Wie verhält sich Google in der Krise?

Johannes Beus
Johannes Beus
12. Dezember 2008
Johannes Beus
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Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Um vorherzusagen, dass die nächsten Quartale für einen Großteil der Unternehmen nicht ganz so gut laufen werden wie noch Anfang dieses Jahres gedacht, braucht man keine Glaskugel. Auch, dass dies an der Webbranche nicht spurlos vorbeigehen wird, ist Konsens. Interessant finde ich, wie sich Google – immerhin im Geld schwimmend und Branchenprimus – auf diese Situation einstellt.

Auf der einen Seite versucht man an vielen Stellen die Einnahmen zu erhöhen: so darf jetzt für Bier und mittlerweile auch für hochprozentigen Alkohol geworben werden, in England erlaubt Google AdWords für Glückspiel, auch auf Google Maps tauchen Werbeanzeigen auf, gestern hat AdSense für Domainparking geöffnet und selbst bei YouTube scheint man mit der Vermarktung etwas schneller voran kommen zu wollen. Auf der anderen Seite begrenut Google Kosten. So war die Ankündigung, dass Google Leiharbeiter entlassen wolle, doch recht überraschend (interessant auch, dass von den 30.000 Mitarbeitern rund 1/3 Leiharbeiter sind).

Spannend wird nun zu sehen, ob dies Einfluss auf Innovationsfreude und Entwicklung bei Google hat. Gerade hier hat Google enorme Vorteile vor der Konkurrenz in der gleichen Unternehmensgröße und könnte mir vorstellen, dass eine Schwäche Googles viele interessante Chancen eröffnen würde.

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Kommentare
netzideen   
12. Dezember 2008, 10:38

Auch intern bei den festen Mitarbeitern wird bei Google gespart. Dienstreisen sind nur noch zu tätigen wenn es unbedingt notwendig ist. Geschenke an die Kunden etc. gibt es auch wesentlich weniger. Angefangen hat die Entwicklung aber schon vor einem knappem Jahr. Aber seit 1-2 Monaten wird intern bei den Mitarbeitern noch viel mehr auf Budgets geschaut…
Ich denke auch für Google sind die „Halli-Galli“ Jahre vorbei. An der Börse zählen leider andere Dinge als zufriedene Mitarbeiter…

Sebastian (Internetszene.de)   
12. Dezember 2008, 10:47

Ich habe selbst Google Aktien. Für mich war genau das immer der kritische Punkt. Wird Google es schaffen, den Laden zu stabilisieren, wenn die Wachstumskurve (warum auch immer) abkippt.

Bisher hatte Google eine Luxussituation. Man konnte sich jeden Fehler leisten. Das dürfte nun vorbei sein.

Die aktuell eingeleiteten Massnahmen finde ich sinnvoll. Und da unser aller „Überleben“ direkt oder indirekt von Google abhängt, sollten nicht nur die Aktionäre für diese sinnvolle Strategie dankbar sein.

Viele Grüsse vom Wannsee,

Sebastian

netzideen   
12. Dezember 2008, 11:02

@sebastian Grundlegend hast du schon Recht. Aber ich denke auch gerade das „etwas andere“ Arbeitsstil erst viele geniale Köpfe angelockt hat und viele Produkte, Entwicklungen und dergleichen möglich gemacht haben.

Grüße aus Leipzig,
Sebastian

Andreas   
12. Dezember 2008, 11:29

Kleine Verwechslung: Du meinst wohl AdSense für Domainparking anstatt AdWords.

Grüße,
Andreas

Andreas II   
12. Dezember 2008, 11:51

weiterer kleiner Verbesserungsvorschlag für i-Tüpfelchen-Reiter:
Das Leihpersonal wird nicht gekündigt (und schon gar nicht entlassen – sie haben sich wahrscheinlich nichts zu Schulden kommen lassen), sondern die Verträge werden nicht mehr verlängert. Wie schnell sich das auf das Geschäfts auswirkt bleibt hier offen, denn wir wissen alle nicht wie kurz-/langfristig diese Verträge abgeschlossen wurden.

Auf jeden Fall aber eine sehr positive Entwicklung von Google, denn der Konsolidierungsprozess auf der Kostenseite war schon mehr als überfällig. Dass dabei die Wachstumsstrategie nicht verlassen wird zeigt, dass das Kernbusiness von Google noch viel hergibt und weiterhin wachsen wird.

Anonymous   
12. Dezember 2008, 12:05

Andreas, stimmt natürlich, ist korrigiert.

Andreas II, klar, war eher Umgangssprache. Ganz so positiv wie du sehe ich das nicht. Google lebt davon, dass sie eine andere, frischere Firmenkultur haben als viele Wettbewerber. Wenn diese Kostenkürzungen nun Einfluß auf diese Firmenkultur haben, könnte das mittelfristig auch auf den Erfolg drücken.

Andreas   
12. Dezember 2008, 12:17

Ich denke, dass Google die Krise sehr gut meistern wird. Obwohl sicherlich einige Werbetreibende die Budgets deutlich kürzen werden und damit der CPC pro Key sinken wird, wird Google das über neue Erlösquellen und Kostensenkungspotentiale (auch bei den festen Mitarbeitern, die dann vielleicht nicht mehr 20%, sondern nur noch 10% an „neuen“ Themen arbeiten sollen) und nicht zuletzt den wieder schwächelnden Dollar kompensieren. Zudem hat Google immer noch einen Cashbestand von 14.4 Mrd USD.

Olaf   
12. Dezember 2008, 13:17

***Obwohl sicherlich einige Werbetreibende die Budgets deutlich kürzen werden und damit der CPC pro Key sinken wird,***

Schön wär’s ;-). Dann würde ich endlich pro Klick weniger zahlen als derzeit bis zu 4,50€.

Gerade bei Adwords erwarte ich kaum Budgetkürzungen, weil der Erfolg jeder Anzeige wegen Konversions- Tracking gut messbar ist.

Bfri   
12. Dezember 2008, 13:18

Es zeigt sich aber teilweise auch ab, dass offline-Budgets gekürzt werden bzw. dass Anteile von Offline zu Online verschoben werden. Zum Beispiel, weil im Online-Bereich der Erfolg leichter messbar und nachweisbar ist (je nach Tracking ;). Ich denke, die Fokussierung auf das richtige „Pferd“ spielt weiterhin eine größere Rolle.
Andere Meinungen?

Andreas II   
13. Dezember 2008, 07:02

@Johannes: Du hast sicherlich recht, dass die Einsparungspläne auch auf das Gemüt der Angestellten drücken wird. Durch eine gewisse Unsicherheit (Jobabbau, Einsparungen, …) verändert sich sicherlich auch das Betriebsklima. Hier wird wesentlich sein, wie mit Stammkräften umgegangen wird. Der Verlust dieser Leihmitarbeiter wird wahrscheinlich keinen großen Einfluss haben, da durch die bisher starke Expansion diese im Unternehmen auch nicht fest verankert waren. Wichtig ist hier, dass die Innovationszentren weiterhin die lange Leine von ganz oben kommen.

Sicherlich keine leichte Situation, aber verglichen mit anderen Mitstreitern aus dem Internetzbusiness, hat Google wohl ein Leichtes das Beste aus der momentanen Lage zu machen.

In ein paar Monaten/jahren werden wir es wissen wie es war.

Thomas Wingenfeld   
15. Dezember 2008, 15:11

Ich vermute, Google wird dort verstärkt „zuschlagen“, wo sich bisher „Zwischenhändler“ rumtreiben:

1. Preisvergleicher und andere produktnahe Agreggatoren können leicht ersetzt werden durch eine bessere Integration von Google Suche, Produktsuche, Video, Maps etc.

2. Content-Ansammlungen (aka „Portale“), die nur Drittquellen auswerten werden durch on-the-fly erzeugte Suchseiten verdrängt. Universal Search wird die Masse der „Portale“ ersetzen.

3. Wesentlich mehr Inhalte, die nicht speziell fürs Web erzeugt wurden, gehen online (Bücher, Zeitschriften, Archive, Datenbanken…), diese stehen in Konkurrenz zu reinen Webprojekten und auch den aktuell produzierenden Online-Ablegern der Zeitschriften, Zeitungen, Fernsehsender.

Alle 3 Entwicklungen sind schon länger zu beobachten, durch die aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen wird Google m. E. hier jetzt noch mehr die eigenen Mittel konzentrieren.

Da von der „anderen Seite“ auch noch Microsoft mit ausreichen Finanzmitteln und dem Willen zum Erfolg in den Markt drängt, kann es dazwischen sehr ungemütlich werden.

Yi Shi   
17. Dezember 2008, 20:59

>> Und da unser aller „Überleben“ direkt oder indirekt von Google abhängt, sollten nicht nur die Aktionäre für diese sinnvolle Strategie dankbar sein.

Gerade weil wir alle direkt von Google leben müssen, sollten wir darauf hoffen, dass die Konkurrenz mehr an Marktanteilen gewinnt und wir alle dadurch nicht NUR von Google direkt abhängig sind. In Deutschland ist Google mit seinen >90% Marktanteilen ja ein Quasimonopolist und somit eine Gefahr für uns alle 😉

Ralph   
2. Januar 2009, 16:46

Anscheinend ist Google in dieser gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation besser aufgestellt als andere Unternehmen aus der selben Branche oder mit der selben Unternehmensgröße (bedeutet, dass die Branche unterschiedlich ist), aber entziehen können sie sich nicht den Einflüssen. Vielleicht entwickelt sich um Google herum kleine Netzwerke mit neuen Ideen unabhängig von Google. Wünschenswert wäre dies allemal. Ralph

java-fan   
5. Januar 2009, 12:30

Was Google machen wird?
Ganz klar!Seiten mit Adsense höher ranken..

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