mehr besucht. Shopbetreiber kann das ziemlich egal sein, so lange die Verkäufe gleich bleiben oder besser werden. Hier drängt sich mir die FRage auf (wie bei Jörg), wie werden die Produkte gerankt? In der Produktseite für das Nintendo DS Lite wird nach Relevanz sortiert. Das kann viel heissen. Greifen die üblichen Rankingfaktoren? Wonach wird sonst gegangen? Trade-a-game.de hat einen günstigen Preis, eine gute Bewertung und sie schalten zu dem Produkt Adwords. Mal sehen was da in nächster Zeit tut und was da an Fakoren rauskristalliesiert.

André   
30. März 2009, 10:24

Rein zur Information, da ich glaube, dass einige Kommentatoren es nicht wissen oder mißverstehen: als Händler muss man sich zur Produktsuche mit Googlekonto anmelden und einen Feed der zu verkaufenden Produkte des Shops liefern.

Aus Händlersicht: die bisherige Integration der Produktsuche war in den Fällen gut, in denen man unter den ersten 3-5 Produkten gelistet wurde. Nach welchen Kriterien das geschah ist schleierhaft. Nehme an das es selbe Relevanzkriterien sind wie bei der normalen Suche. Ich denke das es ein Schritt in die richtige Richtung ist, die Produktsuche so wie oben Beschrieben seitens Google darzustellen. In dieser kann der Besucher dann auch entsprechend sortieren wie er möchte.

mfg
André

verivox   
30. März 2009, 10:24

@bennos,
so egal kann dies auch einem Shop nicht sein. Z.B. das Thema XSelling wird für die Shops nicht mehr funktionieren über Google.

@all, das Konzept von Google ist es die User möglichst schon auf den Seiten von Google alle nötigen Infos zu geben und auch möglichst viel abzuwickeln. Mir ist dies kein sympatischer Gedanke, denn es läuft darauf hinaus, dass Google keine Suchmaschne mehr ist, sondern Contentanbieter… und damit in Konkurenz zu den eigentlichen Quellen arbeitet. Eine Wahl gibt es für die Shops letztlich nicht, den aussperren ist kein gangbarer Weg.

Chris   
30. März 2009, 10:34

Bin mal gespannt, wann die erste Klatsche vom Kartellamt kommt. Faktisch nutzt Google die marktbeherrschende Stellung in einem Markt (Suche) aus, um sich in anderen Märkten (nahezu alle Universal Search Produkte, etwa Video, News oder wie hier Produktsuche) einen unfairen Vorteil zu schaffen.

Noch hat Google eine lange Leine, weil die Wettbewerbshüter wenig thematischen Sachverstand mitbringen und auch sonst relativ lange brauchen, um in die Gänge zu kommen.

Markus   
30. März 2009, 10:35

als Privatperson finde ich es sehr nützlich, Produkte direkt bestellen zu können über google. So spart man sich einige Klicks. Als Shopbetreiber sehe ich das ähnlich wie bennos. XSelling ist doch ein sehr entscheidender Punkt eines Online-Shops.

feenhaar1   
30. März 2009, 12:48

@shopbetreiber: danke für den Link über google produktsuche http://tinyurl.com/cgw3ql

smartshoppingseo   
30. März 2009, 12:54

Ich glaube, dass eine Universal Search nur dann angenommen wird, wenn der Nutzer es selbst möchte. Vorgesetzt bekommen möchte man es m.E. nicht. Auch halte ich eine UniSearch für zu verwirrend und überfüllt und nur für einen Teil der Suchergebnisse hilfreich. Für die Preisvergleiche bedeutet das m.E., dass sie dadurch mal wieder in die Innovation getrieben werden. Da hat sich in den letzten Jahren nicht viel getan, diesen Stand kann Google leicht erreichen. Google muß nur schauen, wie sie das mit ihrem Geschäftsmodell der Anzeigen vereinbart bekommen, wenn Shopping Search weiter kostenlos ist.

Alles in allem Ausbruchversuche aus dem Stammgeschäft weiteres Wachstum zu ziehen, sehe ich allerdings skeptisch. Google endet so irgendwann als Portal.

Özgür   
30. März 2009, 14:14

Also bisher ist doch die Google Produktsuche eines der schlechtesten Produkte von Google. Ich denke das Thema hat neben der technisch schlecht umgesetzten User Experience auch einen enormen strategischen Faktor.

Schaut man sich Top SEA Player an, so ist schon stark auffällig das sich dort viele Firmen wiederfinden die durch Google Produkt schnell ihre Daseinsberechtigung verlieren würden. Will man das bei G? Auch ist die Frage wann Google den Schalter von Free Listing auf Paid Listing anbietet, ich denke das wurde bisher nicht gemacht weil das Produkt einfach zu schlecht ist, aber mit der stetigen Weiterentwicklung wird es kommen und dann konkurriert Google quasi mit seinen AdWords Key Accounts.

Aus User Expierence Sicht fehlt es Google Produkt einfach an Tiefe, Attribute wie Shop oder Preisbereich sind keine große Hilfe. Wichtiger wäre, je nach Kategorie entsprechende Filterkriterien (Speichergröße, Farbe, Auflösung etc.). Einen großen Mehrwert gibt es hier nicht.

Letztendlich wird doch mal wieder ein Slot vom Natural Search Teil in Richtigung Paid Search verschoben. Hoffe nur nicht das es eines Tages wie bei Y! ist, wo man dann erstmal mal ewig runterscrollen muss um die wirklichen Natural Search Results zu finden.

Bin mal gespannt wann Google Real Estate und Google Travel kommt….

openstream   
30. März 2009, 14:29

Google Produktsuche: Quo Vadis? http://tinyurl.com/cgw3ql

Oliver   
30. März 2009, 15:45

hmm, hab mal gelesen, das Anzahl der weiteren Atribute und die Häufigkeit der Aktualisierung der Produktdatei Einfluss aufs Ranking bei Froogle haben soll, aber habe noch keine Test dazu ausgeführt. Interessant wäre eine Optimierungsmöglichkeit schon für jeden Shopbetreiber *g*

hitflip   
31. März 2009, 11:22

Die Frage bleibt für mich: wollen die Kunden direkt bei Google kaufen, per Checkout, ohne Kenntnisse des Händlers dahinter, Garantie usw.? Die meisten Shops (und Marktplätze) stecken eine Menge Arbeit in die Produktdaten, Nutzerführung, Checkoutprozesse, Zahlungsmethoden, Servicequalität usw. Das muss Google erstmal alles kopieren, bevor sie sich selbst zum Händler aufschwingen. Das wird ein langer Weg.

Als Marktplatzbetreiber mache ich mir derzeit nicht so viele Sorgen. Aber als Preisvergleicher würde mich das ziemlich beunruhigen.

Marcel   
31. März 2009, 12:01

Die Google Produktsuche ist eigentlich ein Wunderbares Instrument, neue Kunden zu finden, wenn man die FAQ vom Google Base in ruhe komplett durchließt, weis man eigentlich auch, worauf es ankommt um in den normalen Suchergebnissen zu erscheinen oder unter „Relevanz“ weiter vorne zu landen. Ich mag es schon deshalb, da hier das Marketing über den Preis nicht funktioniert und man sich nicht immer mit Wohnzimmer-Ramsch-Händler rumschlagen muß.

Ein direktes Kaufen auf Google, würden die meisten Händler eher nicht begrüßen, es sei denn die User/Kunden haben durch Google so ein hohes Vertrauen, das mehr Leute bestellen würden als wenn die direkt zum Shop kommen.
Nachteil ist ganz klar die zusätzlichen Kosten die Google mit seinem Checkout berechnen würde und das man Kunden nicht alle Infos geben kann, die beim Kauf von manchen Produkten notwendig sind. Und dann kommt noch die rechtliche Frage um nicht wieder in eine Abmahnfalle zu tappen.

Die Produktdaten lädt der Händler schon immer selbst hoch (oder automatisiert). Neu ist im Basecenter, das man dort nun auch die Versandkosten hinterlegen kann und (erstmal nur für die USA) auch steuerliche Dinge eintragen kann. Also wird es nicht mehr lange dauern, bis Google es weiter an den Preissuchmaschinen anpassen wird.

Oliver Hauser   
31. März 2009, 14:55

hat jemand eine ahnung, wann die produktsuche endlich auch in österreich, bzw. auf google.at verfügbar sein wird?

GoogleSucheNutzer   
1. April 2009, 00:56

@ Oliver:

Nein.

Aber generell finde ich die zahlreichen Fuintkionen, welche die Google Suche nun offeriert, wirklich klasse..

Fachinformatiker Azubi   
1. April 2009, 01:27

Google hat heute die Suche mittels Ajax Hilfe auch in Deutschland gestartet.

Lg Azubi

Thomas Wingenfeld   
3. April 2009, 21:48

Die Google Produkt-Suche versucht nun auch redaktionelle Testberichte (also Tests aus dem Labor, nach standardisierten Kriterien durchgeführt, nicht „Kunden-Berichte“) bevorzugt aufzunehmen und sinnvoll auszuweisen.

Wenn man das zu Ende denkt, können in Zukunft wirklich sehr viele Aggregatoren eliminiert werden – Google navigiert dann den potenziellen Käufer direkt zu den Seiten, die Testberichte selbst erstellen, falls der Leser noch in einem Stadium ist, in dem er sich tiefer informieren will. Bzw. direkt zu den Shops, die diese Produkte verkaufen.

Das müssen auch nicht nur Online-Shops sein – es spricht nichts dagegen, regionale Verfügbarkeiten in Präsenzgeschäften abzubilden. Oder die Suchenden direkt zu Herstellershops zu leiten, die nur noch die Produkte eines Herstellers führen – wenn die Entscheidung für eine Marke bereits gefallen ist.

Das Ganze verknüpft mit Google Maps und dem tiefen Wissen der Suchmaschine über das Nutzerverhalten sollte eine unschlagbare Kombination sein.

Gut gemachte Produktsuchmaschinen, die einen zusätzlichen Mehrwert bieten, z. Bsp. über die Integration weiterer exklusiver Kataloge, Berichte, Features etc. werden weiter ihr Auskommen haben.

Wer jedoch nur eine Website von „der Stange“ benutzt (Whitelabel) wird sich sehr schwer tun.

Über die Toolbar kann Google ja heute schon feststellen, was die Suchenden getan haben, nachdem die Suchmaschine verlassen wurde – das ergibt ganz neue Ranking-Kriterien.

Andreas   
6. April 2009, 14:09

Ich denke, wie die Preisvergleich-Portale wird auch Google sich hier im Bereich der „direkten“ Verkäufe auf einen Bereich beschränken müssen, der durch einfache Vergleiche (vor allem über den Preis) dargestellt werden kann. Es gibt sicher Produkte, bei denen die Bedürfnisse des Kunden über die Typenbezeichnung und über den Preis sofort bedient werden können, so dass Google hier alle relevanten Informationen stellen und auch direkt einen Verkauf aulösen kann, während „beratungsintensive“ Produkte auch weiterhin einen Besuch des Online-Shops erfordern werden. Strategisch würde ich von Google hier also langfristig eine „Mischform“ erwarten. Direkte Verkäufe über die Google-Seite (mit einer wie auch immer gearteten Provisionsform) und zusätzlich eine kostenpflichtige Weiterleitung (vielleicht nach dem cpc-Modell) für den Besuch des Shops.

baff germany   
13. April 2009, 02:36

Eine sehr gute Alternative zu den ganzen Preisvergleich Portalen ist es allemal.

Google kostet nix, die anderen schon, daher ist es von google ein relativ guter Schachzug nochmals in ein Markt einzusteigen wo im Moment nur „Chaos“ herrscht.
Ein Vorteil von google Produktsuche ist das es nicht nur auf den Preis beschränkt ist sondern auf ein paar Eigenschaften mehr, damit man in den SERPs auftaucht.

chulian   
16. April 2009, 21:17

ich denke nicht dass google es wagen wird produktdaten von portalen zu crawlen welche diese daten selbst nur lizensiert haben. warum nicht selbst von datenlieferanten wie encodex oder cnet beziehen? oder macht das google eigentlich nicht schon?

http://www.google.com/products/catalog?hl=en&q=apple+ipod+touch+16gb&show=li&cid=16281972308842779983&sa=title#ps-tech-specs

Ben-i   
17. Januar 2010, 15:50

Google muss einfach alles und jedem, gleich welcher Bereich, Konkurrenz machen. Sobald eine neue Geschäftsidee das Internet berührt, zieht Google nach. Es gibt genügend etablierte Preisportale.

Ich bin mal gespannt wann es das Googlefacebook geben wird…

Grüße an die Datensammler!

Aira   
27. Januar 2012, 17:44

Insights like this liven thnigs up around here.

Die Kommentarfunktion wird 30 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags deaktiviert.