Haftet eine SEO-Agentur bei Fehlern?

Johannes Beus
Johannes Beus
2. Juni 2008
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Auf rund 10.000 Metern Höhe zwischen Frankfurt und Seattle macht man sich so seine Gedanken. Über (fehlenden) Umgangsformen, seltsam synchronisierte Filme oder die Arbeitsweise mancher SEO-Agenturen – und schon wären wir beim Thema. Seit Monaten, wenn nicht sogar seit Jahren muss allen, die sich hauptberuflich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen, klar sein, dass Google gewisse Vorgehensweisen beim Linkbuilding nicht mehr akzeptiert. Neben dem großen Block des Linkkaufs und –verkaufs, um den es zwar mittlerweile eher wieder ruhig geworden ist, bei dem die PageRank-Abwertung verkaufender Seite kontinuierlich weitergeht, sind das hauptsächlich Links aus Webkatalogen und Artikelverzeichnissen. Gucke ich mir alleine PageRank-Veränderungen der letzten Tage an, so finden sich hier zahlreiche Seiten aus eben diesem Schema:

onlineshop-artikelverzeichnis.de. Old: 3, New: 0
artikel-liste.de. Old: 1, New: 0
artikelwand.de. Old: 3, New: 0

Das sind alles keine außerplanmäßigen PageRank-Updates für diese Seiten sondern manuelle Abwertungen. Google hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass der angezeigte PageRank auch eine Art Kommunikationsmittel dafür sei, welchen Seiten vertraut werde und welchen eben nicht – eindeutiger kann ein Votum gegen diese Art von Webkatalogen und Artikelverzeichnissen fast nicht mehr ausfallen.

Eine E-Mail einer größeren SEO-Agentur, die Admin-Zugang zu einem Webkatalog, den ich in den Urzeiten des Internets mal gestartet, seit Jahren allerdings nicht mehr pflege, haben wollte, um so ihre Kunden dort stressfrei einzutragen, hat mich jetzt zu folgender Frage gebracht: Ist das Vorgehen der SEO-Agentur bereits (grob) fahrlässig und ein Grund für mögliche Regressansprüche des Kunden bei Google-Strafen? Meinungen dazu?

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Kommentare
Carsten   
2. Juni 2008, 01:23

Sollte es eigentlich sein, erkläre die Problematik aber mal einem 60 jährigem Richter 🙂

Kevin   
2. Juni 2008, 02:30

Also, ich bezweifle aber mal ganz stark, das sich der Google Page Rank als Beweismittel heranziehen lässt, zumal dieser ja nicht-öffentlichen Algorithmen unterliegt.
Nene, selbst wenns im Vertrag drinsteht, dürfte der Kunde wohl kaum beweisen können, wie die mögliche Abstufung zustande kam.

Johannes   
2. Juni 2008, 02:33

Und wie sieht es dann aus, wenn der Kunde in den Google-Webmastertools eine Nachricht findet, die ihn darauf hinweisst, dass die Seite wegen Vergehen XY, das die Agentur so gemacht hat, aus dem Index entfernt wird?

hannes   
2. Juni 2008, 08:18

Ich glaube, das ist genau ein Problem, warum die breite Masse an Menschen SEOs immer noch als Spamer o.ä. sehen. Man kann eben leider keine Garantie geben und bewegt sich somit auf einem sicheren Weg, egal was mit der Kundenseite passiert. Zahlung erst bei Erfolg ist ein guter Weg, Vertrauen zu schaffen, leider hat der Kunde immer das Risiko mehr verlieren als gewinnen zu können.
Um Vertragsstrafen wirksam zu machen, da stimme ich Carsten und Kevin zu müsste es sowas wie einen „Rat der weisen SEOs“ geben, die das Gericht im Zweifel unterstützen. Und auch die können natürlich nicht mit Sicherheit sagen, was fahrlässig ist und was nicht. Es ist eben immer noch ein ganzes Stück Voodoo dabei 🙂

Jonathan   
2. Juni 2008, 07:34

Guten Morgen,
da sowas ja auch mal ohne massenweises Eintragen in Webkataloge, Artikelverzeichnisse und Co. passieren kann, sollte man generell keine Haftung für den Absturz/Rauswurf in den Suchmaschinen übernehmen.

Grüße

Maik   
2. Juni 2008, 09:40

@Jonathan nenn mir doch mal bitte eine Seite die aus dem Index geflogen ist die sich an den Richtlinien gehalten hat.

So und nun zu deiner Frage Sistrix.
Die Frage ist doch wie bekommt die Agentur die Seite weiter hoch in den Serps. Und ist der Kunde damit einverstanden. Mit solchen Mitteln zu arbeiten.

Also wenn eine Seo-Agentur XY verspricht kein Blackhat zu praktizieren, u.s.w.. Und dies doch macht bin ich der Meinung das die Agentur dafür zahlen muß.

Sollte aber vorher klar sein das hier verbotene Mittel zum Einsatz
kommen und der Kunde über die möglichen Konzequenzen aufgeklärt wurde hat er eben pech gehabt. Denn hier wusste der Kunde auf was er sich einläßt.

Maik

seoptiker   
2. Juni 2008, 09:45

Das ist eine schwere Entscheidung denn was soll man eine Agentur bestrafen die vor 5-10 Jahren Webkat-Einträge gemacht hat und es auch damit funktionierte? Wird das aktuell gemacht so ist es fahrlässig, würde ich sagen. Ich denke man müsste ganz genau die Zeit in betracht ziehen, in welcher der Vertrag zustande kam.

webpixelkonsum   
2. Juni 2008, 10:23

Ich finde die Einleitung Deines Artikels paradox…. In 1o.ooom Höhe über den „Absturz“ nachzudenken hat sich etwas cooles für mich 😉

Aber die Frage, ist wie viele vorher, wieder ein sehr guter Denkanstoss um über alltägliche Probleme nachzudenken, bevor diese eintreten.

Wie es bereits in den Kommentaren angedeutet wird, ist die Frage einfacher zu stellen als eine passende Antwort darauf zu geben. Ich für meinen Teil gehe mit meiner Antwort in Richtung von „seoptiker“. Google selbst ist Anbieter mit eigenem Qualitätsanspruch. Wie wir alle aus eigenen Erfahrungen wissen, ist unser eigener Wissensstand grösser als vor 5 bis 1o Jahren (oder auch nicht). Verbesserungen lassen wir in aktuelle Projekte unmittelbar einfliessen, wobei es egal ist ob diese neu oder „nur“ gepflegt werden. Warum soll Google dies untersagt werden? Was vor 5 bis 1o Jahren aktuell war, ist eben durch die Erfahrungen (wahrscheinlich negativ besetzt) heute überholt. Wie in dem erwähntem Beispiel in dem Kommentar wurde diese Website nicht mehr gepflegt. Aus meiner Sicht besteht kein Anspruch auf Schadensersatz. Hilfreich ist aber auch eine vertragliche Regelung, damit man so eine mögliche Vorgehensweise ausschliessen kann.

Sollte die Agentur gegenwärtig gegen die öffentlichen !!!! Richtlinien von Google verstoßen, besteht ganz klar ein Verstoß gegen AGB’s und somit ein Anspruchsgrundlage. In meinen Augen ist der PageRank aber kein Qualitätsmerkmal, sondern für Google ein Indikator oder? Dies macht das Ganze etwas komplizierter 😉

Ralph

Tim   
2. Juni 2008, 10:34

Ich verstehe nicht was an einem Webkatalog-Eintrag grob fahrlässig sein soll. Hat ein Webkatalog Eintrag schonmal geschadet? – Dann würde ich gerne mehr darüber wissen. Du sagst ausserdem, dass dein Webkatalog seit Uhrzeiten existiert… Vielleicht ist das am Ende ja sogar in richtig toller Backlink?

Gretus   
2. Juni 2008, 10:53

Hallo,

für etwas, wofür es keine eindeutigen Richtlinien gibt, kann man auch keine Hafftung übernehmen. Was sicher interessant ist, wäre z.B. eine `Google Versicherung´. Gegen eine monatliche Pauschalte, zahlt diese im Falle einer Abstrafung etc. Meine Idee 🙂

Grüße

Gretus

Plaudertasche   
2. Juni 2008, 13:05

Ich denke es kommt nicht darauf an, dass man einen Link aus einem Webkatalog bekommt, der einen schadet! Sondern eher wie dieser Webkatalog mit Links aufgebaut wurde. Früher konnten diverse SEO´s sicher ihr Projekt mit Spamkommentaren stärken und damit dann Leute anlocken die sich dort eingetragen haben. Diese Zeiten sind nun denke ich vorbei und deshalb werden auch solche Seiten von Google abgestraft. Denn Google mag nur natürlichen Linkaufbau. Erst dann erfährt der Nutzer sekundär einen Nachteil, wenn dann die Abstrafung stattgefunden hat.

Jörg   
2. Juni 2008, 15:37

Warum sollte es grob fahrlässig sein??

Ich denke nicht, dass Google etwas gegen Kataloge etc. hat. Sie haben doch lediglich den PR runtergestuft. Das ist doch keine Strafe im eigentlichen Sinn. Zumindenst ist es nicht in erster Linie als Strafe gedacht.
Da die „Vererbung“ automatisch passiert, wollte Google doch bloss den „trust“ der Katologe reduzieren. Hätten Kataloge gar keinen „trust“ mehr, so wären sie nicht mehr im Index. Sie haben jetzt halt wenig „trust“. PR soll wieder ein Qualitätsfaktor werden, also darf es nicht mehr so einfach sein PR aufzubauen. Die Kataloge sind immer noch(zumindenst die meisten) im Index, wenn auch PR0. Somit bringt ein Eintrag immer noch einen Backlink, zwar einen schwachen aber ein Link. Mir doch egal, ob der Katalog auf Platz 2 oder auf Platz 134 ist. Ich muß halt nur mehr mehr Einträge machen, um „trust“ aufzubauen.
Falls es einem natürlich auf PR ankommt oder man dem Kunden einen bestimmten PR zugesichert hat, so sind Kataloge sicherlich der falsche Weg.

Grundsätzlich ist es doch wohl aber so, dass es auf die Vertragsvereinbarungen ankommt und auf das was rauskommt. Wenn eine Seite gut rankt, trotz (oder vieleicht doch weil?) Katalogeinträgen und wenn es vertraglich möglich ist, warum sollte ich dann keine Kataloge benutzen (solange sorgfältig auswähle und ich mich nicht nur auf sie verlasse)?

@webpixelkonsum

Goggle möchte einen natürlichen Linkaufbau. Ein Link soll eine Empfehlung sein. Somit verstossen, wenn man es genau nimmt, fast alle Linkbuilding-Maßnahmen (betteln, tauschen, kaufen, eigenes Netzwerk etc.) gegen die Google Richtlinien…

LG

Jan   
2. Juni 2008, 17:07

Nun möchte ich mal mein Uni-Rechtswissen anwenden:
Man schließt mit einer SEO-Agentur eigentlich einen Dienstleistungsvertrag. Das bedeutet, dass man für die Dienstleistung bezahlt und nicht für das Ergebnis. Anders sieht das aus bei solchen Angeboten „Bringe Ihre Seite unter die Top 10“ – da wäre es wohl ein Werkvertrag, bei dem nur gezahlt werden muss, wenn das Ergebnis wie angegeben erreicht wurde.

Ergo: Rechtlich einwandfreies Verhalten, wenn zur vertraglichen Dienstleistung das Eintragen in Webkataloge gehört.

Frank   
2. Juni 2008, 17:56

Gegenfrage: sollte ein Webkatalogbetreiber für die „potentielle Google Ranking-Schädigung“ der armen ahnungslosen Selbst-Anmelder haften, die er nicht bereits auf der Startseite ausführlich über „Risiken & Nebenwirkungen“ Ihres Tuns hinsichtlich Google & SEO informiert hat?

Beide theoretische Szenarien sind für mich ziemlich abstrus, bzw. greifen nur, wenn man Google Regeln über alles stellt 😉

Pascal   
2. Juni 2008, 20:06

Ich denke, dass man Webkataloge und Artikelverzeichnisse nicht so negativ beurteilen sollte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Artikel vor allem in Kombination mit Social Bookmarks noch sehr gute Ergebnisse erzielen können.

Außerdem ist es doch so, dass man als Hobby-Seo kaum noch eine Chance hat, ohne Linkkauf auszukommen.

Mit intelligentem Linkkauf (themenrelevant, aus dem Content) kann man Google trotzdem an der Nase herumführen, so dass dieser Bereich einfach nur geschickter verschleiert wird.

Philipp   
3. Juni 2008, 12:31

@Jan: Der Dienstvertrag umfasst bei Konsultation einer SEO Agentur über einen längeren Zeitraum oftmals aber auch eine Beratunskomponente. Selbst wenn der Eintrag in Webkatalog vor Jahren bei Beginn der SEO-Beratung einmal state of the art gewesen ist, könnte die Agentur eine Beratungspflicht hinsichtlich der Änderung der Umstände treffen. Wer vor Jahren über seine Hausbank in US-Immobilienkredite investiert hätte, dürfte wohl auch eine kurze Mitteilung erwarten, dass die Sache inzwischen nicht mehr ganz so solide ist, wie zu Beginn des Investments 🙂 Allerdings dürfte es nicht besonders einfach sein, einen entsprechenden Schaden nachzuweisen. Beweismittel bei Gericht können aber nicht nur SERPS und PR, sondern auch Sachverständige sein…

ts   
5. Juni 2008, 11:15

Das sind Gedanken in luftiger Höhe??? Ich möchte sehen, wie man den Fehler, ohne dass Google den Algo offen darlegt, nachweisen kann ;o).

ILS   
21. Januar 2009, 12:18

Ich bin erstaunt, wie viele Gedanken ihr euch macht. Der große Google hat die Sache voll im Griff. Bewertung einer Seite via Offpage, also Backlinks, ist doch nur ein Aspekt. Gebe zu, jedoch ein großer.
Erinnert ihr euch noch daran, dass man früher nicht mehr als etwa 20 Links pro Woche an Zuwachs haben durfte, bevor man sich die ersten Spampunkte auf sein Konto gutschreiben lassen musste?? Dann kam das Web2.0 und Blogs und damit der Paradigmenwechsel. Je besser die Verlinkungsstruktur, desto besser die Bewertung.
Alle SEO Optimierungsmöglichkeiten zusammengerechnet, muss man schon ganz schön mit nicht googlekonformer Optimierung übertreiben, bevor sich ein Quality Rater oder der Algorithmus selbst, sich mit der Seite beschäftigt – oder man gehört zu denjenigen selbsterklärten SEOs, die erst vor kurzem auf den Zug aufgesprungen sind.

Was früher gut war, wird heute oftmals als schlecht bewertet. Was Einträge in Verzeichnissen und Katalogen angeht, so haben die Betreiber teilweise schon selbst „NOFOLLOWs“ eingesetzt, um nicht gebannt zu werden. Viele Links die früher auf Websites eingetragen wurden, die heute als fragwürdig eingestuft werden, finden heute einfach keine Berücksichtigung mehr. Ich beschäftige mich seit 2004 im SEO mit Backlinks. Erkennt man die Zeichen der Zeit, trackt man also alle wichtigen Eckdaten, merkt man irgendwann, dass man angefangen hat Maluspunkte zu sammeln. Dann sollte man korrigieren. Da teile ich Johannes Meinung voll und ganz. Dazu gehört vor allem einmal zu überprüfen, wie es um meine Backlinkqualität beschaffen ist.

Was die Haftung angeht, so muss ich Jan recht geben. Der Kunde zahlt die Dienstleistungen der Agentur. Garantiere ich aber etwas das ich nicht halten kann, ist das rechtlich kritisch. In unseren Verträgen steht, dass wir uns an die Google-Richtlinien halten. Natürlich gehört inoffiziell ein wenig Grauzone dazu, sonst wird’s nix mit guten Platzierungen. Dazu ist der Konkurrenzdruck in den TOP 10 schon zu stark angewachsen.

Ich behaupte, dass das Jahr 2010 ein „Spitzenjahr“ für SEOs werden wird. Es wird sich aufgrund des Erfolgsdruckes, für seine Kunden Platzierungen zu optimieren, die SEO-Spreu vom Weizen trennen.

Linus-M

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