Twitter: Wachstum

Johannes Beus
Johannes Beus
5. November 2009
Johannes Beus
Johannes Beus
Johannes Beus ist Gründer und Geschäftsführer von SISTRIX.

Wie schon vor einigen Monaten geschrieben, bin ich nach anfänglicher Skepsis mittlerweile Twitter-Fan: viele Informationen, die früher an mir vorüber gegangen wären, erfahre ich nun durch meinen Twitter-Stream. Zugegeben, da ist auch viel Überflüssiges dabei, das ist aber kein spezifisches Twitter-Problem, sondern begegnet einem, sobald den Browser aufmacht. Wer dieses Blog regelmäßig verfolgt, wird festgestellt haben, dass ich für Entwicklungen und Hintergründe gerne die Ursachen wissen möchte. Da war es naheliegend, dass ich mir auch mal Daten rund um Twitter ansehe.

Da Twitter sich leider nicht in der Lage sah‘, mir einen Datenbank-Dump auf einem USB-Stick zuzuschicken, musste ich einen anderen Weg finden, um an eine ausreichende Datengrundlage zu kommen. Glücklicherweise hat Twitter eine recht umfangreiche API, die bei der richtigen Sonne-Mond-Konstellation sogar manchmal funktioniert. Wenn man sich bei Twitter anmeldet, erhält man eine aufsteigende Nummer (ID). Aktuell liegt diese Nummer bei rund 85 Millionen. Ich habe nun ein kleines Script geschrieben, das die Daten von Twitter-Accounts über die API abfragt und speichert. Rund 10% aller Accounts scheinen mir ausreichend, um aussagekräftige Schlüsse zu ziehen. Dies nur kurz zur Datengrundlage für die kommenden Diagramme und Auswertungen, die folgenden Zahlen sind (wenn absolute Werte) auf alle Accounts hochgerechnet. Wer die Diagramme nutzen will, kann das gerne machen, ich erwarte allerdings einen Hinweis auf die Herkunft.

Anzahl Twitter-Accounts
Fangen wir mit der absoluten Anzahl an Twitter-Accounts an. Los geht es in der Twitter-Zeitrechnung im März 2006, der erste Account scheint der von Twitter-Gründer Bizstone mit der ID 13 zu sein. Danach hat sich lange erst mal relativ wenig getan, bis ungefähr Mitte 2008 der Durchbruch kam und Twitter mächtig an Fahrt gewonnen hat:

Anzahl Twitter-Accounts

Aktuell (also Ende Oktober 2009) hat man die Marke von 66 Millionen Accounts gerade durchbrochen. Wer sich jetzt wundert, wieso nur 66 Millionen und nicht die weiter oben erwähnten 85 Millionen: theoretisch wird die User-ID zwar bei jedem neuen User hochgezählt, es gibt aber große „Lücken“ innerhalb dieses Zahlenraums. Ich könnte mir vorstellen, dass die dem explosionsartigen Wachstum und damit einhergehender Technikumstellungen geschuldet ist.

Wachstum
Neben der absoluten Anzahl an Accounts ist natürlich auch interessant, wie viele neue User jeden Monat hinzukommen. In folgendem Diagramm ist also die Anzahl neuer Accounts pro Monat zu sehen:

Wachstum an Twitter-Accounts

Hier zeigt sich, dass Twitter zwar weiterhin rasant wächst, dieses Wachstum aber in den letzten Monaten stagniert. Es sieht sogar so aus, als gehe die Anzahl neuer Accounts leicht zurück. Da wird es spannend, die Analyse in 6 Monaten noch einmal zu machen und zu sehen, wie sich das entwickelt hat.

Nutzung der Accounts
Das Anlegen eines neuen Accounts ist eine Sache, die Nutzung etwas anderes. Dass dies gerade bei Twitter zutrifft, sieht man sehr schön, wenn man sich ansieht, wie viele der neuen Accounts eigentlich auch aktiv genutzt werden:

Real genutzte Twitter-Accounts

Als „aktiv“ habe ich dabei Twitter-Accounts gewertet, bei denen mindestens ein Tweet vorhanden ist und die zumindest einem anderen Account folgen. Wenn man die Grenzen etwas enger zieht und beispielsweise nur Accounts mit mindestens 10 Tweets und mehr als 5 Followern als aktiv genutzt ansieht, sind die sich ergebenden Rückschlüsse noch deutlich schlechter für Twitter.

Teil I: Twitter: Wachstum
Teil II: Twitter: Nutzung
Teil III: Twitter: Internationale Nutzung

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Kommentare
Constantin   
5. November 2009, 10:34

Saubere Arbeit! Wer die Twitter-API kennt wird selbst wissen, was für ein nervenaufreibender Kraftackt das ist. Und hier 8 Millionen Abfragen durchzupumpen ist wirklich eine Leistung!

Liebe Grüße,
Constantin

Thyro   
5. November 2009, 10:35

Krass, was für ein Boom da losging. Allerdings sieht man auch an den aktiven Nutzern, dass hier ziemlich viel ins Leere läuft. Jeder will dabei sein, aber kaum einer richtig mitmachen. Auch hier trennt sich noch die Spreu vom Weizen…

brandkraft   
5. November 2009, 10:39

Sah das nicht in Second Life auch so aus?
Aber das konnte man ja nicht am Handy nutzen und auch der Business-Nutzen hat sich als Blase erwiesen.

Jörn   
5. November 2009, 10:42

Sehr coole Auswertung bis jetzt, ich bin gespannt auf noch mehr Zahlen und Diagramme. 🙂

Thorsten   
5. November 2009, 11:47

Immer wieder interessant deine Artikel!
Zum ersten Twitterer hab ich aber gelesen (http://bit.ly/lcGuG), das das wohl Jack mit der ID 12 ist (ein Entwickler *g*)

Kann der Unterschied der aktuellen Zahl zu vorhandenen Accounts nicht auch davon kommen, dass jede Menge Accounts wieder gelöscht (Spam) werden?

Johannes   
5. November 2009, 12:15

Thorsten, nein, die gelöschten Spam-Accounts sind noch vorhanden, haben aber den Vermerkt „gesperrt“.

3D-Mediadesign   
5. November 2009, 12:29

Zunächst einmal Danke für die interessante Auswertung. Ich war Anfangs Twitter gegenüber eher skeptisch. Es wird doch eine Menge Müll gezwitschert. Wen interessiert ob Madame XX gerade einen Kaffee durchlässt? Wenn man sich allerdings etwas näher mit der Materie TWITTER beschäftigt, kann man sehr schnell grossen Nutzen daraus ziehen. Allerdings ist twittern im deutschsprachigen Raum wohl immer noch nicht so gross angesagt. Interessant wäre mal zu wissen, wie hoch der deutsche Anteil ist.

Lonesome Walker   
5. November 2009, 12:31

Nun gut, aber alleine die Accountanzahl bringt ja keinen Nutzen, oder?

Wenn man bedenkt, daß lediglich (so wird gemunkelt) knapp 10% der User aktive Twitter sind, 30% passiv, also teilweise auch nur Follower, und der Rest einfach irgendwelche toten Accounts (sowohl Spam, als auch nur registriert, aber nie genutzt), dann ist Twitter als Marketing-Instrument nur bei einer sehr limitierten Zielgruppe interessant.

Aber die API gibt noch einiges mehr her 😉

Jens   
5. November 2009, 12:56

Wie lange wurde für die Erhebung der Daten benötigt?
@3D-Mediadesign : Deutsche Tweets spielen wahrlich fast keine Rolle, pro Tag werden zwischen 3000000 und 500000 Tweets von deutschen Benutzern gesetzt. Gesehen an der Menge ist das nichts. Genauere Informationen werde ich selbst demnächst veröffentlichen.

Johannes   
5. November 2009, 13:00

Jens, da hat rund 5 Tage gedauert.

Matthias Kolb   
5. November 2009, 13:10

Sehr interessant. Allerdings würden mich auch mehr die deutschen Ergebnisse interessieren 🙂
Gruß

Florian Lech   
5. November 2009, 14:17

Interessant wie die prozentuale Account nutzung so rasant zurückgeht. Das wird wohl einfach daran liegen, dass sich früher wirklich nur Leute Accounts geholt haben die Interesse daran hatten. Heute gehörts einfach nur zum guten Ton einen zu haben, auch wenn man da gar keine Lust drauf hat.

Thorsten   
5. November 2009, 14:46

@Johannes ah ok ..Danke :o) Vermutlich wegen dem Stichwort „Beweislast“ *g*

innuendo   
5. November 2009, 16:47

wie immer – geniale Auswertung!

Michael   
5. November 2009, 16:48

hi,

danke – interessante daten – bei mir hat es auch ein wenig gedauert, bis ich mich mit twitter anfreunden konnte…

…was ich nur ein wenig schade finde ist, dass die sowieso rech schwache bloggosphäre im dt.sprachigem in meinen augen unter twitter leiden wird

wäre interessant, wenn man auswerten könnte ob sich durch die steigende anzahl an twitter-usern die dt. bloggsophäre verkleinert, wie ich vermute… 😉

Frank   
5. November 2009, 23:03

Ich denke, dass es langfristig der blogosphere gut tun wird, denn es beginnt, dass Leute nur wegen Zwitter zu bloggen beginnen. Andererseits hören dadurch die kurzen Mini Beiträge mehr und mehr auf.

Mal wieder ein Lob für die hervorragenden Zahlen.

Es zeigt sich aber immer wieder, dass es zwar immer mehr gute Statistiken zu Zwitter gibt, aber diese immer wieder falsch interpretiert werden. Ich sehe in dieser Statistik den massiven Anstieg der passiven Nutzung von Zwitter als LIVE-Suchmaschine. Journalisten haben aus Ereignissen wie der Landung auf dem Hudson Robert gelernt und haben Querys zu interessanten Themen erstellt und per Rss abonniert. Ebenso wird Zwitter für Recherche genutzt.Klar schauen sich immer wieder welche Zwitter an und hören wieder auf. Glaubt ihr Facebook und XING haben eine viel bessere Aktivitätsrate. Wo wäre Wkipedia mit solch einer Aktivitätsrate?

…und lasst bitte die ewigen Vergleiche von Zwitter mit Second Literatur. Das hinkt nicht nur, das fährt im Rollstuhl.

Ich freue mich schon auf weitere Zahlen und durchdachtere Kommentare.

franz   
6. November 2009, 14:15

mal sehen wie lange das noch anhält

Tobbi   
6. November 2009, 19:48

Interessante Auswertung, danke.

digiom (Jana Herwig)   
9. November 2009, 22:46

Sehr spannend! Kannst du anhand dieser Daten sagen, wieviel Prozent der Profile ab 01/2009 bzw. 03/2009 registriert wurden? Danke sehr!

digiom (Jana Herwig)   
9. November 2009, 23:15

UND: Man sollte die Ergebnisse unbedingt ins englische übersetzen. das schafft’s bis auf Mashable:)

MwieM (Herbert Peck)   
15. November 2009, 17:18

Sehr spannende Auswertung. Nur interpretiere ich das Account-Wachstum pro Monat so: Es gibt offensichtlich vier Phasen mit unterschiedlichen _durchschnittlichen_ Wachstumsraten: Eine erste Phase bis etwa 03.08 (sehr niedrig), eine zweite Phase von 04.08 bis etwa 12.08 mit durchschnittlich 500.000 neuen Accounts/Monat und einer leicht steigenden Tendenz. Danach etwa 4 Monate rasentes Wachstum mit einer darauf folgen Stabilisierung auf hohem Niveau mit durchnittlich 7.500.000 neuen Accounst/Monat. Das heutige Niveau wurde doch bereits in 05.09 schon einmal unterschritten. Erstaunlich für mich ist das _stabile_ hohe Niveau der neuen Accounts, das natürlich durch die Nutzungsdaten etwas relativiert ist.

MwieM (Herbert Peck)   
16. November 2009, 07:24

Hallo Johannes,

ich habe noch zwei Anmerkungen zu der Auswertung. Bei den monatlichen Zuwächsen handelt es sich ja um diskrete Datenblöcke (pro Monat). Wäre da nicht eine Balkengrafik besser geeignet?

Wenn ich die Zuwächse (grob) summiere, komme ich auf etwa 55 Mio Accounts.

Tkni   
16. November 2009, 22:04

Interessante Daten – Da hast Du Dir mit der Zusammenstellung viel Arbeit gemacht! Vielen Dank dafür!

Jens   
17. November 2009, 14:28

Wirklich interessant der sprunghafte Anstieg 2009. Was war eigentlich der Auslöser dafür?

activetraffic   
18. November 2009, 11:15

super Analyse! Ich denke die Spitzen in Deinen Charts kommen auch immer mehr durch aktuelle gesellschaftliche oder politische Events und Entwicklungen zustande. Nehmen wir als Beispiel die Wahlen im Iran, da haben plötzlich zig Menschen Twitter als einzige Möglichkeit gesehen und genutzt, die Zensur zu umgehen. Auch während der Wahlen des neuen US-Präsidenten, wir da mit Sicherheit eine höhere Anmelde- und Tweetfrequenz zu beobachten gewesen sein.

Danke Johannes!
Grüße
Nico

Chris   
18. November 2009, 11:19

Tolle Analyse, nun fühle ich mich mit meiner Twitter Sucht etwas besser – einfach nicht mehr so allein 😉

CleverClogs   
19. November 2009, 07:51

Saubere Arbeit, danke dafür. Wir werden sehen, wo die Reise mit Twitter hingeht. Ich vermute: Es ist ein etwas größerer Hype, der eben auch etwas länger dauert, bis er von der Bühne weg ist. Mal sehen. Übrigens, ich twittere auch, aber nur selten selbst, eher über die API, ab und an mal ein Tweet live von mir 😉 macht trotzdem Spaß, wird vielleicht mehr, wenn ich ein internetfähiges Handy habe. Das könnte noch mal Aufwind allgemein für Twitter geben. Werden sehen. Grüße Torsten

Thaimassage   
23. November 2009, 16:19

Ich sehe Twitter als reines Marketinginstrument an, ich bevorzuge weiterhin den guten alten RSS-Reader als Informationsmedium. Man kommt ja kaum zum twittern, wenn man ständig Auto-Follower blocken muss. Ich denke mind. 50% der Twitter Accounts sind scriptgesteuerte Spambots. Naja nur ne Vermutung, aber who knows. 😉

Mike Berlin   
27. November 2009, 20:51

Also ich glaube eher, dass Twitter nur durch die Medien einen kurzweiligen Hype durchlaufen wird. Ich kenne viele Personen die sich da angemeldet haben, aber nach ein paar Monaten war die Luft dann schnell wieder raus.

zoellich   
29. November 2009, 23:25

Starke Zahlen und gut aufbereitet!

Aber bringt Twitter irgend was – persönlch – geschäftlich – für die nationale Sicherheit, oder unser Dorf soll schöner werden?

Oder verschlingt es nur unnötig und wahnsinnig viel Zeit, die man lieber in die Familienplanung investieren sollte?

konkurrenzanalyse.net   
31. März 2010, 12:34

Twitter verursacht enorm hohe Streuverluste. Viele User lesen zwar die Botschaften in den Tweets der Unternehmen, machen davon auch gern einen Retweet (Weiterleiten), können aber mit der Botschaft selbst nichts anfangen.

Markofin   
7. Mai 2010, 10:26

Es ist schon wunderbar wie schnell twitte wächst aber ist das einerseits auch nicht gut denn so ein schnelles wachstum kann auch in die Hose gehen.

sascha.beele   
10. Mai 2010, 17:41

Man soll doch nur der Statistik glauben, welche man selbst gefälscht hat.
Ich glaub nicht, das Twitter Zahlen veröffentlicht.

Roland   
4. Februar 2014, 07:46

Hat den Twitter eine Relevanz für SEO?

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