Kann Spam eine legitime SEO-Taktik sein?

5. Januar 2014, 11:05

In den USA spielte sich über den Jahreswechsel eine der wohlbekannten Google-PR-Aktionen ab, wie wir sie seit dem BMW-Fall vor rund 8 Jahren in schöner Regelmäßigkeit beobachten dürfen. Das Drehbuch ist dabei immer gleich: eine halbwegs bekannte Marke schießt in der Optimierung über das Ziel und die Google-Richtlinien hinaus und wird dafür von Google öffentlichkeitswirksam getadelt. Nach einigen Tagen kriecht die Marke zu Kreuze, entschuldigt sich bei Google in aller Öffentlichkeit und ist kurz später wieder wie gewohnt in den Google-Ergebnissen zu finden. Für die bekannte Lyrics-Seite RapGenuis.com war es wohl aus vielen Gründen ungeschickt, Justin-Bieber-Links aufzubauen. Einer davon ist, dass Matt Cutts von der Sache Wind bekam und die Google Richtlinien durchsetze. Die Gründer der Seite haben danach in epischer Breite ihre Fehler dargelegt und eingestanden. Nur einen Tag später waren die alten Positionen wieder da. Und nicht nur das – durch die Öffentlichkeit gerade in den USA dürften die neu gewonnen Links die gelöschten Verlinkungen an Qualität und Quantität deutlich übertreffen. Eigentlich eine klassische Win-Win-Situation: Google konnte zu Jahresanfang nachdrücklich daran erinnern, dass Linkkauf ungerne gesehen wird und RapGenius.com dürfte noch nie so viele Links so günstig erhalten haben.

Leider hat die Sache einen Haken. Betrifft so eine Penalty nicht gerade ein StartUp mit 15 Millionen-Finanzierung, entsprechenden Kontakten und weitreichendem Medienecho, dann legt Google einen anderen Maßstab an die Bewertung der Vergehen an. Reconsideration Requests werden verzögert oder gar nicht bearbeitet und von einer Aufhebung der Penalty nach gerade einmal einer Woche können die allermeisten Seiten nur träumen.

Die naheliegende Frage ist nun: ab welcher Größe kann Spam eine legitime SEO-Taktik sein? Rückblickend wäre RapGenius.com falsch beraten gewesen, es nicht zu versuchen. Die positiven Effekte überwiegen alle negativen Auswirkungen deutlich. Als Verlierer der Aktion könnte am Ende Google darstellen: in den USA wird bereits die Rolle von Google durchleuchtet und Blogger stellen sich die Frage, ob der Marktanteil von Google eigentlich angemessen ist. Die alte Heimwerker-Regel „nach Fest kommt Ab“ könnte auch für Suchmaschinen gelten.

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare

 
  5. Januar 2014, 13:32

Hi Johannes,

da hat sich wohl ein Fehler bei der Domain eingeschlichen. rapgenius.com ist die richtige Seite. Du hast beide male rapgenuis.com geschrieben und da landet man auf einer MFA-Seite. Habe mich schon gewundert oder war das beabsichtigt? 😉

 
Dani
  5. Januar 2014, 13:40

Die Frage ist, wie definiert man Spam?
Für Google wird jeder zu Spam, der die Gewinne für das Unternehmen in irgendeiner Art abgreifen könnte.

– Für Nutzer einer Suchmaschine definiert sich Spam, eher nach halbwegs leeren Seiten mit vielen blinkenden Bannern.

Google verschleiert in meinen Augen den unlauteren Wettbebwerb mit dem schönen und bösen Wörtchen Spam!

Hier sollte mal das EU-Parlament oder die EU-Kommission einen andere Gangart einlegen und so wie in China, Russland oder der Türkei mal Google sperren, denn Google hält sich weder an europäischen Datenschutz noch an europäisches Wettbewerbsrecht. – Benutzer würden dann von Ihrer gewohnten Eingabe mal den Weg zu einer anderen Suchmaschine aufsuchen!

 
  5. Januar 2014, 13:46

Eigentlich würde dann Linkauf für Vergleichsportale über Plattformen wie Trustlink und Co. auch Spam darstellen, denn Gewinne werden dadurch verbessert. Der Artikel ist gut geschrieben und interessant.

 
  5. Januar 2014, 13:47

Interessante Fragestellung…

Aufmerksamkeit, sei es gute oder schlechte, scheint das Zauberwort zu sein. Un die erhält man sowohl von den Medien als auch von Google bei öffentlichkeitswirksamen Eingeständnis eines Fehlers erst ab einer gewissen Größe. Letztendlich bleibt der Öffentlichkeit nach einem Ausrutscher, einem Fehler oder einem fahrlässigen Verhalten eines Unternehmens auch nur die Entschuldigung und damit ein ehrliche, authentisches und selbstkritisches Geschäftsgebahren im Gedächtnis. somit: Googleliebe zurück, geniale Links und ein positives Bild bei den Usern hinterlassen. Geht es besser?
Aber auch bei kleineren Seiten kann man damit Erfolg haben, ich erinnere mich an einen bis dato recht unbekannten Shop, der vor ein, zwei Jahren angeblich mit Russenlinks überschüttet wurde und der durch die Berichterstattung dazu danach auch recht shcnell wieder wie Phönix aus der Asche stieg.

 
  5. Januar 2014, 14:47

Philipp, in der Tat. Vielen Dank für den Hinweis, habe ich gerade gefixt.

 
  6. Januar 2014, 09:28

Hallo,

geht man davon aus, dass viele Hip-Hop Kiddies eher so Leute wie Jay-Z, Kanye West, 50 Cent usw. gut finden und deswegen auf ihren Blogs eher weniger über Justin Bieber berichten, Justin Bieber wiederum bei so Leuten wie Jay-Z, Kanye West, 50 Cent usw. aber ziemlichen Support genießt, könnte die Aktion von rapgenius.com auch eine, zugegeben recht ungewöhnliche, Marketing-Kampagane für Justin Bieber gewesen sein:

rapgenius.com: Hey Leute, baut mal folgende Links irgendwo bei Euch ein, nennt uns die URL und dann twittern wir Euch!

Die Leute: Häh, wo soll ich die Links denn einbauen, hab ja noch nie was über Justin Bieber bei mir im Blog geschrieben? Mach ich das mal und baue dann vielleicht die Links ein.

Grüße

Gretus

 

[…] Kann Spam eine legitime SEO-Taktik sein? – In den USA spielte sich über den Jahres-wechsel eine der wohlbekannten Google-PR-Aktionen ab, wie wir sie seit dem BMW-Fall in schöner Regelmäßigkeit erleben dürfen. Das Drehbuch ist immer gleich. Weiter… […]

 
  6. Januar 2014, 11:22

Sehe ich ähnlich wie Heiner. Zudem glaube ich hätte Google eine bekanntere Marke für eine derartig geplante PR-Aktion auswählen können. Dass dieses Beispiel gerne von Google als Bespiel herangezogen wird ist klar. Aber ich denke nicht, dass das vorher zwischen beiden Parteien so geplant war.

 
  6. Januar 2014, 16:46

@Johannes: Einmal ist es noch falsch geschrieben. Im ersten Absatz:
„Für die bekannte Lyrics-Seite RapGenuis.com“

Das mit der „Win-Win-Situation“ ist ein sehr interessanter Aspekt. Kaum zu glauben, aber am Ende wird es sich wohl tatsächlich gelohnt haben.

 
  6. Januar 2014, 21:20

@dani: ist es nicht so, das andere anbieter auch nicht besser sind? bing z.b. ist die gleiche datenkrake… sobald ein unternehmen die kritische größe übersteigt ändern sich auch die geschäftsmodelle.

 
  7. Januar 2014, 17:37

Wie hat der Geschäftsmann schon immer gesagt: Schlechte oder gute Presse? Egal, Hauptsache meine Domain wird richtig geschrieben.

 
  7. Januar 2014, 19:02

[…] Kann Spam eine legitime SEO-Taktik sein? – Na ja, legitim vielleicht nicht, aber ab einer gewissen Größe/Bekanntheit der Seite kann es offenbar nützlich sein erwischt zu werden. […]

 
arndt
  13. Januar 2014, 15:34

hi,
also wenn ich mir https://tools.sistrix.com/domain/rapgenius.com/ so ansehe dann ist das doch weiterhin freier fall?

grüße, arndt

 
  27. Januar 2014, 14:29

Ich finde nicht dass man den BMW Fall mit dem von RapGenuis.com vergleichen kann.

Insbesondere, weil es BMW überhaupt nicht nötig hatte und auch nicht zu den „halbwegs bekannten Marken“ zählt. BMW hat damals, wenn ich mich recht entsinne, durch Doorpages versucht weiter Kunden zu gewinnen. RapGenuis.com hat unnötig viele Links mit Namen / Titel auf seine eigene Webseite gelegt und dort mit übertrieben mit Justin Bieber geworben.

Das muss schon echt massiv viel gewesen sein, dass Google das raus bekommen hat.
Denn Google würde sicher nicht so auf 20 – 50 Links dieser Art reagieren, sondern es muss schon echt spam gewesen sein. Und dank geschickter Weiterleitungen und proxyurls kann man heute tatsächlich tausende Links auf eine Webseite erstellen, die alle andere URLs bzw. Seitennamen besitzen und doch auf selben Content zeigen. Meines Erachtens wird RapGenuis.com Tausende Links gepostet haben, um Aufmerksamkeit von Google zu erhalten.

Ich muss den Vorkommentagen Zustimmen, dass es sich zu guter Letzt wohl für RapGenuis ausgezahlt hat.
1. Haben Sie deutlich mehr saubere Links
2. Habe ich und andere sicher keinen Schimmer von diesem Unternehmen gehabt, bis dieser „Skandal“ aufgedeckt wurde.

Thanks so far 🙂

 
  28. Januar 2014, 01:09

Also ab spätestens 15 Millionen ist es dann ja wohl eine legitime Möglichkeit, Links aufzubauen. Und wie du schon so schön schreibst: Das sollten wir Kleinen uns mal trauen. Die Seiten sind schnell weg und bleiben es auch monatelang. Trotz Reconsideration Request. Die alten Rankings haben sie ja sicherlich durch eine manuelle Maßnahme seitens Tante G bekommen. Ich schätze mal Google Werbekunde zu sein und eine gewisse 7-stellige Summe in den Büchern könnte Spam für Google erträglich machen. 😉

 

Kommentare geschlossen

Die Kommentarfunktion wird 30 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags deaktiviert.