Google Mobile-Update: erste Erkenntnisse

28. April 2015, 13:09

Heute vor einer Woche hat Google unter lauter Medienbegleitung die Nutzbarkeit von Webseiten auf Smartphones als Rankingfaktor für mobile Suchen eingeführt. Anders als bei den bekannten „Penalty-Updates“ wie Penguin und Panda war es kein Algorithmus, der scharfgeschaltet werden konnte und direkt seine volle, negative Wirkung erzielt. Auswirkungen des neuen Mobile-Rankingfaktors zeigen sich erst, nachdem der Googlebot eine konkrete Seite gecrawled hat und auf Mobile-Tauglichkeit untersucht hat.

Der Staub hat sich mittlerweile etwas gelegt: Google war in der letzten Woche fleißig und erste Ergebnisse des neuen Rankingfaktors kommen ans Tageslicht. Anders als bei den Panda/Penguin-Updates wollen wir keine Gewinner/Verlierer-Liste im Blog veröffentlichen. Das liegt daran, dass wir als SEO-Branche bei diesem Update die Ursachen nicht erst ergründen müssen. Google hat von Anfang an vollkommen klar und transparent offengelegt, anhand welcher Kriterien mobiltaugliche Seiten eingestuft werden. Es gibt sogar ein kostenloses Testtool von Google, um diesen Check sofort und beliebig häufig auszuführen. Als Alternative wollen wir Beispiele zeigen, die symptomatisch für viele Seiten stehen, die beim Mobile-Update Rankings verloren oder gewonnen haben.

Bekannte Fehler schärfer geahndet

Es ist keine neue Entwicklung, dass sich Google um die mobile Nutzbarkeit von Webseiten sorgt. Bereits seit einiger Zeit werden Webseiten, die grob unnutzbar sind, schlechter geranked. Google hat diesen Filter mit dem Mobile-Update offenbar verstärkt. So nutzt ab-in-den-urlaub.de auf der mobilen Version ein sehr großes Interstitial, um Besucher vom Download der App zu überzeugen – ein Beispiel, das Google in genau der Form als häufigen Fehler auflistet. In Folge sind Desktop- und Smartphone-Sichtbarkeitsindex der Domain stark auseinander gegangen – eine Entwicklung, die mit mehr gecrawlten Seiten vermutlich fortschreiten wird.

Aber auch klassische Konfigurationsfehler führen zu Sichtbarkeitseinbußen. Dict.cc, ein Deutsch-Englisch-Wörterbuch stellt sowohl eine Desktop- als auch eine Mobile-Version unter anderer URL bereit. Leider gibt es keinen maschinenlesbaren Hinweis für den Googlebot, dass eine mobiloptimierte Version existiert. Google beschreibt die Integration des Rel-Alternate-Codes detailliert in den Guidelines für Mobile-SEO.

Bewertung auf URL-Basis

Ein großer Unterschied zu den letzten Updates besteht darin, dass Google beim Mobile-Friendly-Test jede URL einzeln und unabhängig voneinander bewertet. Es gibt also keinen Rankingverlust auf der ganzen Domain, sondern nur die konkreten URLs, die nicht Googles Anforderungen entsprechen, verlieren. Gerade bei großen und komplexen Webseiten führt das zu interessanten Auswirkungen. Bei Xing sind beispielsweise die Personenprofile (xing.com/profile/*), die vermutlich einen Großteil des Traffics ausmachen, für die mobile Ansicht optimimiert. Bei ihnen gab es in Folge des Mobile-Updates keine nennenswerten Verschiebungen.

Anders sieht es bei den Firmenprofilen (xing.com/companies/*) aus. Dieser wurden offenbar noch keinem Mobile-Facelift unterzogen und entsprechend nicht Googles Erwartungen. Ein Großteil des Mobile-Sichtbarkeitsverlustes stammt also aus diesem Verzeichnis.

Ein Update mit Gewinnern

Bislang verliefen Google-Updates in der Regel nach dem Muster, dass eine Reihe von Webseiten, die gewisse Standards nicht erfüllt haben, aus den Google-Ergebnissen rausflogen oder zumindest deutlich schlechter rankten. Bei diesem untypischen Update gibt es auch davon eine Abweichung: Viele Webseiten ranken mit ihrem mobilen Angebot nun besser als vorher. Google hat also die Ankündigung, guten Webseiten einen „Boost“ zu verpassen, wahr gemacht. Dass in absoluten Zahlen gerade Wikipedia.org der größte Gewinner ist, dürfte nicht überraschen. Aber auch der mobile Finanzbereich von focus.de dürfte sich derzeit freuen.

Fazit

Das Google Mobile-Update unterscheidet sich in vielen grundlegenden Punkten von den letzten großen Algorithmus-Änderungen. So hat Google bereits lange im Vorfeld die Kriterien transparent offengelegt. Es gibt von Google umfangreiche und sehr gut gemachte Anleitungen, wie man seine Seite für das Update fit macht. Google stellt sogar ein Tool bereit, um Änderungen zu testen. Der sonst so wichtige und zeitgleich unsichere Teil der Ursachenforschung fällt also komplett weg – und damit der Hauptteil der eigentlichen SEO-Arbeit. Suchmaschinenoptimierern bleibt bei diesem Update nur noch eine Begleitung der korrekten Umsetzung – welche Auswirkungen das auf die SEO-Branche hat, wird die Zukunft zeigen.

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