Content-Marketing: Blogs sind für SEO ungeeignet

Hanns Kronenberg
Hanns Kronenberg ist Marketing- und SEO-Experte mit Herz uns Seele. Für SISTRIX ist er als externer Berater tätig. Wenn sich seine Gedanken ausnahmsweise einmal nicht um Nutzerorientierung drehen, rollt wahrscheinlich gerade der Hockeyball über den grünen Kunstrasen beim BTHV.
5. Juni 2018 12 Kommentare

Blogs sind das beliebteste Content-Format, wenn Unternehmen Content-Marketing betreiben wollen. Das Ziel ist dabei meistens die Steigerung des organischen Traffics im SEO-Kanal. In der Praxis erzielen Blogs jedoch selten gute Rankings bei Google. Dieser Artikel klärt auf, warum Blogs für SEO ungeeignet sind.

Über die Hälfte der Unternehmen setzen beim Inbound-Marketing auf Blogs

Die Studie STATE of INBOUND 2017 (Edition für die DACH-Region) von Hubspot hat in 6.000 Befragungen herausgefunden, dass die Erstellung von Blogbeiträgen zu den Top-Prioritäten der Unternehmen beim Inbound-Marketing gehören.

„Was Inbound-Marketing-Projekte angeht, konzentrieren sich Marketer auf die Verbesserung der SEO-Präsenz, die Erstellung von mehr Blog-Inhalten, auf die Nutzer in den organischen Suchergebnissen stoßen können, sowie die Verbreitung und Verstärkung von Content.“
STATE of INBOUND 2017; Hubspot

Konkret nennen 55 Prozent der befragten Unternehmen in der EMEA-Region (Europe, Middle East, Africa) das Erstellen von Blog-Inhalten als Top-Priorität für ihre Inbound- Marketing-Projekte. Nur der Schwerpunkt „Bessere SEO/ organische Präsenz“ wurde mit einem Wert von 62 Prozent noch häufiger genannt.

Top-Prioritäten Inbound-Marketing

Wenn Sie speziell an Inbound- Marketing-Projekte denken, was sind die Top-Prioritäten Ihres Unternehmens? (nach Region); Quelle: STATE of INBOUND 2017; Hubspot

Doch wie effektiv sind Blogs, insbesondere zur Steigerung der organischen Präsenz in den Suchergebnissen?

Blogs sind im SEO-Kanal nicht effektiv

99 Prozent aller Klicks auf organische Suchtreffer entfallen auf die Positionen 1 bis 10, also auf die Treffer der 1. Suchergebnisseite bei Google. Effektiv sind daher nur Rankings auf der 1. Seite.

Den Inhalte von Blogs gelingt selten ein Ranking auf der 1. Suchergebnisseite. Die Performance von Blogs ist in den meisten Fällen unterdurchschnittlich und sie gehören damit zu den Low-Performance-Content-Formaten (LPCF).

Ablesen kann man das in der Ranking-Verteilung. Sie gehört zu den wichtigsten SEO-Kennzahlen und zeigt über alle untersuchten Keywords an, wie sich die Rankings auf die einzelnen Suchergebnisseiten bei Google verteilen.

Die folgenden Grafiken zeigen als Beispiele die typische Ranking-Verteilung von Blogs und deren schlechte SEO-Performance. Häufig liegt ihr Anteil Top-10-Ranking deutlich unter dem Durchschnitt von 10 Prozent. Wesentlich häufiger ranken sie auf den hinteren Seiten bei Google. Das Betrifft nicht nur Corporate Blog wie z.B. von Tchibo, Aldi-Süd, Opel, oder Neckermann. Auch bekannte und durchaus reichweitenstarke und erfolgreiche Stand-Alone-Blogs wie stadt-bremerhaven.de und ifun.de punkten nicht gut bei Suchmaschinen. Sie leben von ihren treuen Stammbesuchern.

Ranking-Verteilung Blog Tchibo

Ranking-Verteilung Blog Aldi-Süd

Ranking-Verteilung Blog Opel

Ranking-Verteilung Blog Neckermann Reisen

Ranking-Verteilung Blog stadt-bremerhafen

Ranking-Verteilung Blog ifun

Auf der SMX 2018 in München berichtete Larry Kim in seiner Keynote, dass nur ca. 3 Prozent aller Content-Kampagnen funktionieren (Einhörner), der Rest nicht (Esel). Diese Zahlen passen sehr gut zu der Ranking-Verteilung vieler Blogs. Blogs sind in der Regel kein effektives Content-Format im SEO-Kanal.

Warum besitzen Blogs so schlechte Rankings bei Google?

Wie läßt sich die schlechte SEO-Performance von Blogs erklären? Um diese Frage zu beantworten müssen wir nur einen Blick auf die 8 SEO-Kriterien zur Content-Bewertung werfen:

  1. Fokus Suchintention
  2. Lebensdauer Content
  3. Aktualisierung
  4. Umfang zufriedenstellend
  5. Qualität Content
  6. Übersichtlichkeit
  7. Mehrwert
  8. Weiterführende Links

Die SEO-Schwäche von Blogs finden wir bei den ersten drei Kriterien „Fokus Suchintention“, „Lebensdauer Content“ und „Aktualisierung“.

Fokus Suchintention

Ein typische Blogpost ist ähnlich wie ein Nachrichten-Artikel thematisch sehr spitz. Es wird z.B. über eine neue Produkteinführung geschrieben, oder ein Detail eines Themas besprochen. Diese Inhalte werden selten so konkret bei Google gesucht. Eine ganzheitliche (holistische) Behandlung eines Themas ist für einen Blogbeitrag unüblich.

Für welches Keyword sollte z.B. ein Blogpost wie „Ostern: Was essen unsere Kollegen in Russland, Rumänien und in der Schweiz?“ bei Google ranken? Für Ostern? Essen? Kollegen? Russland? Rumänien? Schweiz? Oder doch nur für „Ostern Rezepte Russland, Rumänien, Schweiz“? Danach sucht aber keiner.

Google kann das auch nicht so richtig beantworten und testet den Beitrag erfolglos für verschiedene Keywords. Aktuell besitzt er Rankings für 28 verschiedene Keywords, aber keins davon in den Top 10 auf Seite 1.

Rankings Blogpost Ostern Tchibo-Blog

Für alles diese Suchbegriffe ist der Artikel sicherlich kein guter Treffer, der ein dauerhaftes Ranking in den Top 10 bei Google verdient hätte. Der Fokus auf „Rezepte Ostern aus Russland, Rumänien und der Schweiz“ ist zufällig und einfach viel zu spitz. Es existieren praktisch keine Suchen, bei denen die Suchintention der Nutzer mit dem Inhalt des Artikels übereinstimmt. Dieses Schicksal teilen viele Blogbeiträge.

Inhalte, nach denen nicht gesucht wird, besitzen keinen großen Wert für die Google-Suche.

Lebensdauer Content

Wenn über zeitlich befristete Aktionen wie z.B. Gewinnspiele und Rabattaktionen, Trends des aktuellen Jahres, oder auch News gebloggt wird, veralten die Inhalte schnell. Für eine kurzen Zeitraum besitzt der Blogpost möglicherweise viel Mehrwert. Im Zeitablauf geht der Mehrwert jedoch verloren. Der Beitrag ist dann kein guter Treffer mehr.

Stabile Rankings lassen sich daher eher mit Evergreen-Content erreichen. Tagesaktuelle Inhalte verschwinden hingegen schnell wieder auf die hinteren Seiten bei Google.

Charakteristisch für Blogpost ist ein Datum am Anfang des Posts. Auch die bei Blogs üblichen Kommentare enthalten ein Datum. Das Datum läßt den Beitrag im Zeitablauf immer älter aussehen. Abhängig vom Thema entsteht dann schnell der Eindruck, dass die Inhalte nicht mehr aktuell und zutreffend sind. Das unterscheidet Blogs stark von vielen anderen Content-Formaten.

Such man beispielsweise nach „handytarif günstig“ oder „trends frisuren“, wie lange würde man bei der Anzeige des Veröffentlichungsdatums dem Inhalt eines Beitrages vertrauen, dass er noch aktuell ist? Damit kommen wir direkt zur nächsten Schwäche von Blog, der Aktualisierung.

Aktualisierung

Üblicherweise wird ein Blogpost nicht mehr aktualisiert, nachdem er veröffentlicht wurde. Anstatt den Beitrag fortlaufend zu pflegen, zu aktualisieren und zu ergänzen, werden weitere Blogposts zum gleichen Thema mit aktuellen Informationen geschrieben.

Aus der SEO-Sicht führt das zu mehreren Problemen. Die einzelnen Beiträge veralten und verlieren an Mehrwert. Gleichzeitig entstehen immer mehr Beiträge, die sich inhaltlich überlappen. Damit macht man es Google schwer, die relevante URL einer Website zu einem bestimmten Keyword zu identifizieren. Die Inhalte kannibalisieren sich.

Die fehlende Aktualisierung ist ein weiterer und sehr gravierender Unterschied von Blogs gegenüber anderen Content-Formaten.

Weitere SEO-Schwächen von Blogs

Neben den genannten Nachteilen bei den Content-Kriterien existieren weitere SEO-Schwächen von Blogs. Hier ist insbesondere die interne Verlinkung zu nennen. Im Zeitablauf wandern viele Blogposts von der Startseite immer tiefer in das Blog-Archiv. In der SEO-Analyse von Blogs stößt man so immer mal wieder auf Beiträge, welche erst nach über 20 Klicks ( 20-mal „Ältere Beiträge“ klicken) zu erreichen sind. Entsprechend wenig Linkliebe kommt bei diesen Posts an.

Da die Verlinkung einer Seite bei Google immer noch eine bedeutendes Kriterium zur Bestimmung der Wichtigkeit einer URL darstellt, kann die im Zeitablauf abnehmende interne Verlinkung ohne geeignete Gegenmaßnahmen ein echtes SEO-Problem darstellen.

Die unkomplizierte und unabhängige Möglichkeit Inhalte über einen Blog zu veröffentlichen, führt leider auch häufig dazu, dass SEO nicht mitgedacht wird. Eine Keyword-Recherche findet häufig nicht statt und die Inhalte werden nicht mit anderen Content-Formaten abgestimmt. Im Ergebnis entstehen dann nicht selten parallele Content-Inseln, anstelle eines ganzheitlichen Content-Marketings, das einer klar definierten Strategie folgt.

Netzdiagramm Content-Format Blog

Das folgende Netzdiagramm zur Content-Bewertung veranschaulicht die SEO-Schwächen des Content-Formats Blog.

Netzdiagramm Content-Format Blogs

Wir sehen die grundsätzlich geringe Ausprägung bei den Kriterien Fokus Suchintention, Lebensdauer Content und Aktualisierung. Dabei handelt es sich um eine schematische Darstellung. In Einzelfall können die Kriterien bei einem Blog selbstverständlich eine andere Ausprägung besitzen.

Keine Regel ohne Ausnahmen

Um Missverständnisse zu vermeiden, ist es wichtig zu betonen, dass wir in diesem Artikel über Content-Formate und nicht über Content-Management-Systeme (CMS) sprechen. So kann man z.B. mit einer WordPress-Installation praktisch jedes beliebige Content-Format vom Shop bis zum Blog realisieren. Ebenfalls gibt es Unterschiede in der konkreten Ausgestaltung eines Content-Formats.

So kann man auch Blogbeiträge schreiben, welche sich bei der Fokussierung an dem Bedarf der Nutzern und der Suchnachfrage orientieren, eher Evergreen-Content enthalten, auf die Anzeige des Veröffentlichungsdatums verzichten und durchaus auch aktualisiert werden. Diese erreichen dann auch eine deutlich bessere Ranking-Performance.

Die Grenze zu anderen Content-Formaten ist nicht fix, sondern fließend. Durch geeignete SEO-Techniken wie Themen- oder Tag-Seiten können, bei richtiger Anwendung, viele Schwächen von Blogs abgefedert werden.

Blogs sind für die Push-Kommunikation geeignet, nicht zur Beantwortung der Suchnachfrage

Die schlechte SEO-Performance von Blog bedeutet nicht, dass Blogs keine Daseinsberechtigung besitzen. Sie eignen sich hervorragend zur Push-Kommunikation, um z.B. News zu verbreiten, Inhalte für den Social-Media-Kanal bereitzustellen, oder als PR-Kanal. Themen, die den Nutzern noch gar nicht bekannt sind, werden folglich auch noch nicht gesucht. In diesen Fällen spielen die SEO-Nachteile von Blogs keine Rolle. Zur Beantwortung der bereits vorhandenen Suchnachfrage gibt es jedoch deutlich bessere Formate als Blogs.

Tipp: Erfolgreiches Content-Marketing beginnt mit der Format-Auswahl

Content is king, aber das Content-Format ist der Kaiser. Für eine erfolgreiche Content-Marketing-Strategie im SEO-Kanal ist die Auswahl des richtigen Content-Formats und die konkrete Ausgestaltung entscheidend. Es reicht nicht aus, einfach mal einen Blog aufzusetzen und mit dem Schreiben zu beginnen. Das ist keine strategische Herangehensweise und die Erfolgsaussichten sind äußerst gering. Blogs erreichen daher in den meisten Fällen nicht einmal eine durchschnittliche Ranking-Verteilung.

High-Performance-Content-Formate (HPCF) besitzen im Vergleich zu Blogs einen sehr hohen Anteil Rankings in den Top-10 bei Google. Sie sind das Ergebnis einer konsequenten Nutzerorientierung unter Berücksichtigung der SEO-Anforderung. Im Mittelpunkt steht der Nutzer, nicht die Ich-Botschaften des Marketings. Der Unterschied im SEO-Erfolg beträgt häufig den Faktor 5 bis 10. Während bei Blogs ein Anteil von 3 Prozent bis 10 Prozent Rankings in den Top 10 üblich ist, beträgt der Anteil von HPCF durchaus 20–80 Prozent. Dafür lohnt es sich im Vorfeld ein wenig Arbeit in die SEO-Analyse zu investieren.

Das richtige Content-Format ist abhängig von den Keyword-Gruppen, die man bedienen möchte, und der Suchintention der Nutzer, die damit verknüpft ist. Daher gibt es kein allgemeingültiges Rezept für erfolgreichen Content. Was es aber gibt, sind allgemeingültige Prozesse, um erfolgreiche Content-Formate zu entwickeln.

Wer HPCF aufbauen will, muss damit beginnen die Content-Formate erfolgreicher Wettbewerber anhand der Ranking-Verteilung zu identifizieren und analysieren. Um den Erfolg der Formate in ihrer konkreten Ausgestaltung zu verstehen, ist eine Bewertung der SEO Kriterien für den Content, das Framework und die Snippets extrem hilfreich. Die verlinkten Artikel sollten es jedem ermöglichen, umsetzbaren SEO-Insights für seine ganz individuelle Ausgangssituation zu erlangen.

Wenn in einer Branche noch kein Marktteilnehmer ein HPCF aufgebaut hat, lohnt sich ein Blick auf andere Branchen zu werfen. Wenn man erst einmal damit anfängt, findet man schnell Hunderte Beispiele. Viele erfolgreiche Content-Formate lassen sich problemlos auf andere Branchen und für die eigene Website übertragen. Im Zweifel ist ein Content-Format wie ein strukturiertes Glossar (alternativ Themen A-Z, FAQ, Wiki) im SEO-Kanal immer erfolgreicher als ein Blog.

Übersicht Artikel-Serie „Content-Marketing“

6. Juni 2018, 08:11

Hallo Hanns

Ich liebe diese Serie und den Blick den du damit auf das Thema Inhalt ermöglichst. Auch in diesem Post hast du wieder einmal völlig recht, wenn …

wenn man es mit der Vergangenheitsbrille betrachtet. Alle Schwächen eines Blogs können umgebogen werden. Man muss es nur wollen und auf dem Schirm haben. Ein sehr schönes Beispiel ist das Blog von sem-deutschland von Olaf Kopp. Der macht das sehr geschickt und es ist auch ein Blog. Mit über 30 % Top10 Rankings ist es ein echtes HQCF.

Aber das meintest du sicherlich als Unterschied zwischen Format und CRM?

Hanns Kronenberg
6. Juni 2018, 08:39

Hallo Marco, danke für Deinen Kommentar.

Du hast natürlich völlig Recht. Alle Schwächen eines Blogs können beseitigt werden. Auf das Thema geht der Abschnitt „Keine Regel ohne Ausnahmen“ ein. Man kann darüber diskutieren, ob das Content-Format dann noch ein Blog ist. Die Grenzen sind fließend. Am Ende ist es nur wichtig, dass man verstanden hat, welche Eigenschaften ein Content-Format besitzen muss, damit es gute Rankings erzielt. Wie man das Format dann nennt, ist eigentlich egal. Der SISTRIX-Blog hat auch über 20 % Rankings in den Top 10. Ich würde das Content-Format aber genau so wie den hervorragenden Blog von Olaf Kopp nicht mehr als typischen Blog bezeichnen. Viele Artikel gehen stark in Richtung Ratgeber, die interne Verlinkung unterschiedet sich von einem typischen Blog und es gibt viel Evergreen-Content. Es freut mich, wenn der Artikel dazu beiträgt, über die Dinge nachzudenken und zu diskutieren.

6. Juni 2018, 08:43

Das Problem wird dabei für viele das allgemeine Verständnis und die Titulierung sein. Bei Olaf steht Blog und bei euch auch. Also denken die Leute, dass es ein Blog ist ;-). Aber das ist das Problem der Ahnungslosen, hihi.

Hanns Kronenberg
6. Juni 2018, 09:01

Genau solche Diskussionen helfen, dass die Leute anfangen, über Content-Formate und deren konkrete Ausgestaltung nachzudenken. Und „Schwups“, gibt es schon wieder ein paar Ahnungslose weniger.

6. Juni 2018, 23:03

Eine sehr interessanter Artikel. Noch interessanter wäre aber was für Seo heutzutage geiegnet ist? Vor allem für Onlineshops.

7. Juni 2018, 20:07

Spannendes Thema und wirklich ein guter Denkanstoß für viele. Ich findende auch Blogs müssen sich genau so weiterentwickeln wie der Rest vom Netz. Wenn ich meine Website wie vor 5 Jahren betreibe dann wird die ebenso unerfolgreich sein wie ein antiquierter Blog. Deshalb geht es weniger um das Format als um die Art der Umsetzung. Gute Blogs sind heute News Portale, Ratgeber, etc zugleich. Deshalb werden sie von vielen mittlerweile auch lieber Magazin genannt. Wenn für dich ein Blog das ist was es früher war ohne jegliche Weiterentwicklung dann stimme ich dir uneingeschränkt zu.

8. Juni 2018, 11:41

Hallo Hanns,

tut mir Leid, aber der Beitrag ist wirklich überflüssig. Alleine bei der Überschrift „Blogs sind für SEO ungeeignet“ zieht es mir ja schon die Fußnägel hoch. Blog sind genau so gut oder schlecht für SEO geeignet, wie nahezu jedes andere Medium auch.

Was soll beispielsweise das Tchibo-Beispiel? Da sieht man doch auf dem ersten Blick, dass da wohl kein SEO seine Finger im Spiel hatte. Hier hat sich offensichtlich nie jemand Gedanken gemacht, für was der Beitrag einmal ranken soll, dementsprechend rankt er auch nicht. Das als Unterstützung deiner These heranzuziehen, halte ich dann doch für etwas fragwürdig.

Meiner Meinung nach fasst es Marco schön zusammen „[…] wenn man es mit der Vergangenheitsbrille betrachtet […]“. Das ist auch einer deiner großen Fehler, die ich an dieser Stelle an deinem Text bemängeln möchte. Du definierst an keiner Stelle, was für dich denn überhaupt ein Blog ist. Wenn für dich ein Blog „ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal“ ist, wie es beispielsweise die Wikipedia beschreibt, dann ist es nicht verwunderlich, warum es da keine Top-10 Rankings gibt. Tagebucheinträge interessieren halt nach wenigen Tagen in der Regel auch keine Sau mehr. Meiner Meinung nach hat sich der Blogbegriff aber schon lange weiterentwickelt.

Du suggerierst in deiner Überschrift, dass das Medium Blog würde für SEO nicht funktionieren. Vergleichst dann in deinem Artikel aber das klassische Blogformat (aus den Urzeiten des Internets), das nie den Anspruch hatte, irgendwelchen SEO-Kriterien gerecht zu werden. Was soll das für einen Sinn haben (jo toller Clickbait… hat manch einer halt wohl auch noch 2018 nötig…)? Ich kann einen Blog nur aus deinen so wohl gerühmten „High-Performance-Content-Formaten“ (was ja auch nur ein Marketingsprech für richtig gute Inhalte ist) befüllen, ist es dann kein Blog mehr?

Wer ein Blog so eindimensional charakterisiert, wie du es in deinem Beitrag unterschwellig machst, der hat es natürlich auch leicht, solche Plattitüden im Netz zu verbreiten und zu untermauern.

Allerdings hätte ich das hier an dieser Stelle nicht erwartet, in diesem Sinne kann man nur hoffen, dass du auf diesen Beitrag bezogen wirklich recht behalten wirst und dieser Blog-Beitrag es nie in die Top-10 schaffen wird 😉

Ich weiß, dass in diesem Kommentar die ein oder andere Emotionalität mitschwingt. Da dein Beitrag das aber ja nahezu herausfordert, wirst du mir das hoffentlich verzeihen können. In deinen Antworten zu Marcos Kommentaren ist ja schon etwas deutlicher geworden, um was es dir hier geht. Ich bin nur der Meinung, dass so wie du es hier im Beitrag darstellst, das auch sehr missverständlich sein kann und du das eigentlich nicht nötig hast und auch definitiv besser kannst.

Beste Grüße
Christian

P.S. Du verlinkts relativ am Anfang auf eure Studien, dass 99 Prozent aller Klicks auf organische Suchtreffer auf die Positionen 1 bis 10 entfallen. Auch wenn ich jetzt aus dem Bauch heraus sagen würde, dass sich hier wahrscheinlich nicht viel geändert hat, ist die Studie immer noch aus dem Jahr 2015. Ohne Hinweis auf das Erscheinungsjahr oder einer Aktualisierung dieser, halte ich es doch für eine sehr fragliche Herangehensweise dies einfach so als Tatsache zu verkaufen. Wer HPCF so offensiv vermarktet, sollte dann vielleicht auch selbst sich das gepredigte zu Herz nehmen (und ja, ich halte HPCF auch für den absolut richtigen Ansatz).

Hanns Kronenberg
11. Juni 2018, 09:17

Hallo Christian, danke für Deinen Kommentar. Kritik ist immer willkommen. Im Abschnitt „Keine Regel ohne Ausnahmen“ wird explizit darauf hingewiesen, dass es nicht um Blogs als CMS geht, sondern um das Content-Format Blog. Das hätte ich vielleicht weiter oben platzieren sollen, damit es nicht überlesen wird. Danke für das Feedback. Das Ziel des Beitrages ist es, über Eigenschaften von Content und deren Eignung für SEO nachzudenken. Aktualisierte Daten über den Anteil Klicks auf der 1. Seite haben wir Ende 2016 noch einmal veröffentlicht. Es gab praktisch keine Änderungen. Ich habe auf den älteren Beitrag verlinkt, da es dort mehr Details zu lesen gibt. Aber Du hast recht, ich hätte zusätzlich auf die neueren Daten hinweisen können, was ich an dieser Stelle gerne nachhole.

18. Juni 2018, 14:40

Hi Hannes,

ich muss mich als leidenschaftlicher Verfechter des Bloggens für Marketingzwecke auch zu Wort melden.

Zuerst einmal, spannender Beitrag! Finde es toll, das das Thema immer wieder besprochen und diskutiert wird. Das sollte es auch.

Mit deiner Headline hast du natürlich einen emotionalen Nerv getroffen. Aufmerksamkeit und Diskussion sind damit fast schon garantiert! 😉

Ich möchte mich jedoch meinen Vorrednern anschließen. Ich habe das Gefühl, dass du das Thema noch aus Vergangenheitsbrille betrachtest. Das moderne Bloggen hat heute international sowie national eine andere Bedeutung.

Heute gehört Qualitäts-Content *in* einen Blog.

Cheers
Vladislav

19. Juni 2018, 14:51

Aus SEO-Sicht ist es wohl besser Evergreen-Landingpages anzulegen. Bloggen ist zu fragil aus SEO-Sicht. Bloggen ist zudem zeitintensiv. Besser man fokusiert auf Produkt- und Serviceseiten. Die sollten ausführlich und thematisch holistisch sein.

21. Juni 2018, 14:06

Ich sehe es ähnlich wie mein Vorredner. Mit thematisch fokussierten Landingpages und Infoseiten habe ich bisher die besseren Erfolge eingefahren als mit Blogbeiträgen. Und das obwohl sich die jeweiligen SEO-Maßnahmen gar nicht mal großartig voneinander unterscheiden.

23. Juni 2018, 11:41

Kann ich nur zustimmen. Dadurch dass die meisten Corporate-Blogs sich auf zusammenhängende Artikel konzentrieren und einzelne Artikel nicht auf einer zugehörigen Seite erfassen, ist es schwierig zerstreute Artikel in den Suchergebnissen zu erfassen. Das heißt, sie arbeiten gemeinsam gegen ihren eigenen Corporate-Blog. Grüße.