Raus aus der SEO-Filterblase – SEODay 2017

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
12. Oktober 2017 2 Kommentare
Schaue ich mir die aktuellen SEO-Themen in meinem Feedreader an, so muss ein guter SEO mittlerweile Experte für alles sein: er muss AMP verstehen, wissen was PWAs sind, strukturierte Daten richtig auszeichnen, maschinelles Lernen überblicken, App Indexing kennen, wissen wie der Googlebot mit den gängigen JavaScript-Frameworks umgeht, SSL-Zertifikate in der Tiefe analysieren können. Auch muss er sich um die Conversion der Nutzer kümmern, die so wichtige User Experience im Hinterkopf behalten und so weiter und so fort … Aber ist das wirklich so?

Manchmal hilft es, einen Schritt zurück zu gehen, um das große Ganze überblicken zu können. Im Rahmen des diesjährigen SEODays in Köln habe ich versucht, mich diesem Thema zu nähern. Um das ganze nicht auf Vermutungen basieren zu lassen, mussten belastbare Zahlen her. Zum Glück bietet Google mit “Google Surveys” eine einfache und auch vergleichsweise günstige Möglichkeit, um Nutzermeinungen zu erfassen. Bevor Nutzer einen Artikel lesen können, müssen sie kurz eine Frage beantworten – und diese Frage, kann von Dir kommen. Sehr empfehlenswert als kleines Tool, um seine Entscheidungen nicht auf Vermutungen basieren zu lassen.

Verfolgt man die Presse, so bleibt der Eindruck zurück, dass Google keine positiven Seiten hat. Egal ob fehlende Steuerzahlungen in Europa oder die üblichen Datenschutzthemen, die meisten Berichte über Google sind negativ. Aber ist das auch der Eindruck der Bevölkerung von Google? Die erste Frage war also:

Frage: Verbinden Sie mit Google eher Positives oder eher Negatives?

Überraschung: die bei weitem überwiegende Mehrheit der Deutschen hat ein positives Bild von Google. Weniger als 15% verbinden mit Google eher Negatives. Spannend ist häufig auch noch die Eingrenzung der Ergebnisse auf die jungen Teilnehmer der Umfrage (18 bis 24 Jahre). Damit sieht man Trends, die sich später häufig durchsetzen, schon früh.

Frage: Verbinden Sie mit Google eher Positives oder eher Negatives? (18 bis 24 Jahre)

Hier ist der Anteil der Google-Befürworter nochmals höher. Mehr als 90% der jungen Deutschen haben ein positives Bild von Google. Google wird deutlich positiver wahrgenommen, als es das Medienecho vermuten lässt. Besonders auch von jungen Menschen.

Frage: Welche Google-Produkte nutzen Sie regelmäßig?

Wenig überraschend ist die klassische Websuche das Google-Produkt mit der meisten, regelmäßigen Nutzung. Interessant ist auch hier die Eingrenzung der Antworten auf die der 18 bis 24-jährigen:

Frage: Welche Google-Produkte nutzen Sie regelmäßig? (18 bis 24 Jahre)

Bei den jungen Nutzern hat die Websuche offenbar deutlich weniger Bedeutung. Hier ist YouTube ganz klar das Google Produkt, das am meisten genutzt wird. Im Hinterkopf behalten muss man bei solchen Zahlen, dass es sich um eine Befragung der Nutzer handelt. Es kann also gut sein, dass Websuche einfach als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird und deswegen hier so stark verliert. Bemerkenswert ist die Verschiebung aber allemal.

Doch das Internet besteht nicht nur aus Google. Daher zielt die nächste Frage auf die tägliche Nutzung von bekannten Produkten allgemein:

Frage: Welche dieser Angebote nutzen Sie täglich?

Zeigt sich die hohe Nutzung von Whatsapp hier schon deutlich, wird es bei den jungen Nutzern nochmals markanter:

Frage: Welche dieser Angebote nutzen Sie täglich? (18 bis 24 Jahre)

Hier ist es noch deutlicher: Whatsapp ist absolut führend in der täglichen Nutzung, während Facebook stark abfällt. Aus dem Google-Universum rangieren die Websuche und YouTube bei der empfundenen, täglichen Nutzung in etwa auf gleichem Niveau.

Die Frage nach der empfundenen Nutzung ist eine Sache, deutlicher wird die relative Wichtigkeit der vier großen Firmen (Google, Amazon, Facebook, Apple) aber, wenn man ihre Nutzer danach fragt, auf welche Firma sie zuerst verzichten würden:

Frage: Wenn Sie auf die Produkte und Dienstleistung einer dieser vier Firmen verzichten müssten, auf welche würden Sie zuerst verzichten?

Hier ist eine deutliche Zweiteilung zu erkennen: während die meisten Nutzer angaben, gut ohne die Angebote von Apple und Facebook leben zu können, würde sie am wenigsten gerne auf Amazon und auch insbesondere Google verzichten. Auch hier die Werte für die junge Zielgruppe:

Frage: Wenn Sie auf die Produkte und Dienstleistung einer dieser vier Firmen verzichten müssten, auf welche würden Sie zuerst verzichten? (18 bis 24 Jahre)

Hier wird die Zweiteilung nochmals deutlicher, es gibt aber keine großen Veränderungen. Apple und Facebook sind verzichtbar, während Google und insbesondere Amazon unverzichtbar sind.

Torsten
13. Oktober 2017, 08:30

„so muss ein guter SEO mittlerweile Experte für alles sein“

Eigentlich nur für eines: Geile Seiten bauen. Crap performt auch optimiert nur mies.

Frank
16. Oktober 2017, 14:38

Im finde im Artikel keinen Hinweis auf die Anzahl der befragten Personen. Für „belastbare Zahlen“ wäre diese Angabe aber erforderlich. Zudem fehlt mir der Zusammenhang zwischen den Aufgaben eines SEO (erster Absatz) und der Nutzung bestimmter Dienste. „Aber ist das wirklich so?“ > Dieser abschließende Satz des ersten Absatzes erweckt beim Leser den Eindruck, dass es im folgenden Artikel um die Aufgaben eines SEO geht.