Etwas ist faul im Staate Qype – Teil III

· 12. April 2010 · 22 Kommentare
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Jetzt, da wir davon ausgehen können, dass Qype auf dem Unterordner „www.qype.com/place/“ eine Google-Penalty hat, die dafür sorgt, dass die dort vorhandenen Seiten entweder gar nicht ranken oder nur auf den hintersten Ergebnisseiten zu finden sind, geht es an die eigentliche Arbeit: mögliche Ursachen für die Penalty müssen gefunden und bewertet werden. Ich kann bei diesem Schritt nur davor warnen, die Suche vorschnell abzubrechen und die erstbeste Möglichkeit als gegeben hinzunehmen – zu häufig ist es eine Kombination verschiedener Ursachen und wenn man sich dann nur auf eine konzentriert, wird man die Penalty häufig nicht los. Auf Qype sind mir unter anderem folgende Probleme aufgefallen:

Gewucherte Webseite
Wer bereits den ein oder anderen Vortrag von Jens gehört hat, dem dürfte der Begriff Informationsarchitektur bekannt vorkommen: im Kern geht es um eine sinnvolle Anordnung vorhandener Inhalte, die sowohl Besuchern als auch Suchmaschinen hilft. Wie wichtig und sinnvoll sowas gerade bei großen und organisch gewachsenen Projekten ist, zeigt Qype recht anschaulich. Während die Seite deutlich gewachsen ist und neue Länder hinzukamen, scheint das SEO-Konzept nicht im gleichen Tempo weiterentwickelt worden zu sein: Vorgehensweisen, die im kleineren Maßstab noch problemlos funktionieren, können, wenn sie nicht gezielt gesteuert werden, schnell aus dem Ruder laufen. Bei Qype gibt es zahlreiche Beispiele dafür, ich möchte zwei davon exemplarisch vorstellen:

Bei großen Städten wie Berlin ist es für Angebote wie Qype sicherlich eine gute Idee, die Geschäfte auf Ortsteil-Ebene darzustellen: niemand tut sich für den empfohlenen Dönerladen in der anderen Stadthälfte für eine Stunde den öffentlichen Nahverkehr in der Hauptstadt an. Bei Qype wird das bei neuen Läden so gelöst, dass der Ortsteil in der URL steht (wieso da „preview“ noch drin steht, ist mir schleierhaft): qype.com/place/preview/[…]-mitte-berlin. Problematisch wird das, weil es den gleichen Ort unter der allgemeinen URL (qype.com/place/preview/[…]-berlin) ebenfalls gibt – und beide Varianten sind im Googleindex: klassicher Duplicate-Content. Verschärft wird das Problem dadurch, dass Qype die inhaltsleeren Firmenprofile auch noch auf alle Länderdomains aufspielt.

Das zweite Beispiel ist der Umgang mit Tags oder Stichwörtern, wie sie bei Qype genannt werden. Nutzer und Geschäftsinhaber haben die Möglichkeit, beliebige Stichwörter zu vergeben und machen davon auch regen Gebrauch. Problematisch ist nun, dass Qype jede Tag-Stadt und Tag-Stadtteil-Kombination ungeprüft in den Index wirft. Ergibt das bei allgemeinen Begriffen, die entsprechend häufig vergeben worden noch halbwegs schöne Seiten, kommen bei selten genutzen Stichwörtern zahlreiche Seite mit nur einem angeteaserten Eintrag raus. Verschärft wird das abermals dadurch, dass die Tags sowohl für die Stadt allgemein als auch wieder für einzelne Stadtteile genutzt werden und in den Index wandern.

Mieses Linkbuilding
Hätte mir jemand vor einer Woche gesagt, dass Qype aktives Linkbuilding betreibt, hätte ich ihm nicht geglaubt. Wieso sollte seine Seite, die fast unbegrenzt an Links von bewerteten Restaurants, den Mitgliedern, Städten und ähnlichen Domains kommen kann gegen die Google Richtlinien verstoßen und Links kaufen? Ich weiß es zwar nicht – jedoch gibt es ausreichend Beispiele von so offensichtlich und handwerklich schlecht gekauften Links, dass ich mich im Jahr 2005 wähne. Die Integrationen der Links können als Beispiel dafür dienen, wie man es nicht machen sollte: sie stehen in der Regel in Boxen mit dem Vermerkt „Werbung“, sind immer einer von drei oder vier anderen Links zu kommerziellen Seiten (und häufig bekannten Linkkäufern) und nutzen meistens den gleichen Linktext. Eine unterhaltsame Randnotiz der Geschichte ist, dass recht häufig auf die wörtliche Übersetzung von „places in berlin“ verlinkt wird – ergibt das in Englisch noch halbwegs Sinn, sind Links mit dem Linktext „Plätze in Berlin“ ein gutes Indiz dafür, dass hier weder Profis noch Muttersprachler am Werke waren.

Verkaufte Rankings
Google reagiert allergisch auf alle Versuche, organische Rankings direkt zu verkaufen. Zum Beispiel gab es vor einigen Monaten mal einen Anbieter der optimierte Landingpages auf Trust-starken Domains an den Werbetreibenden bringen wollte – Google hat alle Referenzintegrationen sehr schnell aus dem Ranking genommen und dem Thema so den Wind aus den Segeln genommen, bevor es von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Verständlich, war es doch ein direkter Angriffs auf Googles Cashcow AdWords.

Qype agiert zwar nicht ganz so plump, macht im Kern aber Ähnliches. Auf der Seite, auf der Unternehmern die bezahlten Premium-Einträge verkauft werden sollen, wird damit geworben, dass man 50 Keywords eingeben könne und diese dann auf den vorderen Seiten der Suchmaschinen (namentlich Google) zu finden sein werden. in der FAQ wird das Thema noch etwas breiter dargestellt und ausgeführt, dass man als Premium-Partner Einfluss auf die Listung bei Google nehmen könne. Ungeschickt.

Konflikt mit Google-Interessen
Google ist mittlerweile selber Content-Anbieter: die lokale Branchensuche macht genau das, was Qype auch macht. Zeitgleich ist Qype mit Abstand der größte Lieferant von Nutzermeinungen für die deutsche Version der Branchensuche. Also könnte man sich gedacht haben, dass eine Doppellistung in den Universal-Search-Integrationen und im organischen Index etwas zu viel ist und der Nutzer die Zusammenfassung von Meinungen doch lieber im eigenen Produkt lesen soll. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass solche Überlegungen direkt Einfluss auf das Ranking nehmen, eine erhöhte Aufmerksamkeit auf die Fehltritte einzelner Domains scheint mir aber nicht zu weit hergeholt.

Da es schon wieder recht viel Text geworden ist, geht es dann morgen mit dem vierten und letzten Teil der Serie weiter. Was sollte Qype ändern?

Etwas ist faul im Staate Qype
Etwas ist faul im Staate Qype – Teil II
Etwas ist faul im Staate Qype – Teil III
Etwas ist faul im Staate Qype – Teil IV

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Kommentare

Mobile SEO   
12. April 2010, 12:35

Sehr schoen, bin gespannt auf den letzten Teil. Gerade bei grossen Seiten mit viel UGC ist DC oder besagter Mangel an Inhalten auf vielen Unterseiten ein sehr komplexes und schwieriges Thema…

dradicke   
12. April 2010, 12:48

Die indischen Link-Builder werben aber zur Zeit auch so stark, dass man der Versuchung kaum widerstehen kann… „affordable Linkbuilding…“

Tobias Fox   
12. April 2010, 12:48

Man sollte sich mit Profis abgeben und bei dubiosen Praktiken nicht den worst-case-Fehler machen.

Ob es wirklich am Linkkauf lag oder doch an der verbesserungswürdigen Organisation der Inhalte ist fraglich.

Immer wieder schön zu sehen, dass die Großen auch fehlbar sein können.

Besten Gruß,
Tobias

Torsten   
12. April 2010, 12:57

Der Unterordner /preview/ sollte lieber komplett gesperrt werden. Der wird auch verwendet, wenn man seinen geschriebenen Beitrag direkt in Twitter einparsen läßt. Der /preview/-Ordner enthält noch ne Menge anderer sinnloser Sachen, einfach mal über ne Siteabfrage anschauen.

Wahid   
12. April 2010, 13:01

Ich hatte den falschen Teil kommentiert, jetzt noch mal.

Da das Thema fast in Mainstream Medien angekommen ist, schreibe ich auch paar Zeilen dazu. Das Problem von Qype ist vor allem ein DC Problem. Lange war es für Qype ein Vorteil, aber irgendwann wollte Google das nicht mehr tolerieren.

Alle Einträge von Qype sind unter allen Domains von Qype erreichbar.

http://www.qype.com/place/10721-Ousies-Berlin
http://www.qype.at/place/10721-Ousies-Berlin
http://www.qype.ch/place/10721-Ousies-Berlin
http://www.qype.fr/place/10721-Ousies-Berlin
http://www.qype.it/place/10721-Ousies-Berlin
und so weiter

Als erste Reaktion auf die Penalty, bevor das öffentlich wurde, haben auch noch einen großen Fehler gemacht. http://www.qype.at/place/10721-Ousies-Berlin haben die z. B. mittels Canonical-Tag nach http://www.qype.co.uk umgeleitet.
Erst seit paar Tagen haben die den Canonical-Tag entfernt und die Seite auf noindex gesetzt.

Es mag sein, dass die Penalty wieder aufgehoben wird, aber die große Zeit von Qype ist vorbei, denn alle Location aus dem Ausland werden in Deutschland nicht mehr erreichbar sein, weil die auf noidex gesetzt sind.

heiko seifert   
12. April 2010, 13:13

nana, qype nun mal nicht zu vorschnell absingen, ich denke, dass qype schon noch ne große Zeit vor sich hat und sich glaube auch nicht, dass die ausländischen Seiten der ganz große traffic bringer in deutschland sind.

Nun hat Qype eben einiges an Arbeit vor sich. Und ich denke, die werde auch schon ordentlich arbeiten

Mobile SEO   
12. April 2010, 13:17

Wahid: Geiler Laden uebrigens!

Hanns   
12. April 2010, 13:17

@Wahid: Mit dem DC auf den verschiedenen Länderdomains sollte Google eigentlich umgehen können. Der DC innerhalb des deutschen Auftritts ist da schon schlimmer und kommt dann auch noch einmal auf den Subdomains für die mobilen Websites vor. Das sollte unbedingt bereinigt werden. Was ich an Gerüchten auf der SMX in München gehört habe, war DC aber bei Qype nicht der Grund für den Absturz, sondern einer der anderen Punkte die Johannes genannt hat.

Raphael   
12. April 2010, 13:24

Danke Johannes für diese gute Artikelserie, die einem genau nachvollziehbar vorführt, wie man eigene Fehler vermeiden und vor allem wenn man sie gemacht hat analysieren und beheben kann. Deine Artikel sind die perfekte Werbung für deine Tools ohne dabei Werbung im nervigen klassischen Stil zu sein. Der Sistrix Blog zeigt, wie man es im Netz machen sollte.

efendi   
12. April 2010, 14:00

Sehr fundierte und vor allen Dingen kostenlose SEO-Analyse für einen großen der Szene. Qype wird Dir ein Leben lang dankbar sein, und Du beweist wieder einmal mehr, dass Du Dich in der Materie auskennst, während der Rest im Kindergarten spielt (oder bei Abakus rumhängt). Well done, Mister!

Horst   
12. April 2010, 14:01

Klasse Artikel. Kein Geheimwissen sondern saubere Analyse. That’s SEO.

Rozana   
12. April 2010, 14:56

Für mich schmeisst google nur Nebelkerzen im Moment. Wenn ich die Domain qupe.com analysiere sehe ich aber keinen großen Trafficeinbruch. Ich behaupte mal das google die Siteabfrage etc stillgelegt hat und die bisherigen Analysen gekillt hat. Ich habe gerade mal bei uns die site:… eingegeben (-60%). Anschliessend die selbe Abfrage mal dahinter gestellt mit einem Key der auf jeder Seite vorkommt. Voila, alle wieder da

sistrix   
12. April 2010, 15:47

Rozana, dann scheinst du irgendetwas anders zu machen als beispielsweise die IVW: http://www.deutsche-startups.de/2010/04/12/qype-rutscht-weiter-ab-yigg-im-freien-fall-ivw-premiere-fuer-xing/ von 7,6 Millionen auf 4,4 Millionen Visits abgerutscht. Bitte nicht den Fehler machen, aus den site:domain.tld irgendwelche Rückschlüsse auf den Traffic der Seite zu ziehen. Das geht in der Regel daneben.

wwgseo09   
12. April 2010, 16:35

DC ist ein grosses Problem bei Qype.
site:www.qype.com/places/

Das sind nur URL’s die per Javascript GET abgerufen werden. Wer im Quelltext und im Index sucht, wird noch mehr URLs finden die eigentlich nix im Index zu suchen haben.

Johannes   
12. April 2010, 16:46

Aber führt DC wirklich zu penalties. ich dachte es werden einfach die doppelten seiten nicht berücksichtigt.

HamsterDesTodes   
12. April 2010, 19:31

Besten Dank Johannes, für den tiefen Einblick in Deine Arbeitsweise – wie zu erwarten, keine dunkle Magie sondern schlichte, harte Arbeit und nackte Zahlen/Fakten analysieren bringt das Ergebniss.

sistrix   
12. April 2010, 19:44

Johannes, ja Duplicate Content kann in einigen Fällen zu Penalties führen. Zwar nicht einfach so, aber wenn einige Sachen zusammenkommen, kann DC der Auslöser sein.

Dominik   
12. April 2010, 22:51

Schöne Analyse. Kann Horst nur zustimmen.

Ps. Funktioniert deine Kommentarcaptcha richtig? 2x falsch eingegeben (oder es lag an l und i Verwechslung). Wäre schön, wenn beim Klick auf den Zurückbutton auch die Felder wieder ausgefüllt wären 🙁 .

Bertone   
12. April 2010, 23:13

Tolle Anlyse… bin ebenfalls gespannt wie es weitergeht

Peter   
12. April 2010, 23:15

was sagt eigentlich qype zu dem ganzen? als stephan u noch da war, hätts hier garantiert einen kommentar von ihm gegeben…

achim kilgus   
22. April 2010, 17:41

Dass Quipe so schlechtes Linkbuilding macht, wundert mich nicht. Ich stelle immer wieder fest, auch bei aktiven Kunden, dass SEO firmenintern einfach noch keinen entspr. Stellenwert hat. Und dann kann es vorkommen, dass einfach mal drauflos verlinkt wird.

Margie   
11. Oktober 2012, 16:55

We need a lot more isnigths like this!

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