AMP HTML – Accelerated Mobile Pages

Bei den Accelerated Mobile Pages, oder kurz AMP, handelt es sich um eine Initiative die das Ziel hat Webseiten schneller laden zu lassen. Hierzu wird die Gestaltungsfreiheit der Webseite stark eingeschränkt. Dies soll dazu führen, dass keine aufgeblähten und langsamen Webseiten zustande kommen.


Das Accelerated Mobile Pages Projekt (AMP; wörtlich: beschleunigte Mobilseiten) ist ein Open-Source-Projekt, das 2015 von Google angekündigt und 2016 der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde. Es ist eine Reaktion auf die erhöhte Nutzung von mobilem Internet und den daraus resultierenden neuen Anforderungen.

Es sollen HTML-Seiten entstehen deren Ziel es ist viel schneller zu laden als es heutzutage für Webseiten auf mobilen Endgeräten der Fall ist. Um das zu erreichen, sind nur eine begrenzte Zahl von HTML und CSS Elementen verfügbar und eine zur Verfügung gestellte JavaScript Library, die nicht angepasst werden kann.

Die technischen Anforderungen von AMP priorisieren die Ladegeschwindigkeit, um dem Besucher eine gute Nutzererfahrung zu bieten. Dabei sollen die Inhalte weiterhin individuell gestaltbar sein.

Ein wichtiger Punkt um die Ladezeitverbesserungen noch zu vergrößern liegt darin, dass Google die AMP Webseiten auf Google Servern abspeichert, sie also einen eigenen Cache der Daten vorhalten, die dann von Google ausgeliefert werden. Damit umgeht Google die Möglichkeit, dass den Servern einer Seite nicht die notwendigen Ressourcen für ein schnelles Ausspielen der Seite zur Verfügung stehen.

Desweiteren weist Google AMP Seiten speziell in den Suchergebnissen aus und hat, unter anderem, ein eigenes News Karussell für Accelerated Mobile Page Beiträge.

Warum gibt es die Accelerated Mobile Pages überhaupt?

Google merkt dass immer mehr Nutzer die Google Suche von mobilen Endgeräten aus ansteuern und nutzen. Da es Google’s wichtigste Aufgabe ist, den Nutzer bei seiner Suche auf das bestmögliche Ergebnis zu bringen liegt Google viel an der Ladezeit der Seiten. Diese ist jedoch besonders beim Mobilfunk häufig ein Schwachpunkt vieler Seiten.

Antwort auf die Frage „Was stört dich am meisten beim Browsen auf mobilen Endgeräten?“ aus einer Umfrage von Google aus 2015. Quelle: https://webmasters.googleblog.com/2015/04/mobilemadness-campaign-to-help-you-go.html

Hier möchte Google nachhelfen und hat mit AMP eine Möglichkeit geschaffen, wie Googles Nutzer so schnell wie möglich an die bestmöglichen Ergebnisse kommen können.

Es lässt sich nicht abstreiten dass AMP in direkter Konkurrenz zu Facebooks „Instant Articles“ steht, die eine ähnliche Daseinsberechtigng ihr Eigen nennen.

Wie schwierig ist es auf Accelerated Mobile Pages umzustellen?

Dass die Umstellung auf AMP mit dem Umlegen eines einzigen Hebels von statten gehen kann, wird leider in den meisten Fällen nicht funktionieren. Zu viele interne Prozesse und technische Gegebenheiten sind damit verbunden und müssen beachtet werden.

Technische Vorraussetzungen von Accelerated Mobile Pages

In gewisser Hinsicht macht AMP es einem einfach. Durch die Restriktionen bei JavaScript und CSS werden die Möglichkeiten zwar eingeengt, lassen jedoch weiterhin viel Spielraum für die Umsetzung der eigenen Corporate Identity und fordern die Designer und Entwickler dahingehend, schnelle Seiten zu gestalten und umzusetzen.

Kann mein aktuelles Content Management System mit Accelerated Mobile Pages umgehen?
Viele große Content Management Systeme bieten schon jetzt eigene oder drittanbieter AMP Plug-ins an, die bei der Auslieferung helfen sollen. Hier lohnt es sich zu prüfen, wie groß der Anpassungsbedarf für die eigene Seite sein kann um die notwendigen Entwicklerressourcen einzuplanen.

Habe ich genügend Entwicklungs- und Designressourcen um zwei unterschiedliche Code Stände zu unterhalten?
Accelerated Mobile Pages nutzen zwar angepasstes HTML und es gibt durchaus Methoden regulären HTML Quellcode in AMP HTML umzuwandeln, jedoch kann es durchaus sein, dass euer bisheriges Design zB. zu stark auf JavaScript setzt um direkt in AMP umgewandelt zu werden. In diesem Fall kann es passieren, dass ihr eigens angepasste Templates für die von euch gewünschten AMP Seiten benötigt. Diese müssen dann natürlich mitsamt allen anderen Ressourcen geupdated werden.

Wie verlinke ich Accelerated Mobile Pages?

Da es sich bei AMP Artikeln um eigene URLs handelt die mit einem Status Code 200 antworten sollte Google dabei geholfen werden, die zusammengehörigen Accelerated Mobile Pages und HTML Seiten zu erkennen. Dies geschieht, ähnlich wie auch bei mobilen Seiten, dadurch, dass auf der AMP Seite ein Canonical – <link rel="canonical" href="/article.html"> auf die HTML Seite gesetzt wird. Auf der HTML Seite selbst soll die AMP Version per <link rel="amphtml" href="/article.amp.html"> eingebunden werden.

Hierbei ist es sehr wichtig, dass die bidirektionalität der Verlinkung – HTML soll immer auf AMP und AMP immer auf HTML zeigen – immer gegeben ist. Sonst kann es passieren, dass man Google verwirrt und es zu Problemen kommt.

Weitere Informationen hierzu findet ihr auf der AMP Seite selbst: https://www.ampproject.org/de/docs/tutorials/converting/discoverable

Strategische Überlegungen vor der Umstellung auf Accelerated Mobile Pages

Auf der strategischen Seite gibt es einige wichtige Überlegungen, die helfen können, eine Entscheidung bezüglich AMP zu treffen:

Bin ich in einer Branche tätig in der AMP jetzt schon zum Einsatz kommt oder bald kommen soll?
Aktuell werden Accelerated Mobile Pages sehr stark bei Newsseiten in den Suchergebnissen mit einem eigenen Karussell belohnt. Eine weitere Branche in der AMP nach Google’s Meinung Fuß fassen soll ist der Bereich Online Shopping. Es kann also durchaus lohnenswert sein zu bedenken, in wie weit Google sich zur Nutzung von AMP in der eigenen Nische, im eigenen Sektor, geäussert hat.

Im besten Fall hat man die notwendigen Infrastruktur und Prozessanpassungen rechtzeitig fertig um einen Wettbewerbsvorteil zu erhaschen, sobald Google AMP für die eigene Branche pusht. Im schlimmsten Fall, hat man viel Geld und Zeit in etwas investiert, dass für den eigenen Bereich keinerlei Vorteile hat, falls Google sich entscheidet, dass AMP für diesen Sektor nicht die beste Wahl für die Nutzer ist.

Möchte ich meine Infrastruktur auf etwas umstellen, bei dem noch nicht klar ist, dass es auch in 2 Jahren noch existiert?
AMP gibt es seit Oktober 2015 und Google versucht die Verbreitung mit der immensen Marktmacht die sie haben voran zu treiben. Ob sich das Format „Accelerated Mobile Pages“ jedoch auch in Zukunft durchsetzen kann und sich als eigenen Standard etabliert ist noch nicht abzusehen.

Wie bekomme ich die Besucher von dem Accelerated Mobile Page Artikel auf meine Seite?
Wenn ich als Nutzer in den Google Suchergebnissen auf ein AMP Ergebnis klicke, komme ich auf die von Google auf Google Servern gespeicherte Version der Webseite. Wenn ich meine Leser jetzt aus Googles Cache (Speicher) auf meine eigene Webseite ziehen möchte, muss ich es schaffen, meinen Besucher für einen weiteren Artikel zu interessieren und entsprechend große und ansprechende Links Buttons oder sonstige Interaktionsmöglichkeiten bieten.

Welche Vorteile bringen Accelerated Mobile Pages?

Accelerated Mobile Pages bringen Vorteile für Besucher wie auch für Seitenbetreiber, die nicht zu unterschätzen sind.

Für die Besucher kann sich ein merklicher Geschwindigkeitsanstieg bei der Ladezeit der Seite einstellen, besonders wenn sie in einem 3G oder sogar 2G Netz unterwegs sind. Damit wird natürlich die Nutzerzufriedenheit der eigenen Seite gesteigert. Zudem lädt Google den direkt sichtbaren Teil der Artikel aus dem Accelerated Mobile Page Karussell schon bevor ein Nutzer überhaupt auf ein AMP Ergebnis klickt (dies nennt sich Prerendering), was zu einer noch schnelleren gefühlten Ladezeit beiträgt.

Als Webseitenbetreiber übergibt man, durch die Speicherung der Seite im Google Cache, den Ressourcenaufwand für eine schnelle Ausspielung der Seite an Google. Es ist davon auszugehen, dass die Server die Google für die AMP Seiten nutzt stark genug sind um selbst großen Besucherströmen stand zu halten. Zudem fallen bei der Auslieferung dieser Seiten keine Traffikkosten für die eigene Seite an.

Die Eingrenzung der Gestaltungs-Möglichkeiten bezüglich des HTML Quelltextes, sowie der CSS und JavaScript Möglichkeiten kann zudem zu einer Fokussierung auf die Bedürfnisse der Besucher führen, da nicht mehr „einfach alles“ möglich ist und sich Designer sowie Entwickler Gedanken über den Aufbau der Seite mit einem Minimum an Werkzeugen machen müssen.

Die AMP Dokumente im Google Cache werden zudem noch optimiert um schneller zu laden – es werden zum Beispiel unnötig große Bilder verkleinert. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit dass Google ein AMP Karussell in den Suchergebnissen anzeigt, welches häufig oberhalb des ersten organischen Ergebnisses angezeigt wird.

Welche Nachteile haben Accelerated Mobile Pages?

Die URL stammt nicht von meiner Domain
Dadurch dass Google die AMP Seiten aus ihrem eigenen Cache heraus ausliefert ist der Nutzer nicht auf meiner Seite. Im Browser lässt sich die Google URL einsehen, auf Smartphones ist dies jedoch nicht so tragisch, da Google die Quell-Seite des Artikels oben auf dem Accelerated Mobile Page Ergebnis anzeigt.

Es ist jedoch sehr wichtig die Analytics Anbindung zu prüfen, damit die Nutzer korrekt der eigenen Domain zugeordnet werden können. Gleiches gilt für die Werbeanzeigen und -einnahmen.

Eine weitere Eigenschaft die sich hieraus ergibt ist die, dass Links die auf den Artikel gesetzt werden, möglicherweise auf die Cache URL gesetzt werden. Hierzu hat Google sich Gedanken gemacht und setzt automatisch einen Canonical Tag auf der AMP Seite auf das korrekte Dokument auf meiner Domain.

Andere Accelerated Mobile Page Artikel sind nur einen Swipe entfernt
Ein Feature bei Google ist es, dass man AMP Artikel per Swipe (nach links oder rechts ziehen des Bildschirms) wechseln kann.

Es braucht nur einen Wisch mit dem Daumen um zum nächsten Artikel zu kommen.

Google geht hier die Reihenfolge durch, die auch im AMP Karussell angezeigt wurde. Dieses Feature bedeutet, dass möglicherweise ein Beitrag meiner Konkurrenz, zum gleichen Thema nach dem ein Besucher auf Google gesucht hat, mit einer einfachen Handbewegung erreichbar ist. Es lohnt sich also durchaus, sich tiefgründige Gedanken dazu zu machen, wie man Besucher von einer Accelerated Mobile Page auf die eigene Domain bekommen kann.

Wie sieht es mit Online Werbung auf Accelerated Mobile Pages aus?

AMP bietet trotz der Beschränkungen die Möglichkeit Werbung auszuspielen. Die Werbeblöcke müssen entsprechend ausgezeichnet werden, was einen gewissen Entwicklungsaufwand mit sich ziehen kann.

Es ist wichtig zu bedenken, dass AMP Seiten Werbung erst ganz zum Schluss laden, wenn die Inhalte der Seite schon fertig sind und genutzt werden können.

Werbung wird mit einem „Ad“ Platzhalter gekennzeichnet bis sie geladen ist.

Eine weitere Möglichkeit findet sich durch AMP for Ads (A4A) bei denen Erkenntnisse aus der Entwicklung von Accelerated Mobile Pages auf das Ausliefern von Ads angewandt werden. Hierbei ist es natürlich notwendig sich bei seinem jeweiligen Ad-Netzwerk zu erkundigen, ob und in wie weit dieses neue Format angeboten wird.

Für weiterführende Informationen schau dir bitte https://amphtml.wordpress.com/2016/07/19/but-what-about-the-ads/ näher an.

Fazit

Mit den Accelerated Mobile Pages hat Google sicherlich ein Konstrukt geschaffen um mit Facebooks Instant Articles zu konkurrieren, jedoch ist es auch durchaus verständlich, dass Google seinen Nutzern die schnellstmöglichen Ergebnisse anzubieten. Da Nutzer bei einer zu hohen Ladezeit mit der Seite unzufrieden sein können und diese Unzufriedenheit möglicherweise auf Google übertragen – immerhin hat Google ihnen gesagt dass diese nicht ladende Seite das beste Ergebnis ist – macht es durchaus Sinn, dass Google sich um eine schnelle Ladegeschwindigkeit im Netz, besonders auf mobilen Endgeräten und in langsameren Mobilfunknetzen, bemüht.

Die Zukunft von AMP ist dabei noch nicht in Stein gemeißelt und obwohl Google mit aller Macht versucht dieses Projekt zu pushen, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen, ob es sich als neue Darstellungsform durchsetzen kann oder ob es eine ähnliche Adoptionskurve wie Google+ geben wird. Dies bedeutet auch, dass sich Features und die Darstellung in den SERPs in Zukunft noch ändern können.

Durch das prominente Hervorheben der AMP Ergebnisse in den Suchergebnissen und bei Google News kann sich die Nutzung von Accelerated Mobile Pages durchaus lohnen. Jedoch sind die Nachteile nicht zu unterschätzen und die Materie ist zu umfangreich um über eine Implementierung ohne intensive Planung nachzudenken.

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