Nach der PageRank-Anpassung: Wie geht es weiter?

Johannes Beus
Johannes Beus
26. Oktober 2007
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Drei Tage, nachdem Google bei Seiten, die offensichtlich Links verkaufen, den angezeigten PageRank herabgesetzt hat, möchte ich nun, da sich der Staub etwas gelegt hat, ein paar Gedanken zu dem Vorgang teilen. Auch, wenn man manchmal nicht das Gefühl hat, so ist die Suche doch noch mit weitem Abstand das Hauptgeschäftsfeld von Google: deswegen kommen die User, deswegen fließt das Geld. Google selber hat seinen derzeitigen Marktanteil in diesem Bereich damit erlangt, dass die Qualität der Ergebnisse mit Abstand besser war als die der damaligen Konkurrenz – es ist also im ureigensten Interesse der Verantwortlichen, die Qualität der Suche möglichst hoch zu halten. Wann immer es in der Vergangenheit Mittel und Wege gab, hier zu manipulieren, ist Google eingeschritten: Die Vererbung von Gästebüchern und reinen Linktauschseiten wurde vor Jahren abgeschaltet, die darauf folgenden automatisierten Linktauschsysteme wie Linkvault hat Google ebenfalls in den Griff bekommen und jetzt sind eben die gekauften Links an der Reihe: Sobald eine Methode von zu Vielen genutzt wird, schreitet Google ein. Linkhandel zur Rankingbeeinflussung gab es auch zur Jahrtausendwende schon, wurde allerdings von einem deutlich kleineren Kreis von Leuten eingesetzt und stellte somit keine Bedrohung dar. Jetzt, mit Dienstleistern wie Text-Link-Ads, Linklift und Teliad konnte das Problem nicht weiter ignoriert werden.

Eine der interessantesten Lehren aus der jetzt vorgenommen Herabsetzung des PageRanks für eine sehr ausgewählte Auswahl an Seiten ist für mich, dass Google derzeit offenbar noch keinen funktionierenden Algorithmus zur Erkennung bezahlter Verlinkungen hat. Es wurde hier ganz eindeutig mit einer manuell recherchierten Liste gearbeitet, die teilweise durch offensichtliche „Footprints“, wie den Disclaimer von Trigami, angereichert wurde. Dies erklärt auch, wieso zu dem Thema so lange Ruhe war, nachdem Anfang des Jahres doch deutlich und laut gegen den Verkauf gehetzt wurde – die Entwicklung ist einfach noch nicht soweit und um jetzt nicht vollends das Gesicht zu verlieren, wird eben manuell eingegriffen. Dass dabei einige Blogger und Multiplikatoren, die jetzt ihr Wissen davon verbreiten, ist sicherlich nicht ganz unerwünscht gewesen.

Allerdings halte ich diese großflächige Sensibilisierung der Öffentlichkeit auch für ein – für Google gefährliches – Spiel mit dem Feuer. Linkbroker und –Händler haben nun eine deutlich bessere Argumentationsmöglichkeit um andere als nur die bekannten „Standardeinbindungen“ in der Sidebar oder ähnlichen Orten durchzusetzen: Die Links werden in den Content rutschen und somit nur noch sehr schwer von freiwillig und kostenlos gesetzten Links zu unterscheiden sein – die kommenden Entwicklung dürfte spannend bleiben.

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Kommentare
Der viSEOcoach   
26. Oktober 2007, 16:50

Privat verhandeltes Content-Hosting ist die Antwort 🙂 Wenn es gut gemacht ist, kann das niemand erkennen. Ob das Schleichwerbung ist? Na, ich weiß nicht. Somit wäre jeder unmarkierte Link auf ein kommerzielles Angebot ein Schleichwerbung.

Ich halte diese Massenhysterie, die gerade stattfindet, einfach nur für nervend und peinlich. Ich habe schon seit 2004 oder so keine Toolbar mehr installiert/bzw. achte nicht auf den PR. Auch nicht beim Kauf oder Verkauf von Links. Und nur um ganz klar zu sein. Solange Links eine Rolle in der Suchmaschinenoptimierung spielen, werden diese ge- und verkauft.

Michael   
26. Oktober 2007, 14:58

Das nennt sich dann aber Schleichwerbung und diese ist hierzulande, Gott sei Dank, verboten. Das wird dann vermutlich in einem Kampf der „Schleichwerber“ vs „Denunzianten“ enden. *g*

mhoenerbach   
26. Oktober 2007, 15:05

Hallo,

trifft auch genau meine Meinung. Denke Google wird das Mittel- bis Langfristig in den Griff bekommen. Dann werden neue oder andere Methoden entwickelt und auch diese wird Google irgendwann in den Griff bekommen. Was bleibt der alten Dame als dem ganzen ständig hinterher zu laufen?

Loewenherz   
26. Oktober 2007, 18:36

Ich teile deine Einschätzung voll und ganz, Johannes.
Was mich an der ganzen Sache stört, ist die Art und Weise, wie Google eingeschritten ist. Wie beim Beispiel Telepolis im aktuellen Beitrag auf SEO Scene: Der PR gibt nun absolut nicht mehr die Bedeutung einer Seite wieder, er ist nun verfälscht. Das jetzige Vorgehen ist sicher auffällig und damit öffentlichkeitswirksam. Aber hätte es nicht eine andere, elegantere Lösung geben können? Oder bin ich hier betriebsblind aufgrund der Konsequenzen für phpBB.de?
Vielleicht fällt dir etwas ein.

Olaf   
26. Oktober 2007, 19:15

@Loewenherz: „Aber hätte es nicht eine andere, elegantere Lösung geben können?“

Nun betrachten wir es mal realistisch. Wenn die Linkverkauf-Dienstleister alle auf manuell einzubindende Links umsteigen wird es für einen Algo schon mal schwer dies zu erkennen. Selbst wenn man sich eine so komplexe Betrachtung vornimmt wie Johannes das hier letztens irgendwann mal vorgestellt hat, so lag der Schwachpunkt dort ja bei mangelnder Themengleichheit als auffälliges Kriterium. Wenn die Linkkäufer und -Verkäufer auch berücksichtigen, wird es sehr sehr schwer bzw. sehr unsicher, dass zu erkennen.

Aber natürlich muss Google jetzt und laut zuschlagen, damit hoffentlich die Masse der Verantwortlichen zurückschreckt und wieder vor Google kuscht. Ich stimme hier Der viSEOcoach zu, wenn er sagt, dass es immer Käufer und Verkäufer geben wird.

Johannes   
26. Oktober 2007, 19:45

Loewenherz, du musst bedenken, dass Google keine lautlose, elegante Lösung gewollt hat. Es gab zwar vor einigen Wochen recht diskrete Hinweise bei den Verlagen, dass Google diesen Linkverkauf nicht gerne sieht und man sich doch freuen würde, wenn er unterbliebe, aber der jetzt durchgeführt Schritt hat genau das Ziel, das erreicht werden sollte erreicht: Jeder, der sich auch nur am Rande mit dem Thema beschäftigt, weiss nun, welche Position Google vertritt und wie Google diese Position vertritt.

Robert   
26. Oktober 2007, 21:40

Google hat aus Links ein handelbares Gut gemacht – das ist unbestritten. Aus der Alkohol-Prohibition in den USA kann man lernen, dass begehrte Waren immer gehandelt werden. Wenn die Ordnungsmacht ein offenes Handeln sanktioniert, geht der Markt in den Untergrund, und die Preise für „gute“ Ware steigen.

Nichts anderes wird aus den Sanktionen von Google folgen. Damit werden die großen Budgets besser zurecht kommen, während der Markt kleineren Käufern unzugänglich wird.

Zukünftige SERPs für geldwerte Suchterme werden als noch mehr als bisher von den großen Spielern dominiert werden (eBay, Preisvergleicher), während alle anderen zu AdWords greifen dürfen.

uwd   
30. Oktober 2007, 11:02

Das letzte Update hat meiner Meinung nach gezeigt, dass Google auf den Pagerank setzt und diesen auch in Zukunft weiter verfolgen wird. Ich denke die Bewertungen der Studenten, welche für Google surfen und die Seiten analysieren, bekommen eine immer stärkere Bedeutung.

trendstrom   
1. April 2008, 14:50

Den Linkverkauf wird es natürlich weiter geben. Dass Seiten abgestraft wurden, die derart offensiv als Linkverkäufer aufgetreten sind, verwundert mich nicht. Viele dieser Linkverkäufer hatten zu allem Überfluss noch Begriffe vor die Links geschrieben, die einen klaren Hinweis auf den Linkverkauf gaben – selber Schuld.

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