Yigg-Relaunch

Johannes Beus
Johannes Beus
14. Juli 2008
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Viel wurde nach dem langwierigen Relaunch von Yigg in den letzten Tagen geschrieben: zu orange, fehlerhaft, ein Schritt zurück. Ist an mir nahezu komplett vorbeigegangen, da, obwohl ich Yigg in den ersten Monaten interessant fand, die Entwicklung in eine Richtung ging, die für mich kein Grund mehr bot, die Seite regelmäßig zu besuchen und mitzuwirken. Waren es früher noch ab und an „Internetjuwelen“ im besten Bluephod-Stil, die dort zu finden waren, ist es mittlerweile ein Abladeplatz von „SMO“-Müll und die Startseite wird von einer Handvoll Leute dominiert, die leider nichts mitzuteilen haben. Aber genug der Jammerei, der Relauch gibt immerhin die Gelegenheit, zu zeigen wie sowas nicht geht.

Yigg lebt von Google. Auch, wenn die Betreiber das vielleicht nicht so richtig wahrhaben wollen und auf ihr Stammpublikum die vielleicht hundert, kontinuierlich aktiven Nutzer zeigen, so kommen neue Besucher der Plattform hauptsächlich über Google. Kein Wunder, dank Web2.0 pappt sich fast jeder, auch große Zeitungen und ähnlich googletrust-starke Seiten, einen Mister-Wong- und Yigg-Button auf die Seite – schneller und einfacher kann man den Schritt von Web0.5 zu Web2.0 schließlich nicht vollziehen. Das führt dazu, dass Yigg.de eine der am besten verlinkten Seiten im deutschen Googleindex ist. Eigentlich eine Position, in der man nicht viel falsch machen kann.

Eigentlich. Wenn man nicht auf die Idee kommt, für einen Relaunch die Seite mal ein paar Tage offline zu nehmen und den Besuchern und Suchmaschinen danach einen Haufen unausgegorenen und fehlerhaften Codemüll vorzuwerfen. Das führt dann bei beiden Besuchergruppen zu gewissen Verstimmungen, hier schön an der Zahl der indexierten Seiten im Googleindex zu sehen:

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Auch die Tatsache, dass die Migration der alten URLs nach dem Relaunch erst mal ein paar Tage nicht funktionierte und auf komplett andere Beiträge weitergeleitet hat, dürfte nicht geholfen haben, die Stimmung unter den Googlecrawlern zu verbessern. Das Schöne (und zugleich Nervige) an so User-Generated-Content-Projekten wie Yigg.de ist, dass man eine Reihe von Tipp- und Rechtschreibfehlern gleich mitheiratet. Die User suchen nicht nur nach Tchibo, sondern auch nach Tschibo, sehen sich Naktfotos an und telefonieren mit Simyou. Stellvertretend für diese Sorte Keywords kann hier die Position von yigg.de für die Suche nach „jahoo“ stehen:

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Bis letzte Woche war Yigg.de kontinuierlich auf Position 2 oder 3 mit der alten URL des Beitrages (yigg.de/558702_Goggle_Jahoo_Suchmaschienen__So…), ab dieser Woche mit der neuen URL (yigg.de/branchennews/goggle-jahoo-suchmaschienen-so…) nur noch auf Position 10. Jedem, der ungefähr die Klickverteilung nach Positionen im Hinterkopf hat, dürfte klar sein, wieviel Traffic durch solche Verschieben wegfällt – besonders, wenn das bei einer großen Zahl von Keywords der Fall ist.

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Kommentare
Gretus   
14. Juli 2008, 12:52

Hallo,

habe diese tagelange Show auch nicht verstanden, zumal absolut nicht nötig. Bezüglich der Qualität der Beiträge kann ich Dir nur zustimmen, das Sharing Modell hat dieser noch den letzten Rest gegeben…

Man selbst kann nur daraus lernen, eine seriöse Nachrichtenseite lässt sich mit einer Community nicht realisieren.

Grüße

Gretus

Enrico Kern   
14. Juli 2008, 13:28

Also mal vorneweg.. während yigg offline war wurde an google ein 503 header gesendet bei anfragen aller alten urls.

alte URLs linken mit einem permanently moved auf die neuen urls, das brauch eine Zeit bis alles wieder drin ist, und laut google webmaster tools ist der bot wieder fleissig bei der arbeit auch wenns ein paar tage gedauert hat. Durch die neue Linkstruktur ist klar das es eine weile dauert bis der alte Wert wieder hergestellt ist. Im Grunde ist dieser aber besser als die alte. Während der Umstellungsphase der alten urls welche u.a fehlerhaft auf andere Artikel geleitet haben wurde die indizierung weiterhin mit einem 503 abgewiesen und erst wieder nach der fehlerfreien umsetzung freigegeben.

Während der ersten 5 Tage gabs so also garkeine Googlebot Aktivität.

Das wir Fehler gemacht haben ist ja nun klar da brauchen wir nicht drauf herumreiten ( http://www.michaelreuter.org/2008/07/yigg-relaunch-m.html ).

Und an diesem SMO Zeug wer ist da wohl dran schuld huh? Du warst da am anfang genauso mit dabei wie die anderen auch also bist Du der letzte der hier rumjammern sollte.

Pelle Boese   
14. Juli 2008, 13:31

Haha, wie recht Du hast. Ich habe mich ja auch schon zur Genüge darüber ausgelassen. In dem Livechat, mit dem die Jungs in ihrem Keller anscheinend mehr Zeit verbracht haben als mit wirklicher Arbeit reagierte der Techniker auf meine Frage, ob denn bei denen auch jemand zumindest Grundkenntnisse von Projektmanagement und eventuell sogar Testumgebungen, Administration und Migration hätte, etwas harsch. Seine Aussage dazu war, dass er ja Linux auf die Xbox portiert habe. Womit dann auch die Frage nach Management- und Planungsvermögen endgültig geklärt wäre. Frickeln ist ja schön und gut, aber eben doch nicht alles.

Markus   
14. Juli 2008, 13:39

„SMO“ Müll und Aggregator der der großen News Seiten bitte ;)Irgendwann werden sich auch die Top Yigger eingestehen müssen, dass SPON Artikel & eigene Blogposts bookmarken kein SMO ist 😉

mark   
14. Juli 2008, 15:43

So ganz kann ich auch das Abschalten sämtlicher nützlicher Features nicht nachvollziehen.

Wer auch immer sich dieses Update ausgedacht hat, wird sicher in der Politik große Karriere machen, sollte Yigg das überleben.
Das Aussitzen haben sie ja schon beim Verschwinden der yiggblogs ausgiebig geübt.

Die Beherrschung des Systems durch wenige ist ja keine überraschend neue Erkenntnis. Es gibt immer den ein oder anderen Profilneurotiker der sich selbst am liebsten hört und liest. Aber da half in der Vergangenheit die Blacklist.
Leider ist die wohl Geschichte.

Ebenso ist die Kommunikation mit den Kommunizierenden eher schwierig.
Oder anders formuliert.
Ich geb dir ein Bier/Saftschorle aus, wenn Du es schaffst einen Trackback bei http://blog.yigg.de/ unterzubringen.

Wie auch immer. Richtig gebraucht habe ich Y!gg nie und wirklich vermissen werde ich es wohl auch nicht.

Baynado   
14. Juli 2008, 17:48

Also SMO Kram findet man in letzter Zeit eigentlich gar auf YiGG. Auch wird die Frontpage von so vielen unterschiedlichen Mitgliedern mitgestaltet, wie nie zu vor.
Es war doch vor dem Relaunch bezeichnet dafür, das User wie ich, oder Blackfox und wenige andere immer auf der FP waren. Das hat sich deutlich geändert, zu mindest für Leute die keine Tomaten auf den Augen haben.
Was die Features betrifft wird es in naher Zukunft wieder neuere und bessere geben.
Die neue Struktur unter der Haube lässt da viel mehr Möglichkeiten zu, aber erstmal müssen die alten YiGG Features wieder hergestellt werden.
Ich bin auch nicht mit allem einverstanden wie es umgesetzt wurde. Das könnt ihr mir glauben, bin ich doch durch diesen Ajax Einstellprozess zum größten Teil blockiert am Tag.
Die Anzahl der Seiten im Index ist, wie ich denke doch eh nur ne Frage der Zeit, bis da wieder alle drin sind, wo sie sein sollen.
Viele Seiten verlinken nach wie vor weiter auf yigg, also wieso sollte sich da der Trust ändern?

yaph   
14. Juli 2008, 21:06

Von den 20 Posts auf der Startseite stammen just in diesem Moment allein 6 von baynado. Das spricht natürlich für eine enorme Diversität.
Yigg hat es einfach verschlafen, eigene Ideen zu verwirklichen, falls es davon je welche gab.
Da wird es auch nicht helfen, wenn neuere Features kommen sind, die neuer sind als neue Features.

Paul   
14. Juli 2008, 23:06

Was soll man dazu noch sagen.

Stimmen diese Werte, was ich ansatzweise auch schon in einem Artikel geschrieben habe, ist es doch ein wenig schade. Aber das wird sich mit der Zeit wieder ändern, auch wenn Google sich solche Dinge merkt.

Aber wie sagt man so schön? „Alles braucht seine Zeit“

mfg

Baynado   
14. Juli 2008, 23:57

@yaph

Welche Totmaten Sorte benutzt Du? Ich sehe nur eine Meldung im Moment von 25. Selbst wenn es mal 6 von 25 Meldungen waren. Wie lange waren die dann da?

YiGG hat nichts verschlafen, sondern nicht das Kapital was Webnews im Rücken hat, die wiederum die Idee von YiGG geklaut haben. Die Holtzbrink Leute haben sich doch von denen Briefen lassen. Es bringt rein gar nichts diese beiden Seiten zu vergleichen. Auch wenn der Relaunch in die Hose gegangen ist, bin ich da guter Dinge, das die YiGG Leute noch neues herausbringen werden, was andere nicht haben.

Johannes   
15. Juli 2008, 08:25

Enrico Kern, vielleicht solltest du generell etwas üben, mit Kritik umzugehen.

Baynado, ich habe gestern abend die gleiche Startseite wie yaph gesehen. Webnews nun vorzuwerfen, die Idee von yigg.de geklaut zu haben, das – wenn ich mich richtig erinnere – seine Domain von digg.de auf yigg.de ändern musste, ist allerdings etwas grotesk.

egghat   
15. Juli 2008, 10:20

Community in Deutschland ist Labern; Diskussionsfoen, Chats, Dating – das läuft. Social News ist (für mich überraschend) in Deutschland ein Flop. Erstens schaffen es keine interessanten Seiten nach oben (die Mainstreammedien und -berichte brauche ich nicht auf der Yigg Homepage, die habe ich schon auf den Mainstreamhomepages); es gibt daher nichts zu entdecken.

Digg hatte zuerst eine funktionierende Community. Und dann kamen die Optimierer. Yigg hatte nie eine wirklich funktionierende Community, trotzdem kamen die Optimierer. Man kann Yigg nicht wirklich einen Vorwurf daraus machen. Vielleicht ist die Blogosphäre in Deutschland auch einfach zu schwach.

Ich hab den Yigg Button rausgeworfen, nachdem in mehr als einem halben Jahr *ein* einziger Artikel von einem Leser submittet wurde, der Rest kam von mir. Die Artikel, die nicht von meinem Blog waren, also entfernter Content, auf dem dann auch kein Yigg Button war, konnte man sich komplett klemmen. Die versacken in der Yigg Queue, die sich offenbar kein Schwein anschaut.

Das ist alles sehr schade. Nach meinen Erfahrungen hat man gegen die Yigg-Buttons auf der Mainstreampresse als kleiner Blogger keine Chance. Ich hatte am letzten Wochenende einen gut verlinkten Artikel (u.a. Rebellmarkt, Zeitenwende, …). Der hat über 1000 Abrufe gemacht. Und es nach viel Betteln und dem Einbau eines Yigg-Links auf alberne 18(!) Yiggs geschafft. Der Artikel war (glaube ich; das Homepage-Ratio habe ich nach dem Relaunch nicht mehr gefunden) sogar auf der Homepage. Das brachte ungefähr so viele Referrer wie er Yiggs hatte. Quasi nix also. Ich habe im Schnitt mehr Kommentare als Yiggs. Das ist schon erschreckend, wie schlecht das angenommen wird. Ein Klick auf den Yigg-Button ist doch eigentlich keine Mühe …

Ich mag inzwischen Rivva VIEL lieber! Da entdecke ich noch was! Coole deutsche Blogger! Coole Meinungen. Auch wenn Rivva mit seinem Blogosphärenbezug etwas zu stark in sich selber köchelt …

Bye egghat

Matti von Mattis World of Warcraft Blog   
15. Juli 2008, 13:31

Hey aber wollten die nicht die Performance verbessern? Ist ihnen dann wohl gelungen: Weniger Traffic von Google dürfte sich auf jeden Fall in einer Besseren Pervormance niederschlagen 😉

PeterSilie   
16. Juli 2008, 12:53

Y!gg hatte die Chance, aber mit dem Relaunch wohl einige User verprellt. Auch Baynado hatte ziemlich über den verlust seiner Artikel gemecket.
Aber die Umstellung war wichtig und unumgänglich. Ob jetzt ein Team hochbezahlter IT-Consultants das ganze wesentlich besser gemacht hätte bezweifel ich etwas.
Ein bessere Organisation und ein besseres Krisenmangement wären ganz sicher hilfreich gewesen. Aber Yigg lebt wieder.

Ob und wie und warum, und wieso und überhaupt. Passiert ist passiert bei nächsten Relaunch haben sie ganz sicher erfahrungswerte auf die die Yigg Jungs aufbauen können. Das ist eben der kleine aber feine Nachteil bei Web2.0 Projekten. Ich erinnere mich noch vor knapp 9 Monaten an die Aktion von Townster! hat man seitdem von dem vorzeige Web-zwo-null Projekt noch was gehört?
So kann es auch ausgehen…

Also weiter machen Y!igg – vielleicht aus den Fehlern lernen.

Matty   
17. Juli 2008, 01:10

Der deutsche Markt ist einfach viel zu klein – wer sich einmal an die Größe bzw. den Umfang von Digg o.ä. gewöhnt hat der kommt nicht hinter dem Ofen hervor egal wie gut Yigg gemacht wurde!

Die meisten „News“ sind sowieso aus dem englischen übernommen/eingedeutscht und erscheinen zuerst auf Digg o.ä. ….

Die kritische Masse fehlt im deutschsprachigen Raum einfach deswegen wird Yigg – meiner Meinung nach – nie ein wirkliches Erfolgsprojekt werden!

Sascha   
23. Juli 2008, 15:08

Hmm, wenn man sich mal den Verlauf von Yigg und Webnews bei Alexa anschaut, dann nehmen beide in den letzten 30 Tagen den gleichen deutlichen absteigenden Verlauf. Ob es wirklich (nur) an dem Relaunch lag?! Vielleicht hat Google den beiden auch etwas Trust entzogen?!

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