Hosting mit eigener IP-Adresse – nötig für SEO?

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
11. Februar 2008 8 Kommentare

Ein Thema, das SEO-Foren und -Blogs in regelmäßigen Abständen bewegt, ist die Frage, ob eine eigene, also alleinig genutzte IP-Adresse Vorteile für die Suchmaschinenoptimierung bringe. Für diejenigen, die mit den Internetgrundlagen noch nicht so vertraut sind, möchte ich den folgenden Exkurs zu IP-Adressen vorwegschieben, der Rest kann den Absatz gerne überspringen.

Grundlagen IP-Adressen, Domains & DNS
IP-Adressen werden häufig als die Telefonnummern des Internets bezeichnet. Jede Teilnehmer, egal ob surfender Benutzer oder Server, auf dem die abgerufenen Daten liegen, bekommt eine dieser IP-Adressen. Sie bestehen aus vier Zahlenblöcken mit Werten, die zwischen 0 und 256 liegen. Unser Server, auf dem einige SEO-Tools liegen, hat beispielsweise die IP-Adresse 78.47.95.244, der T-Dialin-Zugang, über den ich diesen Beitrag schreibe die 217.232.32.54. Diese IP-Adressen wurden jeweils den Providern zugeteilt – wer wissen will, zu welchem Provider eine IP gehört, kann dies über unser Whois-Tool erfahren: Adresse eingeben und auf ‚Whois‘ drücken. Da es etwas umständlich wäre, wenn man sich diese Nummern merken müsste, um ein Webangebot zu erreichen, gibt es eine Einrichtung, die Domains in IP-Adressen übersetzen kann. Diese Einrichtung hört auf den Namen „Domain Name System“ oder kurz DNS und sorgt dafür, dass, wenn du in den Browser tools.sistrix.com eingibst, auch auf dem richtigen Server landest. Um zu sehen, welche IP-Adresse zu welcher Domain gehört, haben wir auch ein kleines Tool online. Wer mehr über die Anfänge und Zusammenhänge des Internets lesen möchte, dem kann ich das Buch „ARPA Kadabra oder Die Geschichte des Internet“ von Hafner und Lyon empfehlen. Interessant und unterhaltsam geschrieben und perfekt, um sich „Partywissen“ für Internetstammtische bzw. -partys anzulesen.

Wieso eine eigene IP-Adresse aus SEO-Sicht?
Zum einen gibt es in SEO-Kreisen seit geraumer Zeit die Überlegung, dass Links von Seiten, die auf IP-Adressen liegen, die wiederrum einen gewissen „Abstand“ haben, mehr wert seien als solche, die eine gleiche IP-Adresse haben. Um diesen Abstand zu messen, wird üblicherweise das letzte Oktett der IP-Adresse weggelassen, um die drei Übriggebliebenen zu vergleichen. Für diesen Server würde aus 78.47.95.244 also 78.47.95 und Links sollten möglichst von Servern kommen, die keine der 256 IP-Adressen aus diesem Bereich haben. Dadurch, dass man seine Webseiten nun auf eigene, „weit entfernte“ IP-Adresse legt, sollen – wenn man dieser Überlegung folgen will – Links unter den eigenen Projekten mehr zählen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Google so nicht vorgeht. Zum einen ist die Ermittlung durch Weglassen des letzten Oktetts nicht mehr zeitgemäß, da Subnetze seit langer Zeit deutlich kleiner, als auch größer als die 256-IP-Adressen sein können. Zum anderen würde dies bedeuten, dass Google Links unter Stratokunden, die alle eine IP aus dem Block 81.169.145.* haben, geringer wertet, als solche von anderen Providern: völliger Unsinn.

Eine andere Überlegung für alleinig genutzte IP-Adressen geht in die Richtung, dass Google IP-Adressen „Penaltys“ verpasst, wenn Seiten, die auf der gleichen Adresse liegen, gegen Regeln verstoßen haben. Auch hier bin ich mir sicher, dass Google IP-Adressen, die von Providern für unterschiedliche Kunden genutzt werden, nicht negativ bewertet. Es gab in der Vergangenheit zwar Vorfälle, bei denen Webseiten anhand ihrer IP-Adresse identifiziert und aus dem Index entfernt wurden – hier waren es allerdings ausnahmslos Seiten, die eine Person/Firma unter einer eigenen IP-Adresse betrieb und keine Shared-Hosting-Umgebungen.

Wofür dann überhaupt eigene IP-Adressen?
Es gibt tatsächlich einige Anwendungen, die ohne die Nutzung einer eigenen IP-Adresse gar nicht oder nur schwer zu realisieren sind. Dazu gehören beispielsweise der Betrieb eines anonymen FTP-Servers oder verschlüsseltes HTTP via SSL auf dem Standardport. Auch ist es häufig so, dass man auf einem eigenen Server (mit zwangsläufig eigener IP-Adresse) mehr Möglichkeiten hat und Seiten schneller ausgeliefert werden, als bei Servern, die man sich mit anderen Kunden teilt. Aus dem Blickwinkel der Suchmaschinenoptimierung haben diese Themen allerdings eher eine untergeordnete Bedeutung – schlechtes SEO wird auch mit einer eigenen IP-Adresse nicht besser.

David
11. Februar 2008, 11:39

Mir fehlt der Link zu deinem Artikel über die häufigsten IP Adressen Deutschlands: http://www.sistrix.com/news/514-haeufigste-ip-adressen-deutscher-domains.html

Ich sehe das ganz ähnlich. Allerdings halte ich es durchaus für denkbar, dass sich Google bei „Spamverdacht“ auch die IP Adressen der verlinkenden Webseiten anschaut um selbstgebauten Linknetzwerken die Arbeit etwas zu erschweren bzw. manuell eingreifen zu können.

SharedHosting Umgebungen haben natürlich eine Vielzahl thematisch unterschiedlicher Webseiten auf der gleichen IP Adresse liegen, die untereinander relativ selten verlinkt sein dürften.

Ein kleiner privater Server, mit 50 Webprojekten die alle irgendwie miteinander vernetzt sind wäre auch mir zu gefährlich: Zu hoch die Gefahr „entdeckt“ zu werden und mit wenigen Handgriffen aus dem Index gefegt zu werden. Da macht es durchaus Sinn, seine Seiten auf verschiedene Server zu verteilen.

Just my 2 cents,
David

11. Februar 2008, 12:43

Johannes, ich denke, dass deine Analyse rein unter dem Gesichtspunkt „IP-Adress-Abstand“ korrekt ist. Die kolportierte Ansicht gehören vermutlich in dieselbe Kategorie wie bei Audiophilen, die vergoldeten Chinch-Steckern einen schöneren Klang attestieren 😉
Ansonsten teile ich Davids-Ansicht. Dies bedeutet, dass IP-Verteilung durchaus Sinn machen kann. Allerdings nur als Teil eines Gesamtkonzeptes von Backlinkstrategien bis Owner, das sinnvoll durchgeplant werden will.

11. Februar 2008, 14:10

Ich denke auch das Google anders vorgehen muss. Denn sieht man sich den Hardware Aufbau eines Hoster mal genauer an.
Extrembeispiel: Strato Shared Hosting

Auslieferung von einigen 100.000 Domains über 4 Zentrale Server die an großes Speicher-Subsystem angebunden sind von EMC2.
Kein Mensch weiß wie viel IP Adressen Strato dafür nutzt, aber bestimmt so wenig wie möglich.

Wenn Google wie oben vorgehen würde dann wären Links von allen Strato Shared Hosting quasi wertlos. Jedoch gibt es genügend private Seite die auch einen Pagerank haben und auch gut positioniert sind in den SERPS.

Ich persönlich glaube das das Thema ebenso wie DC überbewertet wird.

gruss
bennos

11. Februar 2008, 15:14

DC ist definitiv ein Problem, IP-Adressen eher nicht. Ich persönlich glaube, dass Dein Beitrag Quatsch ist, bennos, sorry.

12. Februar 2008, 11:04

IP Adressen sind nur bei mehreren Projekten zu beachten. Habe ich z.B. 50 unterschiedliche URls, wobei 49 der Linkgeber für das eigentlich 50 zigste Hauptprojekt sind sollte diese 50 Projekte nicht alle auf einer Ip Adresse liegen. Damit kann das Linknetzwerk sehr schnell auffliegen.

Domi
13. Februar 2008, 11:25

0 und 256? 🙂 wie war das noch mit den bytes und bits.
meine ein block liegt zwischen 0 und 255 😉

16. Februar 2008, 18:21

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