Von der Doppelmoral

Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Die Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen ist mittlerweile ein großes Geschäft geworden. Verständlich, dass sowas nicht unentdeckt bleibt und Viele, die eigentlich aus komplett anderen Bereichen kommen, ihr Stück vom Kuchen abhaben möchten. Nun ist es aber so, dass Herangehensweisen, die in anderen Bereichen des Internets gut funktionieren, im SEO-Bereich nicht umsetzbar sind.

So gibt es zum Beispiel mittlerweile eine ganze Reihe von SEM-Agenturen, die meinen, SEO nebenbei mitlaufen lassen zu können. So, wie der ehemalige Postbeamte am Schalter einem im Rahmen obskurer Cross-Selling-Strategien noch die kostenlose Postbank-Visa aufschwatzen will, gibt es dort günstig oder kostenlos neben SEM noch SEO dazu. Fängt ja auch beides mit „“SE“ an und hat etwas mit Suchmaschinen zu tun … oder doch nicht? Sicherlich, es gibt eine Vielzahl von Überschneidungen zwischen den beiden Bereichen, doch um in jedem für sich wirklich erfolgreich sein zu können, bedarf es komplett unterschiedlicher Arbeitsweisen. Da reicht es nicht, seine Mitarbeiter ein paar SEO-Foren, Bücher und Blogs lesen zu lassen um danach zu behaupten, man gehöre zu den führenden SEO-Agenturen Deutschlands.

Ein anderer Bereich, der mir zusehends aufstößt, ist die Art und Weise, wie Links für Kunden gekauft werden. Klar, es gibt einige Themen, bei denen ohne (massiven) Linkeinkauf wenig zu machen ist. Klar ist aber auch, dass Firmen, die in diesen Themen operieren, keinen dauerhaften, externen Einkauf von Links, sondern Hilfe für den Aufbau eines Inhouse-SEO-Prozesses benötigen. Wenn SEO-Firmen mit niedrigen Beratungshonoraren auf Kundenfang gehen, um im Nachhinein Links des eigenen Netzwerks mit teil enormer Marge weiterzuverkaufen, so erinnert mich dies eher an graue und unehrliche Kickback-Praktiken im Finanzwesen als an eine Beratung zum Besten des Kunden. Jetzt, da Google nicht nur gegen Verkäufer sondern auch gegen Käufer (!) von Links vorgeht, kann ein solches Vorgehen nicht nur das Geld des Kunden, sondern im schlimmsten Fall auch dauerhaft die Reputation seiner Seite bei Google kosten.

Und jetzt genug des morgendlichen Rants 😉

Ähnliche Beiträge
Kommentare
Avatar Christian   
18. März 2008, 11:44

Die Frage die sich dabei jedoch einem stellt ist, wie Google zwischen Linkkauf und simplem Linktausch unterscheiden will, und vorallem welche Kriterien für Google erfüllt sein müssen damit ein Link als gekauft gilt.

Klaro, steht in einem Blog z.B. schlauerweise „Sponsored Links“ oder dergleichen fett darüber ist das keine Frage, doch normale Contentlinks aus Themenrelevanten Seiten die auf widerum thematisch passende Seiten mit gutem Content verlinken, wie will Google da sagen ob das jetzt ein natürlicher Link ist, ein getauschter oder ein gekaufter Link?

Automatisiert wird dies wohl nur schwerlich möglich sein, und auch bei manueller Betrachtung ist das oft mehr als nur Auslegungssache.

Ich denke auch das es in einigen Bereichen einfach für viele nicht mehr anders geht als Links einzukaufen, z.B. im Versicherungsbereich. Wenn Firma A morgen 400 Backlinks einkauft, dann muss Firma B auf lange Sicht irgendwie mitziehen, und das wird manuell dann doch eine lange Zeit in anspruch nehmen.

Gekaufte Links sehe ich auf der anderen Seite jedoch auch als sehr kritisch an, denn ist ein Link erstmal gekauft macht man sich im Prinzip sehr abhängig vom Verkäufer… fällt hier mal ein dicker Fisch aus purzelt man auch ganz schnell wieder im ranking ohne selber darauf Einfluss nehmen zu können.

Avatar loptr   
18. März 2008, 12:08

„So, wie der ehemalige Postbeamte am Schalter einem im Rahmen obskurer Cross-Selling-Strategien noch die kostenlose Postbank-Visa aufschwatzen will …“

Sehr genialer Vergleich!!!

Es heißt nicht umsonst: Schuster bleib bei deinen Leisten.

SEO bei SEM ist allerdings nicht immer ausgeschlossen. Der Trend geht momentan in den meisten Firmen zum „Inhouse SEO“. Was einerseits Arbeitsplätze schafft, aber auch die kleineren SEO Agenturen in Bedrängnis bringen kann, da größere Firmen mehr Power haben (können).
Ich denke, die SEM Agenturen müssen sowieso umdenken (was auch teilweise schon geschehen ist -> themenbasierte Werbung, Guerilla Marketing), da immer mehr User offensichtliche Werbung ignorieren. Da haben beständige SEO Unternehmen die Nase wieder vorn (Referenzen, Kenntnisse).

Avatar mark   
18. März 2008, 13:05

So lang man sich die Finger nicht verbrennt, glaubt man nicht dass der Herd wirklich heiss ist.
Warum nicht die Firmen die Erfahrungen machen lassen?
Interessant ist doch dann, wieviel sie beeit sind zu bezahlen um sie da wieder rauszuholen. *g*

Avatar 100WorteReporter.de   
18. März 2008, 13:09

Ich warte ja noch darauf, dass google teliad oder linklift o.Ä. kauft und einfach alle Mitglieder (Käufer und Verkäufer) böse auf den Popo haut…
Gibt es schon Beispiele von Linkkäufern, die abgestraft wurden?
Grüße, Tim

Johannes   
18. März 2008, 13:10

Tim, keine, die ich veröffentlichen könnte.

Avatar Alex   
18. März 2008, 13:31

Ich denke mal, dass es zukünftig so gut wie keine „natürlichen Links“ mehr gibt. Sobald Hinzu und Kunz erkannt haben, dass Links einen Wert haben, setzt keiner mehr ohne Gegenleistung einen Link. Und wenn es keine natürliche Verlinkung mehr gibt, hat der Link seine Bedeutung für die Bedeutung einer Webseite komplett verloren.

Avatar Alex   
18. März 2008, 13:31

Ich denke mal, dass es zukünftig so gut wie keine „natürlichen Links“ mehr gibt. Sobald Hinzu und Kunz erkannt haben, dass Links einen Wert haben, setzt keiner mehr ohne Gegenleistung einen Link. Und wenn es keine natürliche Verlinkung mehr gibt, hat der Link seine Bedeutung für die Bedeutung einer Webseite komplett verloren.

Avatar loptr   
18. März 2008, 13:33

@mark
das Problem dabei ist: Wenn ein Kunde schlechte Erfahrungen mit einem Anbieter gemacht hat, dann ist es für den Vertrieb entweder gaaaanz einfach (Selbstmelder) oder umso komplizierter ihn zu werben.
Selbst bei sehr guten Referenzen ist das ein Stück Arbeit, weil kein Kunde bewerten kann, wie „toll“ die Refs wirklich sind.
Kritisch wird es bei Vorleistungen und pauschalen Monatsabgaben des Kunden. Und von erfolgsorientierter Bezahlung kann man zwar gut leben wenn man Einzelunternehmer ist, allerdings funzt das weniger gut für eine Agentur. Die MA wollen ja jeden Monat ihr entsprechendes (festes) Gehalt haben 🙂

Avatar mark   
18. März 2008, 14:11

Auch wieder wahr.
SEO gehört halt mit zum Angebot jeder Klitsche und was wirklich dahinter steckt kann man einem Kunden auch nicht mit zwei Sätzen verklickern.
Wenn dann die Agentur die Startseite mit versteckten Divs und Links zur eigenen Agentur schmückt, dann ist es halt blöd, aber für den Kunden u.U. auch nicht wirklich zu sehen. Wer betrachtet sich schon den Quelltext.

SEO ist eben das Webdesign diesen Jahrtausends; und die Spreu vom Weizen zu trennen wird seine Zeit dauern.

Avatar olli   
18. März 2008, 14:57

Hallo,

>>Fängt ja auch beides mit „“SE“ an und hat etwas mit Suchmaschinen…zu tun.<<

Herrlich….

Eigentlich müssten sich die gesetzten Filter wegen gesetzter/gekaufter/getauschter Links gegenseitig aufheben.

Eine Koinzidenz Oppositorum. ** 🙂

Mir jedenfalls gehen diese Eingriffe zuweit und sehe sie eher als Unvermögen einen guten Index maschinell zu erzeugen.

Dies gilt auch und besonders für das Linkbaiting auch wenn der uralte Tausch Content gegen Link auf der Leistungsseite manchmal zu wünschen übrig lässt.

Oliver

Avatar Der viSEOcoach   
18. März 2008, 16:37

Da musste ich schon schmunzeln. Vor allem, weil ich selbst 4 *verschiedene* Kerndienstleistungen anbiete: Webdesign, Webentwicklung, Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing (ich mache sogar das Hosting selbst und habe ein eigenes CMS-Produkt). Ich würde schon (ein wenig) dagegen argumentieren und behaupten, dass es kaum ein Vorteil sein kann, wenn der Suchmaschinenoptimierer nicht über den Tellerrand gucken kann. Die Welt braucht eben nicht *nur* Fachidioten, sondern auch Leute, die das Beste aus mehreren Bereich miteinander verbinden können.

Aber, und da will ich das Argument sogar noch etwas zuspitzen, ist es nicht in allen Bereichen (Webdesign, Webentwicklung, Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenmarketing) mittlerweile so, dass man sich stark spezialisieren muss? In der Suchmaschinenoptimierung (und auch in den anderen Bereichen) gibt es so viele Unternischen (SMO, Linkbuilding, viraler Content,…), dass es für eine Person gar nicht mehr möglich ist, das ganze Feld abzudecken. Ich würde sowas nie von mir behaupten. Also z.B. sagen, dass ich in jedem einzelnen Unterfeld in der Suchmaschinenoptimierung bewandt bin oder gleich viel Erfahrung habe. Nur, einem Kunden zuzumuten, dass er für all diese Leistungen einen separaten Spezialisten anheuert, ist genau so unrealistisch. Sei es innerhalb der Suchmaschinenoptimierung oder auch themenübergreifend. Es geht schließlich auch um die Kunst an den Schnittpunkten der Themen lukrative Verbindungen zu finden. Hier sehe ich persönlich und geschäftlich das größte Potenzial.

Ein passendes E-Buch dazu kann man sich auch hier runterladen:
http://www.themedicieffect.com/

Avatar Julian   
19. März 2008, 12:13

@ViSEOcoach, da hab ich auch nen schönen Link für dich in meinem Namen. Und von dem supertollen „So-wirst-du-reich“-Buch kann man halten, was man will. Aber guck mal hier:
http://www.themedicieffect.com/images2/main_images/about-frans.jpg
„Es geht schließlich auch um die Kunst an den Schnittpunkten der Themen lukrative Verbindungen zu finden.“
Man kann kein SEO sein, wenn man sich nicht rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigt. Und selbst dann gibt es noch gute und schlechte SEO’s. Wer aber alles in allem anbietet, der ist nirgendwo wirklich gut. Das ist meine Meinung.

Avatar gelegenheitsbot   
20. März 2008, 03:52

Ihr denkt immer die von google sind blöd!

Das meiste was hier an Fragen gestellt wird, ist die 1. Ebene der Problemerschließung!

Darüber lacht google nur!

Die haben Statistiken, Erfahrungen, Auswertungen.

Wer hier drüber siniert, wie google den „speziellen Fall“ behandeln soll … der hat sowohl Logik als auch Ziel von SUMA verfehlt!

Hier hilft strukturelles analytisches Denken langfristig weiter.
Alles andere ist für heute, nicht für morgen!

Avatar Tim   
20. März 2008, 16:49

Jetzt, da Google nicht nur gegen Verkäufer sondern auch gegen Käufer (!) von Links vorgeht

Woher kommt diese Information?

Johannes   
21. März 2008, 09:43

Tim, von Kunden- sowie Konkurrenzwebseiten, die wir beobachten. Da gibt es seit Anfang des Jahres (3.1.) Sprünge im Ranking einiger, weniger Keywords, die lediglich so zu erklären sind.

Avatar Ralph   
26. März 2008, 13:23

@Johannes: Erst einmal danke für Deine Gedanken.

@All: Jetzt auch meine Gedanken: Die meisten der hier Schreibenden & Lesenden beschäftigen sich wohl doch mit dem Thema, sonst wären wir ja Alle nicht hier ( ach ja…. Bauchpinseln: Die Qualität des Bloginhaltes ist ja auch sehr gut ).

Ich bin auf der einen Seite der Meinung, dass das Internet mit seiner Dynamik eine Spezialisierung erfordert, da man sonst als Mensch, die ja hinter all dem stehen, irre im Kopf wird. Auf der anderen Seite möchte ich auch über den Tellerrand schauen und Kombinationen mit meinem Schwerpunkt herstellen, damit ich meine Arbeitsweise überdenken kann und eventuell auch anpassen muss an.

Ich habe den Eindruck, dass es hier grösstenteils um grössere Websites geht und hier sollten doch auf beiden Seiten Profis am Werke sein.

Die meisten Mittelständischen Unternehmen (KMU), ich möchte hier niemand zu nahe treten, haben nicht die Möglichkeiten die Agentur auf Qualität zu überprüfen ( hinzu kommt meistens Vitamin B, dass die Auftragsvergabe begründet ) und vertrauen mehr & weniger „blind“ auf die Präsentation der Agentur.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass alle Beteiligte am Anfang eines Webprojektes an einem Tisch sitzen, damit jeder die gleiche Ausgangsbasis hat um eine erfolgreiche Website für die Zielgruppe & das Unternehmen zu entwickeln – auf seinem ( Fach- ) Gebiet.

Aus dem sonnigen Dresden grüssend

Ralph

Avatar Frank   
27. März 2008, 11:29

@ Johannes

Ich sehe nicht wirklich, dass Linkkäufer durch abgestrafte (solange wir nur von der Toolbar PR-Abstrafung reden!) Linkverkäufer Schaden im Ranking nehmen.

Passiert das, was Du beobachtet hast, evtl. nur manuell?

Beobachte Projekte, die zwar aufgrund der hinsichtlich TB-PR abgestraften externen Backlink-Geber deutlich im TB-PR abgestuft sind, da natürlich weniger PR rüber kommt, gleichzeitig im Ranking aber weiterhin steigen oder ihre Top-10 Einzelkeys zumindest gehalten haben 😉

Die Kommentarfunktion wird 30 Tage nach der Veröffentlichung des Beitrags deaktiviert.