Leistungsschutzrecht Update: journalistische Inhalte für Google weiterhin nahezu irrelevant

Seit zehn Jahren streiten sich Verlage und Google in welchem Umfang Treffer der Verlage in den Ergebnissen der Suchmaschine angezeigt werden dürfen. Fast ebenso lang begleiten wir die Auseinandersetzung mit Daten und Fakten – Zeit für ein Update.

Kurz zu den Hintergründen: seit 2013 gab es in Deutschland ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Experten haben dieses Gesetz bereits kurz nach Einführung in einer Anhörung im Bundestag als „unausgegoren, kurzatmig, lobbygetrieben“ bezeichnet. 2019 hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) das deutsche Leistungsschutzrecht schließlich aus formellen Gründen gekippt.

Seit letztem Jahr gibt folgte mit dem EU-weite Leistungsschutzrecht eine Nachfolgeregelung. Da auch hier die Länge der nutzbaren Snippets in den Suchergebnissen nicht konkret geregelt ist, gibt es weiterhin Auseinandersetzungen zwischen der Verwertungsgesellschaft Corint Media als Nachfolger der VG Media und Google.

Die Kollegen von Golem haben in einem aktuellen Artikel zu dem Thema unsere Zahlen der letzten Analyse aus 2019 zitiert – für uns ein guter Anlass, die Daten und Zahlen zu aktualisieren und zu analysieren, wie die Realität in den Google Suchergebnissen derzeit aussieht.

Unsere Datenanalyse

Wie schon 2012 und zuletzt 2019 haben wir die Frage beantworten, wie relevant journalistische Inhalte für Google in den Suchergebnissen sind. Dafür haben wir im ersten Schritt eine Liste von Domains erstellt, die Inhalte über Google News veröffentlichen.

Diese Liste wurde dann um Domains bereinigt, die offensichtlich größtenteils keine journalistischen Inhalte veröffentlichen. In Summe sind 1.412 Domains übrig geblieben – und damit rund 200 mehr Domains als bei der letzten Auswertung.

Auf Basis dieser Liste und unserer Datenbank von Suchergebnissen in Deutschland haben wir dann die folgenden Auswertungen durchgeführt. Insgesamt wertet SISTRIX in Deutschland die Suchergebnisse zu 100 Millionen unterschiedlichen Keywords (Suchanfragen) aus. Die Datenbasis ist repräsentativ für das Suchverhalten in Deutschland und wird kontinuierlich aktualisiert.

Unverändert: 0,25% kommerzieller Suchbegriffe journalistisch geprägt

Corint Media fordert für die von sie vertretenden Unternehmen (rund ⅓ der Verlage) zuletzt 420 Millionen Euro im Jahr von Google. Daher war die erste Frage, die wir auf Grundlage der Daten beantworten, wieviel Prozent der Suchbegriffe bei Google eigentlich mehrheitlich journalistisch geprägt und gleichzeitig für Google kommerziell relevant sind.

Dafür haben wir die Anzahl der Suchbegriffe gemessen, bei denen Domains von der Liste der 1.412 Domains mindestens fünf Treffer der zehn organischen Treffer auf der ersten Google-Ergebnisseite ausmachen und zusätzlich, als Indikator für die Werthaltigkeit der Suche für Google, auch Werbung (Google Ads oder Google Shopping) angezeigt wird.

Das Ergebnis ist zu unserer letzten Studie im Jahr 2019 unverändert: nur 0,25 Prozent der untersuchten Keywords sind mehrheitlich journalistisch geprägt und für Google gleichzeitig kommerziell relevant.

Gesunken: nur noch 3,09% der Suchbegriffe journalistisch geprägt

Auch haben wir uns in der Analyse wieder angesehen, wie viel Prozent der Suchbegriffe journalistisch geprägt sind. Dafür haben wir die Anzahl der Suchbegriffe gemessen, bei denen Domains von der Liste mindestens fünf Treffer der üblichen zehn Ergebnisse auf der ersten Seite ausmachen.

In diesem Jahr trifft das nur noch auf 3,09% der Suchbegriffe zu. Bei der letzten Auswertung im Jahr 2019 waren es noch 4,65% aller Keywords. Die verhältnismäßig starke Veränderung bei dieser Auswertung spricht dafür, dass in den letzten Jahren Domains Sichtbarkeit gewonnen haben, die keinen klassisch, journalistischen Ansatz verfolgen.

Leicht gestiegen: 8,86% aller Ergebnisse von überwiegend journalistischen Domains

Zum Schluss haben wir ebenfalls erneut untersucht, wie viel Prozent aller Suchergebnisse von Domains stammen, die ihre Inhalte auch in Google News veröffentlichen. Hier sei vorweg geschickt, dass wir die ersten 100 organischen Suchtreffer bei Google auswerten. Wenn man die Klickraten auf die unterschiedlichen Positionen betrachtet, wird schnell deutlich, dass Rankings auf der ersten Seite deutlich wertvoller sind, als solche ab der zweiten Ergebnisseite.

Hier hat sich der Prozentsatz im Vergleich zur letzten Untersuchung vor 3 Jahren leicht erhöht: er ist von 7,89% auf 8,86 Prozent gestiegen. Dieser Anstieg ist damit zu erklären, dass Domains von der Liste primär journalistischer Domains in diesem Zeitraum zwar weiter Inhalte veröffentlicht haben, diese aber nicht auf der ersten Suchergebnisseite zu finden sind.

Situation in der Schweiz und Österreich vergleichbar mit Deutschland

Um die Zahlen im Kontext besser einordnen zu können, haben wir bei dieser Analyse zusätzlich die Werte für die Suchergebnisse in der Schweiz und in Österreich erhoben. In der folgenden Tabelle siehst du sie im direkten Vergleich mit Deutschland:

Schweiz und Österreich im Vergleich zu Deutschland
Anteil Treffer
journalistischer Domains
Anteil journalistisch
geprägte Suchbegriffe
Journal. geprägte Suchbegriffe &
kommerziell für Google relevant
Deutschland 🇩🇪8,86%3,09%0,25%
Schweiz 🇨🇭8,69%2,8%0,27%
Österreich 🇦🇹7,81%2,6%0,26%

Gut zu erkennen, dass die Situation in diesen beiden Ländern mit der in Deutschland vergleichbar ist: keiner der Werte weicht signifikant von den gemessenen Zahlen in Deutschland ab. Sowohl der Anteil der kommerziellen Suchbegriffe, die journalistisch geprägt sind als auch der Anteil aller journalistischen Suchbegriffe und der Prozentsatz der Ergebnisse von journalistischen Domains ist vergleichbar.

Fazit

Google und die Verlage – eine (fast) unendliche Geschichte erst auf deutscher, jetzt auf europäischer Ebene. An den Fakten hat sich jedoch nichts geändert: aus wirtschaftlicher Sicht braucht Google die Inhalte der Verlage nicht. Der Anteil der Suchbegriffe, bei denen Verlage einen Großteil der Inhalte liefern, ist verschwindend gering.

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