Johannes Beus
In den USA war in den letzten Tagen und Wochen eine interessante Bewegung zu beobachten: zahlreiche Artikel und Postings haben sich mit Problemen bei Google beschäftigt. Bei vielen davon ging es um ein angebliches
Qualitäts-Problem, das Google in den SERPs habe, andere haben sich mit den zahlreichen
Fehlschlägen im letzten Jahr beschäftigt und wieder andere kommentieren die fehlenden Wachstumschancen, die Google (im Gegensatz zur „
sozialer Suche“ von Facebook) habe. An so gehäufte und aus unterschiedlichen Ecken kommende Kritik an Google kann ich mich seit Gründung der Firma nicht erinnern.
Sicherlich, Google steht und stand kontinuierlich in der Kritik. Diese Kritik ist in den letzten Jahren allerdings an der Firma abgeperlt: zu perfekt waren Produkte, Ergebnisse und Zahlen. Doch bei der aktuellen Welle der Google-kritischen Veröffentlichungen scheint das etwas anders zu sein – andere Firmen haben in Googles Kernkompetenz (der Verarbeitung riesiger Datenmengen) dazugelernt und bieten häufig das objektiv bessere Produkt an. Google versucht diesen Unterschied dann mit reiner Marktmacht und den passenden Integrationen der Universal-Search wettzumachen – ein Vorgehen, das zu Recht in der Kritik steht. In Europa haben zahlreiche AdSense Publisher in den letzten Tagen ausführliche Fragebögen zum
EU-Verfahren gegen Google erhalten, in den USA schauen sich Wettbewerbsbehörden gezielt
Übernahmen wie die von ITA an. Kommen dazu dann noch länderspezifische Ressentiments wie bei uns gegen die häufig ungefragt Datenspeicherung (Street View, Analytics), so entsteht ein für Google gefährliches Meinungsgemisch. Das kann schnell dafür sorgen, dass Google in Zukunft nicht mehr als die sympathische Suchmaschine, sondern als der gierige Datensauger gesehen wird.
Wenn man böse ist, könnte man behaupten, dass Google so etwas wie ein zweites Microsoft werden könnte: Beide Unternehmen basieren fast vollständig auf ein oder zwei Erlösquellen. Bei Microsoft sind das Windows und Office, bei Google eben Adwords. Und Google hat es bisher nicht geschafft, ein richtiges zweites Standbein aufzubauen. Ganz anders Apple, der strahlende Dritte: Die erobern ein neues Geschäftsfeld nach dem anderen.