Universal Search: Update

Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.
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21. Dezember 2010 14 Kommentare

Wenn man mich nach der wichtigsten SEO-Entwicklung in diesem Jahr fragt, muss ich mich zwischen der Einführung von Google Caffeine und der massiven Weiterentwicklung der SERP-Darstellung entscheiden. Während Caffeine seine Möglichkeiten vermutlich erst im kommenden Jahr ausspielt, sind die Veränderungen in der Ergebnis-Darstellung und –Aufbereitung das präsentere Thema. Ein immer bedeutenderer Teil davon ist die Integration der vertikalen Suchen in die normalen SERPS: Universal Search. In diesem Blogposting möchte ich ein paar Daten und Erkenntnisse dazu teilen. Los geht es mit dem Anteil an SERPs, die mindestens eine Integration einer Universal-Search-Box haben im zeitlichen Verlauf seit Ende 2008:


Kurz vor Jahresende haben wir die 50%-Marke noch durchbrochen. Das heißt, das bei mehr als der Hälfte aller untersuchen Google-SERPs mindestens eine Integrationsform einer vertikalen Suche von Google zu finden war. Wer sich vergegenwärtigt, wie aufmerksamstark die Einbindungen in der Regel sind, dem wird deutlich, dass in sehr vielen Branchen kein Weg an der Optimierung für die einzelnen vertikalen Suchmaschinen vorbeiführt. Da wir schon beim Stichwort „Branchen“ sind, hier die gleiche Auswertung, allerdings auf unterschiedliche Branchen herunter gebrochen:


Aus den Zahlen kann man jetzt zwei ganz interessante Sachen herauslesen: eine Branche wie Shopping, wo Google mit Google Products mittlerweile ein durchaus konkurrenzfähiges Produkt hat, ist der Anteil an SERPs mit der Integration schon entsprechend hoch. Interessanter finde ich dabei noch, dass in den Branchen Immobilien, Gesundheit und Reisen der Anteil derzeit deutlich unter dem Durchschnitt liegt. Wenn (und nicht falls!) Google dort mit einem eigenen Angebot startet, bin ich mir sicher, dass die Suchenden auch hier künftig stärker in den Genuss von Universal Search kommen. Einzig der Erotik-Bereich darf sich wohl halbwegs sicher fühlen, von „Google Pr0n“ habe ich jedenfalls noch nichts gehört. Im nächsten Diagramm nun ein Blick über die deutschen Grenzen hinaus: seit Mitte des Jahres gibt es die Toolbox-Daten ja ebenfalls für England, Spanien, Italien und Frankreich und meine Datengrundlage für so Auswertungen ist entsprechend verbreitert (Werbeteil: die vier weiteren Länder sind ab kommendem Jahr übrigens im Preis von 100 Euro pro Monat und Modul enthalten, also das fünffache an Daten für den alten Preis):


Hier wird deutlich, dass es in England eine bereits deutlich massivere Integration der Universal Search-Ergebnisse in die SERPs gibt. Wenn man nun davon ausgehen, dass England traditionell recht nah‘ an den US-SERPs ist und damit folglich den Weg vorgibt, so werden wir uns auch in Deutschland darauf vorbereiten können, dass der Anteil weiter wächst. In Spanien (das vermutlich auf der gleichen „Google-Evolutionsstufe“ aufbaut, wie Südamerika und damit für Google entsprechend interessant ist), sehen wir ähnliche Werte wie in Deutschland. Frankreich und erst recht Italien fallen noch etwas ab, das wird sich im Laufe des kommenden Jahres aber sicher geben. Weiter geht es mit einem Diagramm, das aufzeigt, wie stark die unterschiedlichen Typen der Universal-Search-Integration in die SERPs eingebunden werden:


Die Integration der Bildersuche ist weiterhin mit recht großem Abstand am stärksten. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da sich zu fast jeder Suche irgendwelche halbwegs passenden Bilder finden lassen. Danach folgt die Videosuche (mit YouTube als stärksten „Partner“). Shopping, News und die lokale Suche folgen danach.

Etwas weiter oben hatte ich ja bereits etwas zu der recht starken Präsenz der Shopping-Integrationen in den SERPs geschrieben. Ganz am Anfang war das so, dass Google lediglich auf Shops aus Google Base verlinkt hat, danach wurde langsam ein eigenes Produkt entwickelt und langsam eingeführt (hier in einem älteren Posting dokumentiert), mittlerweile sieht es etwas anders aus, wie folgendes Diagramm zeigt. Dort ist der Anteil der Shopping-Universal-Search-Integrationen im zeitlichen Verlauf aufgetragen, bei denen ausschließlich das Google-eigene Produkt „Google Shopping“ in den SERPs verlinkt wird:


Im März 2009 eingeführt, ist der Anteil seit dem zwischen 6 und 12 Prozent gependelt. Währenddessen hat Google immer weitere „high traffic“ Begriffe ausschließlich mit den eigenen Shopping-Links besetzt: sowas wie „apple iphone“ oder „mp3 player“ sind bereits seit langem in Google-Hand. Vor wenigen Wochen hat sich dieser Anteil massiv erhöht. Jetzt sind rund 20% aller Shopping-Einblendungen exklusive Links auf Google Shopping. Wird sicherlich nur Zufall gewesen sein, dass dieser Schritt so kurz vor Weihnachten vollzogen wurde.

21. Dezember 2010, 07:42

Eine Super-Auswertung, die nicht nur den schon stark veränderten SERP-Status-Quo aufzeigt, sondern auch, was noch zu erwarten ist: Ein noch höherer SERP-Anteil mit einer oder mehreren aufmerksamkeitsstarken Universal-Search-Boxes und eine härter werdende SERP-Konkurrenz durch Google-eigene Produkte.

21. Dezember 2010, 07:58

Wow, eine sehr interessante und aussagekräftige Auswertung! Um kurz auf den letzten Satz einzugehen: Bei Google ist sicherlich nichts „nur reiner Zufall“. Oder war das Ironie? 🙂

Ich könnte mir vorstellen, dass es auch für viele User interessant wäre z.B. die Veränderung der Branchen-Auswertung mit in den IndexWatch mit aufzunehmen…

21. Dezember 2010, 08:24

Vielen Dank für diese großartige Auswertung!

Wenn Planung bedeutet, dem Zufall ein wenig entgegen zu kommen, darf man die vermehrte Integration der Shopping-Ergebnisse ruhigen Gewissens als geplant bezeichnen 😉

seoanfaenger
21. Dezember 2010, 08:39

Hast Du schon eine konkrete Idee, wie Du das beispielsweise im Sichtbarkeitsindex visualisieren bzw. detalliert auswertbar machen möchtest? Ist das überhaupt so ohne weiteres möglich? Die Auswertung kommt gerade recht bzw. bestätigt ja wirklich das, was wir seit einiger Zeit gemeinsam sehen dürfen. Danke! Frohe Weihnachten!

21. Dezember 2010, 09:20

Ich denke, dass insbesondere für den Reise-Branche mit der Übernahme von ITA an etwas bastelt. Finanzen ist wahrscheinlich im ersten Schritt ein sehr umfangreiches und komplexes System (abseits von Krediten), da ist eine einfache Integration m.E. schwieriger.

Ich finde krass, dass Blogs so runter sind.

Jetzt bleibt abzuwarten, ob das Produkt-Feuerwerk von Google aus den letzten Monaten auch noch im neuen Jahr anhält, oder etwas Ruhe zum Testing reinkommt.

Ansonsten wieder sehr schöne Grafiken zur Verdeutlichung der großen Änderungen in den SERPs.

21. Dezember 2010, 09:31

Super. Danke für die Zahlen. Kannst Du auch etwas zur Entwicklung der einzelnen Typen aussagen?
Nach meinen Beobachtungen gibt es auch Typen, die sich ausschließen. Demnach werden entweder Blogintegrationen angezeigt oder News. Beides gibt es seit ca. 9 Monaten nicht mehr – zumindest habe ich es nicht mehr gesehen.
Mittelfristig wird natürlich die Frage sein, ob das auch bei Bilder/Shopping so passiert.

21. Dezember 2010, 09:43

Beim letzten Satz fehlt ein Smiley 😉 Ansonsten: Danke für die hervorragende Analyse. Die 0% mit Blogs irritieren – ich frage mich, wie oft klassische Blogergebnisse auch mal im Newsbereich auftauchen. Ansonsten könnte man Blogs im Hinblick auf Universal Search Integration wohl als tot erklären…

21. Dezember 2010, 09:50

Klasse Analyse und interessante Zusammenfassung, obwohl ich insbesondere bei der zweiten Abbildung in den Bereichen „Immobilien & Reisen“ einen höheren Anteil erwartet hätte. Zudem dürfte es sicherlich interessant sein diese Zusammenfassung mit einer identischen in einem halben Jahr zu vergleichen.

21. Dezember 2010, 10:28

Klasse Analyse! Ich würde gerne noch einen Graphen sehen, der sich nur auf die Einbindung lokaler Universal-Search-Boxen bezieht. Wäre m.E. wohl recht interessant zu sehen, wie (und ob?) sich in der Summe die SERPs seit Einführung der Place Search gewandelt haben.

21. Dezember 2010, 11:26

Danke Johannes, für die super Analyse. SEO ist in den letzten Jahren deutlich vielseitiger geworden, was besonders durch die stärke Einblendung von Universal Search Ergebnissen zu merken ist. Wer heute noch „blind“ nur die „good old organic SERPs“ optimiert, lässt sich wertvollen Traffic entgehen.

22. Dezember 2010, 10:13

[…] Dabei ist grundsätzlich festzustellen, dass die lokale Suche – im Jahr 2009 fast noch ein ungeliebtes Stiefkind der “Universal Search” – dieses Jahr ganz eindeutig in den Fokus der Onlinemarketing-Branche geraten ist.[…]

23. Dezember 2010, 12:34

Wieder mal eine top Auswertung, vielen Dank!
Bin mal gespannt, wie sehr Google in Zukunft den Social Graph als Ranking Kriterium gewichtet…

Viele Grüße

Alex

27. Dezember 2010, 10:19

Starke Auswertung wieder einmal, vielen Dank! Die neuerlichen Daten für UK & Co lassen einen aber auch neugierig werden, wie es mit weiteren großen Märkten aussieht. USA, Russland, naher Osten als emerging Market. Gibts da auch Spannendes zu berichten?

3. Januar 2011, 08:39

Im Musikbereich ist die Dominanz der Video-Ergebnisse auf jeden Fall stark zu spüren. Selbst AdWords-Anzeigen haben es dort richtig schwer. Eine sehr hohe CTR bei den Video-Ergebnissen führt natürlich zwangsläufig zu einer geringen CTR bei den AdWords-Anzeigen, sodass AdWords-Anzeigen oft gar nicht geschaltet werden.