T-Online verbannt auch Beteiligungen der Verlage wie Xing und Immonet aus den Suchergebnissen

· 17. September 2014 · 21 Kommentare
Hanns Kronenberg
Hanns Kronenberg
Hanns Kronenberg ist Marketing- und SEO-Experte mit Herz uns Seele. Für SISTRIX ist er als externer Berater tätig. Wenn sich seine Gedanken ausnahmsweise einmal nicht um Nutzerorientierung drehen, rollt wahrscheinlich gerade der Hockeyball über den grünen Kunstrasen beim BTHV.
Die Eskalation des Streits um das Leistungsschutzrecht geht weiter. Offenbar hat T-Online nicht nur die Websites von Bild, Welt, Express und dutzender weiterer regionaler und überregionaler Zeitungen und Magazine aus seinen Suchergebnissen entfernt. Vielmehr wurden auch die Websites von Beteiligungen und Tochterunternehmen der Presseverleger aus dem Suchindex verbannt. So findet man in der Suche von T-Online beispielsweise keine Treffer mehr von xing.com, immonet.de oder meinestadt.de. Keine Treffer von Xing bei T-Online Welche Websites betroffen sind, kann man mit einer einfachen Site-Abfrage nach dem Muster „site:xing.com“ in der Suche von T-Online überprüfen. Diese Maßnahme geht noch einmal einen Schritt weiter als das Vorgehen von Web.de und GMX, deren Verbannung sich bisher auf den Ausschluss der Online-Auftritte der Zeitungen beschränkt.

Die Suchmaschinen von T-Online, web.de und GMX werden in Kooperation mit Google betrieben. Offenbar bestimmt jeder Google-Partner aber sein Vorgehen selbst und entscheidet eigenständig über die Deindexierung einzelner Angebote.

Hintergrund des Streits ist das vom Bundestag am 1. März 2013 verabschiedete Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Danach dürfen Suchmaschinen nur „einzelne Wörter und kleinste Textausschnitte“ nutzen, ohne den Verlagen Vergütungen zahlen zu müssen. Ob die üblichen Suchtreffer in den Suchmaschinen bereits diese Grenze überschreiten ist juristisch unklar und wurde noch von keinem Gericht entschieden.

Trotzdem haben die in der VG Media organisierten Verlage im Sommer 2014 angekündigt, die Suchmaschinen zur Zahlung einer „angemessenen Vergütung“ auf Basis des umstrittenen Leistungsschutzrechtes zu verklagen.

Die Anbieter der Suchmaschinen halten die Forderungen der VG Media für unbegründet, haben jedoch seit August vorsorglich mit der Entfernung der betroffenen Angebote begonnen.

Interessant ist, dass jetzt auch Angebote wie xing.com betroffen sind, die nach meiner Auffassung nicht als Presseerzeugnisse gewertet werden können und nur eine Beteiligung bzw. ein Tochterunternehmen der Presseverlage sind.

Auch wenn die Marktanteile der Suchmaschinen von T-Online, web.de und GMX gering sind, soll hier offenbar ein eindeutiger Warnschuss an die Verlage gesendet werden. Vielleicht dient das Vorgehen auch als Testballon.

Im Gegensatz zu Google steht die Suche von T-Online nicht unter dem Verdacht eine marktbeherrschende Stellung zu haben. Damit ist das juristische Risiko geringer von den Verlagen zu einer Aufnahme der Verlagsangebote in die Suchergebnisse und zur Zahlung von Lizenzgebühren gezwungen zu werden.

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17. September 2014

Kommentare

tom   
17. September 2014, 14:03

Das nennt man ein Eigentor!

Georg Konjovic   
17. September 2014, 14:11

Seltsame Maßnahme. Man kann nur mit einem Säbel rasseln, wenn er auch schön groß ist. Wir (meinestadt.de) verzeichneten rund 200 Visits pro Tag von T-Online. Kein herber Verlust.

Absolut nicht hinnehmbar ist das Wording von T-Online. Die Suche ergab nämlich sehr wohl Ergebnisse, diese werden aber aufgrund einer unternehmerischen oder evtl. auch rumpelstilzchenhaften Entscheidung nicht angezeigt. Das MUSS T-Online offen disclosen, so wie YouTube dies z.B. bei der GEZ tut. So ist es pure Zensur und Irreführung des Kunden.

Hanns Kronenberg   
17. September 2014, 14:37

Wenn die Websites aus dem Suchindex entfernt wurden, ist das Wording korrekt. Dann liefert die Suche tatsächlich keine Treffer. Das ist der gleich Effekt wie bei einer NoIndex-Anweisung auf der Website.

Anke Probst   
17. September 2014, 14:49

was XING betrifft: ist schon seit monaten so.

Anke Probst   
17. September 2014, 14:57

Übrigens, für alle die es interessiert: sogar Kununu ist raus.

Leistungsschutzrecht: Telekom verbannt Verlage aus der Suche   
17. September 2014, 15:24

[…] Sistrix und Stefan […]

Markus Peter   
17. September 2014, 21:04

Man scheint bei T-Online vollkommen willkürlich Suchergebnisse zu entfernen, z.B. wurden alle organischen Suchergebnisse von http://www.spin.de dort entfernt (die bezahlten Werbeanzeigen von spin.de aber komischerweise nicht – ein Schelm wer böses dabei denkt)

Markus Peter   
17. September 2014, 21:11

Achja, wir sind noch nichtmal irgendwo Teil der VG Media und lehnen das Leistungsschutzrecht ab. Meine einzige Teilerklärung, die ich im Moment habe, ist dass wir Geschäftspartner von einigen Radiosendern sind, die Mitglied der VG Media sind und hier anscheinend in Sippenhaft genommen werden.

Matthias   
17. September 2014, 22:40

Immerhin gibt es einen Backlink für die Verlage. Dürfte ja in nächster Zeit des-öfteren verlinkt werden. Na, wer traut sich und versucht auf die Liste zu kommen? 😀
http://www.vg-media.de/lizenzen/digitale-verlegerische-angebote/wahrnehmungsberechtigte-digitale-verlegerische-angebote.html

Michael Rutsch   
17. September 2014, 22:45

Ha! Die Maßnahme von T-Online gefällt mir. Das gegenseitige Erpressen muss langsam mal ein Ende finden. Aber da warte ich nur drauf. Auf der einen Seite „Leistungsschutzrecht“ abkassieren wollen, auf der anderen Seite werden sich jetzt bestimmt ein paar Firmen in den Index klagen wollen… Sprich die SuMas sind so oder so die gearschten…

Meinetwegen kann Google persönlich diverse Verlage rauswerfen. Ich komm ja auch nicht auf die Idee Geld dafür zu verlangen, das Google meine Seiten indexiert und Suchergebnisse ausgibt. Absolut hirnrissig. Ich kann doch als Betreiber nur froh sein, wenn Leute über Google zu mir finden.

Übrigens: Seit wann müssen Bibliotheken Geld dafür zahlen an die Verwerter zahlen, das sie SuchERGEBNISSE ausspucken?…
Und nein, der Vergleich hinkt nicht. In beiden Fällen gibt es eine Suchmaske, ein Suchergebniss mit Wörtern und Ausschnitten.

ingo   
18. September 2014, 09:00

Zumindest Immonet wurde ebenfalls bereits Ende Juli Anfang August raus geschmissen.

Johann Ecker   
18. September 2014, 12:17

@Georg Konjovic

Sehe ich auch so. Das Wording ist irreführend. Denn die User sind gewohnt, dass die Aussage einer SuMa: „Keine Ergebnisse“ bedeutet, dass es
a) wirklich keine Ergebnisse für die Suchanfrage gibt (ohne Eingriff der SuMa) oder
b) ein Tippfehler vorliegt.

Aber der User hat sich bei „site:bild.de“ nicht vertippt und erhält bei GMX und Web.de als ersten Vorschlag: „Überprüfen Sie die korrekte Schreibweise der Suchbegriffe“. Die Suchbegriffe sind jedoch korrekt -> Das ist irreführend. Wobei die Frage ist, wie viel Suchbegriffe es ohne Google Suchoperator gibt, wofür „nichts“ gefunden wird und dann dieser Hinweis erscheint.

Schön wäre ein ergänzender Hinweis, dass ein Teil der Treffer aufgrund von Rechtsgründen nicht angezeigt werden kann, ähnlich wie es Google bei DMCA-Beschwerden macht.

Stefan   
18. September 2014, 16:52

Die Auslistung bei T-Online dürfte dann aber ein Unzahl an Seiten betreffen. Anscheinend reicht für T-Online jede Art von Beteiligung durch LSR-Verlage aus, um ein Portal zu kanten (also auch Minderheitsbeteiligungen selbst geringer Größe, die definitiv keine wesentliche Einflussnahme auf das Unternehmen zulässt).
Wo zieht T-Online die Grenze? Reicht es demnächst aus, wenn ein Unternehmen als Kontakt im Adressbuch von Friede Springer auftaucht?

Unbek.   
18. September 2014, 17:19

Diese Auslistungen liefen teilweise schon im Juli, wie z.B. in einem allseits bekannten SEO-Forum dokumentiert. Damals traf es einen Großverlag aus München mitsamt seinen Onlineprojekten. Interessanterweise sind diese Seiten aber seit wenigen Wochen bei T-Online in der Suche wieder drin. Gab es da etwa eine Einigung?

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21. September 2014, 12:30

[…] T-Online verbannt auch Beteiligungen der Verlage wie Xing und Immonet aus den Suchergebnissen: Die Eskalation des Streits um das Leistungsschutzrecht geht weiter. Offenbar hat T-Online nicht nur die Websites von Bild, Welt, Express und dutzender weiterer regionaler und überregionaler Zeitungen und Magazine aus seinen Suchergebnissen entfernt. – http://www.sistrix.de/news/t-online-verbannt-auch-beteiligungen-der-verlage-wie-xing-und-immonet-aus… […]

Andreas   
21. September 2014, 14:22

Für wen machen die sich die Arbeit oder kennt Ihr jemanden der die T-Online suche nutzt. Ich denke würden die nicht ihre Router so programmieren das bei falscher Domain Eingabe die T-Online suche kommt würde es gegen 0 % gehen.

Tobias   
24. September 2014, 16:04

Ich stimme Songs Lyrics zu 😉
Nein, im ernst: Ich erhalte bei der site Abfrage zu xing.com und .de sehrwohl Ergebnisse. Gibt es vielleicht Neuigkeiten? Grundsätzlich ist die Eskalation dieses Streits fast noch alberner als das Leistungsschutzrecht selbst. Naja, Mal abwarten was noch so passiert

Danie|   
25. September 2014, 14:40

@Tobias: Ja es gibt Neuigkeiten, seit gestern sind die Beteiligungen der Verlage wieder auffindbar!

Steffen Konrath   
2. Oktober 2014, 23:17
Dirk   
6. Oktober 2014, 13:17

Richtig Steffen, bei mir genau so. Also hat sich da was verändert Ende September/Anfang Oktober.

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