Fallstudie duden.de: Erfolg ohne gefährliche SEO-Tricks

21. Mai 2013, 15:07

Nachdem wir in den letzten Wochen mehrere Verlierer (apple.com, stuttgart.de, sportschau.de) im SISTRIX Sichtbarkeitsindex näher beleuchtet haben, wollen wir uns heute auch mal mit einem positiven Beispiel beschäftigen. Seit Monaten ist immer wieder die Domain duden.de auf der Gewinnerseite der wöchentlichen Movers & Shakers zu finden. Wie die folgende Grafik zeigt, ist alleine seit Jahresanfang der Sichtbarkeitsindex von 140 Punkte auf inzwischen 219 Punkte (+92 Prozent) gestiegen. Bei dieser Entwicklung könnte sogar ein zalando.de neidisch werden.

Entwicklung SISTRIX Sichtbarkeitsindex duden.de

Entwicklung SISTRIX Sichtbarkeitsindex duden.de

Irgendetwas scheint die Domain richtig zu machen. Das wollen wir uns genauer anschauen.

Wann hat der Aufwärtstrend von duden.de begonnen?

Um die Ursache für den beeindruckenden Anstieg der Sichtbarkeit von duden.de bestimmen zu können, ist es zielführend, zuerst einmal den Zeitpunkt zu identifizieren, wann der Aufwärtstrend begonnen hat. Auf den ersten Blick ist dieser etwas schwer zu erkennen, da die starken Anstiege der vergangenen Monate die Anstiege in 2011 und 2012 zu winzigen Ausschlägen schrumpfen lassen. Um die Details besser zu erkennen, wähle ich in der Toolbox einfach mit gedrückter Maustaste einen Zeitraum vor 2013 aus und führe anschließend eine Trendanalyse durch. Ausführliche Informationen wie man Trendanalysen erstellt, kann man zusammen mit vielen Fallbeispiele in unserem kostenlosen E-Book „SEO-Analysen mit dem SISTRIX Sichtbarkeitsindex“ nachlesen.

Trendanalyse Sichtbarkeitsindex duden.de

Trendanalyse SISTRIX Sichtbarkeitsindex duden.de bis 23.05.2012

In der Grafik sieht man deutlich, dass der Sichtbarkeitsindex von duden.de am 23.05.2011 aus dem seit 2008 andauernden Seitwärtskanal nach oben ausgebrochen ist. Kurz vor diesem Zeitpunkt lohnt es sich nach der Ursache zu forschen. Ich habe die Ursache in der Toolbox mit dem Ereignis-Pin A markiert und ihn auf das Datum 02.05.2011 gesetzt. Ihr werdet gleich sehen warum.

Grundsätzlich ist ein Anstieg im Sichtbarkeitsindex möglich, wenn man zu einer größeren Anzahl Keywords Rankings erzielt, zu bestehenden Keywords bessere Rankings erreicht, oder im Idealfall in beide Richtungen erfolgreich ist. Ursachen sind oft eine verbesserte Informationsarchitektur der Website, neuer Content und/oder eine verbesserte Verlinkung.

Bei einer Sichtung der Pressemitteilungen auf duden.de für den gesuchten Zeitraum Mai 2011 werde ich auch direkt fündig. Am 02.05.2011 (Ereignis-Pin A) hat das Unternehmen einen Relaunch bekanntgegeben. Und auch SPIEGEL Online hat darüber berichet. Zusammen mit dem Relaunch wurde die Paywall abgeschafft und die Internet-Nutzer können seither den Rechtschreib-Duden mit vielen Extra-Funktionen der Online-Version kostenlos nutzen.

Mutiger Schritt hin zur Kostenloskultur

Diesen für einen Verlag mutigen Schritt hin zur Kostenloskultur im Internet kommentiert Marion Winkenbach, verlegerische Geschäftsführerin des Dudenverlags, wie folgt:

„Für unsere Markenpolitik ist es wichtig, dass wir auch online die Nummer eins sind in Sachen deutsche Sprache.“

Der Dudenverlag hat offensichtlich erkannt, dass das mit einer Paywall nicht möglich ist, da im Netz andere und vor allen Dingen kostenlose Wörterbücher nur einen Klick entfernt sind. Auf Dauer hätte die Paywall trotz der starken Marke Duden die Nutzer immer mehr in die Hände der Wettbewerber getrieben und die Marke somit langfristig geschwächt.

Wie sich dieser Strategiewechsel ausgewirkt hat, zeigt deutlich das Suchinteresse in Deutschland nach „Duden“ bei Google Trends.

Entwicklung Suchinteresse Duden bei Google Trends

Entwicklung Suchinteresse Duden bei Google Trends (Deutschland)

Seit dem Relaunch steig das Suchinteresse kontinuierlich an. Die Nutzer suchen verstärkt gezielt nach der Marke Duden.

Aber auch bei anderen wichtigen SEO-Kennzahlen macht sich der Relaunch stark bemerkbar. Die Anzahl indexierter Seiten steigen seither ebenso wie die Anzahl Keywords mit Rankings in den Top 100. Ebenso bei der wichtigen Kennzahl der verlinkenden Domains (Domain-Pop) ist ein stetiges Wachstum zu erkennen. Ein kostenloses Angebot wird nun einmal lieber und vor allen Dingen häufiger verlinkt als ein Angebot mit Bezahlschranke.

Entwicklung der Anzahl auf duden.de verlinkende Domains (Domain-Pop)

Entwicklung der Anzahl auf duden.de verlinkende Domains (Domain-Pop)

Ebenfalls hat sich die Rankingverteilung nach dem Relaunch äußerst positiv entwickelt. Bei über 35 Prozent der vorhandenen Rankings ist duden.de inzwischen auf Seite 1 der Suchergebnisse zu finden.

Rankingverteilung duden.de

Vergleich der Rankingverteilung duden.de 20.05.2013 vs. 25.04.2011

Praktisch alle SEO-Kennzahlen erzählen die gleiche Geschichte. Der steigende Sichtbarkeitsindex ist die logische Konsequenz aus dem Anstieg der einzelnen Werte.

Das Erfolgsrezept von duden.de

Den SEO-Erfolg von duden.de kann man insbesondere durch folgende vier Punkte beschreiben:

  1. kostenloser Content mit deutlichem Mehrwert für die Nutzer
  2. starke Marke mit steigendem Suchvolumen
  3. gute interne Verlinkung
  4. gute Usability und schnelle Seitenaufrufe durch Server-Cache für häufig aufgerufene Inhalte

Der Erfolg von duden.de hat nichts mit geheimnisvollem SEO-Voodoo zu tun. Eine starke Marke hat einfach nur wertvolle Inhalte barrierefrei für Suchmaschinen und Nutzer von Suchmaschinen aufbereitet. Nicht mehr und nicht weniger.

Auch wirtschaftlich ein Erfolg?

Die Frage ist, ob der SEO-Erfolg auch einen wirtschaftlichen Erfolg für den Dudenverlag bedeutet. Schließlich besteht die Gefahr, dass die kostenlose Online-Version den Verkauf der gedruckten Bücher schmerzlich kannibalisiert.

Man kann dem entgegenhalten, dass das Internet den Buchverkauf ohnehin kannibalisiert und der Dudenverlag in Wirklichkeit überhaupt keine Wahl hatte. Wenn es den Duden online nicht kostenlos gibt, dann wenden sich die Nutzer eben anderen Marken mit einem kostenlosen Angebot zu. Insofern ist es besser sich selbst zu kannibalisieren anstatt von andern Marken kannibalisiert zu werden. Das steigende Suchinteresse nach Duden bei Google Trends zeigt klar den positiven Einfluss nach dem Relaunch auf die Marke.

Der Dudenverlag scheint aber auch insgesamt mit der Entwicklung zufrieden zu sein. Fünf Monate nach dem Relaunch sagte Marion Winkenbach:

„Wir ziehen eine sehr positive Bilanz der ersten Monate. Die Neugestaltung der Website hat dazu geführt, dass wir in Suchmaschinen deutlich besser gerankt und unsere Inhalte besser gefunden werden. Der Traffic hat sich seit dem Start von duden.de verdoppelt, was sich erfreulicherweise auch in einem deutlichen Wachstum unserer Onlineverkäufe niederschlägt.“

Dieser Beitrag hat 17 Kommentare

 
  21. Mai 2013, 16:02

Also wenn ich mir aber angucke, wofür duden.de jetzt so alles rankt, dann frage ich mich aber auch, ob das wirklich so sinnvoll ist…
Ist zwar schön, wenn die für „sex“ auf Seite 2 sind, aber was bringt’s denen?

 
Hanns Kronenberg
  21. Mai 2013, 16:42

@Jan: Was die Rankings bringen, hat Marion Winkenbach doch gesagt: Deutlich mehr Traffic und damit einhergehend deutliches Wachstum der Onlineverkäufe sowie Stärkung der Marke Duden.

 
  21. Mai 2013, 16:47

@jan: Stell dir mal vor Du bist eine Suchmaschine. Jetzt stell dir weiter vor es kommen zwei Menschen die dir sagen:“Ich würde gerne mit dem Keyword x auf 1 stehen“. Wem würdest du das eher zugestehen? Demjenigen der unter anderem mit „Sex“ auf Seite 2 steht, oder dem, der mit „Toilettendeckel anbringen“ auf 1 steht? Kurz: Es bringt denen TRUST. Wenn die aus welchen Gründen auch immer mit 1000 Keys auf 1 stehen, wird das sicher andere Keywords mit pushen.

 
  22. Mai 2013, 09:30

Gutes Beispiel von dem sich auch einige Publisher mit ihren Paywalls was abschauen können! Klar wollen sie damit Umsatz machen, aber dieses Beispiel zeigt ja deutlich, dass man dies mit einer gestiegenen Markenbekanntheit genauso kann. Interessieren würde mich, ob im Beispiel von duden.de die Umsätze der Onlineverkäufe aber auch an die Umsätze aus dem Paywallgeschäft herankommen.

 
  22. Mai 2013, 13:45

Hi Hans,

ich bin mal gespannt, wie sich duden.de weiterentwickelt, nachdem Google vor einiger Zeit die „Searchresults in Search“ von netzwelt.de und anderen verbannt hat. Ob das nur an der Subdomain lag und so leichter auszusortieren war oder ob vielleicht die vielen über die Suche gefundenen URLs in duden.de bald das gleiche Schicksal teilen? Was meinst Du?

All the best,
Chris

 
  22. Mai 2013, 16:33

Auch in der Bildersuche hat duden.de in den letzten Monaten gut zugelegt. Einmal gab es Ende November 2012 einen ordentlichen Schub und dann nochmal Ende März 2013.

 
Drops
  23. Mai 2013, 16:30

Wirklich beeindruckende Zahlen – die Frage ist nur, was Duden daraus macht. So weit ich informiert bin hat sich langer Zeit nichts mehr getan, auf den Shopseiten herrscht Stillstand, Umsätze sollen stagnieren oder sind rückläufig. Haupteinnahmequelle scheint aber ja jetzt Google-Werbung zu sein, die Seiten werden damit jedenfalls immer mehr zugekleistert. Irgendwie schade! Schade auch, dass der Verlag sich bei seinem Umzug von Mannheim nach Berlin in diesem Jahr quasi nebenbei 3/4 seiner Stammbelegschaft entledigt hat, u. a. auch den SEO-Verantwortlichen(!)

 
  24. Mai 2013, 12:52

Ob sie trotzdem besonders profitabel sind ist eine andere Frage…

 

[…] Blog hat Hanns Kronenberg diese Woche einen interessanten Fall untersucht. In dem Artikel “Fallstudie duden.de – Erfolg ohne gefährliche SEO-Tricks” zeigt Hanns, wie durch die Umstellung einer Geschäftsstrategie, Erfolge verbucht werden […]

 
  25. Mai 2013, 02:49

Schön und gut, dass Duden nun vermehrt Angebote kostenfrei anbietet und Google erst jetzt die Qualität der Seite anerkennt. Für mich wieder einmal ein Beispielt dafür, dass Google falsche Prioritäten beim Ranking einsetzt. Gerade im Finanzbereich können sich die vermeintlich kostenlosen Angebote später als sehr teuer erweisen. Aber der Verbraucher will es anscheinend nicht anders, indem er Google auf diese Weise „fördert“.

 
  25. Mai 2013, 10:07

Usually We do not learn article in sites, but We wish to say until this write-up really compelled us to try as well as perform it! Your writing style has become surprised us. Thank you, quite great article.

 
  26. Mai 2013, 13:11

Mich würden auch die Umsatzzahlen in Verbindung der Rankings interessieren

 
  30. Mai 2013, 14:12

Soviel uniquen Content wie Duden hätten wir auch gerne 🙂

 

[…] interessante Fallstudie über duden.de beweist, dass gute Rankings und Traffic auch ohne SEO Vodoo erreicht werden […]

 
Pixelaffe
  5. August 2013, 13:54

Nur zu schade, dass die Leute die an diesem Erfolg beteiligt waren nicht mehr im Verlag arbeiten und auch nichts von der Leistung die sie erbracht haben abbekommen werden.

Aber der Duden selbst wird es wieder schaffen aus dem was man ihm da vorgelegt hat nichts zu machen.

 
  13. August 2013, 12:03

Ein schönes Beispiel, was man mit einfachen und soliden Techniken alles meistern kann. Leider unterschätzen immer noch viele Betreiber, welche starke Wirkung bestimmte SEO-Maßnahmen haben können.

 
  22. Januar 2014, 11:50

Duden hat sehr viel Top Positionen und überholt damit sogar einige Seiten die fachspezifisch für ihr Thema sind. Das ist nicht immer ganz richtig von google eingeordnet. Ansonsten ist dieser Artikel sehr aufschlussreich für das eigene Business.

 

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