Rankingdaten aus Googles Search Console: Nutzen und Grenzen

13. September 2015, 16:43

Nachdem es bereits lange angekündigt war, hat Google vor ein paar Wochen eine neue, deutlich erweiterte API-Schnittstelle zum Zugriff auf die Daten der Google Search Console (ehemals Google Webmaster Tools) freigeschaltet. Über diese Schnittstelle ist nun erstmals ein automatisierter Zugriff auf Daten der eigenen Domain möglich – insbesondere auch auf den interessanten Bereich der Suchanalyse. Wir haben diese Daten in den letzten Wochen in die Toolbox integriert und dabei einiges über die Google-Daten gelernt. Die Erkenntnisse zu Nutzen und Grenzen der Daten möchte in in diesem Blogbeitrag teilen.

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Umfang der Daten aus der Search Console

Für einen Datensatz, der aus Keyword, URL, Land und Device (Desktop, Smartphone oder Tablet) besteht, misst Google das durchschnittliche Ranking, die Anzahl der Impressions (wie häufig wurde diese Kombination angezeigt), Klicks (wie häufig wurde auf die URL geklickt) sowie die aus beiden Zahlen resultierende Klickrate (CTR). Im Vergleich zu den ehemaligen Referrer-Daten (Notprovided) gibt es mit den Impressions also noch eine weitere, sinnvolle Metrik. Problematisch ist, dass Google die Anzahl der über die API zurück gelieferten Ergebnisse auf maximal 5.000 Zeilen begrenzt. Gerade größere Webseiten liegen regelmäßig oberhalb dieser Grenze, erhalten also künftig nur einen Teil der Daten. Zur Orientierung: mit sistrix.de liegen wir in etwa an dieser Grenze, an manchen Tagen drüber, an anderen drunter. Ein möglicher Workaround besteht darin, einzelne Teile einer Webseite als eigenständiges Property in der Search Console anzulegen.

Nutzerverhalten hat Einfluss auf Analyseergebnisse

Prinzipbedingt liefert die Search Console nur Daten, wenn eine gewissen Mindestanzahl von Impressions (Google definiert diese leider nicht genau) erfolgt ist. Die Folgen davon lassen sich am anschaulichsten anhand eines Beispiels zeigen. Hier ist die SERP-Verteilung von seo.at auf Basis der Toolbox-Daten zu sehen:

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Für unser gesamtes Keywordset ermitteln wir stets die ersten 100 Rankingpositionen und werten aus, auf welchen Google-Ergebnisseiten eine Domain zu finden ist. Wie man sieht, sind nur 2,5% der Rankings dieser Domain auf der ersten Google-Seite. Leider ein häufiges Problem bei reinen WordPress-Blogs mit schnell wechselnden Themen. Wären wir nun SEO-Agentur und kein Softwareanbieter, wär schnell klar, dass hier etwas schief läuft und der erste Schritt zur Fehleranalyse bereits getan. Nun schauen wir uns die gleiche Auswertung auf Basis der Daten aus der Search Console an:

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Hier ergibt sich ein vollkommen anderes Bild: die meisten Keywords der Domain ranken auf Basis dieser Auswertung bereits auf der ersten Seite. Also alles in Ordnung und kein Grund zur Sorge? Ein Trugschluss. Das Problem liegt in der Art der Datenerhebung für die Search Console: Google lässt in diese Daten nur Ergebnisse einfließen, die von Nutzern eine unbestimmte Mindestanzahl von Impressions erhalten haben. Die Ergebnisse hängen also davon ab, wie sich die Besucher dieser Seite in den Google-Suchergebnissen verhalten. Noch deutlicher wird, wenn man sich nicht die Desktop, sondern die Smartphone-Daten aus der Search Console ansieht:

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Da Handynutzer noch weniger gewillt sind, auf dem kleinen Bildschirm auf weitere Ergebnisseiten zu klicken, ist die Verschiebung hier sogar noch deutlicher zu erkennen. Auf Basis dieser Daten würde man davon ausgehen, dass mehr als 50% aller mobilen Rankings der Domain auf der ersten Ergebnisseite stattfinden. Dieses prinzipbedingte Problem der Search Console tritt leider nicht nur bei unterschiedlichen Geräten auf: auch zwischen Navigational- und Informational-Searchqueries gibt es deutliche Unterschiede im Nutzerverhalten. Von Ländern, Tageszeiten und weiteren Variablen fange ich gar nicht erst an …

Fazit

Mit der neuen API-Schnittstelle der Search Console gibt Google uns Zugriff auf die Daten zurück, die uns durch den Entfall der Referrer-Informationen genommen wurden. Die zusätzlichen Informationen zu den Impressions sind sehr hilfreich und nützlich. Leider gibt es für große Seiten einige Stolpersteine im Export der Daten. Auch sind die Daten für viele analytische SEO-Auswertungen die falsche Datengrundlage und können zu grundlegend falschen Rückschlüssen führen.

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