Trendunabhängige Suchmaschinenoptimierung

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Mit dem im letzten Posting angesprochenen Wachstum des SEO-Marktes, wächst naturgemäß auch die Anzahl der Personen, die sich mit dem Thema befassen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass einige davon recht planlos aktuellen Trends hinterherlaufen, ohne einen Überblick über das größere Bild zu haben – deswegen hier von mir ein paar Ideen dazu.

Google hat das Ziel, qualitativ möglichst hochwertige Ergebnisse zu liefern. Wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre ansieht, so bedient Google sich dabei immer wieder unterschiedlicher Methoden und wertet die Wichtigkeit der einzelnen Signale kontinuierlich unterschiedlich. Mag es heute noch so sein, dass beispielsweise H2-Überschriften als wichtiger angesehen werden als solche, die mit einem H1-Tag ausgezeichnet sind, kann dies übermorgen schon wieder komplett anders aussehen. Wenn man jetzt ein SEO betreibt, das sich stark daran orientiert, welche Vorlieben und Abneigungen Google gerade in diesem Moment hat, führt das dazu, dass man beständig dem „Google-Puls“ folgen und alle seine Seiten entsprechend anpassen muss. Es ist zwar so, dass es einige, wenige Bereiche gibt, bei denen die Konkurrenz so nah‘ zusammen ist, dass dieses Vorgehen nötigt ist, in den allermeisten Bereichen scheint es mir allerdings mehr Schaden als Nutzen zu bringen.

Trendunabhängiger ist es da, sich daran zu orientieren, in welche Richtung die Entwicklung von Suchmaschinen geht. Ein schönes Beispiel hierfür ist das „Amateur-Linkbuilding“ der vergangenen Jahre. Waren es am Anfang Gästebücher und Free-For-All-Linklisten, kamen danach die Webkataloge und aktuell scheinen Artikelverzeichnisse ein heißes Thema zu sein. Allen gemeinsam ist, dass sie nur für eine recht begrenzte Zeit wirksam waren und sein werden. Wenn man jetzt vergegenwärtigt, dass Google sein Ranking auf freiwillig und wissentlich gesetzten Links aufbaut, so wird schnell deutlich, dass der Suchmaschinenbetreiber kein Interesse daran hat, diese Methode des Linkbuildings dauerhaft zu honorieren. Diese Überlegung vor fünf Jahren angestellt, hätte vielen, die ihr Glück zwischenzeitlich mit Gästebüchern, Webkatalogen und Blogspam versucht haben, viel Zeit und Geld erspart und ihnen heute, wenn sie denn andere Methoden gewählt hätten, eine deutlich komfortablere Ausgangssituation beschwert.

Also: Nicht daran orientieren, auf welchem Stand Google gerade ist, sondern seine Entscheidungen daran ausrichten, in welche Richtung man sich dort entwickeln möchte. Dabei hilft es, Patente und weitere Paper aus Mountain View zu lesen und an Fragestellungen aus Sicht der Suchmaschinen herauszugehen.

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Kommentare
Avatar ragdivers   
26. März 2008, 18:30

Ganz meine Meinung. Weniger Spam würde dem Internet und damit den Nutzern gut tun. Um die Scheinheiligkeit meines Kommentars zu bezeugen gebe ich direkt mal eine URL an, die zu einer Homepage führt an der ich mitwike und die sich Zwecks Popularitätsgewinn natürlich auch solcher dummer Spamlinks bedient. Aber für zukünftige Projekte werde ich komplett darauf verzichten.

Avatar Ralph   
26. März 2008, 19:05

Impliziert dies aber nicht eher die Spezialisierung auf einen kleinen Bereich. Dieses Thema wurde ja bereits in einem anderen Artikel diskutiert.

Ausserdem gilt dieser Ansatz nicht nur für Deinen Bereich, Johannes, sondern auch für jeden anderen Bereich des Lebens. Wenn ich gegen den Trend im Augenblick schwimme und mich schon auf morgen vorbereite, werde ich eben in dem Morgen eine wesentlich bessere Ausgangssituation haben als die Leute, die nur dem Trend hinter her schwimmen. Das Problem hast Du auch bereits erwähnt. Wenn man sich SEO-Spezialist nennt, muss man sich tagtäglich mit der Materie beschäftigen und dies kostet Zeit & Geld.

Erschwert wird das Ganze noch durch den Lernprozess der Suchmaschinen, die, wie erwähnt, ein grosses Interesse an qualitativ hochwertigen Suchergebnissen für Ihre Zielgruppe hat. Hätten die Betreiber von Suchmaschinen dieses Interesse nicht, würden wir als Benutzer eine andere Suchmaschine verwenden. Voraussetzung ist natürlich ein funktionsfähiger Markt, aber dies ist ein Thema für sich 😉

Ralph

Avatar Robert   
26. März 2008, 19:11

Jo mei…

Es ist halt immer ein wenig mühsam, den Standpunkt der Nachhaltigkeit auf Jahre zu vertreten und dabei den Mitbewerb links und rechts vorbei zischen zu sehen, getriebne von der amateurhaften Methode du jour. Zuerst beim Anstieg, Jahre später (hoffentlich) beim Abstieg – aber dazu brauchst du langen Atem.

Einzig die Schlacht gegen paid links ist recht flott absolviert worden, aber da waren wohl auch finanzielle Interessen der AdWords-Verantwortlichen Mit-Treiber. Oder so – ich lasse hier jedem die Freiheit einer eigene Verschwörungstheorie 😉

Avatar Pepino   
26. März 2008, 19:15

Das würde im Umkehrschluß bedeuten: wenn SEOs die Qualität der Suchergebnisse durch massive Maßnahmen (z.B. viele Links aus „unnatürlichen“ Netzwerken) negativ beeinflussen, dann graben sie sich selbst langfristig den Boden unter den Füssen weg… oder nicht?

Avatar Chris   
28. März 2008, 21:57

@pepino: so ist dies eher nicht – außer jemand baut seine linkstruktur nur mit webkatalogen oder nur mit artikelverzeichnissen. wenn man trotzdem auf einen natürlichen aufbau achtet straft google sowas nicht ab. ist eher so dass google die links einfach nur entwertet aber nicht gleich abstraft. deshalb ist es eben wichtig „breit zu streuen“ und sich nicht immer auf alles stürzen was gerade aktuell ist…

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