Google vs. iAcquire

· 29. Mai 2012 · 22 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

In den USA entspannt sich die letzten Tagen ein spannendes Theaterstück: Iacquire, eine der großen SEO-Agenturen wurde auf frischer Tat ertappt, wie sie für einen bekannten Kunden Links gekauft haben. Ein Blogger hat den ganzen Vorgang sehr transparent dokumentiert: welche Firmennamen wann vorgeschickt werden, wie schnell der eigentliche Kunde genannt wird und dass sehr deutlich gemacht wird, dass der Käufer eine möglichst intransparente Integration (kein Hinweis darauf, dass dieser Link gekauft sei) wünscht. Auch auf den starken Kontrast zwischen öffentliche Äußerungen („Watch out for Black Hats“) sowie den Handlungen geht er etwas detaillierter ein.

Google hat sich das ein paar Tage angesehen und die Agentur dann komplett aus dem Google-Index genommen: eine Site-Abfrage ergibt, dass keine einzige Seite mehr im Google-Index verweilt. Dies allein ist schon ein sehr starkes Signal – hat Google sich doch von der kompletten Verbannung seit Jahren eigentlich losgelöst und nutzt sie seitdem nur noch bei gravierenden Verstößen zur indirekten Kommunikation mit den Seitenbetreibern. Iacquire hat die Zeichen offenbar richtig gedeutet und versucht in einem gekonnt formulieren Blogposting heute Abbitte zu leisten: man werde in Zukunft keine Links mehr kaufen und eigentlich sei die ganze Sache ein furchtbares Missverständnis. Noch gibt es zwar keine Reaktion, ich gehe aber mal davon aus, dass Google damit sein Ziel erreicht hat und die Seite in den nächsten Tagen/Wochen wieder im Index auftaucht.

Die Aktion ist kein Einzelfall: tief im Inneren der Google-DNA scheinen letzte Wildwest-Manieren überlebt zu haben und die öffentliche Hinrichtung wird offenbar als geeignetes Erziehungsinstrument für das Volk gesehen. Anfang 2006 wurde zum Beispiel BMW/Netbooster öffentlichkeitswirksam aus dem Index verbannt (O-Ton SISTRIX Blog 2006: „multimediale Hexenjagd“), seitdem folgten zahlreiche weitere Domains. Im Kern zeigt die Reaktion Googles allerdings nur eine gewisse Hilflosigkeit: obwohl Algorithmen verbessert wurden und mit Updates wie dem kürzlich eingespielten Pinguin-Update die Hürden etwas angehoben werden konnten, hat Google das Problem gekaufter Links auch 2012 nicht im Griff.

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Kommentare

David   
29. Mai 2012, 23:03

Huch, die werden doch D&B nicht dafür schon bestraft haben?

https://tools.sistrix.com/domain/dnb.com/

Johannes   
30. Mai 2012, 09:47

Google war sogar so freundlich und hat nur die betroffene Subdomain genommen, der Rest der Seite rankt weiterhin wie zuvor: https://tools.sistrix.com/sichtbarkeitsindex/www.dnb.com,smallbusiness.dnb.com

Heinz   
30. Mai 2012, 09:50

Was haben Bestrafung und Verbannung von Betrügern und Spammern mit Wildwestmethoden zu tun?

So wie sie es gemacht haben ist doch offensichtlich das sie genau wussten das es nicht koscher ist.

Ihr Seo Fuzzis müsst endlich mal begreifen das ihr den Menschen keinen gefallen tut wenn ihr euren Müll mit gekauften Links und Texten nach oben rücken wollt.

Nach wie vor gilt nämlich -> Ein gutes und Interessantes Angebot setzt sich von alleine durch.

David   
30. Mai 2012, 09:54

Das ist ja wirklich nett von Google! Hoffentlich kommen die Seiten, die die Links verkauft haben, auch so gut davon!

sistrix   
30. Mai 2012, 10:00

Heinz, das Problem ist nicht die Durchsetzung eigener Regeln per se, sondern die Willkür mit der dies passiert. Erreicht eine Sache wie hier ausreichend mediale Aufmerksamkeit handelt Google wären die 9 Wettbewerber weiterhin mit den gleichen Methoden fröhlich in den Top-10 ranken.

Gretus   
30. Mai 2012, 10:01

Hallo Heinz,

das mit den Wildwestmethoden stimmt teilweise schon. Google weiß ganz genau, dass solche Aktionen die Runde machen. Würde niemand darüber berichten, wage ich mal zu behaupten, dass Google solche `Warnschüsse´ auch gar nicht erst abgeben würde…

Grüße

Gretus

Martin   
30. Mai 2012, 11:23

Schade das nichts darüber geschrieben wurde, wie genau sie nun erwischt wurden, wie das aufgefallen ist usw…

Julian   
30. Mai 2012, 11:28

Ich frage mich gerade wieso die ganze Agenturseite aus dem Index geflogen ist, scheinbar hatten sie auch genügend gekaufte Links für ihre eigene Seite gesammelt, ansonsten sollte eigentlich nur die Kundenseite aus dem Index rausfliegen. LG

sistrix   
30. Mai 2012, 12:08

Martin, schade, dass Du Dir nicht mal 20 Sekunden Zeit nimmst das Blogposting zu lesen bevor Du hier Deinen Spamlink unterbringen willst.

MakkusTH   
30. Mai 2012, 12:53

Aha … jetzt wissen wir also, daß es eine Mindest-Verweil-Dauer gibt, bevor man kommentieren kann. Das ist GUT 😎 … kann ich bei meinen eigenen Projekten auch gut gebrauchen.

ikn   
30. Mai 2012, 14:21

Hallo Heinz,

nein, ein gutes Angebot setzt sich nicht mehr alleine durch. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut Mitbewerber weiter oben ranken, und wie sie es dorthin schaffen.
Schaut man sich die Backlinks an, haben sie viele Domains mit „Allgemeinplätzen“ geschaffen, die dann wiederum auf ihre Seiten verlinken. So kommen gruselige Blog-Seiten ohne echtes Wissen zustande, was aber dem „Suchenden“ in erster Linie gar nicht auffallen kann. Und das ist sehr schade.

Es gibt tatsächlich einen Blog, der in den Meta-Daten mit einem Online-Shop wirbt. Selbst Google zeigt das als Snippet an. Gelangt man auf die Seiten, dann findet sich außer einem eigenwilligem Schreibstil kein Online-Shop an dieser stelle. Hier frage ich mich: Wie kommt es, dass so etwas noch weit oben rankt?

Da kann ich nur zugucken oder, wie ich es schon jahrelang mache, mit Google-Adwords (nicht Adsense!) arbeiten.

marko   
30. Mai 2012, 15:02

OT! Gibt es für die mindestverweildauer irgendein Script das nach Länge der Zeichen (sätze) die Sekunden bis zum comment hoch-schraubt?

Wolfgang   
31. Mai 2012, 07:27

Bin auch der Meinung das dies nichts mit Wildwest-Methoden zu tun hat.
@heinz:
was haben gekaufte links oder link-spaming mit seo zu tun?

Rainer Safferthal   
31. Mai 2012, 16:32

„man werde in Zukunft keine Links mehr kaufen“

Wollen die dann etwa in Zukunft mit Blogkommentar-Spam und ähnlichen Müll und mit primitiven Linktauschanfragen ihre Kunden nach Vorne bekommen. Hoffentlich erlebe ich es noch, dass Backlinks total unwichtig werden und Google nur nach OnPage-Seo und nach Besucherverhalten die Seiten auswertet. Gibt dann bestimmt riesige Schlagen vor den Jobcentern, weil jeder Hinz und Kunz sich heute SEO nennt.

frank   
31. Mai 2012, 17:01

llsocial oder einfach nur asozial?
Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant.

Dominic   
1. Juni 2012, 02:12

@Rainer Ich glaube es wird niemals soweit kommen das Backlinks unwichtig werden, schließlich lebt das Internet ja davon. Jedoch finde ich es ungerecht, wenn Menschen/Unternehmen mit mehr Geld sich einfach Backlinks massenweise kaufen und der normale Blogger/Website-Betreiber dann Nachteile hat und weiter hinten gerankt wird. Das einzig Gute daran ist ja, dass Google ab und zu sowas mitbekommt und handelt.

chris to   
1. Juni 2012, 19:56

Aber das ist doch wie in der materiellen/realen Welt: Es gibt Regeln, Gesetze, Ethik und Moral. Und viele halten sich dran und eine ganze Menge anderer eben nicht. Viele davon werden bestraft, ob vom Staat oder von den Mitmenschen, aber wer es sich leisten kann, kommt fast immer davon. Haben wir nicht Lobbyismus und Betrug längst institutionalisiert? Wer eine Bank überfällt ist wie ein Keywordspammer doch im Vergleich zu den wirklich schlimmen Jungs (den Banken) nur ein kleiner Fisch. Die schlimmen Jungs tragen Anzug und Krawatte und verstecken sich hinter großen Namen, die, soviel ich weiß, ja von Google als Brands schlichtweg verschont bleiben…

Rainer Safferthal   
4. Juni 2012, 10:16

Dominic:

Warum glaubst du es nicht, dass Backlinks mal total unwichtig werden könnten? Bist du etwa SEO oder Linkaufbauer … und hast Angst, dass dir dann dein Geschäftsmodell wegbricht? Ach der Google handelt gegen Linkhandel. Dadurch wird der Linkhandel nur auf eine höhere Stufe, die teurer ist als die bisherige, gehoben. Aber immer schön dem Goebbels von Google alles glauben was er durch seinen Volksempfänger (Blog) sabbelt.

Warum findest du es ungerecht, wenn Unternehmer/Leute mit viel Geld sich massenweisse Backlinks kaufen können? Wenn dem so ist, muss man doch nur auf der Seite sein wo das Geld hinfliest. Außerdem ist es doch in der Offline-Welt auch so. Wer am besten Geld hat, der kann sich eine Top-Lage für seinen Offline-Laden mieten und noch massig Werbung. Warum soll das im Internet anders sein? Das Internet ist doch keine linksgrüne Gutmenschen-Spielwiese für Leute ohne Geld.

Zum Glück baue ich meine Zukunft wieder auf den Handel von Gebrauchtware auf. Da brauch ich kein Google solange es ebay gibt.

Wer sein Geschäftsmodell auf gute Positionen von Google aufbaut, der sollte mal nachdenken, ob das wirklich der richtige Weg ist.

LuckyBlue   
4. Juni 2012, 18:40

Ich war selbst viele Jahre lang im Internetgeschäft selbstständig tätig.
Es ist Normalität, dass Links gekauft werden. Und es ist „selbstverständlich“, dass dies auch die großen Agenturen in Deutschland für ihre Kunden tun, die sehr weit oben bei Google stehen und ein sehr hohes Renommee innerhalb der SEO-Szene genießen.
Ich weiß es deshalb, da ich damals mit Linkverkauf gutes Geld verdient habe.
Ohne Linkkauf bzw. Linkverkauf läuft bei Google gar nichts mehr…

Dominic   
6. Juni 2012, 10:52

@Rainer

Ich find es ziemlich hart und unangebracht Matt Cutts (wirst ihn wohl meinen) mit Goebbels, einem Massenmörder, zu vergleichen.

PS: Viel Glück mit deinem Geschäft auf Ebay 😉

Rainer Safferthal   
6. Juni 2012, 11:49

Das Leben und auch der Gockel ist nun mal oft hart. Da schlägt es halt die Härte auch manchmal zurück. Wenn der Cutts das nicht ab kann, dann soll er sich halt bei irgendwelchen politisch korrekten Gutmenschen ausheulen. *lach* Was den Goebbels angeht. Ich meine seine Funktion als Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. Das ist doch der Cutts für den Gockel! Wenn man so überlegt, viele Menschen fressen alles vom Gockel und Co. ohne groß nachzudenken. Alle Sozialisten und Kommunisten würden sich freuen, wenn ihnen so etwas wie Google, Facebook, Twitter und Co. gehören würde. Nie war es einfacher das Volk zu überwachen.

„PS: Viel Glück mit deinem Geschäft auf Ebay ;)“

Vielen Dank! Ohh, jetzt kann ich zwar offen meine Meinung über Google schreiben, aber nicht mehr über ebay. Man will ja schliesslich keinen „Vermerk in seiner Akte“ riskieren. *lach*

Toni   
10. Oktober 2012, 11:23

Verstehe ich hier etwas falsch oder ist das Einkaufen von Werbeplätzen nicht auch ein gekaufter Link? Dann könnte man auf anderen Webseiten keine Werbung mehr buchen – prima Idee …

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