HTML5 und SEO

Johannes Beus
Johannes Beus
8. April 2011
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die SMX in München ist vorbei und ich bin positiv überrascht, dass es sowohl inhaltlich als auch in der Organisation nochmals eine Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr gab. Der Umzug in ein anderes Hotel hat der Veranstaltung gut getan und die SMX dürfte sich damit als die Business-SEO-Konferenz in Deutschland etabliert haben. Ich selber hatte neben dem WotR-Allstars-Panel sowie einer Fragen&Antwort-Runde zusammen mit Johannes Müller von Google eine Session zu HTML5 und den möglichen Auswirkungen auf SEO. Meinen Vortrag möchte ich hier kurz zusammenfassen.

HTML5 ist eine Weiterentwicklung und Anpassung von HTML an neue Einsatzmöglichkeiten. Kernfeatures umfassen eine native Unterstützung von Video und Audio, neue Grafikformate, die ohne Flash auskommen sowie die Möglichkeit, Offline-Anwendungen in HTML5 zu entwickeln. Derzeit ist HTML5 zwar noch ein Arbeitsentwurf, zahlreiche Browser unterstützen den neuen Standard aber schon umfassend. Ich habe mir viele Drafts, Vorschläge, Auswertungen und Spezifikationen zu HTML5 durchgelesen, sie geordnet und versucht, die für SEO relevanten Bestandteile herauszupicken.

Neue Tags
Mit HTML5 ist erstmalig eine halbwegs sinnvolle, semantische Auszeichnung von einzelnen Inhaltsblöcken einer Webseite möglich. Dafür gibt es eine Reihe neuer Tags: <header>, <section>, <nav>, <aside>, <article> & <footer>. Diese Tags werden in Zukunft für Suchmaschinencrawler relativ sicher ein Hinweis auf den Inhalt geben. Bekanntes Problem: Ohne entsprechende Inhalte innerhalb der neuen Tags, werden sie nicht wirken. Gute Inhalte werden durch die bessere semantische Auszeichnung also tendenziell wichtiger. Auch keine Überraschung: Google wird den Angaben nicht trauen. Sie können ein Signal sein, es wird aber ein stimmiges Gesamtbild von Nöten sein, damit die OnPage-Bewertung einer Seite positiv ausfällt.

Neue Link-Attribute
Analog zu rel=“nofollow“, definiert HMTL5 eine Reihe weiterer Attribute zu Links, die den Inhalt beschreiben können. So kann ein Link mit dem Attribut „author“ auf den Autor des Artikels hinweisen, „license“ auf die Lizenz, unter der dieser Artikel veröffentlich wird. Die neuen Attribute werden zwar nicht helfen, den Linkjuice einer gesamten Seite zu erhöhen, die Verteilung zwischen den vorhandenen Links kann damit aber eventuell in Zukunft gesteuert werden. Es ist davon auszugehen, dass die meisten CMS-Anbieter diese Attribute recht zügig einsetzen. Da es bei der Optimierung in der Regel nicht um das absolute Optimum geht, sondern man (nur) besser als die Konkurrenz sein muss: die neuen Attribute ruhig verwenden, schaden werden sie mit ziemlicher Sicherheit nicht.

Bessere Video- & Audio-Integration
Die Integration von Audio- und Videodateien benötigt in HTML5 keine Plugins/Erweiterungen wie Flash, sondern kann nativ durchgeführt werden. <audio> und <video> werden zum festen und nativen HTML-Bestandteil. Wenn Google Videos auf der eigenen Domain genauso einfach versteht, wie das derzeit bei Bildern passiert, ist es künftig nicht ausgeschlossen, dass man mit Video-Hosting auf der eigenen Domain Spaß haben kann.

Microdata
Mit Microdata/RDFa werden die Daten, die auf der Seite in Textform bereits vorhanden sind, für Suchmaschinen in strukturierter Form erneut aufbereitet. Crawler können Daten wie Event-Informationen, Diskussionen, Produkte oder Reviews somit einfacher sammeln und aggregieren. Der Vorteil von strukturierten Daten ist gleichzeitig auch die größte Gefahr: die Informationen liegen künftig in strukturierter Form bei den Suchmaschinen vor. Welchen Grund hat Google, die Besucher noch auf die Seite weiterzuleiten, wenn die gesuchten Informationen auch direkt in den SERPs angezeigt werden können? Also: Thema nicht gerade trivial und HTML5 ist da nur ein Nebenaspekt. Wer vor der Entscheidung, Google strukturierte Daten zu überspielen steht, sollte besser keinen Fehler machen.

Und jetzt? Auswirkungen auf SEO: Don‘t panic!
Zugegeben: für ein Unternehmen dieser Größe ist Google echt schnell. Die Integration eines HTML5-Parsers in den Crawler wird aber sicherlich nicht überstürzt und die Auswirkungen der reinen HTML5-Signale werden eher gering sein. HTML5 hat einige Ansätze, die auf für das technische SEO interessant sind. Den größten Nutzen sehe ich allerdings beim Nutzer und somit indirekt auf SEO: längere Verweildauer, kürzere Ladezeit, höhere Zufriedenheit mit der Webseite. Wer in den nächsten Monaten ein neues Projekt aufsetzt: HTML5 ruhig im Hinterkopf behalten und, wenn es Sinn macht, einsetzen.

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Kommentare
Andi Licious   
8. April 2011, 16:57

Aloha,

bzgl. eigenem Video-Hosting… Google erkennt doch schon eine ganze Weile eigene Videos und setzt die auch im Ranking über das identische Video auf YouTube etc. was zählt ist nur, auf der eigenen Plattform es einmal im Index zu haben und dann erst auf anderen Portalen freizugeben. Zumindest nach dem, wie ich deine Aussage jetzt verstehe. (Natürlich auch im Bezug auf zusätzliche Video-Sitemap & ggf. Fallback-File.)

Für die Zukunft ist HTML5 auf langer Sicht definitiv ein großer Gewinn, auf den Masse gesehen sicher auch für den Bot und die Stromrechnungen.

Cheers

sistrix   
8. April 2011, 19:20

Andi, ganz so einfach scheint das Crawler von Videos für Google aktuell nicht zu sein. So finden wir derzeit Bilder von 293.778 Domains in der Universal Search. In der Video-Suche sind es nur 2.033 Domains.

qplayz   
9. April 2011, 20:33

HTML und SEO ist wie Katze und Maus!
Denn Google schmeckt die HTML Sprache; ist gerne auf Webseiten mit HTML.

jan   
9. April 2011, 21:52

also ich finde html 5 nicht so schlecht, und auch das Thema neue Link-Attribute sollte ein wenig helfen, die Frage ist nur wie lange Google selber braucht das ein den Algo einzuordnen

Julian   
10. April 2011, 13:16

html5 ist sicher kein großer Wurf für Google und co. Grundlegend ändert es ja nichts. Link bleibt Link und ist immernoch DAS Relevanzkriterium. Interessant sind dann schon eher die neuen Tags. Denn das gibt der Suchmaschine zusätzliche Informationen. Heißt das jetzt das alle alten Seiten umgebaut werden? eher nicht…

Jens   
13. April 2011, 15:04

Gute Zusammenfassung, wie immer. Fraglich ist aber auch wieviele Websites in Zukunft mit HTML5 programmiert werden. Es gibt nämlich immer noch Websites, die mit Framesets laufen…

Mathias   
14. April 2011, 21:35

Hallo zusammen, wir haben auch untersucht, ob es schon jetzt Sinn macht, Seiten mit HTML5 umzusetzen. Wir haben uns bis auf weiteres dagegen entschieden, weil wir den Code leider noch nicht sauber umgesetzt bekommen. Sämtliche Editoren zeigen Fehlermeldungen. Somit warten wir erstmal ab.

Bata   
15. April 2011, 09:07

Ich betreibe bereits eine Seite in HTML5 und kann versichern, dass Google die oben genannten Tags bereits jetzt schon zu 100% kennt und auswertet. Die neuen Basis-Elemente funktionieren auch bereits in den meisten Browser oder es gibt einfache Workarounds damit sie auch dort funktionieren.
Spannend für mich ist nur die Frage, ob sich meine HTML5 Seite gegenüber der HTML4 Konkurrenz absetzen kann. Das bleibt abzuwarten.

chio   
15. April 2011, 11:09

Was war das doch für ein Theater, als xhtml hochkam. An jeder Ecke hörte man, dass man ohne xhtml überhaupt nicht mehr gelistet wird, dass Browser das alte html4 nicht mehr darstellen werden und sonst was. Faktum war (und ist): Es ist Besuchern, Browsern und Google ziemlich egal, ob html4, xhtml, html5 – geparsed wird, was geht. Und gerankt wird nach Content und Links, nicht nach der DTD.
Die neuen Tags (article, section usw) sind ein Zugeständnis an 10 Jahre alte Vorstellungen, wie das Internet in 10 Jahren sein wird; ungeachtet der Tatsache, dass es anders gekommen ist. Zur Erinnerung: Vor 10 Jahren wollten manche noch Javascript überhaupt abschaffen, mittlerweile geht es hauptsächlich um die Optimierung der Geschwindigkeit.

Bärbel   
17. April 2011, 17:09

Ich denke schon, dass google hier differenzieren kann.
Ich glaube auch nicht, dass die neuen Tags, das Ranking verbessern werden.
Das Grundlegende beim Ranking wird sich so schnell sicherlich nicht ändern.
Daran dürfte auch HTML 5 nichts ändern.

Ingo   
18. April 2011, 12:31

Ich denke schon, das hier Potential drin steckt. Z.B. könnten Produkte in Shops, die viele Bewertungen haben und entsprechend per Microdata gekennzeichnet sind, von Google enstsprechend bevorzugt werden. Schließlich stellt dies eine wesentliche Hilfe beim Kaufprozess für die User dar.

Andre / Trendportal   
1. Mai 2011, 11:40

Ich nutze noch kein HTML5 (habe WordPress) aber ich denke, dass dieses auch bald integriert wird.

Wichtig ist es schon, denn irgendwann wird das ganz alte Script nichtmehr unterstützt bzw. mit ziemlichen Fehlern angezeigt.

Lg,
Andre

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