Rankingfaktor Page Speed – doch was ist eigentlich schnell?

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
25. Juli 2018 11 Kommentare
Seit einigen Tagen ist die Ladegeschwindigkeit von Webseiten auch in der mobilen Google-Suche ein Rankingfaktor. In diesem Beitrag zeige ich dir, was “schnell” überhaupt bedeutet und veröffentliche ein kostenloses Tool, um die Geschwindigkeit deiner eigenen Seite mit anderen Webseiten zu vergleichen.

Das war ein Algorithmus-Update mit Anlauf: bereits im Januar hatte Google angekündigt, dass die Ladegeschwindigkeit von Webseiten ab Juli dieses Jahres auch in der mobilen Suche ein Rankingfaktor wird.

Am 9. Juli hat Google via Twitter dann Vollzug gemeldet: das Update wird nun für alle Nutzer ausgerollt. Der Page Speed ist damit auch in der mobilen Suche ein Rankingfaktor.

Wieso ist die Ladegeschwindigkeit wichtig?

Erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung besteht seit einigen Jahren zu großen Teilen darin, für das bestmögliche Nutzererlebnis zu sorgen. Denkt man dabei zuerst an naheliegende Themen wie perfekte Inhalte, spielen auch etwas formellere Faktoren wie die Ladegeschwindigkeit der Webseite für die User Experience eine Rolle.

Zahlreiche Studien und Untersuchungen belegen die Wichtigkeit des Page Speeds für das Nutzererlebnis. So zeigt Google selber in einer Studie, dass sich die Bounce-Rate fast verdoppelt, wenn die Ladezeit von einer auf fünf Sekunden steigt.

Was ist eigentlich schnell?

Nun ist die Ladezeit einer Webseite für sich genommen und isoliert betrachtet ziemlich nichtssagend. Ist ein Wert von 3 Sekunden gut oder schlecht? Zur Einordnung bedarf es, ähnlich wie mit dem Sichtbarkeitsindex zur Erfolgsmessung von SEO, sinnvoller Vergleichswerte.

Zum Glück bietet Google mit dem Chrome User Experience Report eine Basis für solche Vergleiche an. Dieses Nutzerpanel aus echten Chrome-Nutzern liefert Performance-Kennzahlen für zahlreiche Webseiten. Sie sind die Basis für die folgenden Analysen.

Zuerst unsere Analyse der Ladezeiten auf dem Desktop:

Ich habe die Ladezeiten in sogenannte Perzentile eingeteilt. An ihnen lässt sich einfach ablesen, wie langsam die Ladezeit einer Webseite maximal sein darf, um zu den Top-X Prozent aller Webseiten gehören zu können. Diese Werte beziehen sich auf das sogenannte “Onload-Event”. Die Seite muss also vollständig geladen sein.

Für Desktop-Zugriffe bedeutet dies, dass laut Chrome-User-Panel eine maximale Ladezeit von 466 Millisekunden (rund eine halbe Sekunde) reicht, um zu den Top-20 Prozent aller Webseiten zu gehören. Braucht deine Webseite rund 3 Sekunden bis sie fertig geladen ist, sind nur noch 10 Prozent aller Webseiten schlechter.

Für Handy-Zugriffe sieht die Perzentilen-Verteilung so aus:

Wenig überraschend: Ladezeiten auf dem Handy sind insgesamt ein gutes Stück langsamer als auf dem Desktop. Um zu den besten 20 Prozent aller Webseiten zu gehören, darf die Ladezeit fast eine Sekunde (933 Millisekunden) betragen. Und auch bei über 4 Sekunden Ladezeit, sind noch 20 Prozent aller Webseiten schlechter als deine.

Für die Ladezeiten-Nerd unter uns, habe ich diese Diagramme auch nochmal für “First Contentful Paint”, also die erste Anzeige sinnvoller Inhalte erstellt: Desktop und auch Handy.

Als Fazit lässt sich ziehen, dass deine Webseite auf dem Desktop in unter einer Sekunde und auf dem Handy in unter zwei Sekunden fertig geladen beim Nutzer sein sollte, um zur bessere Hälfte aller Webseiten zu gehören.

Wie schnell ist meine Webseite?

Wie eingangs versprochen, habe wir auch ein kleines und kostenloses Tool gebaut, mit dem du die echten, nutzergemessenen Ladezeiten von vielen Millionen Webseiten selber abrufen und vergleichen kannst:

Hier direkt den Page Speed vergleichen

Wir zeigen dir dort, aufgeschlüsselt nach Desktop und Mobile, wie schnell echte Nutzer deine Webseite laden und wie gut du im Vergleich zum Durchschnitt damit abschneidet. Viel Spaß bei der Nutzung!

25. Juli 2018, 09:26

Super, dass ihr nicht nur über Ladzeiten schreibt sondern auch gleich einen Online Ladezeiten Check anbietet. So etwas ist hilfreich. Danke!

25. Juli 2018, 09:31

Danke, Johannes! Meine Fragen zu Deiner Aussage „Diese Werte beziehen sich auf das sogenannte “Onload-Event”: Ich verwende dazu in Google Analytics den Wert „Durchschn. Seitenladezeit (Sek.)“ und komme dazu bei einer Seite auf Mobile-Werte um die 8 Sekunden, das wäre dann ab sofort ja ein Rankingkiller? Allerdings verwendet GA pro Monats auch nur <10 Beispiele für die Seitenladezeit, das sollte man dann sicherlich hochsetzen, um zu aussagekräftigen Durchschnittswerten zu kommen? Anmerkung: Euer Page Speed Tool funzt für unsere Domain nicht, soooo selten wird die nun aber auch nicht besucht 😉 Vielen Grüße! Andree

Johannes Beus
25. Juli 2018, 14:36

Andree, es gibt einige Beispiele für gruselige Ladezeiten (m.focus.de zum Beispiel mit über 10 Sekunden auf dem Handy), die trotzdem keine offensichtlichen Ranking-Probleme damit haben. So wie es aussieht, bestraft Google wohl nur extreme Werte von vermutlich mehr als 30 Sekunden.

Steve
25. Juli 2018, 14:30

Hmm,

das scheint bei keiner Domain zu funktionieren..?

Johannes Beus
25. Juli 2018, 14:34

Steve, die Domains müssen eine gewisse Mindestanzahl an Besuchern im Chrome-Panel haben, damit Daten angezeigt werden. Für die meisten großen und mittelgroßen Domains funktioniert das gut, für kleinere Domains leider nicht.

25. Juli 2018, 17:29

a) Need for Speed
IMHO ist alles unter 1 Sekunde gut, unter 2 Sekunden ok, ab 3 Sekunden aus Usability Gründen, ganz unabhängig on Google, nicht mehr akzeptable. Und es gibt ja auch genau Webseiten, die demonstrieren, dass es schnell geht.

b) Alternativen
Zum einen gibt es einige Webseiten, die eben auch relativ detailliert Ladezeiten auflisten, z.B. http://www.pagespeed.de
Zum anderen, bekommt man auch einen Ersten Eindruck in den „Entwicklerwerkzeugen“ von Chrome und Firefox (jeweils die Tabs Laufzeit –und Netzwerkanalyse).
Mit beiden Methoden kann man auch sehr schnell die „größten“ Übeltäter ermitteln

c) Auswirkungen
Laut obigen Twitter Link startet der Rollout am 9 Juli, also vor etwa 2 Wochen. Ich konnte bei den von mir beobachteten Domains in diesem Zeitraum keine Schwankungen (weder nach oben noch nach unten) feststellen. Finde ich ein bisschen merkwürdig.

d) Datenbasis

Dann habe ich mir euer Tool, das auf den Chrome Daten basiert, angeschaut. Es scheint so zu sein, das „klein“ hier so etwa unter 5000 Unique Besucher pro Monat meint.

Dann noch eine Überlegung: wenn ich es richtig verstanden habe, nutzt Google selbst auch die Daten aus dem „Chrome-Panel“. Wenn dort aber für „kleine“ Domains nichts vorliegt, kann es ja Prinzip bedingt für diese nicht als Rankingfaktor genutzt werden, oder?

Johannes Beus
26. Juli 2018, 06:42

Heiko, das Problem mit Werten von Pagespeed.de oder vergleichbaren Tools ist, dass es eben synthetische Werte sind. Echte Nutzer erleben deine Webseiten in der Regel vollkommen anders, dadurch dass die eben nicht auf einem Server laufen und perfekt angebunden sind. Wir haben im Büro zum Beispiel das „Problem“, dass wir eine sehr schnelle, symmetrische 1Gbit-Leitung haben. Damit fühlt sich jedes 25Mb Hero-Image schnell und gut an – ist es aber eben nicht. Daher sind die Werte aus dem Google Panel auch so hilfreich. Sie zeigen dir echte Nutzerzahlen und keine künstlichen Werten.

AGT
26. Juli 2018, 11:49

Hallo Johannes,

vielen Dank für den Beitrag und die Denkanstöße. Das von Dir im Kommentar genannte Beispiel von m.focus.de möchte ich anders interpretieren. Für mich sind die unterschiedlichen Rankingfaktoren in Relation zur gesamten SEO-Performance einer Website zu betrachten. Die Website m.focus.de hat andere, starke Rankingsignale, sodass die lange Ladezeit sich scheinbar nicht negativ bemerkbar macht. Es erscheint mir an dieser Stelle verfrüht, von einer pauschalen „Abstrafung“ ab Ladezeiten von länger als 30 Sekunden auszugehen.

Viele Grüße
Andreas

26. Juli 2018, 22:00

@Johannes: Ich hätte vielleicht anders einsteigen sollen: ich finde den Artikel sehr gut und wichtig, da ich, wie gesagt, Ladezeiten auch abseits von Googles Ranking, für sehr wichtig halte.

Google Chrome Panel
Gar keine Frage dass diese Daten sehr wertvoll sind. Nur, wenn meine „Beobachtung“ stimmt das hier Domains mit kleiner 5000 Besuchern pro Monat nicht auftauchen (und da würde mich mal wirklich Deine (sistrix) Einschätzung interessieren), was sollen diese Webmaster denn machen?

Die müssen sich „zwangsweise“ nach Alternativen umsehen.

Und: auch wenn diese Tool Anbieter „optimal“ angebunden sind, geben sie doch eine „Untergrenze“ an, von dem, was an Ladezeiten drin ist.

Die Toolanbieter „testen“ meistens ausschließlich die Startseite einer Domain. Ich habe bei einem mal für eine der besten SEO Beratungsfirmen, sprich sistrix.de, die Ladezeiten der Startseite messen lassen: etwa 3,4 Sekunden. Das korreliert ziemlich gut, mit den 3,2 Sekunden, die mir mein Firefox unter „EntwicklerWerkzeuge / Netzwerkanalyse“ anzeigt. Und meine DSL Verbindung beträgt schlappe 50 Mbit/s Download und 10 Mbit/s Upload.

LG

31. Juli 2018, 12:15

Ich denke, dass Page Speed ein Nebenfaktor ist und eine Weile bleiben wird. Es zählt, dass die vermittelten Informationen stimmen und, dass der Nutzer das bekommt was er benötigt.
Grüße und danke für das Tool!

23. August 2018, 10:07

Bin gespannt ob und wann der Faktor erweitert wird und Google Ladezeiten klassifiziert und sich das dann nicht mehr nur für sehr langsame Seiten auswirkt. Aufjedenfall habe ich jetzt mal einen Anhaltspunkt neben Google PageSpeed Insights und GTmetrix. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht!