Mehr als die Hälfte aller Google-Treffer mit HTTPS ?

Johannes Beus
Johannes Beus
25. Oktober 2017
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
Google liegt die verschlüsselte Kommunikation via HTTPS am Herzen. Das hat man in Mountain View etwas plump dadurch gezeigt, dass vage eine Verknüpfung von guten Google-Rankings und HTTPS in den Raum gestellt wurde. Im SISTRIX-Blog beobachten wir seitdem regelmäßig den Fortschritt der Umstellung.

Da seit unserem letzten Beitrag zu HTTPS in den Google-SERPs bereits fast ein Jahr vergangen ist, haben wir erneut etliche Milliarden an Treffern ausgewertet um den aktuellen Status Quo zur Umstellung auf HTTPS/SSL zu analysieren und die wichtigsten Fragen dazu zu beantworten.

Wie viele Treffer sind bereits auf HTTPS umgestellt?

In der ersten Auswertung schauen wir uns den Prozentsatz der HTTPS-Seiten in den Google-Treffern für Deutschland (Desktop) an. Hier aufgeteilt in die ersten 100 Rankings sowie gesondert in die klickrelevanten ersten 10 Positionen:

In den Top-100 haben wir in diesem Monat erstmals die 50-Prozentmarke überschritten. Mehr als die Hälfte aller Google Treffer sind nun also durch eine SSL-Verschlüsselung gesichert. In den Top-10 sehen wir sogar noch höhere Zahlen: fast 60 Prozent dieser Treffer werden mittlerweile über HTTPS ausgeliefert.

Der Sprung in den Top-10 Mitte 2015 kam übrigens durch die Umstellung von Wikipedia.org auf HTTPS zustande. Es ist kein Hinweis darauf, dass Google HTTPS-Seiten bevorzugt.

Gibt es Unterschiede bei den Mobile-Treffern?

Mit der zweiten Analysen wollen wir klären, ob es in Bezug auf die HTTPS-Umsetzung Unterschiede zwischen den Desktop- sowie den Smartphone-Treffern gibt. Google macht um das Thema “Smartphone-Index” seit einigen Jahren einen ziemlichen Wind – ohne jedoch konkrete Ergebnisse zu liefern. Daher hier die Auswertung des prozentualen Anteils von HTTPS-Seiten in den Top-10 für Desktop und Smartphone im zeitlichen Verlauf:

Wie wir sehen, sehen wir – nichts. Die Kurven verlaufen nahezu identisch, nur manchmal weicht die Desktop-Kurve ganz leicht nach oben ab. Wir können also feststellen, dass es (zumindest bei diesem Thema) keinen messbaren Unterschied zwischen Desktop- und Smartphone-Treffern gibt.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

So sehr Google auch drückt und beschwört, letztlich hängt die Umstellung auf HTTPS an den Webseitenbetreibern und ist, je nach Techniksetup, unterschiedlich komplex. Um zu erfahren, wie weit die Umstellung in unterschiedlichen Ländern bereits ist, haben wir aktuelle Zahlen für die Top-10 in den USA, Deutschland, dem vereinigten Königreich, Spanien, Frankreich und Italien erhoben:

Wenig überraschend, dass die USA bereits am weitesten sind: mehr als 60% aller Top-10 Treffer bei Google werden dort mit SSL-Verschlüsselung ausgeliefert. Danach folgen aber schon recht dicht Deutschland sowie das Vereinigte Königreich. Auch in Spanien sind mehr als die Hälfte aller Top-10-Treffer HTTPS-Seiten. Nur in Frankreich und besonders auch in Italien liegt der Anteil noch deutlich unter der Marke von 50 Prozent.

Welche großen Seiten haben denn noch nicht auf HTTPS umgestellt?

Meine spontane Vermutung war, dass große Seiten die Umstellung auf HTTPS früher durchführen können, da sie die dafür nötigen Ressourcen haben. Um das zu überprüfen, habe ich die 100 sichtbarkeitsstärksten Domains in Deutschland mit der Toolbox darauf überprüft, wie viel Prozent der rankenden URLs bereits über HTTPS und wie viele noch über HTTP ausgeliefert werden.

Wenn Du das selber in der Toolbox für Deine Domains überprüfen willst, klicke auf die Analyse “URLs” im SEO-Modul.

Hier die “List of Shame” aller 37 der 100 Domains, die weniger als 50% ihrer rankenden URLs in Google verschlüsselt ausliefern.

Domains aus der Top-100 Sichtbarkeitsindexliste mit weniger als 50% HTTPS-URLs
DomainAnteil HTTPSAnteil HTTP
chip.de1,9%98,1%
ebay.de28,5%71,5%
duden.de0,1%99,9%
spiegel.de0,6%99,4%
focus.de14,4%85,6%
computerbild.de4,5%95,5%
t-online.de1,5%98,5%
chefkoch.de0,4%99,6%
meinestadt.de8,6%91,4%
sueddeutsche.de2,6%97,4%
zeit.de1,8%98,2%
stern.de2,1%97,9%
bild.de2,0%98,0%
linguee.de0,0%100,0%
apotheken-umschau.de31,0%69,0%
faz.net2,9%97,1%
onmeda.de0,0%100,0%
netdoktor.de12,4%87,6%
sonnenklar.tv0,0%100,0%
gala.de3,5%96,5%
tui.com3,0%97,0%
mediamarkt.de5,0%95,0%
brigitte.de1,7%98,3%
giga.de0,1%99,9%
rp-online.de3,5%96,5%
autobild.de0,1%99,9%
tagesspiegel.de1,5%98,5%
ardmediathek.de0,7%99,3%
bunte.de0,1%99,9%
doccheck.com11,9%88,1%
ndr.de24,0%76,0%
handelsblatt.com2,7%97,3%
finanzen.net0,3%99,7%
imdb.com0,2%99,8%
wetter.com0,0%100,0%
gabler.de0,0%100,0%
n-tv.de0,1%99,9%

Einen großen Anteil an den noch nicht (vollständig) umgestellten Domains haben werbefinanzierte Nachrichtenwebseiten. Hier steht die Auslieferung von unverschlüsselter Werbung offenbar häufig noch einer Umstellung im Wege. Dass es allerdings machbar ist, zeigen Domains wie welt.de oder heise.de die beide bereits auf HTTPS laufen.

Öffentlich-rechtliche Seiten wie ndr.de oder ardmediathek.de haben vermutlich eher mit internen Strukturen als mit Werbeauslieferungen zu kämpfen. Mediamarkt.de ist die einzige E-Commerce-Webseite in den Top-100, die noch nicht umgestellt hat.

Gibt es Seitentypen, die besonders schnell umgestellt haben?

Um zu untersuchen, welche Seitentypen bereits überdurchschnittlich häufig via HTTPS ausgeliefert werden, haben wir die Google Top-10 von Keywords untersucht, bei denen jeweils ein markantes SERP-Feature wie beispielsweise die Google Shopping-Anzeigen, ausgespielt werden. Hier ist die Analyse nach SERP-Feature:

Das Zitat “Die Zukunft ist schon da. Sie ist nur ungleich verteilt” wird dem Science Fiction-Autor William Gibson zugeschrieben und beschreibt den Zustand in den Google SERPs ziemlich genau: während Webseiten im Shopping-Umfeld schon zu mehr als drei viertel über HTTPS ausgeliefert werden, hinken Nachrichtenwebseiten deutlich hinterher. Als Faustformel gilt: je direkter das Thema der Webseite am Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen, desto häufiger wird bereits auf HTTPS gesetzt.

Wie geht es jetzt weiter?

Eines ist klar: HTTPS gehört die Zukunft. Und die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass diese Zukunft schneller eintritt als bislang vermutet. Der beste Zeitpunkt zum Umstellung auf HTTPS war vor 2 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist heute.

Natürlich gibt es mannigfaltige Gründe, wieso die Umstellung gerade jetzt unpassend ist. Doch zeigen die großen Umstellungen der Vergangenheit, dass technisch saubere HTTP auf HTTPS-Umstellungen ohne Rankingverlust machbar sind. Wichtig ist, nur das Protokoll zu ändern und nicht zeitgleich noch Änderungen an URL-Struktur oder weiteren Bereichen vorzunehmen.

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Kommentare
Sebastian Frisch   
26. Oktober 2017, 10:35

Danke für die ausführliche Auswertung! Ich würde sogar noch weiter gehen und nicht nur behaupten, dass eine Umstellung „ohne Rankingverluste“ möglich ist, sondern kleine Gewinne nach der Umstellung zu erkennen sind. Das kann ich zwar nicht mit Zahlen belegen, aber zumindest langfristig sollte man von der Umstellung profitieren. Ich habe mittlerweile alle Projekte umgezogen…

Dirk   
26. Oktober 2017, 13:17

Schöner Artikel. Mich hätte jetzt noch interessiert, welche Seiten mit SSL auf HTTP2 umgestellt haben und ob Auswirkungen zu erkennen sind.

Dominik Zgrzendek   
28. Oktober 2017, 00:31

HTTPs ist super! Jedoch muss die SSL-Implementierung sauber und ordentlich gemacht werden – einfach anknipsen gibt es hier nicht. Das sollte man sich schon mit auskennen, sonst sind die Rankingverluste länge vorhanden als einem lieb ist.

Tobias   
31. Oktober 2017, 19:06

Ich finde das ist eine wirklich positive Entwicklung, dass HTTPS populärer wird. Wer noch nicht umgestellt hat, sollte das lieber bald tun, denn früher oder später wird daran sowieso kein Weg vorbei führen.

Sandra Schmitz   
9. November 2017, 11:13

HTTPS gehört unumstritten die Zukunft, weil es auch dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis im Netz der Nutzer gerecht wird, gerade in Deutschland. Die Auswertung zeigt aber deutlich, dass hier noch dringend Nachholbedarf ist, damit auch Nutzer mit weniger Wissen im Bezug auf die Sicherheit im Netz sich darin gefahrenloser bewegen können. Positiv ist in jedem Fall, dass Suchmaschinen wie Google, HTTPS mittlerweile auch in die Bewertung von Seiten miteinbezieht. Langfristig können sowohl die Betreiber als auch die Nutzer von der Umstellung profitieren. Ausreden, dass eine Umstellung schwierig ist, sollte es für die Betreiber vonseiten nicht geben, da es genügend schon erfolgreich vorgemacht haben.

Lothar   
13. November 2017, 12:06

Danke für den hervorragend recherchierten Artikel. Ich denke, dass insbesondere die Befürchtung eines Ranking-Verlustes der Hauptgrund ist, weshalb viele noch nicht auf
„https“ umgestellt haben. Auf lange Sicht ist das auf alle Fälle die bessere Lösung, vorausgesetzt, die Umstellung erfolgt auf eine technisch saubere Weise . Ich habe dies für meine Website jedenfalls bereits in Erwägung gezogen.

Erika   
14. November 2017, 10:09

Das mit Mediamarkt wunder mich dann schon. Gerade wenn ich online einkaufe, achte ich darauf, das das Schloss im Browser grün ist. So wird es ja auch immer wieder in Verbrauchermagazinen, Artikeln, im Fernsehen und und und… gepredigt.

Mika   
23. November 2017, 15:26

Ich hätte gedacht das es schon viel mehr sind.

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