Google zieht sich (vermutlich) aus China zurück

Johannes Beus
Johannes Beus
13. Januar 2010
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Groß war heute Morgen das Medienecho, als Google verkündet hat, seine chinesischen Suchergebnisse zukünftig nicht mehr zensieren zu wollen. Auslöser für den deutlichen Richtungswechsel waren laut Google-Blogposting Angriffe auf die Google-Infrastruktur: GMail-Accounts von Menschenrechtlern seien ausgespäht worden. Dass Google nach dieser Ankündigung in China keine große Zukunft mehr bevorsteht, ist offensichtlich.

Vor drei, vier Jahren wären die Beweggründe in meinen Augen noch eindeutig gewesen: Don’t be evil. Eine Firma wie Google könne unter diesen Umständen gar arbeiten, ohne seine Identität aufzugeben. Heute war mein erster Gedanke: das ist doch nur eine vorgeschobene Ausrede, um China (Google keine 20%, Baidu 70% Marktanteil) möglichst gesichtswahrend und pr-trächtig zu verlassen.

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Kommentare
Sniffer   
13. Januar 2010, 21:33

Grundsätzlich ist das natürlich eine Sauerei, das versucht wird eine Infrastruktur zu hacken und so an Informationen zu gelangen. Andererseits: Ist es nicht so, dass Google selbst in G-Mail alle Mails scannt um maßgeschneiderte Werbung zu präsentieren? Hier gehen wir mal davon aus, dass es hoffentlich wirklich nur um Werbeeinblendungen geht und die Daten nicht anderweitig kummuliert werden. Mein Fazit zu der Geschichte: Wer in Glasgow sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

lukasoni   
13. Januar 2010, 21:59

@Johannes
Google.cn ist bei Alexa auf Platz 15 weltweit – denke daher ist dein erster Gedanke dem 2ten bei Twitter vorzuziehen (Respekt, wenn kein PRStunt ;))

Am besten in den Medien dazu, fand ich den Beitrag von Philipp:
http://blogoscoped.com/archive/2010-01-13-n51.html

tobi   
13. Januar 2010, 23:06

Diese Erklärung ist naiv. Warum sollte man sich aus einem Land zurückziehen, in dem man 20% des Suchmarktes hat. Wer weiß, wie viele Mrd.€ das wert ist? In der unterlegenen Position zu sein heißt nicht, kein Geld zu machen. Deswegen setzt Microsoft auf die erbärmliche Bing-Engine fort. Der wahre Grund ist uns einfach unbekannt.

Stefan Koch   
13. Januar 2010, 23:38

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass es um ein „don’t be evil“-Image geht. Immerhin soll, laut dem Buch „Das Google-Imperium“, bereits bei der Überlegung, sich in China anzusiedeln, einer aus dem Triumvirat Page-Brin-Schmidt gegen den Einsatz gewesen sein.

Ich habe heute gelesen, dass Hacker diesmal auch an Source-Codes gingen. Allerdings weiß ich nicht mehr, wo das war und wie zuverlässig die Quelle bewertet werden kann…

Volksbank   
14. Januar 2010, 08:16

Google steigt in meiner Achtung!

Tobi   
14. Januar 2010, 09:08

Ich finde es schwierig zu bewerten was da los ist. Erstmal abwarten ob und wie sich da jetzt die US-Regierung einmischt und ob Google die Eier hat, die große Firewall zu durchbrechen und dauerhaft frei verfügbare ungefilterte Suchergebnisse nach China zu bringen. Der Fall bleibt sicher interessant…

thodie   
14. Januar 2010, 12:10

Scheint ein heißes Thema zu sein. Ich kann mir mit den oben genannten Gründen diesen Schritt jedoch nicht ganz erklären.

http://webuser.hs-furtwangen.de/~dier/index.php?x=entry:entry100114-140620 <– eine weitere These zum Thema.

Kolbi   
14. Januar 2010, 13:10

Also wenn die wirklich an den Source-Code gekommen sind, dann werden die Chinesen nun den Schlüssel zum PageRank und den Suchmaschinenplatzierungen haben.

Gruß

Miguel Rego Gomes dos Reis   
15. Januar 2010, 16:25

Danke Google für dieses deutliche Signal an die chinesische Zentralregierung in Peking!
Staatliches Hacken sollte nicht folgenlos bleiben.
Der Konzern steigt in meiner Achtung, auch und vor Allem, weil er die Wahrheit nicht zensiert.

Johannes   
15. Januar 2010, 17:28

Google wurde in China übrigens durch einen 0-day im Internet Explorer gehackt (Quelle: http://www.wired.com/threatlevel/2010/01/operation-aurora). Was heißt das? Zum einen dass die Googler wohl ihren eigenen Browser nicht nutzen 😉 Andererseits sieht man in dem Angriff aber auch, dass Hacker, extra für Google, einen Exploit im IE gesucht und gefunden haben. Sowas ist mit extremen Aufwand verbunden und wird sonst nur im Bereich der Militärspionage gemacht.
Ich möchte nicht wissen was gesellschaftlich und politisch passiert, wenn China (egal ob in der Form des Staates oder einer privaten Firma) an amerikanische Personendaten von Google kommt.
Dennoch: Respekt vor Googles Entscheidung- obwohl es ja eigentlich die Rolle des Staates währe auf die Menschenrechtsverletzungen in China aufmerksam zu machen…

Missfeldt   
15. Januar 2010, 23:36

Vielleicht ist es aber auch ganz anders: denn seit heute geht eine Warnung vor dem IE durch die Medien. Es wird expliziet darauf hingewiesen, einen anderen (kostenlosen) Browser zu installieren. Die Nummer wird Microsoft sicher nicht schmecken.
Die Frage ist, ob das Microsoft-Leck so hoch gehängt worden wäre, wenn Google nicht diesen drastischen Weg gewählt hätte.
Irgendwie frage ich mich, warum Google das alles öffentlich macht. Wenn die chinesische Regierung Gmail-Konten ausspäht, dann wendet man sich doch zuerst an die US-Regierung oder versucht das auf direktem Wege zu machen. Das stinkt irgendwie nach ausgebuffter Kampagne, aber nicht zugunsten der Menschenrechte…

Johannes   
16. Januar 2010, 12:23

Wenn die chinesische Regierung Google-Daten (nicht nur Gmail-Konten) ausspäht, dann verkriecht man sich ganz schnell unterm Tisch. Die Macht der Googledaten ist nicht zu unterschätzen und wenn die Chinesen darauf Zugriff hätten, wäre das schon ein sehr starkes politisches Druckmittel.

thodie   
17. Januar 2010, 12:47
Ich   
18. Januar 2010, 17:49

Offtopic [Ironie]:

Google wird nun den Suchalgorithmus offenlegen.
Warum?

Nun weil die Verlage gerne wissen würden, warum manche Seiten schlechter gerankt werden
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Verleger-Google-soll-Websuche-offenlegen-906897.html

Hätten wir mal vor Jahren das Kartellamt gefragt, dann bräuchten wir kein SEO mehr

[/Ironie]

Carl   
25. Januar 2010, 23:05

Google…wer im Glashaus sitzt, sollte nicht…

Jonas   
1. Februar 2010, 15:25

Naja, macht Google richtig. Ich halte nichts von dieser komischen Zensur und dem anderen Krams was die Chinesen machen.

Mustafa Ulusoy   
2. Februar 2010, 12:07

Die Chinesen sind ja voll die überwacher fehlte ja wirklich noch das

Cem   
2. Februar 2010, 12:08

halte auch nichts von der Zensur mal schauen wie google jetzt weiter vorgeht

Übersetzungsbüro   
10. Februar 2010, 16:26

Und was hat sich ergeben?

beolex   
6. Mai 2010, 12:05

Was macht China nur ohne Google – wie soll es weiter gehen?

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