Welchen Einfluss hat Page Speed auf SEO?

Kennt ihr das? Ihr starrt auf euer Smartphone und wartet auf das Laden einer Webseite. Ihr habt super Netz und trotzdem passiert einfach nichts.

Dabei könnte es sich sogar um die interessanteste Seite der Welt handeln, aber wenn sie einfach zu lange auf sich warten lässt, schaltet man ab, wird gelangweilt und macht einfach etwas anderes.

Im Juli 2018 ist Page Speed im Mobile-Bereich, analog zu Desktop, ebenfalls ein Ranking-Faktor geworden. Im ersten Schwung werden jedoch nur deutlich überdurchschnittlich langsame Seiten betroffen sein. Später können die Bewertungskriterien auch granularer werden.

Natürlich wird der Page-Speed-Faktor nur einen geringen Stellenwert im Vergleich zu Einfluss-Giganten wie Content und Links haben. Das bedeutet, dass inhaltlich gute Seiten auch trotz langer Ladezeiten besser ranken werden als schnelle Seiten mit mittelmäßigem Inhalt.

Aber da SEO nicht nach dem Entweder-oder-Prinzip funktioniert, wollen wir im Idealfall inhaltlich top aufbereitete Seiten blitzschnell ausliefern.

Im Idealfall?

Diesen erträumten Idealfall gibt es in der Regel nicht. Die IT sitzt nicht Däumchen drehend herum und wartet nur darauf, SEO- oder Page-Speed-Tickets abzuarbeiten.

Warum sollte man also überhaupt Page-Speed-Optimierungen vornehmen und damit viel Zeit und Ressourcen in Anspruch nehmen?

„Nur weil Google Page Speed als Mobile-Ranking-Faktor ankündigt, ist es trotzdem nicht wichtig.“

„Page Speed hat nur einen ganz kleinen Einfluss auf das Ranking.“

„Page Speed ist ein UX- und Conversion-Thema, aber hat doch nichts mit SEO zu tun.“

Alle diese Aussagen mögen in gewisser Weise noch für eine ganze Weile richtig bleiben, und mithilfe kleiner Page-Speed-Hacks wird man wohl kaum erwarten können, seine Ranking-Positionen wirklich signifikant zu verbessern. Aber es gilt auch: Ein gutes SEO-Reporting sollte nicht bei den Rankings aufhören.

SEO ist ein großartiges Instrument um nachhaltig und günstig – im Vergleich zu anderen Marketingkanälen – Nutzer auf die eigene Seite zu bekommen. Ein besonders schöner Aspekt an SEO ist, dass es sich hierbei um einen sogenannten Pull-Kanal handelt und man damit der Website hilft, sich zu verbessern und sich an den Wünschen und Bedürfnissen der zielgruppenspezifischen Nutzer auszurichten.

Was nützen also eine hohe Ranking-Position und viel organischer Traffic, wenn die Suchintention des Nutzers am Ende genau deshalb nicht erfüllt wird, weil er auf eine weiße Seite starrt oder zu den Suchergebnissen zurückspringt?

Behalten wir im Hinterkopf, dass die Nutzung von Suchmaschinen über mobile Endgeräte stetig zunimmt. Die weltweite Zahl der Mobile-Suchanfragen ist schon seit 2015 höher als die der Desktop-Suchanfragen. In Deutschland haben wir aktuell noch eine Verteilung von 45 % mobilen Suchanfragen und 55 % Desktop-Suchanfragen (Quelle).

Schon nach einer Sekunde leidet die Aufmerksamkeit

Es gibt verschiedene Studien, auch von Google selbst, die zeigen, wie sich die Aufmerksamkeit der Nutzer und die Bounce Rate mit ansteigender Ladezeit verändern.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Für bis zu eine Sekunde kann man die Aufmerksamkeit des Mobile-Nutzers halten.
  • Ab einer Sekunde leidet der Fokus, und der Nutzer wechselt zu einer anderen App, einem anderen Tab oder er verlässt die Seite ganz.
  • Nach 1 bis 3 Sekunden steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer „bounced“ um 32 %.
  • Nach 1 bis 5 Sekunden steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Nutzer „bounced“ um 90 %.
  • Da die Frustration bei solch einem Erlebnis recht hoch ist, möchten viele Nutzer zu einem späteren Zeitpunkt nicht noch einmal zu dieser Seite zurückkehren.

Seiten, die länger als 2 Sekunden auflösen werden seltener gecrawlt

Der Crawling-Prozess ist für Google enorm ressourcen- und kostenintensiv. Wie jedes Unternehmen ist auch Google logischerweise sehr daran interessiert, die ihnen vorhandenen Ressourcen so effizient wie möglich einzusetzen.

Aus diesem Grund werden URLs, die länger als 2 Sekunden benötigen, um aufgelöst zu werden, seltener gecrawlt als vergleichbar schnellere Seiten. Da eine Zeitspanne von 2 Sekunden für das Auflösen der URL allein bereits sehr groß ist, sind von diesem Fall höchstwahrscheinlich nur wenige Seiten betroffen.

Jedoch kann dieser Aspekt einen negativen Einfluss auf die SEO-Bemühungen haben, z. B. wenn es sich um enorm große Internetpräsenzen handelt oder wichtige und für SEO relevante Seiten nicht ausreichend häufig gecrawlt werden.

Zusammenfassung

Der SEO-Erfolg endet nicht bei einer guten Ranking-Position, sondern damit, dass der Nutzer auch wirklich geliefert bekommt, wonach er gesucht hat – erst dann ist seine Suchintention tatsächlich befriedigt. Das sollte natürlich grundsätzlich für alle Suchanfragen gelten und somit auch für Suchanfragen auf mobilen Geräten in der U-Bahn oder innerhalb eines langsamen 3G Netzes.

Trotzdem ist Page Speed bislang ein relativ geringer Ranking-Faktor und Ressourcen zur Umsetzung von Page-Speed-Maßnahmen sind meist knapp. Aus diesem Grund sollte man clever planen sowie priorisieren und versuchen, mit geringem Aufwand den größtmöglichen Impact zu erreichen.

Welche „low-hanging fruits“ es zu pflücken gibt, wird in wenigen Tagen, im nächsten Post „Page Speed besser verstehen: Was kann ich optimieren?“ genauer unter die Lupe genommen.

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Über die Autoren

Matthäus Michalik
Gründer und Geschäftsführer

Matthäus Michalik ist Gründer und Geschäftsführer der Claneo GmbH, einer Berliner Performance-Marketing-Agentur mit den Schwerpunkten auf Search, Content und Commerce. Mit seiner Expertise berät er Start-ups, KMUs und Konzerne in den Bereichen Content Marketing, Suchmaschinenoptimierung (SEO), Suchmaschinenwerbung (SEA), App Store Optimierung (ASO) und Marktplatzoptimierung (MPO). Zuvor war er über 6 Jahre bei Performics (bis 2015 AKM3) als Senior Consultant tätig.

Elena Jung
Senior SEO Consultant

Elena Jung ist Senior SEO Consultant bei der Claneo GmbH. Dort leitet sie das erfolgreich wachsende strategische und technische Onpage Team. Mit ihren über 7 Jahren Inhouse- und Agentur-Erfahrung konnte sie bereits namhafte Kunden beraten und mit ihnen komplexe Strategien und technische Ausrichtungen entwickeln.